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Piet Mondrian: Biografie Lebenslauf und Chronologie des niederländischen Malers der Abstrakten Kunst

Charles Karsten, Piet Mondrian in seinem Atelier, Paris Oktober 1933 (Collection RKD – Netherlands Institute for Art History)

Charles Karsten, Piet Mondrian in seinem Atelier, Paris Oktober 1933 (Collection RKD – Netherlands Institute for Art History)

Piet Mondrian (1872–1944) zählt zu den „Erfindern“ der Abstrakten Kunst und den bedeutendsten Malern der Niederlande (→ Abstrakte Kunst). Der Autodidakt empfand sich in seinen Anfängen als Landschaftsmaler und wandte sich kurz nach 1900 dem Postimpressionismus und der Theosophie zu (→ Postimpressionismus | Pointillismus | Divisionismus). In intensiver Auseinandersatzung mit dem symbolistischen Werk von Jan Toroop strebte er bereits 1908 eine „Loslösung vom Stoff“ an. Zwischen 1912 und 1914 arbeitete er an immer reduzierteren „Darstellungen“ eines blühenden Apfelbaums bzw. eines Herbstbaums in Paris, die er als „Komposition“ bezeichnete und durchnummerierte. Damit hatte sich Piet Mondrian vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs von der Darstellung der sichtbaren Welt gelöst und einen Weg gefunden, Harmonie und Proportion auf ungegenständliche Weise anzusprechen.

Während des Ersten Weltkriegs lebte Mondrian wieder in den Niederlanden. Hier entwickelte er seinen berühmten Stil, für den er sich auf die Primärfarben sowie die Nichtfarben Weiß und Schwarz, Linien und Flächen beschränkte. In den 1920er Jahren war Piet Mondrian Mitglied der Künstlergruppe „De Stijl“ in Amsterdam und „Abstraction-Création“ in Paris. Der Junggeselle, der sein Leben ganz der Kunst widmete, gestaltete seine Ateliers im Stil seiner Bilder. Bis Mitte der Zwanziger Jahre war er zu einem der bedeutendsten Künstler der Avantgarde aufgestiegen und wurde international ausgestellt. Auch amerikanische Sammler und Institutionen wurden auf den niederländischen Maler aufmerksam. Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs zwang Piet Mondrian zur Emigration nach London und 1939 weiter nach New York. Hier begann er mit Klebebändern zu arbeiten. Als Piet Mondrian 1944 an einer Lungenentzündung verstarb, gehörte er zu den berühmtesten Künstlern seiner Zeit. Ein Jahr nach seinem Tod widmete ihm das Museum of Modern Art eine erste posthume Retrospektive.

 

Ausbildung

Der 1872 als Sohn eines Lehrers in Amersfoort geborene Künstler war westgehend Autodidakt. Ersten Malunterricht erhielt er durch seinen Onkel Frits. Zwischen 1892 und 1894 studierte Piet Mondrian an der Rijksakademie ein und zog nach Amsterdam. Die Grundlagen der Ausbildung zum Zeichenlehrer waren kompakte, geschlossene Form, Einfachheit und Wahrhaftigkeit als Grundlagen des Schönen. Im Anschluss besuchte er einen einjährigen Abendkurs im Zeichnen an der Rijksacademie.

 

Anfänge als Künstler

Ab 1897 war Mondrian Mitglied der Künstlervereinigungen Arti et Amicitiae und St. Lucas, wo er drei Mal pro Jahr seine Werke ausstellen konnte. Um 1900 wandte er sich der Landschaftsmalerei zu, die in den Niederlanden in der Haager Schule eine besonders wichtige Tradition hatte. Er malte rund um das Flüsschen Het Gein das Polderland. Dort entstanden Gemälde von Bauernhöfen, Mühlen und Landschaften. In diesem Jahr traf er Simon Maris (1873–1935), der Sohn von Willem Maris (1844–1910), einem Hauptvertreter der Haager Schule.

Nach einem kurzen Aufenthalt in Uden (südliche Provinz Brabant, in der Nähe von s’Hertogenbosch) im Jahr 1904 kehrte er kehrte er 1905/06 nach Amsterdam zurück. Auf einem Gut südöstlich von Hengelo konnte er malen. Dort fand er eine völlig andere Landschaft vor – Wälder, Heide- und Ackerland. Piet Mondrian sah sich in dieser Zeit selbst als Landschaftsmaler (Kurzbiografie in „Onze Meesters“).

