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Alexandre Cabanel Die Tradition des Schönen

Andreas Blühm (Hg.), Alexandre Cabanel. Die Tradition des Schönen (HIRMER Verlag).

Andreas Blühm (Hg.), Alexandre Cabanel. Die Tradition des Schönen (HIRMER Verlag).

Alexandre Cabanel (1823–1889) ist einer der bedeutendsten Maler des Zweiten Kaiserreich in Frankreich und mit seinen Historiengemälden, akademischen Porträts und Mythologien „Gegenspieler“ von Realisten wie Impressionisten. Als Inbegriff von Cabanels Schaffen gilt das Gemälde „Geburt der Venus“, das 1863 am Pariser Salon die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich zog und von Kaiser Napoleon III. für die ernome Summe von 20.000 Francs angekauft wurde. Gleichzeitig blieb Édouard Manet nur der Salon der Zurückgewiesenen, um seine „Olympia“ zu präsentieren (→ Edouard Manet und Venedig). „Alexandre Cabanel. Die Tradition des Schönen“ feiert erstmals einen der wichtigsten französischen Salonkünstler der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit 61 Werken im Wallraff-Richartz-Museum Köln.

 

Der weibliche Akt, so waren sich auch die Kunstkritiker einig, vereine Sinnlichkeit und Idealisierung, perfekte technische Ausführung und zartes Kolorit. Das Bild brachte Cabanel (1823-1889) eine Professur an der École des Beaux-Arts und die Mitgliedschaft in der Jury des Salons von 1864 ein. Damit war der als Sohn eines Tischlers in Montpellier geborene Maler mit vierzig Jahren zu einem populären und einflussreichen Künstler geworden, der von Raffael und Michelangelo ausging und mit seinen ernsten und erotischen, immer aber schicklichen Bildfindungen die Massen zu bewegen suchte.Als Vertreter der akademischen Malerei führte er das Vermächtnis von Ingres auch im Porträtfach fort. So durfte er 1865 ein Bildnis von Napoleon III. anfertigen und wurde als idealer Repräsentant der offiziellen Kunstpolitik des Zweiten Kaiserreiches angesehen. Wenn Cabanels Frauenbildnisse von der Kunstkritik als mit „müden Augen, echte Trockenblumen, lustlos und mit vornehmer Blässe“ verspottet wurden, so zeigt sich darin bereits die Konkurrenz von Gustave Courbets und Manets dem Realismus verpflichteter Kunst.

 

 

Alexandre Cabanel. Die Tradition des Schönen: Ausstellungskatalog

Der Katalog bietet mehr als eine Auflistung der gezeigten Werke, stellt er doch die erste deutschsprachige Publikation über diesen einst so gefeierten Künstler dar. Nach einer umfassenden Würdigung des Werkes durch Michel Hilaire werden den Römischen Jahren, dem Salon, der Geburt der Venus, der Beziehung zu Napoleon III., dem Porträt, dem verlorenen Paradies und der Bühne Einzelbetrachtungen gewidmet. Dieser hatte wohl auch als Kaiser der Franzosen dem französischen Porträtisten Alexandre Cabanel den Vorzug gegeben, während Kaiserin Eugénie bis in die späten 1850er Jahre hinein dem deutschen Franz Xaver Winterhalter ihr Vetrauen schenkte.

Damit gibt dieser Katalog einen guten Überblick über das Werk Cabanels, bildet nicht nur Werke aus der Ausstellung im Wallraff-Richartz-Museum Köln ab, sondern ergänzt diese Auswahl durch Fotografien von verschollenen Arbeiten und fest montierten Werken. Das Layout ist von Publikationen des späten 19. Jahrhunderts inspiriert; die farbigen Seiten präsentieren die Gemälde gleichsam wie im Pariser Salon.

Fazit: Eine traditionelle Monografie, die ein Gesamtwerk präsentiert, einzelne Schwerpunkte aufzeigt, jedoch über eine Aneinanderreihung von Werken nicht hinausführt. Dennoch lassen die pompösen Bilder in der schönen Aufmachung die Malerei dieses wichtigen Salonkünstlers wieder auferstehen.

