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Duisburg | Lehmbruck Museum: Ausstellungen 2020 Welche Ausstellungen zeigt das Lehmbruck Museum 2020?

Duisburg, Lehmbruck Museum, Ausstellungen 2020

Duisburg, Lehmbruck Museum, Ausstellungen 2020

Das Lehmbruck Museum zeigt 2020 zwei große Sonderausstellungen zu Lynn Chadwick „Biester der Zeit“ (ab 29.2.) und Stephan Balkenhol (ab 29.8.). Der tschechische Künstler Jiří Tichý ist mit seinen textilen Objekten ab 29. Februar zu sehen. Nevin Aladağ präsentiert ihre neuesten polyphonen Skulpturen sind phantastischen Musikinstrumente (ab 7.5.).

Noch laufende Ausstellungen:

  • Bis 26.1.2020: Eija-Liisa Ahtila. Skulptur in Zeiten des Posthumanismus
  • Bis 26.1.2020: Carsten Nicolai: „rota“
  • Bis 1.6.2020: Die Künstler der Brücke
  • Bis 1.6.2020: Wilhelm Lehmbruck: Ein Leben (vgl. Wilhelm Lehmbruck)

Welche Ausstellungen zeigt das Lehmbruck Museum 2020?

Lynn Chadwick „Biester der Zeit“ (29.2.2020–26.7.2020)

Fantasievoll, poetisch, unheimlich und fremdartig – in Lynn Chadwicks plastischem Werk (1914 – 2003) verbinden sich widersprüchliche Assoziationen zu einem stimmigen Gesamtwerk.

Die Ausstellung „Lynn Chadwick – Biester der Zeit“ würdigt die Bedeutung Lynn Chadwicks als einen der wichtigsten britischen Bildhauer der Nachkriegszeit. Mit rund 70 plastischen Werken sowie zahlreichen Zeichnungen und Grafiken zeigt sie die beeindruckende Werkentwicklung des für die britische Nachkriegsmoderne wegweisenden Künstlers.

Das Lehmbruck Museum präsentiert in einer umfassenden Retrospektive das gesamte künstlerische Schaffen des Bildhauers von den frühen 1950er Jahren bis zum Ende der 1990er Jahre. Die Ausstellung zeigt seine wichtigsten Motive in größeren Gruppen vom Werkmodell bis zur komplexen skulptural-architektonischen Form in der vollendeten Plastik. Die fantastischen Schöpfungen des Künstlers entwickeln sich aus Abstraktionen menschlicher, tierischer und architektonischer Elemente. Im Zentrum stehen seine regelrecht ikonisch gewordenen „Biester“, in denen sich existenzielle Fragen und abgründiger Humor verbinden. Chadwick traf mit seinen Skulpturen einen Nerv der Zeit: Sie verbildlichen eine vielerorts für diese Jahre beschriebene Mischung aus Zivilisationsmüdigkeit, utopistischer Fortschrittsgläubigkeit und existentieller Angst, die sich aus der unmittelbar zurückliegenden Kriegserfahrung speiste.

Die Ausstellung „Lynn Chadwick – Biester der Zeit“ wurde in Kooperation mit dem Haus am Waldsee, Berlin und dem Georg Kolbe Museum, Berlin entwickelt. Begleitend zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Verlag der Buchhandlung Walter König.

Jiří Tichý (ab 29.2.2020)

Jiří Tichýs (1924–2013) gewebte Fantasien sind bildgewaltig und überwältigend in ihrer Monumentalität. Der tschechische Künstler hat seine Werke nicht am Stück gewebt, sondern in verschiedenen Partien, die er schließlich zusammenfügte. Dafür arbeitete er an einem eigens konstruierten Hochwebstuhl manchmal Monate, manchmal Jahre lang an einem einzelnen Werk.

Die Resultate sind nicht Tapisserien im herkömmlichen Sinne, denn sie geben Flächigkeit und Rechtwinkligkeit auf. Oft sind sie kaum mehr als ein loser Zusammenhang eines Gewebes, von Lücken und Löchern durchsetzt, mit eingearbeiteten Fundstücken versehen. Sie formen sich zu spielerischen Konturen mit reliefhaften, plastischen Oberflächen, die Tichý ausdrucksstark strukturiert und rhythmisiert hat.

