Maria Theresia: Herrschaft, Kinder, Reformen Ausstellungen in Wien und Umgebung 2017

Maria Theresia im pelzverbrämten Kleid, 1743 (© SKB / OeNB / A.E. Koller)

Maria Theresia im pelzverbrämten Kleid, 1743 (© SKB / OeNB / A.E. Koller)

Maria Theresia (1717–1780), regierende Erzherzogin von Österreich und Königin u. a. von Ungarn (mit Kroatien) und Böhmen, prägte die europäische Geschichte des 18. Jahrhunderts wie keine Zweite. Während ihre Ehemann Franz Stephan von Lothringen (1708–1765) von 1745 bis 1765 als Franz I. die Geschicke des Reiches lenkte, regierte Maria Theresia die österreichischen Erblande selbständig. Obwohl sie nicht auf diese Rolle vorbereitet worden war, setzte, ihrem Wahlspruch „Justita et Clementia“ („Durch Gerechtigkeit und Milde“) folgend, mannigfaltigste Reformen durch. Innerhalb von zwanzig Jahren gebar sie zudem sechszehn Kinder, von denen vier Söhne und sechs Töchter das Erwachsenenalter erreichten. Wenn Maria Theresia das Schlachtglück – vor allem gegen den Preußenkönig Friedrich II. – nie hold war und sie Schlesien aufgeben musst, so nutzte sie ihre Kinder für eine ausgeklügelte Heiratspolitik, um die Macht der Habsburger in Europa auszubauen.

300 Jahre Maria Theresia: Strategin – Mutter – Reformerin

Österreich / Wien: Hofmobiliendepot, Wagenburg; Niederösterreich: Schloss Hof, Schloss Niederweiden
15.3. - 29.11.2017

Zuhanden Ihrer Majestät. Medaillen Maria Theresias

Österreich / Wien: KHM, Münzkabinett
28.3. – 18.2.2018

Maria Theresia. Habsburgs mächtigste Frau

Österreich / Wien: Nationalbibliothek
17.2. – 5.6.2017

Kirche, Kloster, Kaiserin - Maria Theresia und das sakrale Österreich

Österreich / Klosterneuburg: Stift Klosterneuburg
17.3. – 15.11.2017

Machtergreifung und Österreichischer Erbfolgekrieg

Als Kaiser Karl VI. am 20. Oktober 1740 verstarb, sollte Maria Theresia mit Hilfe der Pragmatischen Sanktion (1713) sein Erbe antreten können. Wenn auch ihr Vater mit dem Vertragswerk den Grundstein für eine weibliche Nachfolge legte, so wurde Maria Theresia dennoch nicht in die Politik eingeführt. Ihre Ausbildung umfasste vor allem das Erlernen von Sprachen. Wichtigste Bezugsperson der jungen Erzherzogin war ihre Aja, die verwitwete Gräfin Maria Karolina von Fuchs-Mollard, genannt die Füchsin (ab 1728). Die Bedeutung der Erzieherin für Maria Theresia zeigt, dass sie, obwohl keine Habsburgerin, in der Kapuzinergruft bestattet wurde. Die Erbhuldigung der niederösterreichischen Stände in Wien am 22. November 1740 markierte den ersten Schritt zur Machtübernahme Maria Theresias.

Trotz der Pragmatischen Sanktion machten Herrscher in Zentraleuropa ihre alten Ansprüche auf einzelne Gebiete der österreichischen Erblande geltend. Der wichtigste und auch erfolgreichste Widersacher von Maria Theresia war König Friedrich II. von Preußen (1712–1786). Bereits im Dezember 1740 fiel er mit seiner Armee in Schlesien ein. Das wirtschaftlich prosperierende Land wurde in den folgenden dreißig Jahren zum Zankapfel zwischen dem Preußenkönig und der Kaiserin. Um ein Heer aufstellen zu können, ließ sich Maria Theresia am 25. Juni 1741 in Pressburg (heute: Bratislava) zum König von Ungarn (rex Hungaricae) krönen. Am ungarischen Reichstag (11. September) bat sie, fälschlich der Legende nach mit dem kleinen Thronfolger am Arm, die Stände um Unterstützung im Kampf gegen Friedrich II., die ihr gewährt wurde. In allen Bildgattungen, so konnte Werner Telesko nachweisen, lässt sich dieses Datum in der Bildpropaganda nachweisen: Nun zeigt sich Maria Theresia als militärisch starke Regentin im Ringen um die politische Hegemonie in Europa.