 

 

Biografie von Alexandre Cabanel (1823–1889)

Am 27. September 1823 wurde Alexandra Cabanel in Montpellier als neuntes und jüngstes Kind des Tischlers Pierre Jean Cabanel (1777-1826) und dessen Frau Marie Anne Jean (1779-1860) geboren.
1834 Im Alter von elf Jahren Aufnahme in der École des Beaux-Arts in Montpellier. Besuch der Zeichenklasse von Charles Matet (1791-1870). Sein späterer Förderer, Alfred Bruyas (1821-1877), besuchte ebenfalls die Zeichenklasse.
1836 Erhielt auf Empfehlung von Matet ein Stipendium für ein Studium in Paris.
1838 Aufenthalt in Algerien, möglicherweise aufgrund gesundheitlicher Probleme oder als Nachfolger von Eugène Delacroix (→ Eugène Delacroix und die Malerei der Moderne) und dessen Algerien-Reise 1830.
1839 Neuerlich ein Stipendium zugesprochen bekommen. Im Dezember Abreise nach Paris.
1840 Zulassung zur Akademie am 1. Oktober. Bereits mit 16 Jahren begann Cabanel sein Studium der Malerei an der Pariser Akademie. Über seinen Lehrer François-Édouard Picot (1786-1868) war Cabanel mit der klassischen Schule Jacques-Louis Davids in Verbindung und hielt sich mit seinen ersten Bildern „Der Tod des Moses“ (1850), „Die Verherrlichung des heilige Ludwig“ (1853-1855) u. a. noch durchaus an die strengen akademischen Regeln.
1844 Für die Zulassung zum Wettbewerb um den Rom-Preis führte Cabanel das Gemälde „Cincinnatus empfängt Abgesandte des Senats, die ihn bitten, Diktator zu werden“. Am 25. Mai belegte er den sechsten Platz. Erste Einsendung in den Salon mit „Christus im Garten Gethsemane“.
1845 Mit „Verspottung Christi“ gewann Cabanel den zweiten Platz des Rom-Preises. Der Ständige Sekretär der Académie intervenierte zugunsten von Cabanel.
1846-1850 Von Januar 1846 bis Ende Dezember 1850 hielt sich Alexandre Cabanel in Rom auf, was dem Stipendium für einen fünfjährigen Aufenthalt in der Villa Medici entsprach. Er kopierte nach den Alten Meistern, vor allem Raffael, porträtierte Bruyas und sandte „Orest“ in den Salon ein.
1848 Zweiwöchiger Aufenthalt in Frascati, Einsendung „Der gefallene Engel“.
1849 Einsendung „Predigt Johannes des Täufers“ und Skizze für „Die Hinrichtung der Söhne Sauls“. Besuchte Sorrent, Capri und Pompeij. Besetzung Roms durch ein französisches Expeditionscorps und Flucht nach Florenz. Im August in Neapel.
1850 Einsendung „Tod des Moses“ (1850). Rückkehr nach Frankreich und Eröffnung eines Ateliers in Montpellier.
1851 Umzug nach Paris.
1852 Medaille zweiter Klasse für „Velléda“, der „Tod des Moses“ ein zweites Mal ausgestellt. Auftrag für den Zyklus „Zwölf Monate“ im Hôtel de Ville (12 Pendentifs und 24 Zwickelfelder) für 6.000 Francs.
1853 Fertigstellung der „Zwölf Monate“ gemeinsam mit Bénouville. Die Gemälde wurden im Brand des Gebäudes am 24. Mai 1871 zerstört, sie sind jedoch in Stichen überliefert. Der Maler Paul Delaroche (1797-1856) beauftragte Alexandre Cabanel mit „Die Verherrlichung des heilige Ludwig“ (1853-1855, Musée National du Château de Versailles et de Trianon, Depot des Musée Fabre) für die Kapelle von Schloss Vincennes. Einladungen für Empfänge u. a. von Comet de Nieuwekerke.
1854 „Ludwig XIII. und Richelieu“ (Palais du Luxembourg, Paris) für den Senat.
