Klara Lidén

Wer ist Klara Lidén?

Klara Lidén wurde 1979 in Stockholm geboren. Sie studierte von 2000 bis 2004 in Stockholm Architektur und 2003 Kunst an der Berliner Universität der Künste. Ab 2004 wechselte sie an die Konstfack, die Stockholmer Kunsthochschule, wo sie drei Jahre lang studierte. Die in Berlin ansässige Lidén arbeitet mit Installationen, Performances und Videos. Ihre wichtigste Ausstellung fand bisher 2010 in der Serpentine Gallery in London statt.

Werk

Klara Lidén hat seit 2000er ein umfangreiches Werk an Installationen, Skulpturen, Performances und Videos geschaffen. Sie reagiert damit auf die jeweilige gebaute Umgebung und reflektiert den urbanen Kontext und das dortige gesellschaftliche Miteinander. Die Abweichung von der Norm, sei dies in Bezug auf die Verwendung von Materialien, die Nutzung von (Gemeinschafts-)Raum oder Verhaltenskonventionen, und die sich dadurch eröffnenden Möglichkeiten sind der Antrieb für Lidéns künstlerisches Schaffen. Ihre Kurzfilme – Lo-fi-Videoaufnahmen in YouTube-Länge – dokumentieren die spontanen performativen Handlungen der Künstlerin an urbanen Orten. Diese stellen den anarchischen Versuch einer Wiederaneignung des heute zunehmend privatisierten Raums in städtischen Ballungsgebieten dar. Beispielsweise durch eine unangepasste Art, sich in anonymen Menschenmengen zu bewegen, andere Geschwindigkeiten anzunehmen oder durch eine überraschende Verhaltensweise.

Lidén (ver)stört mit diesen Interventionen und ihrer radikalen Energie bewusst soziale Konventionen, um Alltagshandlungen zu hinterfragen und das üblich gewordene Nebeneinander zu unterwandern. In ihrem Vorhaben, unterdrückte Aggression und potentiellen Widerstand zum Vorschein zu bringen, greift sie auf eine lange Geschichte von performativer und konzeptueller künstlerischer Praxis zurück. So dokumentiert ihr Video „Paralyzed“ von 2003, wie die Künstlerin in einem Pendlerzug provokant zu tanzen beginnt, während gut zehn Jahre später das Video „Warm up“ (2014) Lidén beim Proben mit den Ballerinas der Eremitage in St. Petersburg festhält, wie sie ungelenk und mehr schlecht als recht versucht, die eleganten Bewegungsabläufe der Profitänzerinnen zu kopieren.

Ihre skulpturalen Objekte und Installationen fertigt Lidén meist aus recycelten Materialien. Für die fortlaufende Serie der „Poster Paintings“ (seit 2007) hat sie in illegalen Aktionen die in Städten omnipräsenten Werbeflächen mit weißen Plakaten überklebt und später die aus mehreren Lagen von Werbepostern bestehenden Papierobjekte – die oberste Schicht ist dabei stets das leere Blatt – in Kunsträumen präsentiert. Die Objekte muten dabei zugleich wie post-minimalistische Gemälde und geologische Querschnitte an.

Vielfach bleiben Lidéns Aktionen, die man als kreativen Vandalismus bezeichnen könnte, zunächst anonym und im Verborgenen. Etwa ihr alternativer Gratis-Postservice, den sie mit einem gestohlenen Briefkasten im öffentlichen Raum anbot, oder eine improvisierte Zufluchtsstätte aus Abfallmaterialien, die sie mit ihrem Kollegen Adam Bergholm am Spreeufer in Berlin baute und die über eine Fallklappe für alle, die sich dort zurückziehen wollten, zugänglich war. 2010 wiederum stellte sie in der Installation „Unheimlich Manöver“ in der Serpentine Gallery in London den gesamten Inhalt ihrer Wohnung, zu einem Block – oder doch eher Blockade? – geformt, aus.

Ausstellungen

Klara Lidén hatte Einzelausstellungen u.a. im WIELS, Brüssel, Le Consortium, Dijon, der Arbeiterkammer Wien und der Galerie Neu, Berlin; Reena Spaulings, New York; Museion, Bozen und dem Irish Museum of Modern Art, Dublin; dem New Museum, New York; Moderna Museet, Stockholm; der Serpentine Gallery, London und Jeu de Paume, Paris.

2011 erhielt Klara Lidén den Sonderpreis auf der Kunstbiennale in Venedig und den Preis der Nationalgalerie für junge Kunst.

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