0

Edvard Munch: Biografie Werk und Leben des norwegischen Symbolisten

Edvard Munch, Selbstporträt, 1895, Lithografie, Privatsammlung Courtesy Galleri K, Oslo © Reto Rodolfo Pedrini, Zürich.

Edvard Munch, Selbstporträt, 1895, Lithografie, Privatsammlung Courtesy Galleri K, Oslo © Reto Rodolfo Pedrini, Zürich.

Edvard Munch (1863–1944) gehört zu den berühmtesten Künstlern der Jahrhundertwende und führte mit Werken wie „Der Schrei“, „Madonna“ und „Die Sünde“ vom Symbolismus zum Expressionismus über. Vor allem frühe Arbeiten aus dem vielschichtigen Werk des norwegischen Malers und Druckgrafikers begründeten seinen frühen Ruhm. Nach 1905 wiederholte er viele seiner früheren Kompositionen in der Ansicht, er hätte für die wichtigsten Themen des Lebens - Liebe, Leiden, Tod - bereits mustergültige formale Lösungen gefunden. Erst jüngst wird dieser späte Edvard Munch in Forschung und Ausstellung geehrt.

Weitere Beiträge zu Edvard Munch

  • 1863

    Am 12. Dezember 1863 wurde Edvard Munch auf dem Hof Engelhaug in Løten, in der Grafschaft Hedmark in Norwegen geboren. Er war das zweite Kind des Militärarztes Dr. Christian (1817-1889) und Laura Cathrine (1838-1868) Munch. Seine Mutter hatte sich schon vor der Hochzeit mit Tuberkulose angesteckt, ihrer Gesundheit war geschwächt.
  • 1864

    Umzug nach Kristiania (heute: Oslo)
  • 1865

    Geburt des Bruders Andreas.
  • 1867

    Geburt der Schwester Laura
  • 1868

    Geburt der Schwester Inger und Tod der Mutter an Tuberkulose. Die Tante Karen Marie Bjølstad (1839-1931) sorgte sich um die Familie. Sie war begeisterte Zeichnerin und Malerin und förderte das Talent Edvard und seiner Schwestern.
  • 1877

    Tod der Schwester Sophie im Alter von 15 Jahren (geb. 1862) an Tuberkulose. Der Vater litt an Depression und flüchtete sich in eine puritanische Religiosität. Die wirtschaftliche Lage der Familie verschlechterte sich, wodurch die Familienverhältnisse klaustrophobische Tendenzen annahmen. Edvard Munchs Gesundheitszustand verschlechterte sich. Erste Ausstellungsbesuche, malte Aquarelle und skizzierte.
  • 1879

    Auf Anraten seines Vaters begann er ein Ingenieurstudium an der Teknisk Skole (Technischen Schule) in Kristiania, der er jedoch krankheitsbedingt häufig fern blieb.
  • 1880

    Im November fasste Munch den Entschluss, Maler zu werden. Er verließ die Technische Schule.
  • 1881

    Einschreiben an Den Kongelige Tegneskole, der Königlichen Zeichenschule, in Oslo. Er beschäftigte sich hauptsächlich mit Stillleben, Interieurs und Stadtansichten. Erster Verkauf von zwei kleinen Bildern auf einer Auktion für nur 26,5 Kronen.
  • 1882

    Im Herbst mietete er gemeinsam mit sechs Kunststudenten an der Karl Johans Gate im Zentrum der Stadt ein Atelier, wo Christian Krogh zur Korrektur kam. Verkehrte in den Kreisen der norwegischen Naturalisten. Verwendete für seine teils perspektivisch komplex angelegten Arbeiten einen technischen Zeichnungsapparat (camera obscura oder lucida).
  • 1883

    Erste Ausstellungsbeteiligung auf „Den nordiske industrilandbrugs- og kunstudstilling“ (Die Nordische Industrie-, Landwirtschafts- und Kunstausstellung) in Kristiania im Juni. Teilnahme am Herbstsalon, wo er mit seinem Bild „Morgen“ auf Kritik stieß. Besuch von Thaulows „Freiluftakademie“ in Modum. Erster Kontakt zu berüchtigten Bohème von Kristiania, in deren Mittelpunkt Christian Krogh und Hans Jæger standen.
  • 1885