 

Theosophie und Neoimpressionismus

Am 6. und 7. März 1908 hielt Rudolf Steiner in Amsterdam Vorträge zur Theosophie (Titel: „Theosophie, Goethe und Hegel“), ohne dabei Goethes Farbenlehre oder Kunstverständnis anzusprechen. Im Mai konnte Piet Mondrian in einer von St. Lucas organisierten Schau das neoimpressionistische Werk von Jan Toroop (1858–1928) sehen. Mondrian präsentierte vier Landschaften und wurde gemeinsam mit Jan Sluijters (1881–1951) als avantgardistischer Künstler erkannt. Sluijters hatte sich in Paris mit den Werken der Fauvisten auseinandergesetzt (→ Matisse und die Künstler des Fauvismus).

Im September besuchte Mondrian Toroop im Seebad Domburg (Seeland). Ihre Gesprächsthemen waren Glaubensfragen und das Sichtbarmachen des Geistigen in der Kunst. Neben Rudolf Steiner und Jan Toroop spielte auch das späte Werk von Vincent van Gogh (1853–1890), Georges Seurat (→ Georges Seurat, Erfinder des Pointillismus), Edvard Munch eine große Rolle. Van Goghs späte Bilder konnte Piet Mondrian bis Ende Oktober 1908 in der Kunsthandlung C. M. van Gogh in Amsterdam in einer Retrospektive sehen.

Ab 1909 begann Piet Mondrian seine künstlerischen Ziele in Artikeln und theoretischen Texten zu verbalisieren und zu veröffentlichen: Die geistige Seite des Kunstwerks wäre durch Farbe und Linie sowie abweichende Technik darzustellen. Mondrian erkannte einen „großen Zusammenhang“ zwischen Kunst und Philosophie. Er strebte eine „Loslösung vom Stoff“ an. Das führte dazu, dass Mondrian den Fußboden und die Täfelung seines Ateliers mit Schwarz und die Wände und Möbel Weiß anmalte. In diesem Jahr malte er großformatige Strandbilder und Ansichten des Leuchtturms von Westkapelle.

Seine moderne Malerei verschaffte ihm internationale Aufmerksamkeit, sodass Piet Mondrian am 10. Juni 1910 in die Société des Artistes Indépendants aufgenommen wurde. Auf der ersten Ausstellung des Modere Kunstkring 1911 zeigte man Werke von Paul Cézanne (ab 6.10), der als Vorläufer gesehen wurde, gemeinsam mit Werken von Pablo Picasso und George Braque. Piet Mondrian war mit sechs Werken ebenfalls vertreten, darunter u.a. das Triptychon „Evolution“ (1911, Gemeentemuseum, Den Haag). Im selben Jahr stand Mondrian kurz davor Greta Heijbroek (1884–1964) zu heiraten. Er entschied sich dagegen und dafür, nur für die Kunst zu Leben. Ende des Jahres zog Piet Mondrian von Amsterdam nach Paris.

 

„Erfinder“ der Abstraktion: Bäume in Paris

1912 stellte Piet Mondrian drei Werke im Salon des Indépendiants aus. Seine Bilder hingen neben Werken von Albert Gleizes, Fernand Léger und Jean Metzinger. Dieser Raum wurde von André Salmon gestaltet und galt als das „Königsreich der Kubisten“. Mondrian bezog ein Ateliergebäude in der Rue du Départ Nr. 26, gleich neben dem Atelier des Malers Diego Rivera (1886–1957). In den Sommermonaten reiste Mondrian zurück nach Amsterdam und besuchte auch die Städte Arnheim und Domburg. Zur zweiten Ausstellung des Moderne Kunstkring in Amsterdam, mit dem Schwerpunkt Paul Gauguin und Le Fauconnier, reichte Mondrian seine jüngsten Werke ein, darunter auch die gemalten Pariser Bäume im Herbst, in denen er sich der Abstraktion näherte.

Bei seiner zweiten Teilnahme am Salon des Indépendants 1913 zog Piet Mondrian die Aufmerksamkeit von Guillaume Apollinaire auf sich, der daraufhin über dessen Bilder schrieb. Zu diesem Zeitpunkt begann Piet Mondrian seine Werke mit numerischen, neutralen Titeln zu versehen. Im folgenden Jahr erklärte er, dass er mit den intuitiv angeordneten, horizontalen und vertikalen Linien und Farbkombinationen auf einer Fläche, die wahren Schönheitsformen der bildenden Kunst sichtbar machen wollte. Sein Interesse an regelmäßig gegliederten Fassaden wurde ersetzt durch die Wände von Abbruchhäusern, auf denen noch die Spuren der Wohnungen sowie zerrissene Werbeplakate zu sehen waren.

