Marc Chagall

Wer war Marc Chagall?

Marc Chagall (Witebsk 7.7.1887–28.3.1985 Saint-Paul-de-Vence) war ein russischstämmiger Künstler in Frankreich, der der Klassischen Moderne zugerechnet werden kann (→ Klassische Moderne). Er studierte kurz in St. Petersburg und Paris, wo er sich ab 1910 aufhielt. Der malende „Poet“, wie er von seinen Künstlerfreunden am Montparnasse genannt wurde, schaffte noch vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs den internationalen Durchbruch. Nach dem Krieg und der Russischen Revolution, die er hautnah in St. Petersburg miterlebte, wurde er 1918 zum Kommissar für Kunst und Kultur der Region Witebsk, wo er eine von ihm gegründete Kunstschule leitete. Auseinandersetzungen um die „richtige“ Avantgarde führten schon bald zum Bruch mit Kasimir Malewitsch und El Lissitzky, die er an die Schule geholt hatte. Nach einiger Zeit in Moskau gelang es Marc Chagall wieder in den Westen ausreisen zu dürfen.

Hier ließ er sich erneut in Paris nieder, wo er sich der Illustrationskunst zuwandte und zunehmend international anerkannt wurde. Die Surrealisten bezeichneten Marc Chagall sogar als „Vorläufer“ ihrer Kunst. Den Gräuel des Ersten Weltkriegs entkam er durch Einladung der Vereinigten Staaten und dem MoMA. Zwischen 1941 und 1948 lebte Marc Chagall daher in New York, wo er viele Kollegen wiedertraf und sich erneut dem Bühnenbild zuwandte. Nach dem Zweiten Weltkrieg übersiedelte Marc Chagall nach Südfrankreich. Hier entstanden erstmals Keramiken und Skulpturen. Vor allem seine Bibelillustrationen und Glasfenster für katholische Kirchen machten ihn über die Grenzen der Kunstwelt berühmt. Bis heute wird die Kunst von Marc Chagall aufgrund ihrer farbenfrohen und idyllischen Motive aus dem Schtetl, dem jüdischen Ghetto bei Witebsk, geschätzt.

„Bewusst, freiwillig fantastische Kunst ist mir absolut fremd. Von diesem Standpunkt aus habe ich nichts mit Malern wie Hieronymus Bosch, Breughel dem Älteren oder Odilon Redon gemeinsam. Ihr Fantastisches ist erdacht, erwünscht, symbolisch, oft wortwörtlich, aber es ist nicht ‚wirklich‘.“1 (Marc Chagall, 1927)

Kindheit

Marc Chagall kam am 7. Juli 1887 l im jüdischen Ghetto von Witebsk (ehem. Kaiserreich Russland, heute: Weißrussland) zur Welt und wurde Moische Chazkelewitsch Schagalow genannt. Dort wuchs er mit acht Geschwistern in bescheidenen Verhältnissen auf. Die einfache Herkunft aus dem Schtetl und seine jüdische Sozialisation prägten Chagalls Kunst bis zu seinem Lebensende, obschon der Künstler ab 1910 in Paris, Berlin und später auch in New York und Südfrankreich arbeitete. In der hiesigen jüdischen Elementarschule, der sogenannten Cheder, lernte Chagall die hebräische Sprache nach Bibel-Texten, die ihm den Zugang zur christlichen Religion früh eröffneten. Mit der russischen Sprache kam er erst später in einer städtischen Schule in Kontakt.

Ausbildung

Marc Chagall studierte um 1903/04 in Witebsk bei dem Genre- und Porträtmaler Jehuda Pen, der ihn vornehmlich im Realismus unterrichtete. In seiner Klasse traf Chagall auf Viktor Mekler, der sein langjähriger Freund wurde und Chagall
in ein vermögendes, bürgerliches Milieu einführte. Gemeinsam zogen sie im Winter 1906 nach St. Petersburg, der damaligen Hauptstadt des Russischen Reichs. Wenige Jahre später lernte Chagall über Viktor Mekler seine zukünftige Ehefrau Bella Rosenfeld kennen (1909). Sie war die Tochter eines wohlhabenden Witebsker Juweliers.

Als Jude war es für Chagall schwierig, sich in St. Petersburg aufzuhalten. Um in der Stadt leben zu dürfen, benötigte er eine gesonderte Aufenthaltsgenehmigung, die Akademikern, Handwerkern und Handelsreisenden vorbehalten war. Chagall arbeitete deshalb zunächst für einen Witebsker Händler, anschließend begann er eine Ausbildung zum Schildermaler, die er nicht beendete. Zum Schein stellte ihn ein Rechtsanwalt als Hausdiener an und verhalf ihm so zu einem Aufenthaltsstatus.

Zwischen 1907 und 1908 besuchte Marc Chagall die liberalen Malschule der Kaiserlichen Gesellschaft zur Förderung der Künste in St. Petersburg (Zeichenklasse Seidenberg, Nicholas Roerich) und 1909 die von Léon Bakst geleitete, antiakademische Swansewa-Schule. Die Swansewa-Schule war für ihre künstlerische Offenheit bekannt, hier kam Chagall in Kontakt mit der
französischen Avantgarde. Von seinem Lehrer Léon Bakst lernte Chagall einen neuen Umgang mit der Farbe. Regelmäßig besuchte er die Museen von St. Petersburg und begeisterte sich für die Ikonenmalerei.

Im Jahr 1909 traf Marc Chagall Bella Rosenfeld, die er seit ihrer ersten Begegnung als seine „Braut“ bezeichnete, obwohl ihre Eltern gegen eine Verbindung der beiden waren. Marc Chagall knüpfte Kontakte zu jüdischen Intellektuellen, Sammlern und Kunstliebhabern, übersiedelte aber bereits im Herbst 1910 mit Hilfe eines Stipendiums von Maxim Winawer nach Paris.