„Einmal haben die Habsburger einen Mann und dieser ist eine Frau.“ (Friedrich II. von Preußen über Maria Theresia)

Friedrich II. errang im Ersten Schlesischen Krieg (1740–1742) dieses wohlhabende Land, was noch zu vielen weiteren Auseinandersetzungen zwischen dem Alten Fritz und Maria Theresia wurde. Um im Österreichischen Erbfolgekrieg (1741–1748), der 1741 durch die Eroberung von Prag durch die bayerischen und französischen Truppen begann, bestehen zu können, gab Maria Theresia Schlesien auf und ließ sich nach der Rückeroberung Prags 1743 im Veitsdom zur Königin von Böhmen krönen. Als Königin von Ungarn und Böhmen vereinte Maria Theresia neben den österreichischen Erblanden (Niederösterreichische Erbhuldigung 1740) jene beiden Landesteile, die ihre Machtbasis bilden sollten. Der Österreichische Erbfolgekrieg wuchs sich rasch zu einer gesamteuropäischen Auseinandersetzung aus, in der auf der Seite Maria Theresias die Staaten Großbritannien, Russland und die Niederlande gegen Frankreich, Bayern und Spanien ins Feld zogen. Er endete am 18. Oktober 1748 im Frieden von Aachen. Wenn auch Maria Theresia Schlesien und kleine Gebiete in Italien verlor, so konnte sie doch die Machtposition der Habsburger in Europa erhalten – und mit Hilfe der habsburgischen Heiratspolitik in den folgenden Jahrzehnten noch ausbauen.

Maria Theresia: Bündnisse und Feindschaften

 

Kinder und Heiratspolitik

Die Familia Augusta wurde durch die vielen Kinder von Maria Theresia und ihrem Mann eine wichtige Stütze für die Herrschaftssicherung. Einerseits garantierten die zehn Kinder, vier Söhne und zehn Töchter, die das Erwachsenenalter erreichten, die Fortführung der neu gegründeten Dynastie Habsburg-Lothringen, zum anderen ermöglichten sie eine ausgeklügelte Heiratspolitik. Nicht im Krieg wähnte sich Maria Theresia erfolgreich, sondern in der familiären Verbindung mit wichtigen europäischen Herrscherhäusern. Vor allem nach dem 1756 geschlossenen Bündnis mit Frankreich („Renversement des Alliances“) setzte ein Reigen von Eheschließungen mit dem Haus Bourbon und seinen in Spanien, Neapel-Sizilien, Parma und Frankreich regierenden Zweigen ein. Höhepunkt wurde die Vermählung von Marie Antoinette mit dem Dauphin Ludwig, dem späteren König Ludwig XVI.

Maria Theresia gilt als strenge, teils unversöhnliche und ungerechte Mutter. Sie und Franz Stephan boten ihren Kindern eine angemessene Erziehung, die vor allem auf den Spracherwerb Wert legte: Maria Theresias Kinder lernten Französisch, Italienisch, Spanisch, Wienerisch. Ihre Lieblingstochter Maria Christina durfte als einzige ihren Ehemann selbst wählen, weshalb die Hochzeit erst nach dem Tod von Kaiser Franz I. im Jahr 1766 stattfinden konnte. Gemeinsam mit Herzog Albert von Sachsen-Teschen begründete sie die Grafiksammlung der Albertina (→ Die Gründung der Albertina).
Alle anderen Kinder wurden der Staatsräson gemäß verheiratet, wobei es Maria Karolina 1768 am härtesten traf. Ihr Ehemann, König Ferdinand I. von Bourbon-Sizilien, war wenig gebildet, erfreute sich an der Jagd und maßlosem Essen. So war es auch seine Maria Karolina, die es ihrer Mutter Maria Theresia gleichtat, und die Regierungsgeschäfte übernahm. Kaiserin Maria Theresia ermutigte ihre Kinder sich gegenseitig zu besuchen und mittels Briefen Kontakt zu halten, während sie selbst in Wien blieb und daher kaum eines ihrer Enkelkinder persönlich kennenlernte.

Die Darstellung ihrer reichen Kinderschar Maria Theresias in der Kunst folgte einem propagandistischen Konzept: In Gruppenbildnissen, Stammtafeln und Porträtserien wird kaum auf emotionale Verhältnisse zwischen den Dargestellten wert gelegt, sondern auf die große Anzahl der Kinder in unterschiedlichen Lebensaltern.

