Salzburg | Museum der Moderne: Baselitz 2026

Georg Baselitz, Weißes Bett, weiß, 2022, Öl, Dispersionsklebstoff und Stoff auf Leinwand, 200 x 250 cm, © Georg Baselitz 2026, Foto: Jochen Littkemann
Der international renommierte Künstler und Wahl-Salzburger Georg Baselitz feierte am 23. Jänner seinen 88. Geburtstag - und verstarb überraschend am 30. April 2026. Aus Anlass seines Geburtstags widmet ihm das Museum der Moderne Salzburg zwei Ausstellungen, die den Bogen schlagen von seinen frühen Zeichnungen bis hin zu seinem monumentalen Spätwerk. Dass es sich nun auch um zwei der letzten, gemeinsam mit dem Künstler erarbeiteten Schauen handelt, macht die Ausstellungen umso wertvoller.
Das Spätwerk des neoexpressiven Malers ist von Auflösung und der Auseinandersetzung mit dem nahenden Ende geprägt. Krankheit und körperliche Beschwerden thematisierte Baselitz bereits seit einigen Jahren schonungslos, ohne dabei auf das monumentale Großformat oder auch ein stimmungsvolles Kolorit zu verzichtet. So zeigt sich die Schau im Museum der Moderne Mönchsberg als Memento Mori, als Fingerzeig eines erfahrenen Künstlers, als künstlerisches Vermächtnis.
BASELITZ JETZT
Österreich | Salzburg: Museum der Moderne Mönchsberg
27.3. – 18.10.2026
BASELITZ. Schwarz-weiß (Arbeitstitel)
Österreich | Salzburg: Museum der Moderne Altstadt (Rupertinum)
3.7. – 4.10.2026
- Georg Baselitz, Weißes Bett, weiß, 2022, Öl, Dispersionsklebstoff und Stoff auf Leinwand, 200 × 250 cm, Privatbesitz, Ausstellungsansicht BASELITZ JETZT, © Museum der Moderne Salzburg, 2026, Foto: wildbild, Herbert Rohrer
Baselitz 2026 in Salzburg
„Georg Baselitz. Jetzt“ versammelt 24 großformatige Gemälde im Museum am Mönchsberg. Das Gemälde „Weißes Bett, weiß“ aus dem Jahr 2022 leitet die Schau ein - und hat aus aktuellem Anlass eine neue Bedeutung erhalten. Mit Blick auf die internationalen Baselitz-Ausstellungen in diesem Frühjahr und Sommer erstaunt, wie aktiv der Maler gearbeitet hat und wie viele Schauen er gleichzeitig (noch) organisiert hat. Während er in „Weißes Bett, weiß“ über Müdigkeit, Krankheit und auch den Tod nachdachte, plante der 88-Jährige noch bedeutende Ausstellungen.
Doch zurück zu seinem Eingangsbild: Auf 2 x 2,5 Metern setzte Baselitz eine nackte, weiß-gelbe, männliche Figur auf schwarzem Grund. Der überlebensgroße Mann wendet seinen Kopf zur Seite und nimmt die gesamte untere Hälfte der Komposition ein. Darüber klebte Baselitz eine weiße Stoffbahn, ein weißes Laken. Handelt es sich um einen Blick von oben? Ein Schlaf- oder ein Krankenzimmer aus Vogelperspektive? Und liegt die männliche Figur neben oder unter dem Bett? Wird sie vom weißen Laken abgedeckt oder liegt bereits eine andere Person darunter? All diese Fragen löst die Analyse des Bildes nicht. Aber sie führen direkt in das Spätwerk, mit dem der deutsche Maler nun schon seit einigen Jahren die Fragilität des hohen Alters ehrt und gleichzeitig „de profundis“, „aus der Tiefe“ (Psalm 130) seinem Publikum entgegentritt.
