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Maria Sibylla Merian: Schmetterling aus Surinam Ausstellung in der Royal Collection in London mit Bildern aus dem Buch der Schmetterlinge

Maria Sibylla Merian, Ast einer West Indischen Kirsche mit einem Blauen Morpho Falter (quer), 1702/03, aus: Metamorphosis Insectorum Surinamensium (Royal Collection Trust/© Her Majesty Queen Elizabeth II 2017)

Maria Sibylla Merian, Ast einer West Indischen Kirsche mit einem Blauen Morpho Falter (quer), 1702/03, aus: Metamorphosis Insectorum Surinamensium (Royal Collection Trust/© Her Majesty Queen Elizabeth II 2017)

1705 publizierte Maria Sibylla Merian (1647–1717) ihr bahnbrechendes Buch über die Flora und Fauna von Surinam. Die Royal Collection besitzt eine Ausgabe von „Metamorphosis Insectorum Surinamensium [Die Metamorphose der Insekten aus Surinam]“, die teilweise auf Pergament gedruckt und teilweise handgemalt ist. König George III. (1738–1820) erwarb den Prachtband um 1810 für seine wissenschaftliche Bibliothek in Buckingham Palace.1

Forschung in Surinam

Die Ausstellung zeigt 49 Aquarelle, in denen Flora und Fauna aus Surinam mit höchster wissenschaftlicher Korrektheit wiedergegeben werden. Maria Sibylla Merian war im Alter von 52 Jahren gemeinsam mit ihrer Tochter Dorothea nach Südamerika gereist. Um die Expedition zu finanzieren, verkaufte sie zuvor ihren gesamten Atelierbestand. In Surinam 1699 angekommen, arbeiteten die beiden Damen im heißen und feuchten Klima, unternahmen Exkursionen in den Urwald, sammelten Proben, zogen Raupen in Holzschachteln auf. Maria Sibylla Merian beobachtete die Metamorphose von der Raupe zur Verpuppung und zum Falter und beschrieb mit ihren Aquarellen erstmals die südamerikanische Fauna aus einer europäischen Perspektive. Um den natürlichen Lebensraum der Insekten anzudeuten, ergänzte die Künstlerin und Wissenschaftlerin jene Pflanzen, die die Tiere bevorzugen. Maria Sibylla Merian beobachtete nicht nur Raupen und Schmetterlinge, sondern beschreibt in begleitenden Texten auch, wie die diese auf Berührungen reagierten. So musste die Europäerin am eigenen Leib erfahren, dass die Raupe des Tabakschwärmers [Manduca sexta] giftig ist: Ihr Hand schwoll schmerzhaft an. Die Raupe der Eumorpha vitis zieht sich bei Gefahr zusammen, und ein Käfer ließ gleich seine sechs Beine fallen. Die in Südamerika entstandenen Aquarelle bildeten mit ihren Notizen die Basis für die 1705 finalisierte Publikation.

 

 

 

Maria Sibylla Merians Schmetterlinge

Die nach der Rückkehr der Merians entstandene Publikation „Metamorphosis Insectorum Surinamensium“ stellt dieses Wissen erstmals der europäischen Forschungsgemeinschaft vor. König George III. kaufte um 1810 eine besonders prächtige Ausgabe des Buches aus englischem Privatbesitz. Die in Kalbsleder gebundene, mit goldenem Letterndruck verzierte Ausgabe wurde auf Pergament gedruckt, die Abbildungen (ursprünglich wohl Probedrucke?) der Insekten händisch koloriert sowie um Pflanzen und Blüten erweitert. Maria Sibylla Merian versuchte die Farbigkeit und Muster so manches Schmetterlings – oder auch seiner Raupe – möglichst naturgetreu zu vermitteln. Darin scheint ein wichtiger Antrieb ihrer künstlerisch-wissenschaftlichen Arbeit gelegen zu sein. Das Glitzern der Flügel imitierte sie mit Hilfe von irisierender Farbe.