  • Maria Elisabeth (1837–1740)
  • Maria Anna (1738–1789): Sie blieb unverheiratet, weil etwas verwachsen und kränklich. Maria Anna lebte von 1781 bis 1789 im Kloster der Elisabethinen in Klagenfurt.
  • Maria Karolina (1740–1741)
  • Joseph II. (1741–1790) ∞ Joseph II. mit der Prinzessin Isabella von Parma, der Enkeltochter Ludwigs XV. (1760); Prinzessin Maria Josepha von Bayern, Tochter Kaiser Karls VII. (1765)
  • Maria Christina (1742–1798 → Antonio Canova. Grabdenkmal für Erzherzogin Marie Christine) ∞ Albert von Sachsen-Teschen
  • Maria Elisabeth (1743–1808): Äbtissin in Innsbruck
  • Karl Joseph (1745–1761)
  • Maria Amalia (1746–1804) ∞ Herzog Ferdinand von Parma (1769)
  • Leopold II. (1747–1792) ∞ Infantin Maria Ludovica von Spanien (1765)
  • Maria Karolina († 1748)
  • Johanna Gabriela (1750–1762)
  • Maria Josepha (1751–1767)
  • Maria Karolina (1752–1814) ∞ König Ferdinand I. von Bourbon-Sizilien (1768)
  • Ferdinand Karl Anton (1754–1806) ∞ Herzogin Maria Beatrice d’Este, Tochter Herzog Herkules‘ III. von Modena (1771)
  • Maria Antonia (später: Marie Antoinette, 1755–1793) ∞ Ludwig XVI. (ab 1774) (1770)
  • Maximilian Franz (1756–1801): Hochmeister des Deutschen Ordens, Erzbischof-Kurfürst von Köln sowie Fürstbischof von Münster (ab 1784)

Maria Theresia: Kinder, Kunst und Kinofilm

 

Siebenjähriger Krieg

Um die wohlhabende Provinz Schlesien wieder zurückzuerobern, wechselte Maria Theresia ihre Verbündeten. Die Auseinandersetzung zwischen Frankreich und Großbritannien in den Kolonien in Amerika und Indien führten zu einer Annäherung von Preußen und Großbritannien. Frankreich löste sich daraufhin von einer Ausrichtung nach London, und Österreich löste sein Bündnis mit England im August 1755 nominell auf. Maria Theresias Berater Wenzel Anton von Kaunitz-Rietberg schlug ein Bündnis mit dem „Erbfeind“ Frankreich vor, das lange diplomatisch vorbereitet wurde. Preußen trat an die Seite der Briten, während Frankreich und Österreich in diesem „Renversement des Alliances [Umkehrung der Allianzen]“ (Mai 1757) zueinander fanden. Die nach Vertragsunterzeichnung einsetzende Heiratspolitik der Habsburg-Lothringer festigte den Wechsel auf politischer Ebene.

Der Siebenjährige Krieg (1756–1763) wuchs sich aufgrund der Bündnispolitik rasch zu einem Weltkrieg aus. Er wurde in Mitteleuropa, Portugal, Nordamerika, Indien, der Karibik und auf den Weltmeeren ausgetragen. Da es Maria Theresia vor allem um die Rückeroberung Schlesiens ging, wurde er auch der dritte Schlesische Krieg bezeichnet. Das Ergebnis war trotz gewonnener Schlacht von Koin (1757) für die Monarchin enttäuschend. In den Friedensschlüssen von 1762 und 1763 wurde der Status quo ante, also vor dem Kriegsbeginn, festgeschrieben. Schlesien blieb bei Preußen, das als fünfte europäische Großmacht aufstieg und aus dem europäischen Parkett nicht mehr verdrängt werden konnte.

Maria Theresia führte mehr als die Hälfte ihrer vierzigjährigen Regierungszeit Krieg. Militärische Erfolge waren seit ihres Machtantritts äußerst wichtig, weshalb sie das höhere Offizierscorps auch Bürgerlichen zugänglich machte. Alle Regulierungen dienten der Reform des Heeres, um schneller und schlagkräftiger mobil machen zu können. Die Gründung der Theresianischen Militärakademie in Wiener Neustadt (1751) sowie die Stiftung des Militär-Maria-Theresien-Ordens (1757) sind nur zwei der ausufernden Reformen und Vorschriften in der Ära Maria Theresia. Der Orden ist die erste sichtbare österreichische Militärauszeichnung für hervorragende Verdienste von Offizieren im Krieg und wurde erstmals an Leopold Joseph Grafen von Daun, dem Sieger von Kolin, verliehen.