Chagall in Paris

„Damals hatte ich erkannt, dass ich nach Paris gehen musste. Die Erde, die die Wurzeln meiner Kunst genährt hatte, war Witebsk; aber meine Kunst brauchte Paris so nötig wie ein Baum das Wasser. Ich hatte keinen anderen Grund, meine Heimat zu verlassen, und ich glaube, ihr in meiner Malerei immer treu geblieben zu sein.“ (Marc Chagall)

Ein Stipendium ermöglichte Marc Chagall im Herbst 1910 zum ersten Mal nach Paris zu reisen. In seinem Gepäck führte er alle seine Werke mit sich. Er besuchte die Akademien La Palette und La Grande Chaumière. Bereits am Beginn seines Aufenthalts lernte er die Dichter Max Jacob sowie die Maler Fernand Léger Jean Metzinger oder Louis Marcoussis, Albert G. Gleizes, Sonia Delaunay-Terk und Robert Delaunay kennen. Erstmals treten die Motive Kuh, Stier und Schaf in seinen Bildern auf.

„Während in den russischen Ateliers ein gekränktes Modell schluchzte, bei den Italienern Lieder und Gitarrenklänge ertönten, bei den Juden Diskussionen, war ich ganz allein in meinem Atelier vor meiner Petroleumlampe. […] Irgendwo weiter weg schlachtete man das Vieh, die Kühe brüllten, und ich malte sie. So durchwachte ich ganze Nächte.“2 (Marc Chagall)

Im Jahr 1911 zog der junge Maler in das Atelierhaus „La Ruche“ am Montparnasse (15. Bezirk), wo er bis 1913 lebte und seine ersten Pariser Gemälde schuf. In den rund 140 Ateliers arbeiteten unter anderem Alexander Archipenko, Fernand Léger,  Amedeo Modigliani, Moissey Kogan oder Chaim Soutine. Zudem lernte er die Schriftsteller Blaise Cendrars und Guillaume Apollinaire kennen. Von den Avantgarde-Künstlern im Künstlerhaus „La Ruche“ wurde Chagall „le poète [der Dichter]“ genannt.

In den Jahren 1912, 1913 und 1914 stellte Marc Chagall im Salon des Indépendants (1912: „Der Trinker“, „Meiner Braut gewidmet“, „Russland, den Eseln und den Anderen“ sowie „Hommage à Apollinaire“) und wenig später im Salon d’Automne aus. In den Salons, aber auch auf seinen Wanderungen durch die Museen und Galerien sah er erstmals die leuchtenden Farben des Fauvismus und die Bilder des Kubismus. Der junge Maler profitierte vom geometrisierenden Bildaufbau der Kubisten und Orphisten, studierte das Kolorist der Fauvisten, wollte sein russisches Idiom zwar abstreifen und baute den Bildschatz seiner russisch-jüdischen Wurzeln dennoch überall ein. In Chagalls Kompositionen traten 1913/14 vermehrt jüdische Motive und Pariser Stadt
ansichten auf. Seine Künstlerfreunde schätzten an Chagall besonders seinen Primitivismus. Von den Werken der Fauvisten war Chagall überwältigt und schrieb später in seiner Autobiografie „Mein Leben“:

„Keine Akademie hätte mir all dies geben können, was ich entdeckte, als ich mich in die Ausstellungen von Paris, in die Schaufenster der Galerien, in seine Museen verbiss.“

Mit seinen phantasievollen, auf jddischen Geschichten sowie seinen Erfahrungen im Schtetl basierenden und farbenfrohen Bildern bildete Marc Chagall eine gänzlich eigenständige Bildsprache aus.

„Chagall ist ein sehr begabter Kolorist und gibt sich allem hin, wozu seine mystische und heidnische Imagination ihn treibt: Seine Kunst ist sehr sinnlich.“3 (Guillaume Apollinaire)

Zwischen 1912 und 1914 nahm Marc Chagall an wichtigen Ausstellungen teil und feierte seinen internationalen Durchbruch. 1912 waren seine Bilder am Salon des Indépendants“ und am Salon d'Automne in Paris sowie auf der Ausstellung „Mir Iskousstva“ in St. Petersburg zu sehen. 1913 stellte Chagall auch in der von Larionov organisierten Ausstellung „La Cible“ in Moskau aus. Im gleichen Jahr lud ihn der deutsche Galerist Herwarth Walden bereits zu seinem „Ersten Deutschen Herbstsalon“ nach Berlin ein, dem 1914 Chagalls erste Einzelausstellung in Waldens Galerie „Der Sturm“ folgte: Insgesamt 40 Gemälde und 160 Zeichnungen festigten den Ruf Chagalls in Deutschland.

Vor allem Herwarth Walden förderte den jungen Avantgardisten mit seiner ersten Einzelausstellung 1914 in dessen Galerie „Der Sturm“ in Berlin. Diese geschäftliche Beziehung trübte sich nach dem Ersten Weltkrieg deutlich ein: Chagall hatte Walden etwa 150 Werke in Berlin zurückgelassen, als er im Sommer 1914 auf Familienbesuch nach Witebsk fuhr. Der Ausbruch des Kriegs verhinderte eine Rückkehr nach Paris. Als Marc Chagall 1922 mit seiner Familie endlich die UdSSR verlassen durfte, hatte Walden zwar die Werke verkauft, aber die Inflation hatte den Wert des eingenommenen Geldes gänzlich vernichtet. Daraufhin verklagte der Maler den Galeristen wegen Betrugs.

Chagall im Ersten Weltkrieg

Marc Chagalls Aufenthalt in Russland dauerte acht Jahre, von Juli 1914 bis 1922. In seinen Bildern reagierte der Maler auf seine
direkte Umgebung, Porträts von seiner Familie und anderen jüdischen Personen entstanden. Im März 1915 lud der Kunstkritiker Jakob Tugendhold Chagall ein, in Moskau an der Ausstellung „Das Jahr 1915“ im Kunstsalon Michailowa teilzunehmen. Den Ersten Weltkrieg erlebte er ab Herbst 1915 in St. Petersburg, dem nunmehrigen Petrograd. Zuvor konnte er seine Jugendliebe Bella Rosenfeld gegen den Wunsch ihrer Eltern heiraten. Ein Jahr später wurde ihre gemeinsame Tochter Ida geboren (18.5.1916).

