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Amsterdam | Rembrandt-Haus: Rembrandt und der Orient

Veröffentlicht von ARTinWORDS.de Redaktion von 15. Juni 2026
Dieses Gemälde von Rembrandt zeigt einen Mann mit Turban. hierbei handelt es sich um ein Detail des Bildes aus dem Jahr 1635, das dem Rijksmuseum, Amsterdam gehört. Der Turban ist weiß und wird mit einem goldenen Band zusammengehalten. Der bärtige Mann blickt direkt aus dem Bild und wird von links angelezuchtet. Der Huntergrund ist Dunkelbraun.

Rembrandt, Mann mit Turban, Detail, 1635 (Rijksmuseum, Amsterdam)

Das Rembrandt-Haus in Amsterdam zeigt im Herbst 2026 eine Ausstellung zu Rembrandt van Rijns Auseinandersetzung mit persischer, osmanischer und nordafrikanischer Kultur. Dabei wird auch die Frage aufkommen, wie sich der junge Rembrandt von seinem Lehrer Pieter Lastman weiterentwickelte. Vor allem, da Rembrandt in den frühen 1630er Jahren nach Amsterdam übersiedelte und dort in Kontakt mit Menschen aus dem „Orient“1 – aus Persien, dem Osmanischen Reich, aber auch aus Nordafrika – kam. Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf den Auswirkungen des direkten Kontakts mit den in Amsterdam vorhandenen Artefakten wie Turbanen und Teppichen sowie mit den Menschen aus diesen Regionen, die die Stadt zu Handelszwecken besuchten.

Turbane, Teppiche und Rembrandt
Perser, Osmanen und Nordafrikaner in der niederländischen Kunst

Niederlande | Amsterdam:
Rembrandt-Haus
15.10.2027 – 6.1.2028

Rembrandt und die Orientalen in Amsterdam

Es wird gerne erzählt, dass Rembrandt einen oder zwei Tage damit verbrachte, einen Turban für ein Gemälde zu binden. Auch wenn diese Anekdote nicht ganz zutreffend sein mag, zeigt sie doch, wie sehr Rembrandt in seiner Kunst auf orientalische Kleidungsstücke achtete. In Rembrandts Kunst stehen die fremdländischen Objekte im Zusammenhang mit der antiken Geschichte, insbesondere mit dem Alten Testament. Rembrandt versuchte, die Erzählungen so historisch genau wie möglich darzustellen. Dieses Bestreben änderte sich jedoch im Laufe seiner Karriere, ausgelöst durch den zunehmenden Kontakt des Niederländers mit den Kulturen des Ostens. Vor allem Persien und das Osmanische Reich, aber auch Nordafrika rückten im Laufe des 17. Jahrhunderts näher – durch Gegenstände und sogar durch Besucher:innen aus diesen Ländern.

Pieter Lastman, Der Triumph des Mordechai, 1624 (Rembrandt Haus Museum, Dauerleihgabe des Rijksdienst voor Cultureel Erfgoed)
Pieter Lastman, Der Triumph des Mordechai, 1624 (Rembrandt Haus Museum, Dauerleihgabe des Rijksdienst voor Cultureel Erfgoed)

Rembrandt, Der Triumph des Mordechai, um 1641 (Rembrandt Haus Museum)
Rembrandt, Der Triumph des Mordechai, um 1641 (Rembrandt Haus Museum)
Rembrandt, Abraham, die Engel bewirtend, 1656 (Graphische Sammlung, Wallraf-Richartz-Museum, Foto: Dieter Bongartz)
Rembrandt, Abraham, die Engel bewirtend, 1656 (Graphische Sammlung, Wallraf-Richartz-Museum, Foto: Dieter Bongartz)

Welche „Orientalen“ lebten zur Zeit Rembrandts in Amsterdam?

Die Präsentation in Amsterdam stützt sich auf neue Forschungsergebnisse von Nadia Bouras sowie auf Archivrecherchen von Mark Ponte vom Amsterdamer Stadtarchiv. Bouras widmete sich in den letzten Jahren der Migration aus Nordafrika, die eng mit dem Handel verbunden war. Ponte hingegen findet Informationen zu Personen aus dem „Orient“, die sich zu Rembrandts Zeiten in der Stadt aufhielten, hier heirateten, hier Kinder taufen ließen.

Die Kenntnis zum Aufenthalt von Menschen aus dem „Orient“ erhellen die aktuelle Interpretation von Zeichnungen und Gemälden Rembrandts, seiner Freunde und Schüler sowie anderer zeitgenössischer Künstler, auf denen „orientalisch“ aussehende Figuren scheinbar nach dem Leben gezeichnet sind. Die Werke zeigen ein breites Spektrum unterschiedlicher Kostüme und Variationen in Haltung und Interaktion, die Teil der Beobachtung verschiedener, unbekannter Kulturen sind. Darüber hinaus belegen sie Rembrandt und seine Schüler bei der Beobachtung bestehender Beziehungen zwischen türkischen und persischen Kaufleuten zu Beamten sowie zwischen jüdischen und armenischen Kaufleuten, die als Vermittler fungierten.