 

Maria Theresias Reformen

„So ist ein Landesfürst schuldig, zu Aufnahme oder Erleichterung seiner Länder und Unterthanen wie auch deren Armen, alles anzuwenden, keineswegs aber mit Lustbarkeiten, Hoheiten und Magnifizenz die einhebenden Gelder zu verschwenden.“ (Maria Theresia)

Maria Theresia legte großen Reformeifer an den Tag. Nicht zuletzt die von ihr 1760 eingeführte Unterrichtspflicht (Schulpflicht) ist bis heute bekannt. Doch welche Reformen gehen noch auf Maria Theresia zurück?

Bereits mit ihrem Herrschaftsantritt organisierte sie das Staatswesen neu. Nachdem Maria Theresia in den 1740er Jahren ihre Herrschaftsansprüche verteidigt hatte, regelte sie Staatswesen, Münzprägung sowie die erste Ausgabe von Papiergeld im Jahr 1762, Steuern und das Militär neu. Die Abschaffung der Folter geschah nicht aus eigenem Antrieb, sondern auf Einflussnahme durch Joseph von Sonnenfels am 2. Jänner 1776. Zu den weniger bekannten Errungenschaften der maria-theresianischen Zeit gehört die Einführung von Hausnummern (1770) und die Volkszählung (aus militärischen Gründen ab 1754). Zu den weniger populären Maßnahmen der katholischen Regentin zählt die Zwangsumsiedelung von Protestanten aus den österreichischen Erblanden in das multiethnische, spärlich besiedelte Ungarn.

Die Einführung der Schulpflicht. Im Jahr 1760 schuf sie mit der Studien- und Bücher-Zensur-Hofcommission ein staatliches Zentralorgan für die Neuorganisation des Bildungswesens. Zukünftige Diplomaten bekamen ab 1746 in der Theresianischen Ritterakademie auf der Wieden ihren ersten Schliff. Der aus Preußen stammende, aufgeklärte Geistliche Johann Ignaz von Felbiger war für die Reformen zuständig. Der Niederländer Gerard van Swieten, der als Leibarzt Maria Theresias nach Wien berufen worden war, war für die Reform der höheren Bildung zuständig. Durch die Aufhebung des Jesuitenordens (1773) fiel die Kontrolle der Universität in staatliche Hand. Zudem wurde die erste Wiener Medizinischen Schule gegründet. Forscher aus den Niederlanden wie der Mediziner Anton de Haen oder der Botaniker Nikolaus Freiherr von Jacquin, der den Botanischen Garten anlegte, prägten in diesen Jahren die Lehre der Universität Wien.

Maria Theresia: Reformen und Modernisierung

 

Maria Theresia und Schloss Schönbrunn

Zu den bedeutendsten Kunstwerken der maria-theresianischen Zeit zählt Schloss Schönbrunn, dass die Kaiserin von ihrem Vater Kaiser Karl VI. als Jagdschloss erbte. Maria Theresia beauftragte Nikolaus Pacassi mit der Erweiterung und Ausstattung der Innenräume. Franz Stephan von Lothringen hingegen kümmerte sich um die barocke Gartenanlage. Er ließ ein sternförmiges Alleensystem anlegen, das Blickachsen (vor allem die Diagonalalleen zum Schloss hin) öffnen. Dem Parterre in der Mittelachse wurde, wie Gemälde von Antonio Canal, genannt Canaletto, belegen, so genannte Broderieparterres angelegt. Ihre Muster gehen auf gestickte Ornamente zurück und konnten vornehmlich von der Bel Etage aus bewundert werden.

Ab 1752 erweiterte der Kaiser den Garten von Schönbrunn im Westen um eine Menagerie nach Plänen von Nicolas Jadot (Pavillon 1759) und den Holländisch-Botanischen Garten. Glashäuser bargen exotische Pflanzen, die Franz Stephan mit Begeisterung sammelte. Bis 1770 waren Schloss und Garten weitgehend fertiggestellt.