 

 

 

„Metamorphosis Insectorum Surinamensium“ ist nicht nur für die Erforschung von Faltern von größter Bedeutung, sondern auch für andere Tiergattungen und die Botanik des 18. Jahrhunderts. Neben Schmetterlingen und ihren Fresspflanzen (der Raupen) interessierte sich die Weitgereiste für Eidechsen, Krokodile und Schlangen Südamerikas. Diese Beobachtungen ergänzte sie durch Beschreibungen von Früchten wie der Ananas. Das von Merian geplant Buch über die Amphibien Südamerikas konnte sie nicht mehr realisieren, obwohl das auf eigene Kosten und eigenes Risiko herausgegeben Buch der Schmetterlinge populär wurde. „Die Metamorphose der Insekten aus Surinam“ wurde von den Naturkundlern Europas begierig aufgenommen und noch lange nach dem Tod der Künstlerin und Wissenschaftlerin Merian diskutiert. Wenn auch heute das Wissen über Schmetterlinge und ihre Entwicklung detaillierter und deutlich leichter zugänglich ist, als noch im frühen 18. Jahrhundert, so bestechen ihre Darstellungen außereuropäischer Arten durch die hohe künstlerische Qualität von Merians Auge und Hand.

Kuratiert von Kate Heard

 

 

 

Maria Sibylla Merian: Schmetterlinge: Bilder

  • Maria Sibylla Merian, Ananas mit Kakerlake, 1702/03, aus: Metamorphosis Insectorum Surinamensium (Royal Collection Trust / (C) Her Majesty Queen Elizabeth II 2017)
  • Maria Sibylla Merian, Maniok mit Anartia jatrophae (Edelfalter) und jungem Goldteju (Echse), 1702/03, aus: Metamorphosis Insectorum Surinamensium (Royal Collection Trust/© Her Majesty Queen Elizabeth II 2017)
  • Maria Sibylla Merian, Ast einer West Indischen Kirsche mit einem Blauen Morpho Falter, 1702/03, aus: Metamorphosis Insectorum Surinamensium (Royal Collection Trust/© Her Majesty Queen Elizabeth II 2017)
  • Maria Sibylla Merian, Frangipani mit roter Hamadryas feronia, 1702/03, aus: Metamorphosis Insectorum Surinamensium (Royal Collection Trust/© Her Majesty Queen Elizabeth II 2017)
  • Maria Sibylla Merian, Bananenast mit Automeris Io Motte, 1702/03, aus: Metamorphosis Insectorum Surinamensium (Royal Collection Trust/© Her Majesty Queen Elizabeth II 2017)
  • Maria Sibylla Merian, Jatropha mit dem Lebenszyklus einer Großen Sphinx Motte, 1702/03, aus: Metamorphosis Insectorum Surinamensium, Aquarell und Gouache über radierten Umrissen, Pergament RCIN 921195 (Royal Collection Trust/© Her Majesty Queen Elizabeth II 2017)
  • Maria Sibylla Merian, Wein mit Rebenschwärmer und Eumorpha satellitia, 1702/03, aus: Metamorphosis Insectorum Surinamensium (Royal Collection Trust/© Her Majesty Queen Elizabeth II 2017)
  • Maria Sibylla Merian, Aste eines unidentifizierbaren Baumes mit einem blauen Morpho Menelaus, 1702/03, aus: Metamorphosis Insectorum Surinamensium (Royal Collection Trust/© Her Majesty Queen Elizabeth II 2017)
  • Maria Sibylla Merian, Gemeiner oder Brillen-Kaiman mit Südamerikanischer Falscher Korallenschlange, um 1705/10, Aquarell, Gouache auf Pergament (Royal Collection Trust/© Her Majesty Queen Elizabeth II 2017, Inv.-Nr. RCIN 921218)
  • Maria Sibilla Merian  1717, von Gsell und Houbraken (Stich), Kupferstich (Royal Collection Trust/© Her Majesty Queen Elizabeth II 2017, Inv.-Nr. RCIN 670216)

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Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.