 

Erster Weltkrieg in Amsterdam: „De Stijl“ und erste Rautenbilder

Da Piet Mondrian im Juli 1914 seinen Vater und Freunde in Amsterdam besuchte, verhinderte der Ausbruch des Ersten Weltkrieges die Rückreise nach Paris. Er bezog ein Ferienhaus einer Freundin in Domberg und ab Herbst lebte er bei seinen Brüdern in Amsterdam. Zu dieser Zeit begann er zu zeichnen und füllte seine Skizzenbücher mit Zeichnungen, Notizen zur Kunst, zur Theosophie und zum Leben. Erst 1915, nachdem Piet Mondrian in eine Pension in Laren gezogen war, verarbeitete er seine zuvor entstanden Skizzen und Zeichnungen in Gemälden. In derselben Pension wohnte auch Salomon B. Slijper (1884–1971), den Mondrian im Sommer 1915 kennenlernte, woraus eine enge Freundschaft entstand. Slijper begann zu dieser Zeit Mondrians Werk zu sammeln, vor allem das Frühwerk interessierte ihn sehr. Auch mit dem Kritiker Theo van Doesburg (1883–1931) entstand ein reger Briefwechselt. Piet Mondrian arbeitete zu dieser Zeit auch an einem Text über Kunst: „dass mein Werk lediglich eine Konsequenz dessen ist, was seit alters gemacht und gesucht wird: das alle Kunst gut war und die meinige-geradezu zwangsläufig-aus dem Geiste einer künftigen Zeit hervorgegangen […].“ Mondrian lernte Bart van der Leck (1876–1958) kennen. Dieser beeinflusste die Farbgebung Mondrians. Um die finanzielle Misere zu lindern, ließ sich Bremmer dazu überreden, Mondrian einen monatlichen Betrag zu bezahlen und bekam im Tausch dazu Bilder von ihm.

Gemeinsam mit Theo van Doesburg und anderen Künstlern gründete Piet Mondrian 1917 die Künstlergruppe De Stijl. Im November 1917 erschien das Erste Heft von „De Stijl“, in dem angekündigt wurde, dass eine zwölfteilige Serie im ersten Jahrgangs herausgegeben würde, diese Schrift lief unter dem Titel „De Nieuwe Beelding in de Schilderkunst“.

Seine Bilder komponierte der Künstler aus Linien und Flächen, wobei er die Pastelltöne und das Grau zugunsten der Primäarfarben sowie Weiß und Schwarz ablegte. In den Werken aus den Jahren 1918 bis 1920, Mondrian nannte sie „Sache aus lauter Rauten“, legte er durch eine regelmäßige Gitterkonstruktion aus 15 mal 15 horizontalen und vertikalen Linien seine Kompositionen fest. Ende des Jahres gab er die Komposition der schrägen Flächen auf, indem er die Leinwand um 45 Grad drehte. So entstanden seine ersten vier Rautenbilder. Für ihn stand fest, dass er keine Gegenstände mehr darstellen wollte, sondern nur Verhältnisse. Daraufhin verkaufte er die meisten seiner früheren naturalistischen Werke, die noch in seinem Besitz waren, an Slijper, bevor er neuerlich nach Paris zog.

 

Internationaler Durchbruch in Paris (1919–1939): Neoplastizismus

Piet Mondrian mietete sich 1919 in der Rue de Coulminers Nr. 5 ein und begann mit bunten Papieren zu experimentieren, die er an die farbigen Wände heftete. Seine Möbel malte er ebenfalls bunt an. An den Gemälden fällt ab 1920 auf, dass er darauf achtete, keine regelmäßigen Einteilungen mehr zu schaffen. Dennoch stellte sich die Phase nach dem Ersten Weltkrieg als finanziell schwierig heraus. Mondrian begann über Jan Slijper Blumenbilder (1922–1927) zu verkaufen, die er angefangen hatte zu malen. Erst nachdem die amerikanische Sammlerin Katherine S. Dreier sich für das Werk des Niederländers interessierte, konnte er 1927 damit aufhören.

Erfolge in den Niederlanden und in der internationalen Avantgarde setzten 1922 langsam ein: Anlässlich seines 50. Geburtstags zeigte das Stedelijk Museum eine erste Retrospektive über Mondrian. Gemeinsame Freunde kauften ein Gemälde Mondrians, um es dem Rijksmuseum zu schenken. In Wien erschien die von Lajos Kossák (1887–1967) und László Moholy-Nagy (1895–1946) herausgegebene Zeitschrift „Müvészek Könye [Buch neuer Künstler]“. Das gesamte Bildmaterial, das zuvor in „De Stijl“ publiziert worden war, wurde in enger Zusammenarbeit mit der ungarischen Zeitschrift „MA“ wiederveröffentlicht.

