0

James Welling Grenzenlose Fotografie

James Welling, H1 (aus der Serie Hexachromes), 2005, 94.6 x 119.4 cm © James Welling, courtesy Marian Goodman Gallery

James Welling, H1 (aus der Serie Hexachromes), 2005, 94.6 x 119.4 cm © James Welling, courtesy Marian Goodman Gallery

James Welling (* 1951) einfach als Fotografen zu bezeichnen, würde wahrlich zu kurz greifen. Der Amerikaner erforscht seit Mitte der 1970er Jahre das Medium und das Sehen. Sein in Serien entwickeltes Werk kennt keine stilistischen oder technologischen Grenzen. Die Ausstellung im Bank Austria Kunstforum präsentiert eine umfassende Auswahl an fotografischen Serien, Videos und Skulpturen, die den konzeptuellen Zugang des Fotokünstlers Welling belegen.

„Glass House“ (2006–2014) ist eine der bekanntesten Serie von James Welling. Über einen Zeitraum von neun Jahren hinweg fotografiert er mit Farbfiltern das Glass House von Philip Johnson und tauchte es in irreale Farbspektren.
Überhaupt hat es ihm der Architekt und Theoretiker angetan. Als Welling gefragt wurde, den Skulpturengarten des Museum of Modern Art zu fotografieren, sah er sich erneut einem Entwurf von Philip Johnson aus dem Jahr 1953 gegenüber. Inspiriert von historischen Aufnahmen des Gartens, in dem auch Tanzveranstaltungen stattfanden, und seinen Recherchen zu Photoshops RGB Farbkanälen schuf er digitale, abstrahiert wirkende Bilder, in denen er schwarz-weiß Aufnahmen von Tänzern (in Posen von Martha Graham und dem Ballets Russes) mit Fotografien von Gebäuden oder Bäumen überlagerte und digital einfärbte. Die „psychedelischen“ Bilder, wie er sie selbst nennt, bestehen aus drei bis vier Aufnahmen, die er in einem mehrmonatigen Prozess farbig verändert. Er möchte alle Farben von Photoshop verwenden, ja, sogar noch mehr, erzählte der Fotograf vor einigen Jahren. In Auseinandersetzung mit Werken der Avantgarde – Andrew Wyeth (beeinflusste Welling), Marcel Breuer, Merce Cunningham, Philip Johnson u.v.m. – und allen Möglichkeiten des Fotografierens von analog zu digital bis kameralos entstand seit den 1970er Jahren ein komplexes Werk, das erstmals in Österreich in einer institutionellen Ausstellung zu sehen ist.

Kuratorin: Heike Eipeldauer

Biografie von James Welling (* 1951)

1951 in Hartford, Connecticut, USA geboren.
1969–1971 Studium bei Gandy Brodie, John Stevenson, Connie Fox und Robert Tharsing an der Carnegie Mellon University in Pittsburgh.
1971 Welling wechselte zum California Institute of the Arts und setzte sein Studium bis zum Master bei Wolfgang Stoerchle und John Baldessari fort. Dort lernte er unter anderem Dan Graham, William Wegman und Joan Jonas kennen. Weitere enge Freunde bei Cal Arts waren Marcia Resnick, Suzanne Lacy, David Salle und Matt Mullican.
1995–2016 Leitung der Abteilung Fotografie an der University of California, Los Angeles
2012 Gastprofessor für Fotografie an der Princeton University
2014 erhielt den Infinity Award vom International Center of Photography, New York
2016 Welling wurde der Julius Shulman Institute Excellence Preis für Fotografie verliehen.

