John Quincy Adams Ward

Wer war John Quincy Adams Ward?

John Quincy Adams Ward (29.6.1830–1.5.1910) schuf mit „The Indian Hunter [Der indianische Jäger]“ (1860) und „The Freedman“ (1863) erste Bronzeplastiken des Naturalismus in den USA, in denen zeitaktuelle Themen wie der Sezessionskrieg und die Sklavenbefreiung in realistischen Figuren werden. In späteren Jahren wandte sich John Quincy Adams Ward der Porträtbüste und dem Denkmal zu.

Ausbildung

Geboren und aufgewachsen in Urbana, Ohio, zog Ward 1849 nach Brooklyn, um im Atelier von Henry Kirke Brown (1814–1886) zu arbeiten. In den folgenden sieben Jahren erlernte er Produktionspraktiken und übernahm Browns naturalistische Behandlung amerikanischer Themen. Der Höhepunkt dieser Zusammenarbeit ist Wards umfassender Beitrag zu Browns reitenden George Washington, weshalb der Meister dankbar den Namen seines Schülers und seinen eigenen in die Basis des Denkmals eingeschrieben hat.

Politiker-Büsten, Indianer und Sklavenbefreiung

Zwischen 1858 und 1860 lebte John Quincy Adams Ward in Washington, D.C., und führte Porträtbüsten einflussreicher Politiker aus. 1861 kehrte er nach New York zurück und gründete sein eigenes Atelier. Während des Bürgerkriegs modellierte Ward Büsten und entwarf, wie schon Brown zuvor, fein gearbeitete Gegenstände aus Edelmetallen wie Griffe für Gehstöcke und Schwerter. Seine frühen Statuetten „The Indian Hunter [Der indianische Jäger]“ (1860), die einen jungen Mann mit seinem Hund darstellen und „The Freedman“ (1863), ein befreiter, afroamerikanischer Sklave als Halbakt, wurden beide wegen ihrer realistischen Handhabung und zeitgemäßen Themen begrüßt. „The Freedman“ wurde von der Emanzipationsproklamation zur Abschaffung der Sklaverei in den Südstaaten inspiriert. Präsident Abraham Lincoln hatte am 22. September 1862 erklärt, dass ab 1. Januar 1863 alle Sklaven unter rebellischer Kontrolle für frei erachtet werden würden. Ein aktuelles politisches Problem wurde von John Quincy Adams Ward nicht durch eine Allegorie, sondern mit Hilfe eines Betroffenen symbolisiert. Er führte die muskulöse Figur mit einer bemerkenswerten Aufmerksamkeit für die anatomischen Details aus. Die gebrochenen Ketten am linken Handgelenk und in der rechten, geballten Faust des ehemaligen Sklaven geben einen knappen Kommentar zu den wichtigsten politischen und moralischen Themen der Zeit und proklamieren eindeutig die abolitionistischen Gefühle von Ward.

Sowohl der Indianerjunge wie der befreite Sklave stehen noch heute für die frühe künstlerischer Leistung von Ward. Im Jahr 1864 beschloss er, „The Indian Hunter“ zu vergrößern, und reiste nach Dakota, um sie zu studieren und vorbereitenden Skizzen zu erstellen. 1869 wurde im New Yorker Central Park eine Bronze in Lebensgröße eingeweiht, die erste von vier Skulpturen von Ward, die dort errichtet wurden.

John Quincy Adams Ward war in der Ausführung von Portrait-Büsten äußerst versiert, wobei er die physiognomischen und psychologischen Merkmale der von ihm Dargestellten objektiv erfasste. Die Mehrzahl der von ihm Porträtierten waren prominente Bürger. Seine frühesten Büsten, wie jene von William Tilden Blodgett (1865), wurden in Marmor ausgeführt. Sie erinnern an Browns Büsten der 1840er Jahre und verbinden ein treues Abbild des Kopfes mit einer klassizistischen Behandlung des nackten Körpers. Im Jahr 1872 reiste Ward erstmals nach Europa. Er besuchte Deutschland, Frankreich und Italien, wo er seinen Stil modernisierte, indem er die reich strukturierten Oberflächen und die breit modellierten Ebenen der Beaux-Arts-Ästhetik mit seinem eigenen realistischen Stil verschmolz. 1887 reiste er erneut ins Ausland.

