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Ferdinand Georg Waldmüller: Biografie Leben, Publikationen und Ausstellungen des beliebten Biedermeiermalers

Waldmüller, Selbstporträt in jungen Jahren, Detail, 1828 (Belvedere)

Waldmüller, Selbstporträt in jungen Jahren, Detail, 1828 (Belvedere)

Ferdinand Georg Waldmüller (1793–1865) gehört zu den bemerkenswertesten und populärsten Malern Österreichs aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Der Wiener studierte an der Akademie der bildenden Künste in Wien Malerei und wurde ab 1819 als Porträtist bekannt. Ab 1830 wandte er sich auch der Landschaftsmalerei zu, wobei das sich zunehmender Beliebtheit erfreuende Salzkammergut aber auch der Wiener Prater die Motive für Waldmüllers realistische Naturschilderungen bot. Auf Reisen nach Italien (ab 1825, 1844) und Paris (1830) beschäftigte er sich mit sowohl dem südlichen Licht und antiken Ruinen (z.B. 1844 auf Sizilien) wie der Avantgarde der Malerei. Das etwa 1.200 Gemälde umfassende Werk von Ferdinand Georg Waldmüller ist aber auch für seine Genrebilder berühmt: Hierin zelebrierte er das Familienbild und die volkstümliche Religiosität des Biedermeier. In Waldmüllers Bildern allerdings nur Idyllen zu sehen, wäre zu kurz gegriffen. Detaillierte Analysen zeigen, wie sehr Waldmüller auch Gesellschaftskritik in seine „bäuerlichen Historien“ einzubauen verstand.

Mitte der 1830er Jahre war Ferdinand Georg Waldmüller in allen drei Gattungen – Porträt, Genre- und Landschaftsmalerei – höchst erfolgreich. Die höchst „fotorealistischen“ Stillleben gestaltete er angeblich nur, um Geld zu verdienen. Vehement trat er für das Freilichtstudium ein. Als er 1845 der Akademie Reformvorschläge vorschlug, die er 1846 drucken ließ, kam es zum Eklat. Der Kurator der Akademie Fürst Metternich nahm Waldmüller in Schutz. Elf Jahre später forderte Waldmüller sogar die Abschaffung der Akademie, weshalb er vom Dienst suspendiert und bei halben Bezügen pensioniert wurde.

Wenn auch kurz vor seinem Lebensende Ferdinand Georg Waldmüller hoch dekoriert wurde – er erhielt den preußischen Roten Adler-Orden III. Klasse (1861) sowie das Ritterkreuz des Franz-Joseph-Ordens (1863) – und auch seine Pension 1864 auf die Höhe des letzten Gehalts angehoben wurde, so fand er mit seiner Kunst doch nicht jene Anerkennung, die ihm heute entgegengebracht wird. Vor allem Gustav Klimt, Carl Moll und die Wiener Secessionsten entdeckten den unbeugsamen Maler des Wiener Biedermeier wieder. Ab den 1890er Jahren stieg Waldmüller zu den „Fixsternen“ der österreichischen Kunstgeschichte der Metternich’schen Ära auf. Doch sollte nicht vergessen werden, dass Waldmüllers spätes Werk, also die Gemälde der 1850er Jahre, jene außerordentliche Schilderung des Sonnenlichts zeigt, für die er als Avantgardist mit Streitschriften im Kunstdiskurs der Zeit in den argumentativen Kampf zog.

Ehefrauen und Kinder

  • Katharina (geb. Weidner, 1792–1850): erste Ehe 1814–1822 (Scheidung), zweite Ehe (1833–1834). Katharina Waldmüller war Opernsängerin und zwischen 1817 und 1846 am Kärnterntortheater engagiert, wo sie u.a. den Sesto in Mozarts Oper „Titus“ sang. 1833 Aussöhnung mit Katharina Waldmüller, kurz darauf endgültige Trennung. Katharina Waldmüller ist auf dem Biedermeier-Friedhof St. Marx bestattet.
    • Aloisia (* 1815)
    • Ferdinand (* 1817)
    • Katharina Amalia (*1819)
  • Anna (geb. Bayer, * 1826): 1851

Schüler

Schriften

  • „Das Bedürfnis eines zweckmäßigen Unterrichts in der Malerei und plastischen Kunst. Angedeutet nach eigenen Erfahrungen“, Wien 1846.
  • „Vorschläge zur Reform des Österreichisch-kaiserlichen Akademie der bildenden Kunst“, Wien 1849.
  • „Andeutung zur Belebung der vaterländischen bildenden Kunst“, Wien 1857.
  • „Imitation, Reminiscenz, Plagiat“, Wien 1857.