Den Kriegsdienst leistete Marc Chagall im Petrograder Zentralbüro für Kriegswirtschaft ab und schuf realistische Schilderungen seiner Umgebung in Schwaz-Weiß. Die Revolution erlebte er direkt mit und unterstützte sie aufgrund schwieriger Lebensbedingungen, Antisemitismus und Judenverfolgung tatkräftig. Gleichzeitig schaffte er es, auch in Russland als wichtiger Künstler anerkannt zu werden, da es allgemeine Bestrebungen gab, eine neue jüdische Kunst zu etablieren. Diese Idee verfolgte auch der angesehene Sammler Jakob Kagan-Chabchay, der ein jüdisches Museum plante, für das er Arbeiten von Chagall erwarb.
Im Rahmen der Oktoberrevolution 1917 erhielt Chagall als Jude das volle Bürgerrecht. Die Familie kehrte nach Witebsk zurück.

Kunstlehranstalt in Witebsk

Chagalls Ernennung zum Kommissar für Kunst und Kultur der Region Witebsk im August 1918 führte zu einer kulturellen wie intellektuellen Hochphase in der etwas abgeschiedenen Region. Anfangs begrüßte Chagall die Revolution und ihre neuen Möglichkeiten für die Arbeiterschaft. Der Künstler begriff sich selbst als ästhetischer Lehrer und Propagandist, initiierte eine Staatliche Schule für Schöne Künste. Chagalls Bilder wie „Der Spaziergang“ (1917/18) lassen nichts von den revolutionären Unruhen erahnen, sondern schildert das privat Glück des aus mittellosen Verhältnissen stammenden Malers mit der Angetrauten. Sie schwebt wie ein Vogel über ihm, während er in seiner Rechten ein Vögelchen sanft hält (jiddisches Idiom: frai wi a foigl [Frei wie ein Vogel]). Die Verbindung mit seiner Ehefrau zeigt der Maler anhand von jiddschen aber auch russischen Metaphern, die er mit dem „Einfangen eines Traums“ zitiert.

Gleichzeitig organisierte er 1918 die Festlichkeiten anlässlich des ersten Jahrestags der Oktoberrevolution von 1917. Am 7. November 1918 malte Chagall eine grüne Kuh, um, wie er berichtete, die neue anti-akademische und anti-realistische, revolutionäre Kunst zu demonstrieren. Seine Studenten kopierten die Kuh und hängte die Kuh-Bilder überall in der Stadt auf. Ob die Geschichte wahr ist oder ein Mythos, ist umstritten. Doch nutzten sowohl Chagall als auch sein erster Biograf Efros die Erzählung, um das Unverständnis der kommunistischen Führung anzuprangern. Diese hätten gefragt, warum die Kuh grün wäre, und was die Aktion mit Marx und Lenin zu tun hätte. Für den Maler bedeutete die Farbe Grün vermutlich eine Herausforderung an den Realismus, wie in vielen Bildern und auch seiner späteren Arbeit für das Jüdische Kammertheater in Moskau ersichtlich ist.

Am 28. Januar 1919 eröffnete die von ihm initiierte Akademie, und im April 1919 übernahm Chagall die Leitung. Er berief einige der unkonventionellsten modernen Künstler Iwan Puni und Jehuda Pen, Mstislaw Dobuschinski, Vera Ermolaewa
Xenia Boguslawskaja, aber auch seinen „Nachbarn“ und ehemaligen Studienkollegen El Lissitzky an die Kunstschule. El Lissitzky verhalf Kasimir Malewitsch zu einer Position an der Akademie. Gegen die Parteibonzen in Witebsk argumentierte der Maler, dass revolutionäre Kunst nicht Kunst von und über das Proletariat, sondern eine Revolution in der Geschichte der Kunst (parallel zur sozialen Revolution) ginge.

Allerdings waren die Suprematisten noch radikaler als Chagall selbst. In der Folge entbrannte ein Richtungsstreit zwischen Figuration und Abstraktion, der zugunsten von Kasimir Malewitsch ausging. Als die Studenten Chagalls 1920 geschlossen zu Malewitsch wechselten, den lyrischen Stil Chagalls für altmodisch erklärten und den Künstler zur Niederlegung seines Amtes zwangen, übersiedelte dieser desillusioniert in die Hauptstadt.

Moskau

Im Sommer 1920 kam Marc Chagall mit seiner Familie in Moskau an, wo er als Zeichenlehrer jüdischer Kinder an der Kriegswaisenkolonie Malachowka in der Nähe von Moskau arbeitete. Zudem arbeitet er an der Bühnendekoration und an Kostümen für das Stück „Revisor“ von Nikolai Gogol am Revolutionären Satirischen Theater. Aufgrund der Schließung des Theaters wurde das Stück nicht aufgeführt. Dennoch blieb er dem Theater treu und gestaltete die Bühnenbilder für das Jiddische Kammertheater in Moskau.

Jüdisches Kammertheater in Moskau

Im November 1920 nahm Marc Chagall das Angebot des Staatlichen Jüdischen Kammertheaters an, für drei kurze Stücke von Scholem Alejchem die Hintergrunddekorationen für die Bühnenwand zu malen. Abram Efros, der künstlerische Leiter des Theaters, war auch Kunstkritiker und 1918 an der ersten Monografie über Marc Chagall beteiligt gewesen.4 Er überzeugte den Regisseur Alexej Granowsky, Chagall mit der Aufgabe zu betrauen.

