Potsdam | Museum Barberini: Marie Laurencin. Rollenspiel

Maria Laurencin Zwei Schwestern mit Cello, Detail, 1913-1914 (Musée Marie Laurencin, Tokio)
Marie Laurencin entwickelte inmitten der kubistischen Avantgarde ihre unverwechselbare Bildsprache zwischen Pastellfarben und bewusst inszenierter Weiblichkeit (→ Mehr zur Künstlerin Marie Laurencin, ihre Werke und ihr Leben). Vom 24. Juli bis 24. Oktober 2027 zeigt das Museum Barberini unter dem Titel „Rollenspiel“ neue Perspektiven auf eine lange unterschätzte Künstlerin der Moderne. Potsdam überrascht mit zahlreichen Leihgaben aus Japan, die erstmals in Deutschland zu sehen sind.
Marie Laurencin. Rollenspiel
Deutschland | Potsdam: Museum Barberini
24.7. – 24.10.2027
Marie Laurencin in Potsdam (2027)
Paris in den 1920er Jahren: Cafés, Ateliers und Salons wurden zu Laboratorien der Moderne. Inmitten dieser kulturellen Aufbruchsstimmung entwickelte Marie Laurencin ihre unverwechselbare Bildsprache — zart und kühn zugleich, zwischen Pastellfarben, poetischer Abstraktion und bewusst inszenierter Weiblichkeit. Im Umfeld der Kubisten und im Austausch mit Persönlichkeiten wie Guillaume Apollinaire, Gertrude Stein und Pablo Picasso schuf Laurencin ein Werk, das sich den Konventionen ihrer Zeit entzog. Ihre Darstellungen von Frauen kreisen um Identität, Rolle und Selbstentwurf — Themen, die bis heute erstaunlich gegenwärtig wirken. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen neue Perspektiven auf eine Künstlerin, deren Bedeutung für die Moderne lange unterschätzt wurde.
Laurencin arbeitete dabei weit über die Malerei hinaus: Für die Ballets Russes entwarf sie Bühnenbilder und Kostüme, ihre Bildsprache inspirierte führende Modehäuser, sie stellte gemeinsam mit Designern aus und gestaltete Interieurs. Zudem schrieb sie Gedichte und illustrierte Bücher. Die Potsdamer Schau enthält auch zahlreiche Leihgaben aus der Sammlung der Fondation/des ehemaligen Marie Laurencin Museum in Tokio — erstmals in Deutschland.
Marie Laurencin Stiftung in Japan
Diese Marie Laurencin Stiftung in Japan hat selbst eine bemerkenswerte Geschichte, die sich thematisch eng mit dem Symposiumsvortrag von Giovanni Casini zum internationalen Kunstmarkt verknüpfen lässt: Der japanische Sammler Masahiro Takano gründete 1983 zum 100. Geburtstag der Künstlerin ein eigenes Museum in Nagano, das zeitweise als größte Werksammlung Laurencins weltweit galt.1 Getragen von der japanischen Börsenhausse kaufte Takano 1989 bei Sotheby's „La Vie au Château“ für 1,4 Millionen US-Dollar — bis heute der Auktionsrekord der Künstlerin. Nach dem Ende der Bubble Economy schloss das Museum 2011, öffnete 2017 kurzzeitig in Tokio neu und schloss 2019 endgültig als feste Institution; seither besteht die Sammlung als Stiftung ohne eigenes Haus fort und zeigt ihre Bestände auf Wanderausstellungen.2
Die Stiftung selbst beziffert ihren Bestand auf über 600 Werke — Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen, Druckgrafik und illustrierte Bücher, die Laurencins gesamtes Schaffen abdecken. Im Stiftungsrat sitzen unter anderem Thierry Dana, ehemaliger französischer Botschafter in Japan, und Daniel Marchesseau, Ehrendirektor des Musée de la Vie Romantique in Paris und Verfasser des 1986 erschienenen Catalogue raisonné der Malerei Laurencins — ein schöner Beleg dafür, wie klein die Fachwelt zu dieser Künstlerin ist.