 

Rembrandts Naturalismus

Generell setzte sich Rembrandt für die Beobachtung aus dem Leben ein und strebte nach Wahrhaftigkeit bei der Aufzeichnung selbst spontaner und flüchtiger Aspekte des Verhaltens. Seine Zeichnungen und die seiner Umgebung zeigen eine scharfe Beobachtungsgabe und Analysefähigkeit, auch in Bezug auf Unterschiede, Komplexität und Interaktionsmuster. Sie scheinen einzigartige Aufzeichnungen des Kontakts mit diesen Kulturen zu diesem Zeitpunkt zu sein. Rembrandts Werke gehen weit über die Notwendigkeit hinaus, biblische Geschichten korrekt darzustellen. Sie spiegeln vielmehr sein allgemeines Studium der Gesellschaft, in der er lebte, aber auch kulturelle Unterschiede zwischen den Gruppen.

 

Orientalische Teppiche

Auch andere wichtige Objekte aus islamischen Kulturen, darunter Teppiche, wurden von Rembrandt und seinen Schülern und Freunden abgebildet. Das Rembrandt-Haus stellt auf der Grundlage von Forschungsbeiträgen von Thijs Gerbrandy eine Verbindung zwischen der Darstellung persischer Teppiche auf Gemälden von Rembrandt und seinem Umfeld, seinen künstlerischen Vorbildern sowie wichtigen Handelsentwicklungen in dieser Zeit her. Oftmals konnte Rembrandt die Teppiche direkt auf den Tischen der wohlhabenden Amsterdamer studieren. Der Handel spielte eine wichtige Rolle, denn er brachte Rembrandt und seine Zeitgenossen mit vielen Kulturen der Welt in Kontakt. Die Objekte dieser Kulturen in Rembrandts Kunstkammer zeugen von seinem weitreichenden Interesse und seiner Offenheit, die sich auch in seinen Kunstwerken widerspiegeln.

Die Ausstellung zeigt, wie diese Teppiche geschätzt und bewundert wurden und eine wichtige Rolle in Porträts und Genreszenen spielten. Dabei wird auch ihre unterschiedliche Bedeutung erörtert, die sich von ihrer Bedeutung in der Historienmalerei unterscheidet, aber manchmal auch mit dieser zusammenhängt.

An der Entwicklung des Ausstellungskonzepts und -inhalts waren Mitglieder verschiedener Communities der Stadt beteiligt. In einer integrierten Co-Creation-Komponente werden die Reaktionen zeitgenössischer Künstler:innen aus diesen Gemeinschaften auf das Ausstellungskonzept und die ausgestellten Werke präsentiert.

Barent Fabritius, Willem van der Helm und seine Familie, 1656 (Rijksmuseum, Amsterdam)
Barent Fabritius, Willem van der Helm und seine Familie, 1656 (Rijksmuseum, Amsterdam)
Rembrandt van Rijn, Mann in orientalischer Kleidung, 1635 (Rijksmuseum, Amsterdam, Schenkung van de heer en mevrouw Kessler-Hülsmann, Kapelle op den Bosch)
Rembrandt van Rijn, Mann in orientalischer Kleidung, 1635 (Rijksmuseum, Amsterdam, Schenkung van de heer en mevrouw Kessler-Hülsmann, Kapelle op den Bosch)

Bilder

  • Rembrandt, Mann mit Turban / Mann in orientalischer Kleidung, 1635 (Rijksmuseum, Amsterdam)
  • Rembrandt, Mann mit Turban, Detail, 1635 (Rijksmuseum, Amsterdam)
  • Pieter Lastman, Der Triumph des Mordechai, 1624 (Rembrandt Haus Museum, Dauerleihgabe des Rijksdienst voor Cultureel Erfgoed)
  • Rembrandt, Der Triumph des Mordechai, um 1641 (Rembrandt Haus Museum)
  • Rembrandt, Abraham, die Engel bewirtend, 1656 (Graphische Sammlung, Wallraf-Richartz-Museum, Foto: Dieter Bongartz)
  • Rembrandt, Der Perser, 1632 (Rembrandt Haus Museum, Amsterdam)
  • Rembrandt, Zwei Afrikaner, um 1656 (Mauritshuis Den Haag)
  • Barent Fabritius, Willem van der Helm und seine Familie, 1656 (Rijksmuseum, Amsterdam)

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