    Im Mai erste Reise ins Ausland. Thaulow finanzierte drei Wochen in Paris. Die Reise führte ihn über Antwerpen, wo er auf der „Exposition universelle d’Anvers“ mit dem Gemälde „Inger in Schwarz“ vertreten war. In Paris besuchte er den Louvre und den Salon. Den Sommer verbrachte er mit seiner Familie in Borre, wo er Milly Thaulow kennenlernte. Sie war mit dem Arzt und Sanitätskapitän Carl Thaulow, dem Bruder von Frits Thaulow verheiratet. Beginn ihrer Liebesbeziehung, die bis 1886 dauerte. In seinen literarischen Notizen nannte sie Munch „Frau Heiberg“. Begann an den ersten Fassungen seiner Hauptwerke „Das kranke Kind“ sowie „Der Tag danach“ und „Pubertät“ (beide nicht mehr erhalten). Heftige Proteste, als Munch das Porträt von Karl Jensen-Hjell ausstellte.
  • 1886

    Munchs Kontakt zum Kreis der Bohème wurde enger, dazu zählte Kroghs spätere Frau Oda. Erstmals mit vier Gemälden aus der von der norwegischen Secession veranstalteten Herbstausstellung vertreten. „Das kranke Kind“ rief einen Sturm der Entrüstung hervor.
  • 1887

    Mit sechs Werken in der Herbstausstellung vertreten.
  • 1889

    Erste Einzelausstellung in Oslo mit 110 Werken, darunter 63 Gemälde. Während des Sommers mietete Munch ein kleines Haus in Aasgaardstrand am Oslofjord, wo sich auch Christian Krogh, Oda Krogh und Hans Heyerdahl aushielten. Erhielt ein Staatsstipendium und reiste im Herbst nach Paris. Unterricht in Léon Bonnats Kunstschule und Ende des Jahres in St. Cloud bei Paris. Munch verkehrte in der skandinavischen Künstler- und Intellektuellenkolonie. Stelle ein Bild auf der Pariser Weltausstellung aus. Verfasste das Manifest von St. Cloud gegen den Naturalismus. Tod des Vaters im November.
  • 1890

    St. Cloud und Paris. Im Sommer in Aasgaardstrand und Oslo. Zweites Staatsstipendium. Im November in Le Havre. Wegen eines rheumatischen Fiebers im Krankenhaus. Im Dezember wurden fünf seiner Gemälde bei einem Brand zerstört.
  • 1891

    Im Januar reiste Edvard Munch von Le Havre über Paris nach Nizza. Im März wieder retour nach Paris. Sein drittes Staatsstipendium wurde von der Öffentlichkeit kritisch aufgenommen. Im Herbst reiste er über Kopenhagen nach Paris, im Dezember hielt er sich erneut in Nizza auf.
  • 1892

    Rückkehr über Paris nach Norwegen im März. Im Sommer in Aasgaardstrand. Einladung vom Verein Berliner Künstler, wo er 55 Werke präsentierte. Nach nur einer Woche wurde die Ausstellung von den Berliner Künstlern unter Anton von Werne wieder geschlossen und wanderte nach Düsseldorf, Köln und Berlin weiter.
  • 1893

    Aufenthalt in Berlin Anfang des Jahres. Verkehrte im Kreis der Schriftsteller und Künstler um die Zeitschrift Pan, dazu zählten auch August Strindberg. Alle trafen sich im „Schwarzen Ferkel“. In Ausstellungen in Dresden und München vertreten. Im Herbst und im Winter in Nordstrand und Kopenhagen.
  • 1894

    Hielt sich wieder in Berlin auf. Erste Radierungen und erstes Buch über Munch von Przybyszewski. Erste Ausstellung in Stockholm, Schweden. Im Oktober zurück in Berlin, wo das Interesse an Munchs Werk wuchs. Ausstellungen in Hamburg, Dresden, Frankfurt, Leipzig.
  • 1895

    Berlin, Paris, Amsterdam, Christiansand, Nordstrand, Aasgaardstrand, Paris, Oslo: Julius Maier-Graefe publizierte eine Mappe mit acht Radierungen. Erste Präsentation des „Lebensfrieses“ in Berlin. Tod des Bruders Andreas.
  • 1896