Ein internationales Kuratorium
Am 3. Juni 2026 richtete das Museum Barberini sein 24. Symposium aus: „Marie Laurencin. Rollenspiel“, eingeleitet von Museumsdirektorin Ortrud Westheider. Sechs Vorträge internationaler Expertinnen und Experten steckten das inhaltliche Feld der kommenden Ausstellung ab:
- Camille Morineau, Centre Pompidou, Paris, Wiederentdeckung Laurencins in ihren vielfältigen künstlerischen Kreisen
- Giovanni Casini, Università di Torino, Laurencin, Selbstinszenierung als „Weiblichkeit" und Strategie auf dem internationalen Kunstmarkt
- Emilie Bouvard, Fondation Giacometti, Paris, Laurencin im Austausch mit Schriftstellern von Apollinaire bis Colette
- Jane Pritchard, Victoria and Albert Museum, London, Laurencins Bühnenbilder und Kostüme für das Ballett
- Sterre Barentsen, Museum Barberini, Potsdam, Laurencin zwischen Malerei, Mode und Medien
- Anna Heling, Museum Barberini, Potsdam, Laurencin und die Gestaltung von Interieurs
Da die Vortragsthemen bei Barberini-Symposien erfahrungsgemäß eng mit den späteren Katalogbeiträgen korrespondieren, geben diese sechs Themen bereits eine gute Vorschau auf die voraussichtliche Gliederung der Ausstellung: Rezeptionsgeschichte, Kunstmarkt/Selbstinszenierung, literarischer Kreis, Bühne/Ballett, Mode/Medien, Interieur.
Teil einer europäischen Wanderausstellung
Potsdam ist die zweite Station einer internationalen Ausstellung, die im März 2027 im Musée du Luxembourg in Paris unter dem Titel „Sœur des poètes“ eröffnet. Eine mögliche dritte Station in London — womöglich am Victoria and Albert Museum, an dem Kuratorin Jane Pritchard tätig ist — wird derzeit diskutiert; Termine werden für Ende 2026 erwartet. Einen Überblick über alle Stationen findest du im → Marie-Laurencin-Ausstellungsüberblick 2027.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wann und wo findet die Ausstellung in Potsdam statt?
Im Museum Barberini, Potsdam, vom 24. Juli bis 24. Oktober 2027.
Worum geht es in „Rollenspiel“?
Die Ausstellung widmet sich Marie Laurencins Darstellungen von Frauen zwischen Identität, Rolle und Selbstentwurf und wirft damit neue Perspektiven auf eine lange unterschätzte Künstlerin der Moderne.
Wer kuratiert die Ausstellung?
Ein internationales Team aus Centre Pompidou, Fondation Giacometti, Victoria and Albert Museum, Universität Turin und Museum Barberini.
Welche Leihgaben zeigt die Ausstellung?
Die Potsdamer Schau präsentiert zahlreiche Werke aus der Sammlung der Fondation Marie Laurencin (ehemals Museum in Nagano, später Tokio) — erstmals in Deutschland zu sehen.
Warum wurde eine Tanz- und Theaterhistorikerin vom V&A eingeladen?
Jane Pritchard forscht am V&A zur Theatergeschichte; ihr Symposiumsvortrag widmete sich Laurencins Bühnenbildern und Kostümen für die Ballets Russes.
Ist Potsdam die einzige Station in Deutschland?
Nach aktuellem Stand ja. Vorherige Station ist Paris. Ob es noch eine anschließende Station gibt, ist nicht bekannt.
- Marie Laurencin: Artist and Muse, hg. von Douglas Hyland und Heather McPherson (Ausst.-Kat. Birmingham Museum of Art, Birmingham, Alabama, 18.3.-14.5.1989; The Dixon Gallery and Gardens, Memphis, Tennessee, 9.7.-20.8.1989), Seattle 1989, S. 15, 49.
- Fondation du musée Marie Laurencin, https://marielaurencin.jp/en/about/ (Stand: Juli 2026).
