Mondrian: Boogie Woogie (Wanderausstellung 2027/28)

Piet Mondrian, Broadway Boogie Woogie & Victory Boogie Woogie, Ausstellungsplakat 2027 MoMA.
Zum ersten Mal seit mehr als 80 Jahren kommen Piet Mondrians letzte beide Gemälde wieder in den Niederlanden zusammen: Victory Boogie Woogie und Broadway Boogie Woogie (→ Alles Wissenswerte zu Piet Mondrian hier.). Zuletzt waren beide Werke 1946 gemeinsam in den Niederlanden zu sehen.1 Die Ausstellung „Mondrian. Boogie Woogie“ wird gemeinsam vom Kunstmuseum Den Haag und dem Museum of Modern Art in New York organisiert, in Kooperation mit der Rijksdienst voor het Cultureel Erfgoed (RCE) und dem RKD – Nederlands Instituut voor Kunstgeschiedenis.2 Sie ist an zwei Stationen zu sehen:
Station | Institution | Laufzeit |
1 | The Museum of Modern Art, New York | 21. März – 31. Juli 2027 |
2 | Kunstmuseum Den Haag | 10. September 2027 – 30. Januar 2028 |
Für die New Yorker Station reist Victory Boogie Woogie eigens aus Den Haag an, was nur in Ausnahmefällen geschieht.3 Broadway Boogie Woogie gehört zur ständigen Sammlung des MoMA, Victory Boogie Woogie ist als Dauerleihgabe der Rijksdienst voor het Cultureel Erfgoed im Kunstmuseum Den Haag beheimatet.
Kuratorium
New York: Leah Dickerman (Director, Research Programs), Carlota Ortiz Monasterio (Curatorial Assistant). Das musikalische Begleitprogramm verantworten der Musiker und Komponist Jason Moran sowie der Wissenschaftler Brent Hayes Edwards (US-amerikanischer Literaturwissenschaftler und Professor an der Columbia University mit Schwerpunkt auf „schwarzem Internationalismus“ sowie der Verbindung zwischen Jazz und der afroamerikanischen sowie frankophonen Literatur).
Den Haag: Margriet Schavemaker (Algemeen Directeur), Thijs de Raedt (Head of Collections & Exhibitions), Caro Verbeek (Kuratorin).
Zwei Gemälde, eine Atelier und ein Wettlauf mit der Zeit
Mondrian arbeitete in den dunkelsten Kriegsjahren zugleich an Victory Boogie Woogie und Broadway Boogie Woogie in seinem New Yorker Atelier.4 Als Broadway Boogie Woogie fertiggestellt war, erwarb es das MoMA umgehend. Victory Boogie Woogie dagegen konnte Mondrian nicht mehr vollenden: Er starb am 1. Februar 1944, bevor die zahlreichen Stücke aus Klebeband, mit denen er die Komposition bis zuletzt erprobte, vollständig in Farbe übersetzt waren. Neben den beiden Hauptwerken zeigt die Ausstellung auch New York City (1942), Mondrians drittes New Yorker Schlüsselwerk: Hier gab er die schwarze Linie zugunsten durchgehender Farblinien vollständig auf – ein Zwischenschritt auf dem Weg zu den beiden Boogie-Woogie-Bildern.5