Das Jüdische Kammertheater war in der verstaatlichten, dreistöckigen Villa des jüdischen Geschäftsmanns L. I. Gurewitsch einquartiert worden. Der zweiten Stock der Villa wurde unter Einbeziehung einer großen Eingangshalle in einen Zuschauerraum mit 90 Sitzplätzen umgebaut. Die anschließende Küche diente als Bühne. Marc Chagall konnte den gesamten Zuschauerraum mit seinen großformatigen Bildern füllen. Innerhalb von 40 Tagen malte er ein acht Meter langes Bild mit dem Titel „Einführung in das Jüdische Theater“ für die linke Wand des Theaters. Gegenüber hatte der Raum drei große Fenster. Marc Chagall konzipierte für diese Seite vier große Bilder, in denen er die vier Künste - Musik, Tanz, Theater und Literatur - vorstellte. Darüber stellte er auf einem langen, schmalen Streifen „Das Hochzeitsmahl“ dar. „Das Hochzeitsmahl“ verbindet die vier Künstle und bezieht sich auf Scholem Aljechems Einakter „Masel-Tow“. An der Eingangswand - gegenüber der Bühne - positionierte Marc Chagall das Bild „Liebe auf der Bühne. Zudem entwarf Marc Chagall die Möbel, und die Vorhänge; er gestaltete die Kostüme und bemalte die Gesichter der Schauspieler*innen mit farbigen Tupfen und winzigen Zeichnungen. Da Marc Chagall das Gesamtkonzept des Theaters realisierte, erhielt der Raum bald den Spitznamen „Chagalls Schachtel“.

„Die besten Stellen waren die, an denen Granowsky sein System der 'Punkte' einsetzte, und die Schauspieler von Moment zu Moment in ihrer Bewegung und Geste erstarrten. Die dramaturgische Linie verwandelte sich in eine Gesamtheit von Punkten. Der Gesamteindruck beim Zuschauer war unter diesen Bedingungen natürlich vollkommen. Wenn sich der Vorhang öffnete, wiederholte das Bühenbild mit den Schauspielern lediglich Chagalls Panneau an den Wänden. Die Natur des Ganzen war jedoch derartig untheatralisch, dass ganz von selbst die Frage aufkam, warum überhaupt das Licht im Saal gelöscht wurde, und warum diese Chagallwesen auf der Bühne sich bewegen und sprechen, statt schweigend und unbeweglich dazustehen wie auf seinen Bildern.“5

Mit Einführung in das Jüdische Theater“ erzählte Chagall die Geschichte des neuen jüdischen Theaters als seine Autobiografie. Links schildet er die Anfänge des Jüdischen Arbeitertheaters in den weißen Nächten von Petrograd 1918/19. Indem er den Resiggeur und den Arbeiter mit einer Lampe und der Wand reden lässt, zeigt er - mit der Kenntnis jiddischer Redewendungen - dass beide sich vergeblich mühen. Die grüne Kuh symbolisiert die Abkehr vom Realismus. Abram Efros trägt den Maler in Arbeitskleidung zum Regisseur Granowsky. Ein schwarzer, suprematistischer Streifen durchzieht die Komposition und markiert den Übergang zur Eröffnung des Theaters. Diese wird mit Musikern in Szene gesetzt. In 54 Figuren schildert der Maler seine Überzeugungen. Immer wieder verwebt Chagall seine Lebensgeschichte mit dem neuen Theater, der neuen Kulturform und argumentiert für die figurative, symbolisch aufgeladene Malerei.So findet sich ein Diener mit den Gesichtszügen von El Lissitzky (d.h. der muss noch viel lernen) im Fries und Malewitschs berühmtes Gemälde „Schwarzes Quadrat“ in „Musik“ zitiert.

Der Fries endet in der rechten unteren Ecke mit dem Familienhaus in Lyosno, wo Chagalls Großvater auf das Dach stieg und süßen Karrotteneintopf [tsimes] aß. Das entspricht dem jiddischen Idiom meschugener, arop fun dach [verrückter Mann [d.h. kreatives Genie), komm vom Dach herunter]. Chagall zeigt in seiner Kunst so häufig Männer auf Dächern (z.B. Geiger), dass sie prototypisch für seine Bildwelt stehen können.

Chagall arbeitete an Ausstattungen für Nikolai W. Gogols Der Revisor. Da sich der Künstler in der Sowjetunion immer mehr der Zensur ausgesetzt fühlte, verließ er Russland 1922, um nach Deutschland und schlussendlich Frankreich zu gehen.

Entdeckung der Druckgrafik

1922 gelang Marc Chagal mit seiner Familie die Emigration nach Berlin. Enttäuscht von dem Galeristen Herwarth Walden, strengte er einen Prozess wegen Betrugs gegen diesen an. Im Auftrag des Verlegers Paul Cassirer entwarf Chagall in Berlin sein erstes druckgrafisches Werk: die Illustrationen zu seiner Autobiografie „Ma vie [Mein Leben]“. Innerhalb nur eines Jahres eignete sich Chagall dafür alle künstlerischen Drucktechniken – Radierung, Holzschnitt, Lithografie – an. Die Grafikmappe „Ma vie“ beinhaltet schlussendlich 20 Radierungen. Auch wenn das Buch erst 1931 in der französischen Übersetzung seiner Frau Bella herausgegeben wurde, bedeutete diese Arbeit den Schritt von Marc Chagall in die Radierung, was in späteren Jahren einer der Stützen der Popularität des Künstlers werden sollte.

Zurück in Paris

Im September 1923 übersiedelte der Künstler mit seiner Familie nach Paris, wo er von den Surrealisten rund um André Breton zu einem Vorläufer ihrer Bestrebungen erkannt wurde (→ Surrealismus). In Frankreich begann Chagall sein langjähriges Werk „Der Engelsturz“, das er als „das erste Bild der Serie von Vorahnungen“6 bezeichnen würde.

Mitte der 1920er Jahre setzte Chagalls nationaler und internationaler Durchbruch ein: Die Galerie Barbazanges-Hodebert in Paris eröffnete 1923 eine Schau mit 122 Werken Chagalls. Weitere Ausstellungen wurden in Deutschland organisiert, darunter im Kölner Kunstverein sowie in der Galerie Ernst Arnold in Dresden (1925). Erstmals erfolgte 1926 in den USA eine Ausstellung, die New Yorker Galerie Reinhardt präsentiert rund 100 Werke.

