Mailand | Palazzo Reale: Chaïm Soutine
Es ist kaum zu glauben, aber im Herbst 2027 (Termin muss noch bestätigt werden, Stand 22.7.2026) kann man im Palazzo Reale die erste Ausstellung zu Leben und Werk von Chaïm Soutine (1893–1943) in Italien besuchen.
Soutine zählt zu den intensivsten, emotionalsten Malern der klassischen Moderne. Arm, jüdisch in einem von Antisemitismus geprägten Pariser Umfeld, psychisch angeschlagen – die Geschichte Soutines ist ebenso bewegend wie sein Werk. Wie es in der Ankündigung des Palazzo Reale heißt, wirken seine Porträts verstörend, seine Stillleben erscheinen dem italienischen Publikum wie „ein Universum aus Blut und Qual“. Mit seinen von Schmerz geprägten, in wildem Pinselduktus ausgeführten Bildern beeinflusste Chaïm Soutine zahlreiche Künstler: allen voran Francis Bacon, aber auch Willem de Kooning und Lucian Freud beriefen sich später auf ihn.
Chaïm Soutine. Una retrospettiva [Chaïm Soutine. Eine Retrospektive]
Italien | Mailand: Palazzo Reale
Herbst 2027 (Termin muss noch bestätigt werden, Stand 22.7.2026)
Eine europäische Wiederentdeckung
Die erste Retrospektive zu Chaïm Soutine führt im Herbst 2027 eine Entwicklung weiter, die in den letzten Jahren in Mitteleuropa zu beobachten war. Seit einiger Zeit wird der Expressionist mit belarussischen Wurzeln international wiederentdeckt. 2023/24 zeigte die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen im K20 in Düsseldorf die Ausstellung „Chaïm Soutine. Gegen den Strom" (2.9.2023–14.1.2024), eine Kooperation mit dem Louisiana Museum of Modern Art in Humlebæk (Dänemark) und dem Kunstmuseum Bern. Bereits 2021/22 hatte das Musée de l'Orangerie in Paris Soutines Werk unter dem Titel „La Peinture Incarnée" in einen Dialog mit Willem de Kooning gestellt – kuratiert unter anderem von Simonetta Fraquelli, die nun auch die Mailänder Retrospektive verantwortet. Auf diese Stationen in Mitteleuropa folgt nun auch Italien.
Vom Schtetl bei Minsk in die Schule von Paris: Soutines Weg nach Paris
Im Jahr 1893 in der Provinz Minsk (heute Belarus) als zehntes von elf Kindern eines verarmten Flickschneiders in eine jüdische, kleinbürgerliche Familie geboren, wurde Soutine in den 1910er- und 1920er-Jahren Mitglied der sogenannten „Schule von Paris". Wie sein Landsmann Marc Chagall übersiedelte Soutine – im Sommer 1913, mit gerade einmal 20 Jahren – nach Paris, wo er in Kontakt mit Chagall und vor allem mit Amedeo Modigliani kam. Mit Modigliani verband ihn eine tiefe Freundschaft, die bis zu dessen frühem Tod 1920 andauerte.
Das Werk des „Zugezogenen" kreiste anfangs um Stillleben toter Tiere, danach auch um Porträts und Landschaften. Letztere entstanden vor allem während seines Aufenthalts in Südfrankreich, wohin sich Soutine und Modigliani während des Ersten Weltkriegs zurückgezogen hatten – insbesondere während seines Aufenthalts im südfranzösischen Céret (ca. 1919–1922), wo in kurzer Zeit ein außergewöhnlich produktives und stilistisch radikales Werk entstand.
Den entscheidenden Wendepunkt seiner Karriere brachte das Jahr 1923: Der amerikanische Sammler Albert C. Barnes erwarb bei einem einzigen Besuch in Paris rund 50 Gemälde Soutines und katapultierte ihn so aus bitterer Armut in die internationale Kunstwelt. Bis heute bildet die Barnes Foundation in Philadelphia neben dem Musée de l'Orangerie in Paris – mit der Sammlung Paul Guillaumes – eine der weltweit bedeutendsten Sammlungen von Soutines Werk.