- BASELITZ JETZT, Ausstellungsansicht, Museum der Moderne Salzburg, 2026, © Museum der Moderne Salzburg, Foto: wildbild, Herbert Rohrer
- BASELITZ JETZT, Ausstellungsansicht (4), Museum der Moderne Salzburg, 2026, © Museum der Moderne Salzburg, Foto: wildbild, Herbert Rohrer
- BASELITZ JETZT, Ausstellungsansicht (7), Museum der Moderne Salzburg, 2026, © Museum der Moderne Salzburg, Foto: wildbild, Herbert Rohre
Rollator und Adler
Baselitz‘ malte seine späten, großformatige, Gemälde unter anderem mithilfe eines Rollators, der sichtbare Furchen im Bild hinterließ. Dass sich sein Rollator in die Kompositionen genauso einschrieb wie sein Körper - Baselitz gestaltete die Bilder am Boden liegend, indem er über sie hinwegschritt -, dürfte dem Deutsch-Österreicher ein Lächeln entlockt haben.
Dem verletzten, gealterten Leib stellte der Künstler den Adler als Symbol von Macht, Kraft und Wendigkeit gegenüber; gleichzeitig erinnert der Vogel aber auch an Baselitz' Jugend in Sachsen, wie sein Londoner Galerist betont. Überraschend wirkt auch die unbeschwerte Verbindung der Leibanalysen mit den bereits bekannten Nylonstrumpf-Kompositionen. So auch in einer aktuellen Variante eines Adlermotivs mit menschlichen Beinen, eine verrückte Idee und Verbindung zum Mythos von Ikarus, der seiner Hybris zum Opfer fällt. Baselitz sammelte Druckgrafiken des Manierismus. Er liebte außergewöhnliche Ideen und besonders kunstvolle Übertreibungen.
Bildtitel wie „Surrealismus die Filzlüge“, „Spanisch Winter“, „X-ray Still“ (alle von 2020), „Licht aus, aus, aus“ (2019), „Nylonparade“ (2022), „Federbart am Hut“ (2023) oder auch „Ankunft demnächst“ (2017) lassen eine tiefe Beschäftigung mit dem Unvermeidlichen, aber auch eine Leichtigkeit im Umgang damit erahnen. Baselitz zeigt sich in seinen letzten Werken als ein Unbeugsamer. Als einer, der seinen Weg geht und im JETZT angekommen ist.
- Georg Baselitz, Spanisch Winter, 2020, Öl auf Leinwand, 273 × 173 cm (links), X-ray Still, 2020, Öl auf Leinwand, 250 × 170 cm (rechts), Ausstellungsansicht BASELITZ JETZT, © Museum der Moderne Salzburg, Foto: wildbild, Herbert Rohrer
- Georg Baselitz, Surrealismus die Filzlüge, 2020, Öl auf Leinwand, 300 × 400 cm, Ausstellungsansicht BASELITZ JETZT, © Museum der Moderne Salzburg, Foto: wildbild, Herbert Rohrer
- Georg Baselitz, Verzückung, 2020, Öl auf Leinwand, 234 × 164 cm (links), Archinto Zorro, 2020, Öl auf Leinwand, 232 × 163 cm (rechts), Ausstellungsansicht BASELITZ JETZT, © Museum der Moderne Salzburg, 2026, Foto: wildbild, Herbert Rohrer
Frühe Grafik im Rupertinum
Baselitz entschied sich Anfang der 1960er Jahre bewusst für die Figuration – was in Zeiten einer dominierenden abstrakten Kunst als Provokation empfunden wurde. Damit beschritt der Künstler nicht nur neue Wege in der Malerei, sondern schrieb sich als Erneuerer der Nachkriegskunst in die Kunstgeschichte ein.
Die Ausstellung im Rupertinum legt den Fokus auf die frühen grafischen Arbeiten, in denen sich der Künstler mit deutscher Geschichte, Identität und dem Künstler-Ich auseinandersetzt. Dabei verknüpft er klassische Bildtraditionen mit einer kraftvollen, oftmals als roh und verstörend empfundenen Bildsprache. Die thematische Gliederung orientiert sich erstmals an vier Manifesten, die der Künstler in den 1960er Jahren verfasst hat.
Kuratiert von Harald Krejci und Tina Teufel; kuratorische Assistenz Eva Wiegert und Magdalena Zilcher.
Baselitz Jetzt & BASELITZ. Schwarz-weiß: Ausstellungskataloge
Zu den Ausstellungen erscheinen Publikationen.