Der Kunsthändler Ambroise Vollard beauftragte Chagall in den folgenden Jahren mit Illustrationen zu Nikolai W. Gogols „Tote Seelen“, La Fontaines „Fabeln“ und dem „Cirque Vollard“. So tourten Chagalls Illustrationen 1930/31 zu Jean de La Fontaines Fabeln durch die Galerien Bernheim-Jeune in Paris, Le Centaure in Brüssel und Alfred Flechtheim in Berlin. Der Künstler reiste aus diesem Anlass nach Berlin und beobachtete die zunehmend aggressive, antisemitische Stimmung in Deutschland. Mit einer Zeichnung von der Kreuzigung Jesu reagierte er auf diese Ereignisse.

Reisen und Illustrationen der Bibel

Anfang er 1930er Jahre reiste Chagall viel, darunter nach Palästina, Ägypten und in den Libanon, in die Niederlande, Italien, Spanien, Großbritannien und Polen. Erste Illustrationen zu biblischen Themen entstanden 1931, erneut beauftragt durch Ambroise Vollard.

In Paris lernte Chagall Meir Dizengoff, den Mitbegründer und ersten Bürgermeister von Tel Aviv, kennen. Gemeinsam mit seiner Familie folgte er dessen Einladung 1931 zum Purimfest nach Tel Aviv und nahm an der Grundsteinlegung des Tel Aviv Museum teil. Auf seiner Reise durch Palästina malte Marc Chagall erstmals explizite Innenräume, wie die Synagogen von Safed sowie die Landschaften um Jerusalem. Das besondere Licht beeinflusste auch andere Werke, etwa seine Blumen- und Zirkusbilder.

Mitte der 1930er Jahre machten die politischen Entwicklungen vor allem in Hitler-Deutschland es auch für Chagall unmöglich, weiter in Berlin auszustellen. Er reagierte mit dem Gemälde „Einsamkeit“ auf die Machtergreifung Adolf Hitlers in Deutschland. Das Jiddische Wissenschaftliche Institut (YIVO, heute Institut für Jüdische Forschung) in Wilna lud Marc Chagall und seine Frau 1935 nach Polen ein und zeigte 116 seiner grafischen Werke.

Motiviert von den politischen Ereignissen bemühte sich Chagall um die französische Staatsbürgerschaft. Aufgrund seiner einstigen Rolle als Kunstkommissar für das Sowjetregime wurde sie zunächst verweigert und erst 1937 bewilligt. Gleichzeitig wurden seine Werke aus deutschen Museen verbannt, einige von ihnen verbrannt oder die Werke „Pourim“, „Die Prise“ und „Winter“ auf der Feme-Ausstellung „Entartete Kunst“ diffamiert. Bereits 1937 entstand das Werk „Die Revolution“, das 1940 unter dem Titel „Komposition“ bei der Eröffnungsausstellung in der „Galerie Mai“ in Paris zu sehen sein war. Chagall verstand das Bild als eine öffentliche Antikriegsmanifestation; es wurde im Hinterzimmer aufgehängt. 1938 widmete er das Gemälde „Weiße Kreuzigung“ den vom NS-Regime verfolgten Juden.

Kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs zog sich Chagall mit seiner Familie zuerst nach Saint-Dyé-sur-Loire in das Loiretal und 1940 nach Gordes in die unbesetzte Provence zurück. Chagall erwarb dort eine ehemalige katholische Mädchenschule und richtete sich ein Atelier ein. Schon im Winter des Jahres wurde er eingeladen, in die Vereinigten Staaten zu kommen. Im Mai 1941 reisten er und Bella auf Einladung des Museum of Modern Art über Marseille und Lissabon nach New York.

Marc Chagall in den USA (1941–1948)

Tochter Ida und ihr Ehemann kamen im Herbst in den USA an. Ihre Flucht ermöglichte der US-amerikanische Journalist Varian Fry, der im Auftrag des Emergency Rescue Committee (ERC) vor allem Intellektuellen bei der Ausreise in die USA half. Nach anfänglichem Zögern entschloss sich Chagall aufgrund der sich zuspitzenden politischen Situation dazu, nach Amerika überzusiedeln. Die Vichy-Regierung erließ die sogenannten Judengesetze.

New York

Zwischen Mai 1941 und 1948 lebte Marc Chagall in New York, 4 East 74th Street. Der Maler traf am 23. Juni 1941 ein, jenem Tag, an dem die deutsche Armee in Russland einmarschierte. In den USA traf er Fernand Léger, George Bernanos, André Masson, Jacques Maritain, Piet Mondrian und André Breton wieder. Pierre Matisse übernahm mit seiner New Yorker Galerie die Vertretung des inzwischen weltberühmten Künstlers. Bereits Ende November präsentierte Matisse’ Galerie 21 Werke Chagalls aus dem Zeitraum von 1910 bis 1941. Obwohl ihn die umtriebige Metropole New York zutiefst beeindruckte, würde Chagall weder die englische Sprache erlernen, noch die Stadt explizit in seinen Werken festhalten.

Aleko

Chagall erhielt vom Ballet Theater in New York den Auftrag für die Gestaltung der vier Bühnenbilder und Kostüme für die Ballettinszenierung „Aleko“ mit Musik von Tschaikowsky und einer Choreografie von Léonide Massine. Die Geschichte basiert auf dem Gedicht „Die Zigeuner“ (1825/27) von Alexander Puschkin. Für Massine und Chagall bedeutete die Arbeit an dem Projekt eine Auseinandersetzung mit ihrem gemeinsamen Herkunftsland. Da die Uraufführung im Palacio de Bellas Artes in Mexiko City geplant war, koordinierten Marc und Bella Chagall die Realisierung des Projekts vor Ort. In Mexiko fand er eine Arbeitsumgebung, die ihn an seine Heimat Witebsk zurückerinnerte. Die Inszenierung feierte am 8. September 1942 Premiere und wurde ein großer Erfolg.