Während der zweiten Hälfte der 1770er Jahre erfolgte der abschließende Umbau des Gartens, der bis dahin noch immer von einem ungestalteten Berg abgeschlossen wurde. Johann Ferdinand Hetzendorf von Hohenberg (1733–1816) plante zwischen dem Neptunbrunnen am Fuße des Berges und der Gloriette eine aufwändige Terrassengestaltung, die jedoch nicht umgesetzt wurde. Die Gloriette wurde im Jahr 1775 als „Ruhmestempel“ und Ehrenmal zur Erinnerung an die siegreiche Schlacht von Kolin (6.5.1757) gegen Friedrich II. errichtet. Gleichzeitig wurde das Große Parterre neugestaltet und 1777 von Johann Wilhelm Beyer und seiner Werkstatt mythologische Statuen an den Heckenwänden aufgestellt. Die Römische Ruine, der Obeliskbrunnen und der Schöne Brunnen sind ebenfalls Schöpfungen dieser Jahre. Bis 1780, dem Todesjahr Maria Theresias, waren alle Arbeiten abgeschlossen. Schon 1779 wurde die Gartenanlage der Wiener Bevölkerung zugänglich gemacht.

 

Maria Theresia als Witwe

Nach dem überraschenden Tod von Franz Stephan am 18. August 1765 in Innsbruck, veränderte Maria Theresia ihre Lebenshaltung und ihr öffentliches Auftreten gänzlich. Sie trat für den Rest ihres Lebens nur noch in schwarzer Witwentracht auf und ließ sich auch so darstellen. „Zum ewigen Gedenken“ an ihren Gemahl gründete sie das adelige weltliche Damenstift in Innsbruck. Ihre Tochter Erzherzogin Maria Elisabeth (1743–1808) wurde zur ersten (und einzigen) Äbtissin bestellt. Das gemeinsame Schlafzimmer in Schönbrunn, das Maria Theresia entgegen allen Gepflogenheiten der barocken Palastarchitektur durchgesetzt hatte, wurde verschlossen. Der französische Porträtmaler Joseph Ducreux (1734–1802) schuf ein Bildnis Maria Theresias in Witwentracht (1769), das in vielfachen Variationen vervielfältigt wurde. Es zeigt die trauernde Witwe als Privatperson und nicht mehr als Regentin.

 

Titel

Maria Theresia zu Gottes Gnaden Römische Kaiserin Wittib, Königin zu Hungarn, Böheim, Dalmatien, Croatien, Slavonien, Gallizien, Lodomerien, etc. etc., Erzherzogin zu Österreich, Herzogin zu Burgund, zu Steyer, zu Kärnten, zu Crain, Großfürstin zu Siebenbürgen, Marggräfin zu Mähren, Herzogin zu Braband, zu Limburg, zu Luxenburg und zu Geldern, zu Württemberg, zu Ober- und Nieder-Schlesien, zu Mailand, zu Mantua, zu Parma, zu Piacenza, zu Guastala, zu Auschwitz und Zator, Fürstin zu Schwaben, gefürstete Gräfin zu Habsburg, zu Flandern, zu Tirol, zu Hennegau, zu Kyburg, zu Görz und zu Gradisca, Marggräfin des Heiligen Römischen Reiches, zu Burgau, zu Ober- und Nieder-Laußnitz, Gräfin zu Namur, Frau auf  der Windischen Mark und zu Mecheln, verwitwete Herzogin zu Lothringen und Baar, Großherzogin zu Toskana (Großer Titel Maria Theresias, nach 1765)

 

Biografie von Maria Theresia (1717–1784)