Weitere Beiträge zu Georg Ferdinand Waldmüller und seine Zeit

Biografie von Ferdinand Georg Waldmüller (1793–1865)

  • 1793

    Am 15. Jänner 1793 wurde Ferdinand Georg Waldmüller in der Alservorstadt in Wien geboren. Er wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf und besuchte die Schule der Piaristen.
  • 1806

    Tod des Vaters. Wunsch Maler zu werden.
  • 1807

    Waldmüller trat in die Wiener Akademie der bildenden Künste ein, wo er den Unterricht bei Hubert Maurer und Johann Baptist Lampi bis 1813 unregelmäßig besuchte. Er verdiente seinen Lebensunterhalt u. a. durch das Kolorieren von Kupferstichen.
  • 1811–1813

    Waldmüller malte Miniaturporträts in Aquarell. Er lebte u. a. in Agram (heute: Zagreb) im Haus des Grafen Gyulay. Erste Versuche in der Ölmalerei. Waldmüller lernte die Sängerin Katharina Weidner aus Wien kennen.
  • 1814

    Heirat mit Katharina Weidner. Das Paar lebte in Baden bei Wien, Brünn (heute: Brno) und Prag. Ferdinand Georg Waldmüller verdiente Geld als Kulissenmaler.
  • 1815

    Geburt der Tochter Aloisia
  • 1817

    Geburt des Sohnes Ferdinand. Katharina Waldmüller wurde an die Wiener Hofoper engagiert.
  • 1818

    Waldmüller nahm Unterricht in der Öl- und Landschaftsmalerei. Bei Johann Nepomuk Schödlberger (1779–1853) Er kopierte Gemälde in der kaiserlichen Gemäldegalerie.
  • 1819

    Geburt der Tochter Katharina Amalia. Waldmüller begann sich einen Namen als Porträtmaler zu machen.
  • 1822

    Scheidung des Paares. Waldmüller beteiligte sich mit sechs Porträts an der Wiener Akademie-Ausstellung in St. Anna.
  • 1823

    Im Auftrag des Verlags Breitkopf & Härtel schuf Waldmüller ein Porträt von Ludwig van Beethoven (zerstört im Zweiten Weltkrieg).
  • 1825

    Erste von zahlreichen Italienreisen.
  • 1827

    Auftrag Kaiser Franz I. zu porträtieren, wodurch Ferdinand Georg Waldmüller zunehmend in Kontakt mit Adelskreisen kam.
  • 1829

    Ernennung zum ersten Kustos der Gemäldegalerie der Wiener Akademie der bildenden Künste.
  • 1830

    Erste Reise nach Paris. Landschaften begannen einen breiteren Raum in Waldmüllers Schaffen einzunehmen. Seine Landschaftsmotive fand Waldmüller im Salzkammergut und im Wiener Prater.
  • 1833

    Aussöhnung mit Katharina Waldmüller, kurz darauf endgültige Trennung.
  • 1834

    Waldmüller ließ sich von Katharina ein zweites Mal scheiden.
  • 1835

    Ernennung zum akademischen Rat. Waldmüller zählte zu den angesehensten Malern Wiens. Er war als Porträt-, Landschafts- und Genremaler erfolgreich.
  • 1836

    Gemeinsam mit Joseph von Führich erstellte Waldmüller einen Katalog der Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste.
  • 1844

    Erste Reise nach Sizilien.
  • 1845/46

    Waldmüller unterbreitete der Akademie Reformvorschläge, die er 1846 drucken ließ. Es kam zum Eklat. Der Kurator der Akademie Fürst Metternich nahm Waldmüller in Schutz.
  • 1849

    Tod der Mutter Elisabeth Waldmüller.
  • 1850

    Tod von Katharina Waldmüller. Der Maler verlor aufgrund seiner Kritik das Akademieatelier.
  • 1851

    Waldmüller heiratete die 25-jährige Anna Bayer.
  • 1854

    Waldmüller stellte im Modesalon seiner Ehefrau aus und befand sich in großen finanziellen Schwierigkeiten.
  • 1855

    Beteiligung an der Weltausstellung in Paris.
  • 1856

    Ausstellung im Buckingham Palace in London, wo Waldmüllers Bilder weit unter Preis verkauft wurden.
  • 1857

    Waldmüller forderte die Abschaffung der Akademie. Er wurde vom Dienst suspendiert und bei halben Bezügen pensioniert.
  • 1861

    Beteiligung an der „Zweiten Allgemeinen Deutschen und Historischen Kunst-Ausstellung“ in Köln. Waldmüller erhielt den preußischen Roten Adler-Orden III. Klasse.
  • 1862

    Beteiligung an der „Internationalen Kunstausstellung“ in London.
  • 1863

    Waldmüller wurde das Ritterkreuz des Franz-Joseph-Ordens verliehen.
  • 1864

    Anhebung der Pension auf die Höhe des letzten Gehalts.
  • 1856

    Am 23. August 1865 starb Waldmüller im Alter von 72 Jahren in der Hinterbrühl bei Mödling. Er wurde am Matzleinsdorfer Friedhof von Wieden bestattet.
  • 1922/23

    1922 bettete man Ferdinand Georg Waldmüller auf den Zentralfriedhof um. 1923 wurde der Friedhof zum Waldmüllerpark umgestaltet und die schönsten Grabsteine in einem Eck des Areal zusammengestellt.
  • 1913

    Errichtung des Waldmüller-Denkmals von Josef Engelhart im Wiener Rathauspark.
Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.