Bellas Tod

Der überraschende Tod von Bella am 2. September 1944 infolge einer Virusinfektion stürzte Marc Chagall in tiefe Depression; neun Monate konnte der Künstler überhaupt nicht arbeiten. Im Frühjahr 1945 zerschnitt Marc Chagall das Werk „Die Zirkusleute“ in zwei Teile. Die linke Hälfte verarbeitete er zu dem Werk „Um sie herum“, aus der rechten Hälfte entstand „Die Lichter der Hochzeit“. Beide Gemälde setzen sich mit dem Tod seiner Frau und der Zerstörung der ostjüdischen Welt durch den Krieg auseinander. Danach schuf er Wandgemälde, Skulpturen und Ballettausstattungen.

Ballett und Retrospektiven

In Sag Harbor auf Long Island mietete Chagall ein Haus. Dort entwarf er für die Inszenierung des Balletts „Der Feuervogel“ von Igor Strawinsky nach einer Choreografie von Adolph Bolm drei Szenenbilder, 80 Kostüme und einen Bühnenvorhang. Seine Tochter übernahm die Leitung der Herstellung der Kostüme. Die Uraufführung fand am 24. Oktober 1945 in der Metropolitan Opera in New York statt.

Chagall lernte Virginia Haggard, eine junge französisch sprechende Engländerin, kennen. Am 22. Juni 1946 wurde ihr gemeinsamer Sohn David geboren.

Die erste große Retrospektive mit 144 Werken Chagalls wurde 1946 vom Museum of Modern Art in New York, organisiert von James Johnson Sweeney, und dem Art Institute in Chicago gezeigt. Im Mai reiste Chagall nach Paris und nahm Kontakt zu dem Kunstsammler Louis Stern auf. Im Herbst kehrte er nach High Falls zurück. Dort arbeitete er an den Gouachen für „Tausendundeine Nacht“. Für eine große Ausstellung im Musée National d’Art Moderne in Paris, die ins Stedelijk in Amsterdam, die Tate Gallery in London, ins Kunsthaus Zürich und die Kunsthalle in Bern weiterwanderte, kehrte Marc Chagall 1947 nach Paris zurück.

Marc Chagall: Bibelillustrationen

Marc Chagall ließ sich 1948 in Orgeval bei Paris nieder. Zusammen mit Virginia Haggard wohnte Chagall in der Nähe von Saint-Germain-en-Laye in einem Haus mit Garten (1951 trennte sich das Paar). Noch im gleichen Jahr erhielt er den Ersten Graphik-Preis der 25. Biennale von Venedig und lernte Aimé Maeght kennen. Dieser wurde sein Kunsthändler und inspirierte den Künstler wohl nach Südfrankreich zu übersiedeln. Chagall reiste 1949 zum Kunstkritiker und Verleger Tériade nach Saint-Jean-Cap-Ferrat, dieser beauftragte ihn mit der Illustration des spätantiken Romans „Daphnis und Chloe“ von Longos. Chagall mietet ein Studio in Vence und begann mit ersten Keramikarbeiten.

Im Frühjahr 1950 zog der Maler in das von ihm erworbene Anwesen Les Collines in Vence. Dort vollendete er viele bereits angefangene Arbeiten, begann aber auch mit neuen und monumentalen Werken mit biblischen Inhalten. Darüber hinaus wandte sich Chagall anderen Materialien und Medien wie Wandmalereien, Glasfenstern, Mosaiken oder Tapisserien zu. An der Côte d’Azur traf der Maler Henri Matisse und Pablo Picasso, beide Künstler besaßen ebenfalls Häuser in der Umgebung. Im folgenden Jahr entstanden Chagalls erste Skulpturen (1951). 1952 lernte Chagall die aus Russland stammende Valentina „Vava“ Brodsky kennen. Die Hochzeit fand am 12. Juli statt.

Glasfenster

1952 besuchte Marc Chagall die Kathedrale von Chartres und setzte sich dort intensiv mit der Bildkomposition und Technik der Glasfensterkunst auseinander. Es folgten zahlreiche Glasfensterentwürfe:

  • Kathedrale St. Étienne in Metz (1952–1964),
  • Kirche von Assy (1957),
  • Synagoge im Hospital Hadassah in Jerusalem (1960–1962): Die vollendeten Glasfenster wurden im Musée des Arts Décoratifs in Paris und im Museum of Modern Art in New York ausgestellt.
  • Pocantico, New York,
  • das Gebäude der Vereinigten Nationen, New York,
  • das Fraumünster in Zürich (1970),
  • die Kathedrale Notre-Dame von Reims (1974),
  • Klosterkirche in Sarrebourg (1975),
  • Pfarrkirche St. Stephan in Mainz,
  • das Chicago Institut (1977–1979),
  • Kathedrale in Chichester,
  • Kirche St. Stephan in Mainz (1979–1981): Der Glasfensterzyklus „Lebensbaum“ für die St. Stephanskirche in Mainz entstand.

Wanddekorationen

In den folgenden Jahrzehnten widmete sich Marc Chagall auch wieder Arbeiten für das Theater und schuf großflächige Wanddekorationen für:

  • das Foyer der Frankfurter Oper: Der Frankfurter Kulturdezernent Karl vom Rath beauftragte Chagall 1958 mit
    dem monumentalen Gemälde Commedia dell’Arte sowie einem dazugehörigen Zyklus von 13 Skizzen für die Frankfurter Oper.
  • Deckengemälde in der Pariser Oper (1964): André Malraux beauftragte Chagall 1963 mit dem neuen Deckengemälde für die
    Opéra Garnier in Paris. Im September 1964 wurde das Werk enthüllt.
  • Dekorationen und Kostüme für die „Die Zauberflöte“ von Mozart an der Metropolitan Opera in New York (1965): Rudolf Bing, Direktor der Metropolitan Opera in New York, beauftragte Chagall mit zwei Wandmalereien sowie Bühnenbildern und Kostümen für die InszenierungDie Zauberflöte“.
  • Wandgemälde für die Metropolitan Opera in New York (1966/67),
  • Wandmosaik mit den Themen der Odyssee für die Universität in Nizza (1968),
  • Mosaiken in der Kapelle St. Rosalie in Les Arcs (1976).