Am 13. Mai 1717 wurde Maria Theresia Walburga Amalia Christina von Österreich als erste Tochter des römisch-deutschen Kaisers Karl VI. (1685–1740) und Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel (1691–1750) geboren. Ein Jahr zuvor war der einzige Sohn Leopold zur Welt gekommen und noch im ersten Lebensjahr verstorben.
1718 Geburt ihrer Schwester Maria Anna.
1723 Der fünfzehnjährige Franz Stephan von Lothringen kam im Juni an den Wiener Hof, um hier eine weltmännische Erziehung zu erhalten.
1724 Geburt ihrer Schwester Maria Amalia.
1728 Die Erziehung der elfjährigen Maria Theresia wurde der verwitweten Gräfin Maria Karolina von Fuchs-Mollard, genannt die Füchsin, als Aja. Ihre Bedeutung für beide Erzherzoginnen zeigt, dass sie, obwohl keine Habsburgerin, in der Kapuzinergruft bestattet wurde.
1729 Franz Stephan von Lothringen mussten den Wiener Hof verlassen, um die Regentschaft in Lothringen anzutreten. Seine Spielgefährtin Maria Theresia war darüber verzweifelt.
1730 Tod ihrer Schwester Maria Amalia im Alter von sechs Jahren.
1732 Rückkehr von Franz Stephan von Lothringen nach Wien.
1736 Offizielle Brautwerbung (21.1.) und Abreise des Bräutigams bis zur Hochzeit nach Pressburg (heute: Bratislava); Hochzeit mit Franz Stephan von Lothringen (12.2.) in der Wiener Augustinerkirche. Um das Mächtegleichweicht in Europa nicht zu stören, musste Franz Stephan auf seine Herzogtümer Lothringen und Bar verzichten. Nach dem Aussterben der Medici erhielt er das Großherzogtum der Toskana.
1737 Geburt der ersten Tochter Maria Elisabeth (1837–1740)
1738 Geburt der zweiten Tochter Maria Anna (1738–1789). Das Kind war bereits kränklich und lebte später in Klagenfurt.
1740 Tod von Karl VI.; Geburt von Maria Karolina (1740–1741); Niederösterreichische Erbhuldigung. Friedrich II. marschierte am 16. Dezember 1740 im wirtschaftlich prosperierenden Schlesien ein, was den Ersten Schlesischen Krieg (bis 1742) auslöste. Gleichzeitig musste Maria Theresia auch den Österreichischen Erbfolgekrieg gegen Bayern, Spanien, Sachsen, Frankreich, Schweden, Neapel, die Kurpfalz und Kurköln überstehen. Unterstützt wurde Maria Theresia dabei von Großbritannien und den Niederlanden. Anlässlich ihrer Krönung zur Königin von Ungarn sagten ihr die ungarischen Stände eine Unterstützung von 20.000 Soldaten zu.
1741 Geburt des Thronfolgers Joseph II. (1741–1790). Krönung zur ungarischen Königin (rex Hungariae) in Pressburg (heute: Bratislava) am 25. Juni 1741. Reise zum ungarischen Reichstag, um die ungarischen Magnaten um Hilfe zu ersuchen (11.9.). Prag wurde von den alliierten bayerischen und französischen Truppen erobert (26.11.).
1742 Geburt der Tochter Maria Christina (1742–1798). Im Reich wurde der Wittelsbacher Karl VII. (1697–1745) zum Kaiser gewählt (24.1.). Einen Tag danach eroberten österreichische Truppen seine Hauptstadt München. Präliminarfriede von Breslau: Maria Theresia musste Schlesien und die Grafschaft Glatz an Preußen abtreten (11.6.). Rückeroberung von Prag (Dezember). Gründung der Haus-, Hof- und Staatskanzlei als Behörde mit v.a. außenpolitischer Agenda.
1743 Geburt der Tochter Maria Elisabeth (1743–1808, spätere Äbtissin in Innsbruck). Krönung von Maria Theresia im Veitsdom zur Königin von Böhmen. Baubeginn von Schloss Schönbrunn (1743–1749) durch den Hofbauamtsleiter Nikolaus Pacassi (eigenes Theater, neue Raumaufteilung).
1744 Friedrich II. von Preußen griff erneut an und löste damit den Zweiten Schlesischen Krieg aus. Hochzeit von Maria Anna mit Karl Alexander von Lothringen, dem jüngeren Bruder von Franz Stephan, in der Wiener Augustinerkirche. Das Paar wurde als Statthalter in die Niederlande geschickt. Noch im gleichen Jahr gebar Maria Anna ein totes Kind und verstarb selbst wenige Stunden später im Kindbett. Maria Theresia betrauerte den Tod ihrer Schwester sehr. Der nunmehr verwitwete Schwager wurde einer der wichtigsten Berater der Königin von Ungarn und Böhmen.