    Berlin und Paris. Lithografie für das Programmheft einer „Peer Gynt“-Inszenierung am Théâtre de l’Œuvre. Strindberg rezensierte Munchs Ausstellung in der Revue Blanche. Arbeit an Illustrationen zu Stephane Mallarmés Les fleurs du mal. Am Salon des Indépendants mit zehn Werken vertreten.
  • 1897

    Paris, Brüssel, Paris: Erneut am Salon des Indépendants mit zehn Werken vertreten. Zeichnung für das Programm zu „John Gabriel Borkman“ im Théâtre de l’Œuvre. Kaufte im Sommer ein eigenes Haus in Aasgaardstrand, wo er sich ab nun regelmäßig aufhielt. Ausstellung in Oslo mit 150 Werken. Teilnahme an einer Ausstellung skandinavischer Kunst in St. Petersburg.
  • 1898

    Norwegen, Kopenhagen, Berlin, Paris, Oslo und Aasgaardstrand. Vermutlich erste Begegnung mit Tulla Larsen.
  • 1899

    Berlin, Paris, Nizza, Florenz, Rom, Paris, Herbst und Winter in einem norwegischen Sanatorium. Teilnahme an der Biennale von Venedig. Ausstellung in Dresden.
  • 1900

    Berlin, Florenz, Rom, Schweizer Sanatorium. Ausstellungen in Oslo und Dresden.
  • 1901

    Sommer in Aasgaardstrand und ab November in Berlin. Ausstellung in Oslo.
  • 1902

    Bekanntschaft mit dem Lübecker Augenarzt Dr. Max Linde, der „Fruchtbarkeit“ erwarb und en Buch über Munch schrieb. Im Streit mit Tulla Larsen löste sich ein Pistolenschuss. Er riss Munch ein Glied des Ringfingers seiner linken Hand ab. Das Ereignis verarbeitete er in der „Marat“-Serie. Von Max Linde in Lübeck beauftragt, eine Grafik-Mappe mit 16 Blättern herzustellen. Ende des Jahres in Berlin, wo er häufig umzog. Bekanntschaft mit dem Hamburger Landgerichtsrat Gustav Schiefler, der Munchs grafisches Werk zu katalogisieren begann. Unter dem Titel „Aus dem modernen Seelenleben“ stellte Munch 22 Gemälde aus dem „Lebensfries“ in der Vorhalle der Berliner Sezession aus. Grafikausstellungen in Lübeck, Dresden, Rom, Wien und Bern.
  • 1903

    Berlin, Leipzig, Paris, Grez-sur-Loing, Lübeck, Oslo, Berlin. Bekanntschaft mit der Geigerin Eva Mudocci.
  • 1904

    Vertrag mit Bruno Cassirer in Berlin über den Verkauf von Grafiken und mit Commeter in Hamburg über den Verkauf von Gemälden. Mitglied der Berliner Sezession. In Weimar Porträt von Harry Graf Kessler. Max Linde beauftragte Munch mit einem Fries für das Kinderzimmer. Mehrfacher Besuch der Oseberg-Ausgrabungen. Linde nahm den Fries nicht an, da er seiner Ansicht nach nicht kindgerecht war.
  • 1905

    Berlin, Hamburg, Berlin, Aasgaardstrand, Klampenbog bei Kopenhagen, Chemnitz, Hamburg, Bad Elgersburg bei Weimar, umfangreiche Ausstellung in Prag bei den Mánes. Erste Museumsausstellung in Bremen.
  • 1906

    Reiste in Thüringen und Weimar. Begegnung mit Henry van de Velde. Entwürfe für Bühnenbilder zu „Gespenster“ und „Hedda Gabler“ für das Deutsche Theater in Berlin.
  • 1907

    Dekorationen für ein neues Foyer in Max Reinhardts Berliner Kammerspielen und Bühnenbild für Ibsens Geister. Arbeit an den Porträts von Walther Rathenau und Ernest Thiel. Sommer und Herbst in Warnemünde. Gustav Schieflers Grafikverzeichnis erschien.
  • 1908

    Edvard Much hielt sich in Berlin, Paris und Warnemünde auf. Jens Thiis kaufte trotz heftiger Proteste mehrere Gemälde von Munch für die Nationalgalerie Oslo. Im Herbst über Stockholm nach Koenhagen. Nervenzusammenbruch und Einlieferung in Dr. Jacobsons Klinik, wo er ein halbes Jahr blieb.
  • 1909

