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Künstlerinnen der Art Brut: Flying High Erste Ausstellung über weibliches Kunstschaffen der Art Brut in Wien

Veröffentlicht von Alexandra Matzner von 13. Oktober 2018
Aloïse Corbaz, Bal tango – Hôtel Rosière, Detail, 1960–1963, Farbkreiden, Farbstifte, Bleistift auf Papier (Kunstmuseum Solothurn, Schenkung Etienne und Jacqueline Porret-Forel, 1995 © Fondation Aloïse, Chigny Foto © Kunstmuseum Solothurn)

Aloïse Corbaz, Bal tango – Hôtel Rosière, Detail, 1960–1963, Farbkreiden, Farbstifte, Bleistift auf Papier (Kunstmuseum Solothurn, Schenkung Etienne und Jacqueline Porret-Forel, 1995 © Fondation Aloïse, Chigny Foto © Kunstmuseum Solothurn)

Seit über einem Jahrzehnt schießen Art-Brut-Museen weltweit wie Pilze aus dem Boden. Darüber hinaus rückt Art Brut immer stärker in den Blickpunkt der internationalen Kunstöffentlichkeit (→ Jean Dubuffets Art Brut!). Auch die Kunst von Frauen stößt auf vermehrtes Interesse. Entsprechende Biennale-Beiträge und eine Art Marktrausch auch auf die weibliche Seite der Art Brut geben darüber Auskunft.

Flying High: Künstlerinnen der Art Brut

Österreich / Wien: Bank Austria Kunstforum
15.2. – 23.6.2019

Der Diskurs über die Art Brut gewann in den letzten Jahren zusätzliche Dimensionen. Der Art-Brut-Begriff geht über den ausschließlichen Fokus von Arbeiten aus Psychiatrien hinaus und umfasst heute auch „mediumistische“ (von einem Geist geführte) Künstlerinnen und Künstler, sogenannte „Einzelgänger“ und Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern mit Behinderungen. Historische Schranken zwischen der Art Brut und der Hochkunst scheinen sich zusehends aufzulösen, ästhetische Kriterien gewinnen gegenüber dem diagnostischen Interesse und der „Exzentrizität“ der Autorinnen und Autoren an Relevanz und bislang Verborgenes, Abgeschobenes wird an die Oberfläche geschwemmt.

 

Aloïse Corbaz, Bal tango – Hôtel Rosière, 1960–1963, Farbkreiden, Farbstifte, Bleistift auf Papier (Kunstmuseum Solothurn, Schenkung Etienne und Jacqueline Porret-Forel, 1995 © Fondation Aloïse, Chigny Foto © Kunstmuseum Solothurn)
Aloïse Corbaz, Bal tango – Hôtel Rosière, 1960–1963, Farbkreiden, Farbstifte, Bleistift auf Papier (Kunstmuseum Solothurn, Schenkung Etienne und Jacqueline Porret-Forel, 1995 © Fondation Aloïse, Chigny Foto © Kunstmuseum Solothurn)
Madame Favre, Ohne Titel, 1860, Bleistift auf Papier (Courtesy Henry Boxer Gallery)
Madame Favre, Ohne Titel, 1860, Bleistift auf Papier (Courtesy Henry Boxer Gallery)

Mary T. Smith, Ohne Titel, um 1980, Acryl auf Blech (Sammlung Hannah Rieger, Foto © DETAILSINN Fotowerkstatt)
Mary T. Smith, Ohne Titel, um 1980, Acryl auf Blech (Sammlung Hannah Rieger, Foto © DETAILSINN Fotowerkstatt)
Misleidys Castillo Pedroso, Ohne Titel, um 2016, Gouache auf Papier (Courtesy Christian Berst Art Brut / Privatsammlung © Misleidys Castillo Pedroso)
Misleidys Castillo Pedroso, Ohne Titel, um 2016, Gouache auf Papier (Courtesy Christian Berst Art Brut / Privatsammlung © Misleidys Castillo Pedroso)

 

Eine Geschichte der Kunst von Frauen ist stets eng mit der Emanzipationsgeschichte verwoben und gestaltet sich im Falle der Art Brut umso prekärer. Über Jahrzehnte arbeiteten die ausschließlich männlichen Entdecker und Verbreiter des Genres – Psychiater und Künstler – in Hinblick auf kreative Patientinnen geradezu mit Ausschlussverfahren. In dem wegweisenden Buch „Die Bildnerei der Geisteskranken“ (1922) des Heidelberger Kunsthistorikers und Psychiaters Hans Prinzhorn fiel das geplante Kapitel über die herausragende Else Blankenhorn „budgetären Kürzungserfordernissen“ zum Opfer. Erst 2004 wurde die Sammlung Prinzhorn unter dem Aspekt geschlechtsspezifischer Differenzen neu aufgearbeitet.

Auch beim „Haus der Künstler“ in Gugging handelte es sich um eine reine Männerabteilung. Erst in letzter Zeit wurden vereinzelt Künstlerinnen aus der Ära Leo Navratils entdeckt. Allerdings hat Jean Dubuffet, der Begründer des Begriffs „Art Brut“, eine Künstlerin besonders gefördert: Aloïse Corbaz.

Die Ausstellung im Bank Austria Kunstforum Wien widmet sich erstmals umfassend Künstlerinnen der Art Brut in ihrer Vielfalt, ihrer Internationalität, ihrer historischen und gegenwärtigen Dimension. Denn wie überall gilt auch im Feld der Kunst: Nur was wahrgenommen werden kann, existiert.

 

Künstlerinnen der Art Brut. Flying High: Bilder

  • Madame Favre, Ohne Titel, 1860, Bleistift auf Papier (Courtesy Henry Boxer Gallery)
  • Aloïse Corbaz, Bal tango – Hôtel Rosière, 1960–1963, Farbkreiden, Farbstifte, Bleistift auf Papier (Kunstmuseum Solothurn, Schenkung Etienne und Jacqueline Porret-Forel, 1995 © Fondation Aloïse, Chigny Foto © Kunstmuseum Solothurn)
  • Mary T. Smith, Ohne Titel, um 1980, Acryl auf Blech (Sammlung Hannah Rieger, Foto © DETAILSINN Fotowerkstatt)
  • Misleidys Castillo Pedroso, Ohne Titel, um 2016, Gouache auf Papier (Courtesy Christian Berst Art Brut / Privatsammlung © Misleidys Castillo Pedroso)

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Alexandra Matzner

Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.
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