Während seiner dritten Reise nach Israel 1957 wurde das Chagall-Haus in Haifa eröffnet, in Nizza befindet sich das Musée Message Biblique Marc Chagall (1973 eingeweiht).

Tod

Am 28. März 1985 verstarb Marc Chagall im Alter von 97 Jahren in Saint-Paul-de-Vence.

Literatur zu Marc Chagall

  • Chagall bis Malewitsch die russischen Avantgarden, hg. v. Evgenija Nikolaevna Petrova und Klaus Albrecht Schröder (Ausst. Kat. Albertina, Wien, 26.2.-26.6.2016), München 2016.
  • Marc Chagall. Meisterwerke 1908-1922, hg. v. Evelyn Benesch und Ingried Brugger (Ausst.-Kat. BA-CA Kunstforum, Wien, 15.11.2006-18.2.2007), Berlin 2006.
  • Chagall in neuem Licht (Ausst.-Kat. Museum Frieder Burda, Baden-Baden), Ostfildern 2006.
  • Benjamin Harshav, Marc Chagall and his Times. A Documentary Narrative, Stanford 2004.
  • Ingo F. Walther, Rainer Metzger, Marc Chagall 1887-1985. Malerei als Poesie, Köln 1999.
  • Chagall - Bilder. Träume. Theater (Ausst.-Kat. Jüdisches Museum Wien), Wien 1994.
  • Ernst-Gerhard Güse (Hg.), Marc Chagall. Druckgraphik (Ausst.-Kat. Saarland Museum Saarbrücken), Bonn 1994.
    • Ernest W. Utheman, Die Illustrationen zu Die toten Seelen von Nikolai Gogol, S. 37–45 [mit: Marc Chagall, Die Revolution in der Kunst].
  • Marc Chagall. Die Russischen Jahre 1906-1922, hg. v. Christoph Vitali (Ausst.-Kat. Schirn Kunsthalle Frankfurt), Frankfurt a. M. 1991.
    • Ziva Amishai-Maisels, Chagalls Wandgemälde für das Staatliche Jüdische Kammertheater, S. 107-127.
  • Marc Chagall. Mein Leben - mein Traum. Berlin und Paris 1922-1940, hg. v. Susan Compton (Ausst.-Kat. Wilhelm-Hack-Museum, Ludwigshafen), München 1990.
  • Werner Haftmann, Marc Chagall, Köln 1972.
  • Franz Meyer, Marc Chagall. Leben und Werk, Köln 1961.
  • Marc Chagall, Mein Leben, aus dem Französischen übersetzt von Lothar Klünner, Stuttgart 1959.
  • Franz Meyer, Marc Chagall, Das grafische Werk, Frankfurt a. M. 1957.
  • Marc Chagall, hg. v. James Johnson Sweeney (Ausst.-Kat. Art Institute of Chicago, Museum of Modern Art, New York) New York 1946.
  • Abram Efros, Die Künste des Granowsky-Theaters, in: Iskusstvo, Bd. 4, Moskau 1928.
  • Marc Chagall, Mein Leben, Berlin 1923 [Erstausgabe].
  • Abram Efros, Jakob Tugendhold, Die Kunst Marc Chagalls, Potsdam 1921.
  • Abram Efros, Jakob Tugendhold, Iskusstvo Marka Shagala, Moskau 1918.

Beiträge zu Marc Chagall

3. Januar 2023
Amedeo Modigliani, Porträt von Dédie, Detail, 1918, Öl auf Leinwand, 92 x 60 cm (Centre Pompidou Paris, 1952 gespendet von Frau und Herrn André Lefèvre)

Berlin | Jüdisches Museum Berlin: Paris Magnétique 1905–1940 Jüdische Künstler und Künstlerinnen der Pariser Schule | 2023

Jüdische Kunstschaffende aus ganz Europa strömten nach Paris, um dort moderne Kunst zu studieren und Freiheit zu genießen. Die Schau zeichnet mit rund 120 Werken in zehn Kapiteln nach, wie migrantische, oft marginalisierte Positionen als Teil der Pariser Avantgarde das heutige Verständnis der Kunst der westlichen Moderne prägten.
3. Dezember 2022
Marc Chagall, Daphnis et Chloé, Detail, 1961 (Folkwang Museum, Essen © VG Bild-Kunst, Bonn 2022)

Essen | Folkwang Museum: Chagall, Matisse, Miró Made in Paris | 2023

Basierend auf der Sammlung des Museum Folkwang, die um internationale Leihgaben erweitert wird, präsentiert die Ausstellung herausragende Werke, darunter „Jazz“ von Henri Matisse, „La Tauromaquia“ von Pablo Picasso, „A toute épreuve“ von Joan Miró oder die Radierungen Marc Chagalls zur hebräischen Bibel.
3. November 2022
Marc Chagall, Der Engelssturz, Detail, 1923/33/47, Öl auf Leinwand (Kunstmuseum Basel, Depositum aus Privatsammlung, VG Bild-Kunst, Bonn 2019, Foto: Martin P. Bühler)

Frankfurt a. M. | Schirn: Marc Chagall Zweiter Weltkrieg, Holocaust und Hinwendung zu biblischen Themen | 2022/23

Marc Chagall gilt als Poet unter den Künstlern der Moderne. In einer großen Ausstellung beleuchtet die SCHIRN 2021 eine bislang wenig bekannte Seite seines Schaffens: Chagalls Werke der 1930er und 1940er Jahre, in denen sich seine farbenfrohe Palette verdunkelt.
29. Juni 2022
Gottfried Helnwein, Michael Jackson, Köln, 1988, Silbergelatine-Abzug (ALBERTINA, Wien)

Wien | Albertina modern: The Face. Avedon bis Newton Künstler:innen porträtieren Künstler | 2022

Zeitgenössische Porträtfotografie aus der Sammlung der Albertina, von eindringlichen Bildnisstudien berühmter Persönlichkeiten über Porträtaufnahmen von Künstler:innen in ihren Ateliers bis hin zu seriellen Arbeiten.
16. Februar 2022
André Lhote, Anlaufhafen [L‘Escale], Detail, 1913, Öl/Lw, 210 x 185 cm (Inv. AMVP 1113 © Paris Musées / Musée d’Art Moderne de Paris © André Lhote, VEGAP, Bilbao, 2022)

