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Wien | mumok: Heimo Zobernig Malerei als Maschine für die Produktion von Erkenntnissen

Heimo Zobernig, Ohne Titel, Detail, 2019, Acryl, Leinwand, 100 x 100 cm (Courtesy Galerie Meyer Kainer, Wien, Foto Archiv Heimo Zobernig)

Heimo Zobernig, Ohne Titel, Detail, 2019, Acryl, Leinwand, 100 x 100 cm (Courtesy Galerie Meyer Kainer, Wien, Foto Archiv Heimo Zobernig)

Malerei ist neben Skulptur, Film, Performance und Gestaltung ein zentraler Bestandteil der medienübergreifenden Kunst von Heimo Zobernig. Seit dem Beginn seiner künstlerischen Praxis in den frühen 1980er Jahren hat der Künstler ein umfangreiches malerisches Werk erarbeitet, immer auf der Grundlage des Versuchs, die Farbe wie ein „Wissenschaftler“ zu erforschen. So wird die Malerei bei Zobernig zu einer Maschine für die Produktion von Erkenntnissen.

Charakteristisch für das Vorgehen des Künstlers in diesem Zusammenhang sind Strategien der Vereinfachung, Normierung und Systematisierung durch Anwendung von festgelegten Regeln sowie die künstlerische Aneignung von industriellen Normen und weit verbreiteten Mustern (wie etwa TV-Testbildern).

Nachdem im mumok im Winter 2002/2003 die von Beginn an konsequente und zugleich äußerst facettenreiche Entwicklung des international derzeit wohl renommiertesten österreichischen Künstlers in einer großen Ausstellung präsentiert wurde, wird nun in einer von Zobernig konzipierten Ausstellungsarchitektur anhand von ausgewähltem Werkblöcken der letzten Jahre der Schwerpunkt auf Malerei gelegt. Mit der Displayarchitektur wird Zobernig dabei auf die klassisch-modernistische Architektur des Sonsbeek-Pavillon Bezug nehmen, welchen der Niederländer Gerrit Thomas Rietveld 1955 für eine Skulpturenausstellung in Arnheim realisierte.

Bereits Mitte der 1980er Jahre entstandenen Frühwerk von Heimo Zobernig ist ein erweiterter Malereibegriff deutlich erkennbar, als der Künstler sowohl Gemälde mit abstrakten geometrischen Formen als auch erste, mit monochromer Kunstharzfarbe bemalte plastische Arbeiten aus Karton produzierte. Mitte der 1990er Jahre bringt Zobernig das Übertragungsprinzip erneut ins Spiel, indem er sogenannte Chroma-Key-Farben aus der Videotechnik (Bluebox-Blau, Videoblau, Videorot und Videogrün) in den Bereich der Malerei transferiert. Obwohl in den verschiedenen Werkphasen generell Bezugnahmen auf die Traditionen und Spielarten der Avantgarde (Monochromie und Raster, Minimalismus, Farbfeldmalerei, gestische und geometrische Abstraktion oder Schriftbilder) angedeutet oder angeboten werden, sind die Gegenwartskultur und ihre technischen visuellen Medien als wichtiger Einflusspol erkennbar. Unter dem nachhaltigen Eindruck, den der Besuch einer Ausstellung von Pablo Picasso 2011 hinterlässt, wird neben den bisher verfolgten Hauptmotiven Monochromie und Raster ein drittes Motiv in Zobernigs Werk zunehmend sichtbar: das Gestische.

Das Feld der Kunst erscheint im Werk von Heimo Zobernig als großer und widersprüchlicher Forschungsgegenstand, zu dem man sich in unterschiedlicher Weise in Beziehung setzen muss. Kunst wird sowohl als Demonstrationsobjekt wie Gegenstand der Analyse sichtbar. Sich selbst bezeichnete der Künstler in diesem Sinne schon früh als „Historiker“ und „Wissenschaftler“.

Quelle: mumok, Wien

Heimo Zobernig in Wien: Bilder

  • Heimo Zobernig, Ohne Titel, 2012, Acryl, Leinwand, 200 x 200 cm (Courtesy Galerie Meyer Kainer, Wien, Foto Archiv Heimo Zobernig)
  • Heimo Zobernig, Ohne Titel,2018, Acryl, Kriptonite, Gips, Polyester, Stahl, 185 x 50 x 36 cm (Courtesy Galerie Meyer Kainer, Wien, Foto Archiv Heimo Zobernig)
  • Heimo Zobernig, Ohne Titel, 2019, Acryl, Leinwand, 100 x 100 cm (Courtesy Galerie Meyer Kainer, Wien, Foto Archiv Heimo Zobernig)