Piet Mondrian: Broadway Boogie Woogie

Piet Mondrian: Victory Boogie Woogie
Mondrians Flucht von London nach New York
Die Ausstellung zeigt auch persönliches Archivmaterial zu Mondrians Überfahrt von London nach New York 1940 (→ Mehr zu Piet Mondrians Biografie). Der Niederländer verbrachte die gesamte Reise an Deck eines Schiffs, das Teil eines von deutschen U-Booten bedrohten Konvois war, mit zusammengerollten Leinwänden und einer Schwimmweste um den Körper. Die Angst dieser Überfahrt hinterließ tiefe Spuren; erst die Skyline von New York brachte dem Künstler Entspannung und die wiedergefundene Freiheit, künstlerisch weiter zu experimentieren.6
Café Society
Zentrales Thema der Ausstellung ist das legendäre Café Society, manchmal auch Café Society Downtown genannt, zu seiner Zeit der einzige Ort in New York, an dem schwarze und weiße Menschen gemeinsam auftreten und gemeinsam im Publikum sitzen durften. Gegründet wurde der Club kurz vor Mondrians Ankunft von Barney Josephson; zu den prägenden Musiker:innen zählten das „Boogie Woogie Trio“ – Albert Ammons, Meade „Lux“ Lewis und Pete Johnson –, dazu Mary Lou Williams, Billie Holiday und Lena Horne. Die drei Pianisten hatten im Dezember 1938 beim legendären Konzert „From Spirituals to Swing“ in der Carnegie Hall für Furore gesorgt.7
Im Café Society tanzte Mondrian regelmäßig, hier wuchs seine Liebe zum Boogie-Woogie, einem Musikstil mit Wurzeln in der afrikanischen Diaspora, der zu einer entscheidenden Inspirationsquelle für sein Werk wurde. Die Musik regte ihn nicht nur zu Victory Boogie Woogie und Broadway Boogie Woogie an, sondern auch dazu, mehrere bereits in Europa begonnene Gemälde noch einmal zu überarbeiten.8 Die Ausstellung lädt ihr Publikum ein, den Boogie-Woogie selbst (wieder) zu entdecken und zwischen den Kunstwerken zu tanzen.9
Transatlantische Werke
Neben den beiden Hauptwerken zeigt die Ausstellung zehn von Mondrians so genannten „transatlantischen“ Gemälden: Damit bezeichnet man jene Bilder, die der Niederländer aus Europa mitgebrach hatte und in New York im Sinne des Boogie-Woogie weiterbearbeitete.10 Der Begriff korrespondiert mit dem Titel der grundlegenden Studie von Harry Cooper und Ron Spronk, Mondrian: The Transatlantic Paintings (2001), die diesen Werkkomplex erstmals systematisch untersucht hat.
Wissenschaftliche Forschung
Die Ausstellung stützt sich auf umfangreiche materialtechnische Untersuchungen. Mittels Augmented Reality und hochauflösenden 3D-Repliken kann das Publikum den Entstehungsprozess der Werke nachvollziehen.11 Eine zweisprachige, reich bebilderte Publikation (Niederländisch/Englisch) begleitet die Schau, mit neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Geschichte der Boogie-Woogie-Musik und Mondrians Bezug dazu, Texten zu seinen New Yorker Ateliers sowie Ergebnissen der materialtechnischen Forschung.
Zu den Autor:innen zählen neben den Kuratorinnen Leah Dickerman, Margriet Schavemaker und Caro Verbeek unter anderem Wietse Coppes, Brent Hayes Edwards, Doede Hardeman, Fred Moten, Thijs de Raedt und Caitlin Ryan; die materialtechnische Forschung verantworten die Konservator:innen Michael Duffy, Abed Haddad, Laura Kolkena und Inez van der Werf.12
Stimmen zur Ausstellung
„Wir sind ungemein stolz und freuen uns sehr, diese besondere Ausstellung in Zusammenarbeit mit unseren Partnern MoMA, RCE und RKD zu realisieren, in der herausragende Expertise und bahnbrechende Erkenntnisse zusammenkommen. Die Wiedervereinigung von Mondrians letzten Meisterwerken ist ein einzigartiger Moment für die Niederlande.“13 (Margriet Schavemaker, Algemeen Directeur Kunstmuseum Den Haag)
„Diese beiden faszinierenden Reisen – die von Mondrian und die des Boogie-Woogie – erzählen von Migration, Diaspora, Begegnung und Neuinterpretation. […] Wir freuen uns sehr, gemeinsam mit dem Kunstmuseum Den Haag zwei von Mondrians eindrucksvollsten und beliebtesten Werken wieder zusammenzubringen.“14 (Leah Dickerman, Director, Research Programs, MoMA)
- Pressemitteilung Kunstmuseum Den Haag/MoMA, Juli 2026.
- Ebd.
- Ebd.
- Pressemitteilung Kunstmuseum Den Haag/MoMA, Juli 2026.
- Harry Cooper, „Mondrian, Hegel, Boogie", in: October 84 (Frühjahr 1998), S. 131–132; MoMA-Pressemitteilung, 08.06.2026.
- Ebd.
- MoMA-Pressemitteilung, 08.06.2026.
- Pressemitteilung Kunstmuseum Den Haag/MoMA, Juli 2026.
- Ebd.
- Pressetext Kunstmuseum Den Haag, Ergänzung Juli 2026.
- Pressemitteilung Kunstmuseum Den Haag/MoMA, Juli 2026.
- MoMA-Pressemitteilung, 08.06.2026.
- Ebd.
- Ebd.