1745 Geburt des Sohnes Karl Joseph (1745–1761). Im Vertrag von Dresden akzeptierte Maria Theresia den Verlust von Schlesien. Nach dem Tod des Wittelsbachers Karl VII. setzte Maria Theresia im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation die Wahl und Krönung ihres Mannes zum Kaiser durch. Sie selbst ließ sich nicht zur Kaiserin krönen.
1746 Geburt der Tochter Maria Amalia (1746–1804).
1747 Geburt des dritten Sohnes Leopold II. (1747–1792)
1748 Geburt der Tochter Maria Karolina, die noch im gleichen Jahr starb. Friede von Aachen besiegelte das Ende des Erbfolgekriegs. Der Verlust von Schlesien wurde noch einmal bestätigt. Zudem verlor sie die Herzogtümer Parma und Piacenza, sowie Guastalla an Philipp von Spanien (1720–1765).
1749 Directorium in publicis et cameralibus, österreichische und böhmische Hofkanzlei (in Ungarn und die österreichischen Niederlande konnten sich ständische Einrichtungen halten).
1750 Geburt der Tochter Johanna Gabriela (1750–1762). Politische Denkschrift
1751 Geburt der Tochter Maria Josepha (1751–1767). Eröffnung der Theresianischen Militärakademie in Wiener Neustadt.
1752 Geburt der Tochter Maria Karolina (1752–1814)
1753 Kaunitz Rietberg löste Staatsminister Bartenstein ab, da dieser schon seit 1749 für eine Annäherung an Frankreich plädiert hatte. Durch die Konvention von Westminster (1756), ein Bündnis zwischen Großbritannien und Preußen, sah sich Maria Theresia bedroht. Einweihung des neuen Wiener Universitätsgebäudes.
1754 Geburt von Ferdinand Karl Anton (1754–1806). Balthasar Moll errichtete den monumentalen Prunksarkophag für Maria Theresia und Franz Stephan in der Kapuzinergruft.
1755 Geburt von Maria Antonia (später: Marie Antoinette). Politische Denkschrift. Kauf des Jagdschlosses Schloss Hof (erbaut von Prinz Eugen 1725–1729, Lucas von Hildebrandt). Maria Theresia ließ das Gebäude um einen Stock aufstocken.
1756 Geburt des letzten Kindes von Maria Theresia: Maximilian Franz (1756–1801), dem späteren Hochmeister des Deutschen Ordens, Erzbischof-Kurfürst von Köln sowie Fürstbischof von Münster (ab 1784). Dem Direktorium wurde das Generalkriegskommissariat zugeschlagen. Friedrich II. marschierte am 29. August in Kursachsen ein, das mit Österreich verbündet war. Das war der Beginn des Siebenjährigen Kriegs um Schlesien. „Renversement des Alliances“, das neue Bündnis mit Frankreich, ermöglichte die Annäherung des französischen Königshauses mit den Habsburgern.
1757 Anlässlich der siegreichen Schlacht von Kolin (6.5.1757) gegen Friedrich II. von Preußen stiftete Maria Theresia den Militär-Maria-Theresien-Orden.
1760 Hochzeit von Joseph II. mit der Prinzessin Isabella von Parma, der Enkeltochter Ludwigs XV. Studien- und Bücher-Zensur-Hofkommission als zentrale Behörde für Bildungspolitik gegründet. Neugestaltung des Redoutensaaltraktes der Hofburg durch Pacassi.
1761 Das Generalkriegskommissariat wurde aus dem Direktorium wieder ausgegliedert (zu schwerfällig). Umbenennung des Direktoriums in Österreichische und böhmische Hofkanzlei.
1762 Maria Theresia kaufte in Laxenburg den Blauensteiner-Hof und das angrenzende Prucknersche Haus. Überliefertes Zusammentreffen von Maria Theresia und Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791).
1763 Im Friede von Hubertusburg wurde Schlesien endgültig Preußen zugeschlagen.
1764 Stiftung de Sankt-Stephan-Ordens als ziviles Gegenstück des Maria-Theresia-Ordens.
1765 Tod von Franz Stephan (18.8.); Hochzeit von Joseph II. mit der Prinzessin Maria Josepha von Bayern, Tochter Kaiser Karls VII.; Hochzeit von Leopold II. mit Infantin Maria Ludovica von Spanien. In Gedenken an ihn trug sie danach nur noch die schwarze Witwentracht und stiftete das adelig-weltliche Damenstift in Innsbruck, das von Maria Elisabeth bis zu ihrem Tod 1808 leitete. Maria Theresias Sohn Joseph wurde Mitregent.