    „Alpha und Omega“, ein Prosagedicht mit Lithografien. Im Mai kehrte Munch nach Norwegen zurück, wo er sich auf dem Anwesen Skrubben niederließ. Verkaufte mehrere Bilder an Rasmus Meyer. Kurze Besuche in Lübeck und Berlin. Dekorationen für die Aula der Universität in Oslo entworfen.
  • 1910

    Kaufte sich ein Haus in Hvitsten am Oslofjord.
  • 1911

    Gewann die Ausschreibung für die Universitätsdekorationen, musste aber neue Entwürfe vorlegen.
  • 1912

    Im Mai über Kopenhagen nach Paris und Köln. Hier nahm er mit 32 Gemälden ab der Sonderbund-Ausstellung teil.
  • 1913

    Mietete ein Haus am Oslofjord. Reisen nach Berlin und über Frankfurt nach Köln, Paris, London, Stockholm, Hamburg, Lübeck, Kopenhagen. Teilnahme an der Armory Show in New York.
  • 1914

    Die Osloer Universität akzeptierte nach jahrelangen Querelen die Arbeiten von Munch als Geschenk.
  • 1915

    In Hvitsten Arbeit an den Aula-Dekorationen. Reise nach Trondheim und Kopenhagen.
  • 1916

    Kauf des Hauses Ekeley in Skøyen nahe Oslo. Hier hielt er sich bis zu seinem Tod auf. Enthüllung der Wandbilder in der Universitätsaula.
  • 1917

    Curt Glasers Edvard Munch-Buch erschien.
  • 1918

    Veröffentlichte eine Broschüre unter dem Titel „Lebensfries“.
  • 1921

    Entwürfe für die Ausgestaltung zweier Speisesäle in der Osloer Schokoladenfabrik Freia. Es wurden schlussendlich zwölf Tafeln für einen Speisesaal gemalt.
  • 1922

    Reiste über Bad Nauheim und Wiesbaden nach Berlin. Retrospektive in Zürich.
  • 1923

    Mitgliedschaft in der Deutschen Akademie der Künste.
  • 1924

    Sommer in Bergen.
  • 1925

    Ehrenmitgliedschaft der Bayerischen Akademie der Künste.
  • 1926

    Tod der Schwester Laura. Im Mai nach Lübeck, Berlin, Venedig, München, Wiesbaden, im Oktober in Kopenhagen, Berlin, Mannheim, Paris, München.
  • 1927

    Reise durch Deutschland, Italien und Paris. Retrospektive in der Berliner Nationalgalerie und in der Nationalgalerie Oslo. Gustav Schiefler veröffentlichte den zweiten Teil des Grafikverzeichnisses.
  • 1928

    Arbeitete an Plänen für die Ausmalung des noch im Bau befindlichen Rathauses von Oslo.
  • 1929

    Bau eines Winterpalais auf Ekely.
  • 1931

    Grundsteinlegung für das Rathaus in Oslo. Kein Auftrag für die Ausmalung vom Rathaus. Augenleiden erschwerte die Arbeit.
  • 1933

    Jens Thiis und Paul Gauguin veröffentlichten Monografien über Munch.
  • 1934

    Edvard Munch lebte zurückgezogen „wie ein Eremit“.
  • 1936

    Aufgrund seines Augenleidens gab Munch die Arbeit an den Rathaus-Bildern auf.
  • 1937

    Insgesamt 82 Arbeiten von Munch wurden in deutschen Museen als „entartet“ beschlagnahmt. Unterstützte E. W. Nay für dessen Aufenthalt in Norwegen. Größere Ausstellungen in Stockholm, Amsterdam, Bergen.
  • 1939

    Versteigerung von 14 Gemälden und 31 Grafiken in Oslo, die von den Nationalsozialisten konfisziert worden waren.
  • 1941

    Ausstellung in der Kunstakademie Oslo.
  • 1944

    Am 23. Jänner 1944 starb Edvard Munch mit 81 Jahren in Ekely. Er hinterließ der Stadt Oslo sein bei ihm verbliebenes Werk, etwa 1.000 Gemälde, 15.400 Grafiken, 4.500 Aquarelle und Zeichnungen sowie sechs Skulpturen. Diese befinden sich heute im Munch-museet Oslo.
Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.