1855 Auf der Weltausstellung präsentierte Cabanel „Die Verherrlichung des heilige Ludwig“ sowie „Der Tod des Moses“. Gewann die Medaille erster Klasse. Ernennung zum Ritter der Ehrenlegion (14.11.).
1857-1864 „Fünf Sinne“ als Wandmalerei im Hôtel Pereire, Paris. Im Herbst 1858 Reise nach Florenz.
1861 „Vier Elemente“ und „Traum des Lebens“ als Wandmalerei im Hôtel de Say, Paris. Napoleon III. erwarb für 15.000 Francs das Gemälde „Nymphe wird von einem Faun geraubt“.
1862 Unterschrieb in München einen Vertrag zur Ausführung des „Verlorenen Paradieses“ für den König von Bayern (1945 zerstört).
1863 Cabanel war auf dem Salon mit seinem Hauptwerk „Geburt der Venus“ vertreten (Gleichzeitig zeigte Manet auf dem Salon des Refusés sein „Frühstück im Grünen“). Napoleon III. erwarb das Gemälde für 20.000 Francs und räumte ihm einen Platz in seinen privaten Gemächern ein. Berufung zum Hofmaler mit einem Atelier im Tuilerienpalast (18.11.).
1864 Am 1. Januar eröffnete Cabanel sein Meisteratelier an der École des Beaux-Arts. Erstmals Juror am Salon. Er malte das Staatsporträt Napoleons III., das ihm die Ehrenmedaille des Salons und 20.000 Francs einbrachte. Damit etablierte sich Cabanel endgültig in den wohlhabendsten Kundenkreisen und wurde zu einem weltweit gefragten Porträtisten. Selbst aus Amerika reisten viele Damen der Oberschicht nach Paris, um sich von ihm malen zu lassen. Bald wurde er in den USA zum bekanntesten französischen Künstler.
1867 Auf der Weltausstellung in Paris mit dem Kolossalbild „Das verlorene Paradies“ (1865-1867, Maximilianeum, München) vertreten, das König Ludwig II. von Bayern in Auftrag gegeben hatte, sowie „Tod der Francesca da Rimini und des Paolo Malatesta“.
1870 Vizepräsident der Salonjury, stellte selbst „Tod der Francesca da Rimini und des Paolo Malatesta“ (1870, Musée d’Orsay, Paris) aus.
1871 Bekanntschaft mit dem russischen Gesandten in Italien in Florenz. Sollte Porträts von Zar Alexander III. und Zarin Maria Fedorovna in St. Petersburg malen. Eine Reise war jedoch aufgrund des schlechten Gesundheitszustandes Cabanels nicht mehr möglich.
1878 „Leben des heiligen Ludwigs (Vie de Saint Louis)“ im Panthéon in Paris.
1881 Zum Vorsitzenden des Auswahlkommitees für Malerei gewählt (12.1.), das die Salon-Ausstellung des Jahres vorbereiten sollte.
1882 Neben der Salon-Beteiligung fand eine Ausstellung seiner eigenen Werke im Erdgeschoss seines Hauses statt.
1883 Jurymitglied für die Zulassungen in der Abteilung französischer Malerei für die Internationale Kunstausstellun in München. Litt an Asthma und chronischer Bronchitis, Kuraufenthalt in Mont-Dore in der Auvergne.
1884 Am Salon mit zwei Porträts vertreten (Verbleib unbekannt). Kuraufenthalt in Mont-Dore im Juli. Kommandeur der Ehrenlegion (13.7.).
1887 Assoziiertes Mitglied der Académie Royale des Sciences, des Lettres et des Beaux-Arts de Belgique (6.1.). Am Salon mit „Kleopatras Experimente mit Gift an zu Tode Verurteilten“.
1888 Ritterkreuz des belgischen Leopold-Ordens verliehen (8.12.).
Am 23. Januar 1889 starb Alexandra Cabanel in Paris.

 

Alexandre Cabanel. Die Tradition des Schönen - Ausstellungskatalog

Andreas Blühm (Hg.)
24 × 30 cm, 128 Seiten, 79 farbige Abb., Hardcover
€ 29,90 [D] / 43,90 SFR [CH]
ISBN 978-3-7774-3431-5 (deutsch)
Hirmer Verlag

Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.