James Welling: Bilder

  • James Welling, Hands #3 (aus der Serie Hands, 1974/75), 1975 © James Welling, courtesy David Zwirner, New York/London
  • James Welling, #A259 (aus der Serie Diary of Elizabeth and James Dixon (1840/41)/Connecticut Landscapes, 1977–1986), 1978 © James Welling, courtesy David Zwirner, New York/London
  • James Welling, B91 (aus der Serie Aluminium Foil, 1980/81), 1980 © James Welling, courtesy David Zwirner, New York/London
  • James Welling, Wreckage (aus der Serie Drapes, 1981), 1981 © James Welling, courtesy Maureen Paley, London
  • James Welling, Otego, New York (aus der Serie Railroad Photographs, 1987–2000), 1990 © James Welling, courtesy David Zwirner, New York/London
  • James Welling, Ravenstein 6 (aus der Serie Light Sources, 1977–2005), 2001, 67.9 x 83.2 cm © James Welling, courtesy David Zwirner, New York/London
  • James Welling, Paris (aus der Serie Light Sources, 1977–2005), 1996, 67.9 x 83.2 cm © James Welling, courtesy David Zwirner, New York/London
  • James Welling, IRMB (aus der Serie Degrades, 1986–2006), 2002, 50.8 x 61 cm © James Welling, courtesy David Zwirner, New York/London
  • James Welling, H1 (aus der Serie Hexachromes), 2005, 94.6 x 119.4 cm © James Welling, courtesy Marian Goodman Gallery
  • James Welling, Torso 3-6 (aus der Serie Torsos, 2005–2008), 2005–2008 © James Welling, courtesy David Zwirner, New York/London
  • James Welling, G19BC (aus der Serie Fluid Dynamics, 2009–2012), 2012 © James Welling, courtesy David Zwirner, New York/London
  • James Welling, Meridian 0808 (aus der Serie Meridian, 2014), 2014 © James Welling, courtesy Regen Projects, Los Angeles
  • James Welling, Two Trees (aus der Serie Wyeth, 2010–2015), 2010, 39.1 x 59.7 cm © James Welling, courtesy David Zwirner, New York/London
  • James Welling, Olson House in Snow (aus der Serie Wyeth, 2010–2015), 2010, 39.7 x 59.7 cm © James Welling, courtesy Regen Projects, Los Angeles
  • James Welling, 0775 (aus der Serie Glass House, 2006–2014), 2006, 83.8 x 126 cm © James Welling, courtesy David Zwirner, New York/London
  • James Welling, 0154 (aus der Serie Glass House, 2006–2014), 2015 © James Welling, courtesy Regen Projects, Los Angeles
  • James Welling, 0481 (aus der Serie Oak Tree, 2012–2014), 2013 © James Welling, courtesy David Zwirner, New York/London
  • James Welling, 4176 (aus der Serie Choreograph, 2014–2017), 2015 © James Welling, courtesy David Zwirner, New York/London
  • James Welling, 0123 (aus der Serie Choreograph, 2014–2017), 2015 © James Welling, courtesy David Zwirner, New York/London
  • James Welling, Seascape, 2017, Video still © James Welling
  • James Welling, Courtesy the artist and David Zwirner, New York/London, Photo by Jason Schmidt

Weitere Beiträge zur Fotografie

26. März 2020
Helmar Lerski, Metamorphosis, 885, 1935–1936, Silbergelatinepapier (ALBERTINA, Wien)

Wien | Albertina: Faces. Die Macht des Gesichts

Ausgehend von Helmar Lerskis herausragender Fotoserie „Metamorphose - Verwandlungen durch Licht“ (1935/36) präsentiert die Ausstellung „Faces” Porträts aus der Zeit der Weimarer Republik.
26. März 2020
Stephen Shore, West Ninth Avenue, Amarillo, Texas, 2. Oktober 1974, 1974, Silberfarbstoffbleichverfahren (ALBERTINA, Wien © Stephen Shore)

Wien | Albertina: Amerikanische Fotografie

Aufnahmen der amerikanischen Weite, der Alltagskultur, sozialer Landschaften und urbaner Metropolen–die Erneuerung der amerikanischen Ikonografie nach 1945 steht im Mittelpunkt dieser Albertina-Ausstellung.
9. Februar 2020
Steve McQueen, Static 2009, Video still, © Steve McQueen. Courtesy the artist, Thomas Dane Gallery and Marian Goodman Gallery

London | Tate Modern: Steve McQueen Erste Retrospektive des britischen Filmemachers

Mit seinen kraftvollen und kompromisslosen Bildern erobert Steve McQueen im Frühjahr 2020 die Tate Modern, London.
28. Januar 2020
Cindy Sherman, Untitled Film Still #2, Detail, 1977, Silbergelatineabzug, 95,5 x 70 cm (KUNSTMUSEUM WOLFSBURG, Courtesy of the artist and Metro Pictures, New York)

Wien | Bank Austria Kunstforum: The Cindy Sherman Effect Identität und Transformation in der zeitgenössischen Kunst

Cindy Shermans Werk, beginnend mit ihren ikonischen „Untitled Film Stills“ (1977–1980), inspirierte nachfolgende Künstlergenerationen dazu, die Thematik Identität und Transformation in diversen Medien zu erkunden. Die Kamera wird als Spiegel oder Bühne für Inszenierungen des Selbst verwendet.
23. November 2019
Peter Lindbergh, Uma Thurman, New York, 2016 © Peter Lindbergh (courtesy Peter Lindbergh, Paris)

Hamburg | MKG: Peter Lindbergh „Untold Stories“ feiert Lindberghs „Neue Frau“

Peter Lindbergh war einer der einflussreichsten Modefotografen der letzten 40 Jahre. Er fotografierte Menschen so wie sie sind, natürlich und authentisch, und prägte einen völlig neuen Typus des Supermodels.
22. November 2019
Michael Horowitz, Arnold Schwarzenegger, 1975, Hahnemühle Fine Art Baryta Print (© Michael Horowitz)

Wien | Albertina: Michael Horowitz Fotoreportagen aus Wien (1966–1989)

Der Wiener Journalist, Verleger und Autor Michael Horowitz (* 1950) war bereits ab 1966 während seiner Schulzeit als Fotograf tätig. Bis Ende der 1980er Jahre fertigte er zahlreiche Reportagen und Porträts bekannter Persönlichkeiten aus dem öffentlichen Leben an.
Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.