Denkmäler

Ward realisierte in vielen Bürgerdenkmälern nach dem Sezessionskrieg in direkter Herangehensweise, was ihm viel Erfolg einbrachte. Das Seventh Regiment Memorial, eine überlebensgroße Darstellung eines müden Soldaten des Bürgerkriegs, wurde 1874 im Central Park enthüllt und wurde zu einem Prototyp für die Darstellungen anderer Bildhauer. Wards Stil war am besten für die wahrheitsgemäße Beobachtung bedeutender Persönlichkeiten geeignet. Gleichermaßen gefeiert wurde er für seine Arbeit an den Porträts von Horace Greeley (1890; City Hall Park, New York) und Henry Ward Beecher (1891; Cadman Plaza, Brooklyn), die er posthum nach Fotografien und Totenmasken anfertigte. Wards direktem Ansatz sind historische Figuren weniger zuträglich wie „William Shakespeare“ (1872) oder „The Pilgrim [Der Pilger]“ (1884–1885), beide befinden sich im Central Park, New York. Aufgrund ihrer Tracht fehlt ihnen die Lebendigkeit von Wards zeitgenössischen Motiven. Die Statue von „George Washington“ (1883; Federal Hall, New York) ist jedoch eine würdevolle und verlässliche Darstellung. Zwei von Wards ehrgeizigsten Werken stehen in Washington, DC: Die Reiterstatue von Generalmajor George Henry Thomas (1879; Thomas Circle) und das mehrfigurige James Abram Garfield Monument (1887; The Mall).

Wards Beitrag zur amerikanischen Kunst muss sowohl an seiner skulpturalen Leistung als auch an seinem institutionellen Engagement gemessen werden. Er war vierzig Jahre lang eine dominierende Persönlichkeit in New Yorker Kunstkreisen. 1862 wurde er zum korrespondierenden Mitglied der National Academy of Design gewählt und ein Jahr später zum wirklichen Mitglied. Als erster Bildhauer überhaupt war er 1873/74 der Präsident der National Academy of Design; dazu noch Gründer und Präsident der National Sculpture Society sowie Gründer und Treuhänder des Metropolitan Museum of Art.

Darüber hinaus war Ward auch für jüngere Bildhauer bedeutend: Daniel Chester French (1850–1931) absolvierte ein kurzes Praktikum in seinem Atelier (1920 entwarf er die Monumentalskulptur des sitzenden Abraham Lincoln gegenüber vom Kapitol). Der französisch-irische Immigrant Augustus Saint-Gaudens (1848–1907) erhielt durch ihn einen Großauftrag. Für seine Arbeit zur Erhöhung des Status von Bildhauern und für die Weiterentwicklung dieser Kunstform wurde Ward als „Dean of American sculpture [Dekan der amerikanischen Skulptur]“ bezeichnet.

John Quincy Adams Ward. Werke: Bilder

  • John Quincy Adams Ward, The Indian Hunter [Der indianische Jäger], 1860, Bronze (New-York Historical Society)
  • John Quincy Adams Ward, The Freedman, 1863, Guß 1891, Bronze, 49.5 x 37.5 x 24.8 cm (The Metropolitan Museum of Art, New York, Gift of Charles Anthony Lamb and Barea Lamb Seeley, in memory of their grandfather, Charles Rollinson Lamb, 1979, Inv.-Nr. 1979.394)
  • John Quincy Adams Ward, William Tilden Blodgett, 1865, Bronze, 66 x 39.4 x 26.7 cm (The Metropolitan Museum of Art, New York, Gift of Mrs. John Quincy Adams Ward, 1910, Inv.-Nr. 10.200)
  • John Quincy Adams Ward, George Washington, 1882; Guß um 1911, Bronze, 60.3 x 31.4 x 25.4 cm (The Metropolitan Museum of Art, New York, Rogers Fund, 1972)
  • John Quincy Adams Ward, William Shakespeare, 1870, Guß nach 1910, Bronze, 71.1 x 27.9 x 27.9 cm (The Metropolitan Museum of Art, New York, Rogers Fund, 1917)

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