Bilbao | Guggenheim: Fauvismus – Kubismus – Surrealismus aus dem Musée d’Art Moderne de Paris Meisterwerke der Klassischen Moderne | 2022

Fast 70 Meisterwerke bedeutender Künstler:innen im Guggenheim Museum Bilbao präsentieren die Geschichte der Sammlung des Musée d'Art Moderne de Paris (MAM). Die Auswahl gibt gleichzeitig einen Überblick über die künstlerischen Avantgarde-Bewegungen des frühen 20. Jahrhunderts.
21. September 2021
Valentin Serow, Iwan Abramowitsch Morosow, Moskau 1910

Paris | Fondation Louis Vuitton: Morosow Sammlung Ikonen der modernen Kunst erstmals in Paris

2021 überlässt die Fondation Louis Vuitton für fünf Monate die gesamte Galerie den Meisterwerken aus der Sammlung der Brüder Michail Abramowitsch Morosow (1870–1903) und Ivan Abramowitsch Morosow (1871–1921).
27. November 2018
Marc Chagall, Le violoniste [Der Geigenspieler], Detail, 1912/13 (© Marc Chagall, c/o Pictoright Amsterdam/Chagall, Collection Stedelijk Museum Amsterdam, on loan from the Cultural Heritage Agency of the Netherlands)

Stedelijk Museum: Chagall, Picasso, Mondrian in Paris Kunst der Migranten in Paris (1900–1950)

Zwischen 1900 und 1950 lebten unzählige Künstlerinnen und Künstler mit Migrationshintergrund in Paris – darunter Marc Chagall, Pablo Picasso und Piet Mondrian. Das kulturelle Klima im kosmopolitischen Paris der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts versprach – mit Ausnahme der Kriegszeiten – Freiheit, Offenheit im Kampf gegen Nationalismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus. Das Stedelijk Museum Amsterdam erzählt eine Geschichte des Andersseins, der Verbundenheit aber auch der Suche nach einem Weg durch eine polarisierte Gesellschaft und Kunstwelt.
18. Januar 2018
Marc Chagall, Ich und das Dorf (MoMA), Ich und mein Dorf (Kunstmuseum Basel), 1911 (ProLitteris, Zürich)

Marc Chagall „Ich und das Dorf“: Bilder aus Paris und Witebsk „Die Jahre des Durchbruchs 1911–1919“ in Basel und Bilbao

„Ich und das Dorf“ führt vor, wie Marc Chagall die Avantgardeströmungen in Paris zusammenführte: kubistische Zersplitterung, fauvistische bzw. orphistische Farben, Idylle und auf dem Kopf stehende Körperteile prägen das Stilidiom des russisch-französischen Künstlers vor dem Ersten Weltkrieg. Der mittellose Kunststudent avancierte binnen vier Jahren zum aufstrebenden Talent, das international wahrgenommen wurde.
18. Januar 2018
Marc Chagall, um 1910/1911 (© Archives Marc et Ida Chagall)

Marc Chagall: Biografie Lebenslauf und Ausstellungen des russisch-französischen Malers

Marc Chagalls Lebenslauf von seinen Anfängen in Witebsk über die erste Pariser Zeit, Gründung der Kunstschule in Russland, erneute Emigration nach Frankreich 1923, Ausstellungen, Ehen, Kinder, Glasfenster und Theaterarbeiten.
4. März 2016
Konstantin Juon, Komsomolzinnen: Jugend bei Moskau, 1926, Öl auf Leinwand, 59 x 71 cm; im Hintergrund: Kazimir Malewitsch, Schwarzer Kreis, um 1923, Öl auf Leinwand, 105,5 x 106 cm (beide Sankt Petersburg, Staatliches Russisches Museum), Installationsansicht Albertina 2016, Foto: Alexandra Matzner.

Chagall bis Malewitsch. Russische Avantgarden Malerei zur Zeit der Russischen Revolution

Stilvielfalt und ideologische Kämpfe zwischen Künstlern prägten die russische Avantgarde von 1905 bis 1935: Larionow gegen den Neoklassizismus, Chagall gegen Malewitsch, Kandinsky gegen Rodtschenko, aber auch Brüche innerhalb einzelner Künstleroeuvres. Alles war möglich, bis 1932 der Sozialistische Realismus per Verordnung der Avantgarde ein Ende machte.
  1. Marc Chagall in einem Interview mit Jacques Guenne für L’Art vivant, zit. nach Benjamin Harshav, Marc Chagall and his Times. A Documentary Narrative, Stanford 2004, S. 324.
  2. Zitiert nach: Marc Chagall, Mein Leben, aus dem Französischen übersetzt von Lothar Klünner, Stuttgart 1959, S. 102.
  3. Zit. nach Erik Stephan, Marc Chagall, in: La Famme au mirroir (Ausst.-Kat. Kunsthalle Jena), Jena 2016.
  4. Abram Efros, Jakob Tugendhold, Iskusstvo Marka Shagala, Moskau 1918. dt. Ausgabe: Die Kunst Marc Chagalls, Potsdam 1921.
  5. Abram Efros, Die Künste des Granowsky-Theaters, in: Iskusstvo, Bd. 4, Moskau 1928, zit. nach: Marc Chagall. Die Russischen Jahre 1906-1922, hg. v. Christoph Vitali (Ausst.-Kat. Schirn Kunsthalle Frankfurt), Frankfurt a. M. 1991, S. 90.
  6. Marc Chagall, Chronology [Typoskript], 1946, Bibliothek des Museum of Modern Art, New York, S. 4, zit. nach Ziva Amishai-Maisels, Verehrt und Verfemt. Chagall und Deutschland, hg. von Georg Heuberger und Monika Grütters (Ausst.-Kat. Jüdisches Museum Frankfurt am Main / Max-Liebermann-Haus der Stiftung Brandenburger Tor, Berlin), München 2004, S. 124.