1766 Hochzeit von Maria Christina mit Albert von Sachsen-Teschen (→ XX)
1767 Maria Theresie und Maria Elisabeth, die als die hübscheste Tochter von Maria Theresia galt, erkrankten an den Blattern und genasen. Maria Elisabeth schied aufgrund ihrer Narben aus den Hochzeitsplänen ihrer Mutter aus.
1768 Hochzeit von Maria Karolina mit dem König Ferdinand I. von Bourbon-Sizilien.
1769 Hochzeit von Maria Amalie mit Herzog Ferdinand von Parma; die Braut protestierte heftigst gegen die Eheschließung. Veröffentlichung des „Codex Theresianus“, mit Hilfe dieses Gesetzbuches wurde die Rechtsprechung vereinheitlicht. „Constitutio Criminalis Theresiana“
1770 Hochzeit von Marie Antoinette (Maria Antonia) mit Ludwig XVI. (ab 1774).
1771 Hochzeit von Ferdinand Karl Anton mit der Herzogin Maria Beatrice d’Este, Tochter Herzog Herkules‘ III. von Modena.
1772 Erste Teilung Polens: Maria Theresia erhielt Galizien und Lodomerien.
1773 Aufhebung des Jesuitenordens, der die Universität Wien kontrollierte und im Schulwesen eine wichtige Stellung eingenommen hatte. Joseph bereitete den Erwerb der Bukowina durch Annexion vor.
1774 „Allgemeinen Schulordnung für die deutschen Normal-, Haupt und Trivialschulen in sämmtlichen Kayserlichen Königlichen Erbländern“ (6.12.) bedeutete die Einführung der allgemeinen Schulpflicht. Auf dem Land wurden einklassige Volksschulen für sechs- bis zwölfjährige Kinder eingerichtet. Bis zu ihrem Tod im Jahr 1780 wurden bereits 500 Volksschulen eingerichtet.
1775 Die Zollordnung definierte Böhmen und die österreichischen Erblande als einheitliches Zollgebiet. Bau der Gloriette im Garten von Schloss Schönbrunn nach Plänen von Johann Ferdinand Hetzendorf von Hohenberg (1733–1816) als „Ruhmestempel“ und Ehrenmal zur Erinnerung an die siegreiche Schlacht von Kolin (18.6.1757) gegen Friedrich II.
1776 Abschaffung der Folter durch den Einfluss ihres Sohnes Joseph I.
1778 Nach dem Aussterben der bayerischen Linie der Wittelsbacher 1777 erhob Joseph Anspruch auf Niederbayern und die Oberpfalz. In der Wiener Konvention besiegelten Joseph II. und Kurfürst Karl Theodor den Tausch dieser Länder gegen finanzielle Leistungen und Vorderösterreich, d. h. Freiburg und Konstanz (3.1.). Danach rückten österreichische Truppen in der Oberpfalz und Niederbayern ein. Am 5. Juli 1778 marschierten preußische Truppen in Böhmen ein. Aufgrund der logistischen Probleme wurde der Bayerische Erbfolgekrieg als „Kartoffelkrieg“ (preußische Seite) und „Zwetschkenrummel“ (österreichische Seite) bezeichnet.
1779 Der Friede von Teschen beendete den Bayerischen Erbfolgekrieg ohne Schlacht (13.5.).
Am 29. November 1780 verstarb Maria Theresia an einer Lungenentzündung in der Wiener Hofburg. Am Sonntag, dem 3. Dezember, wurde sie in einem Doppelsarkophag an der Seite ihres 1765 verstorbenen Ehemannes Franz Stephan in der Kapuzinergruft beigesetzt.
Kaiser Joseph II. ordnete an, dass seine Schwester Maria Anna den Hof in Wien verlassen musste. Sie lebte von 1781 bis 1789 im Kloster der Elisabethinen in Klagenfurt.
Das berühmteste Denkmal für Maria Theresia wurde 1888 auf dem Platz zwischen den beiden Hofmuseen (heute: Kunsthistorisches Museum und Naturhistorisches Museum) errichtet. Nach einem Programm des Historikers Alfred von Arneth und eines Entwurfs von Caspar von Zumbusch zeigt die monumentale Skulptur die thronende Kaiserin, umgeben von ihren wichtigsten Beratern. Ihre Regentschaft galt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zunehmend als kulturelle und nationale Blüte.

Alexandra Matzner
* 1974 in Linz, Studium der Kunstgschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn in Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.