In Tichýs Arbeiten verbinden sich traditionelle Volkskunst, mythologische Motive, die Farbigkeit und Ausdruckskraft des Expressionismus, die Mehrdeutigkeit und Widersprüchlichkeit surrealistischer Kunst und nicht zuletzt die Ornamentik des Jugendstils und Bauhauses. Seine Werke sind figürlich, abstrakt und ornamental zugleich.

Nevin Aladağ (ab 7.5.2020)

Nevin Aladağs neuesten polyphonen Skulpturen sind phantastische Musikinstrumente: „Resonator Percussion“ und „Resonator Wind“ feiern ihre Deutschlandpremiere im Lehmbruck Museum. Die skulpturalen Collagen entstehen aus verschiedenen Instrumenten bzw. deren Mundstücken. Musikerinnen oder Musiker können parallel Trompete, Tuba, Querflöte und Panflöte oder auf Trommeln, einer Cabasa, Glocken sowie einer Agogo spielen.

Die ursprünglichen Instrumente stammen aus unterschiedlichen kulturellen und geographischen Zusammenhängen. Verschiedene kulturelle Praktiken zu untersuchen, beschreibt einen wichtigen Aspekt im Werk von Aladağ: Wie agiert Klang miteinander und wie beeinflusst sich das improvisierte Spiel der Töne gegenseitig. Sie sensibilisiert spielerisch unsere Wahrnehmung für die Bedingungen eines Zusammenseins jenseits kultureller Grenzen.

„Was beeinflusst wen wie, und ab wann beginnt eine Kakophonie.“ (Nevin Aladağ)

Aladağ wendet hier eine ähnliche Methode wie bei ihrer Serie Social Fabric an. Verschiedene Knüpftechniken und Materialien aus unterschiedlichen kulturellen Hintergründen stehen gleichwertig nebeneinander und bilden eine Teppichcollage aus ungewöhnlichen Mustern, das sie „soziale Struktur“ (Social Fabric) nennt.

Nevin Aladağ (* 1972) wurde vor allem 2017 durch ihre Teilnahme an der 57. Biennale von Venedig sowie an der documenta 14 in Athen und Kassel bekannt. Sie ist momentan eine der gefragtesten deutschen Künstlerinnen, was ihre Einzelausstellungen in der Kunsthalle Basel oder im San Francisco belegen.

Stephan Balkenhol (29.8.2020–28.2.2021)

Es gibt wohl kaum einen anderen zeitgenössischen Bildhauer, dem es gelungen ist, so prägnante und unverwechselbare plastische Werke zu schaffen, wie dem deutschen Künstler Stephan Balkenhol (* 1957). Seine ikonischen Figuren eines Mannes mit weißem Hemd und schwarzer Hose haben ihn weit über Deutschland hinaus bekannt gemacht. Balkenhol ist ein Bildhauer im klassischen Sinne: Mit Klöpfel und Beitel, Säge und Messer arbeitet er seine Skulpturen und Reliefs aus zum Teil riesigen Holzstämmen heraus. Handwerkliche Arbeitsspuren und Materialeigenschaften werden nicht verleugnet, sondern machen den besonderen Reiz seiner Skulpturen aus. Sein Thema ist und bleibt dabei vor allem die menschliche Figur.

2020 präsentiert das Lehmbruck Museum eine umfassende Werkschau Stephan Balkenhols, die in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler entsteht. Ausgehend von seinen frühen Arbeiten aus der Mitte der 1980er Jahre spannt sich die Ausstellung bis in die Gegenwart und umfasst dabei auch mehrere Arbeiten, die extra für Duisburg angefertigt werden. Zahlreiche Zeichnungen und Gipsmodelle bieten darüber hinaus Einblicke in seinen Schaffensprozess und seine künstlerische Ideenwelt.

Quelle: Lehmbruck Museum, Duisburg