Soutine starb am 9. August 1943 in Paris, nachdem er sich im besetzten Frankreich monatelang unter falschem Namen versteckt gehalten hatte und wegen einer Notoperation heimlich in die Hauptstadt zurückgebracht worden war. Er wurde zwei Tage später auf dem Friedhof Montparnasse beigesetzt; Pablo Picasso gehörte zu den wenigen Trauergästen.
Landschaften, Stillleben, Bildnisse: der Aufbau der Ausstellung
Die Ausstellung versammelt Werke von Chaim Soutine, die nach Bildgattungen strukturiert werden: Landschaften, Stillleben und Bildnisse belegen die Originalität und die Stärke von Soutines Bildsprache. Dafür blickte Soutine auf Werke der Kunstgeschichte, auf Bilder von El Greco, Diego Velázquez und Rembrandt, aber auch auf die jüngere Vergangenheit in Paris, auf Bilder von Paul Cézanne und Vincent van Gogh. Seine berühmten Bilder geschlachteter Tiere etwa knüpfen bewusst an Rembrandts „Geschlachteten Ochsen" an.
Doch nicht nur mit seiner aufgewühlten Malerei revolutionierte der Maler die Kunst, sondern auch, indem er den traditionellen Gattungen einen neuen introspektiven und kommunikativen Wert gab. Damit nahm Soutine die Debatte um den Expressionismus vorweg und bot später geborenen Künstler:innen Grund, darauf zu reagieren. Zu nennen sind hier besonders Willem de Kooning und Francis Bacon, aber auch Lucian Freud und, in seiner gestischen Radikalität, Vertreter des Action Painting wie Jackson Pollock.
Kuratiert von Simonetta Fraquelli mit Francesca Villanti. Präsentiert vom Palazzo Reale mit Arthemisia.
FAQ (für Featured Snippets / AEO)
Wann findet die Soutine-Ausstellung im Palazzo Reale statt?
Die Ausstellung ist für Herbst 2027 angekündigt; ein verbindliches Datum steht noch aus (Stand 22.7.2026).
Warum ist die Mailänder Schau besonders?
Es ist die erste Ausstellung, die in Italien Leben und Werk von Chaïm Soutine in einer Retrospektive zeigt.
Wer war Chaïm Soutine?
Chaïm Soutine (1893–1943) war ein aus dem heutigen Belarus stammender Maler der „Schule von Paris" und einer der einflussreichsten Vertreter des Expressionismus in der klassischen Moderne. Er ist bekannt für seine expressiven Porträts, Landschaften und Stillleben, vor allem seine Bilder geschlachteter Tiere.
Welche Künstler wurden von Soutine beeinflusst?
Zu den Künstlern, die sich explizit auf Soutine beriefen oder von ihm beeinflusst wurden, zählen vor allem Francis Bacon und Willem de Kooning, außerdem Lucian Freud; in seiner gestischen Malweise wird er zudem als Vorläufer des amerikanischen Action Painting gesehen.
Wer kuratiert die Ausstellung?
Die Ausstellung wird von Simonetta Fraquelli gemeinsam mit Francesca Villanti kuratiert und vom Palazzo Reale gemeinsam mit Arthemisia präsentiert.
Gab es die Ausstellung schon anderswo zu sehen?
Eine vorherige Retrospektive war 2023/24 im K20 der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf zu sehen, eine Kooperation mit dem Louisiana Museum of Modern Art (Dänemark) und dem Kunstmuseum Bern. Die Mailänder Ausstellung ist die erste eigenständige Station in Italien.
Wo kann ich Tickets kaufen?
Tickets und aktuelle Öffnungszeiten werden über die Website des Palazzo Reale (palazzorealemilano.it) und über Arthemisia bekanntgegeben, sobald der Termin final bestätigt ist.