Auf Einladung der Novembergruppe schickte Piet Mondrian 1923 drei Bilder an die „Große Berliner Kunstausstellung“, die begeistert aufgenommen wurden. In der Zeitschrift „Der Sturm“ schrieb László Moholy-Nagy beiläufig über Mondrians Gedanken zur Musik aus flächenhaften, scharfen und abgebrochenen Tönen oder Geräuschen. Er selbst verfasste einen Artikel für das Oktoberheft „Merz“ über das intuitive Prinzip des Neoplastizismus.

Durch die Ehefrau des Direktors der Kestner-Gesellschaft, Sophie Küppers (1891–1978), lernte Mondrian 1924 Hans Arp (1881–1966) und El Lissitzky (1890–1940) kennen. Für die niederländische Sektion zeigte Mondrian in der „Internationalen Kunstausstellung“ in Wien, zwei ältere Gemälde aus den Jahren 1921 und 1923. Von sechs neuen Bildern verkaufte Mondrian eines der Gemälde an Alexander Doerner (1893–1957), der das Hannoversche Provinzial Museum leitete. In den 1920er und 1930er Jahren stellte er gemeinsam mit Man Ray (1890–1976) aus. Seine Kunst war u.a. im Landesmuseum Hannover in der Ausstellung „Raum für konstruktive Kunst“, in der Städtischen Kunsthalle Mannheim, auf der 16. Biennale von Venedig (1928), im Salon des Tuileries (1934), im Museum of Modern Art (1935) zu sehen. Die Künstler Frederick Kieslers (1890–1965) und Marcel Duchamps (1887–1968) rieten der amerikanischen Sammlerin Kathrine Dreier (1877–1952), 1926 das Atelier Mondrians zu besuchen, um für ihre Ausstellung der Société Anonyme in New York Werke des Künstlers auszusuchen. Michel Seuphor führte André Kertesz (1894–1985) zu Mondrian, der berühmte Fotografien vom Atelier machte. Zunehmend kauften auch Museen die Bilder Mondrians: Museum Folkwang in Essen (1928), Wadsworth Atheneum Museum in Hartford, Connecticut (1935)

Im Jahr 1929 söhnte sich Piet Mondrian mit Theo van Doesburg aus, da der Maler der Meinung war, dass Van Doesburg seiner Malerei doch am nächsten stand. Eine wichtige Änderung für die Präsentation seiner Kunst war, dass er begann seine Aluminiumrahmen durch breite weiße angemalte Hinterrahmen zu ersetzen. Nun fand er auch endlich Anerkennung in Paris und stellte mit der Gruppe Abstraction-Création stellte Mondrian in Paris aus.

Die künstlerische Entwicklung Mondrians war durch mehrere Verkäufe gesichert. 1932 fing er an, mit der Verdoppelung der Linien und der Farbe Schwarz als konstruktives Element zu arbeiten, um eine größere Klarheit in seinen Kompositionen zu erzielen. Kurz darauf experimentierte der Niederländer mit den Doppellinien und der Möglichkeit, Linien und Farben zur Deckung zu bringen. Harmonie und das gleichwertige Verhältnis zwischen Linie, Fläche und Farbe wären die Ziele seiner Arbeit, gab er 1934 der Zeitschrift „Abstraction-Création“ an.

Die Bedeutung, die dem Werk von Piet Mondrian zugemessen wurde, lässt sich auch an den zahlreichen Besuchen ermessen: Barbara Hepworth (1903–1975), Ben Nicholson (1894–1982) und Winifred Nicholson (1893–1981), Robert Delaunay (1885–1941), James Johnson Sweeney (1900–1986), Alfred Barr (1902–1981). Vor allem amerikanische Institutionen begannen sich Mitte der 1930er Jahre intensiv mit der Abstraktion und Mondrians Beitrag auseinanderzusetzen. Als F. Valentine Dudensing (1892–1967) sich Mondrian als dessen Vertreter in den Vereinigten Staaten anbot, schickte er zwei Bilder an ihn, die kurz darauf verkauft waren. Die Werke, die er an Valentine Dudensing schickte, bekamen Titel wie „Oppositionen“, „Rhythmen“ oder „Kompositionen“ die sich auf gerade Linien bezogen (1938).

Im Jahr 1937 wurde Piet Mondrian in einer großen Ausstellung in Basel und New York als der führende Maler der internationalen Abstrakten Kunst präsentiert. In Deutschland war er gleichzeitig in der Feme Ausstellung „Entartete Kunst“ als einziger Nichtdeutscher vertreten. Als dies den Nationalsozialisten bewusst wurde, entfernte man kurz darauf seine Werke.

 

Piet Mondrian in London (September 1938–1940)

Nach dem Anschluss des Sudetenlandes an Deutschland emigrierte Piet Mondrian im September 1938 nach Großbritannien; Gemälde, Grammophon und Manuskripte wurden ihm später nachgeschickt. Von Holtzman erhielt er weiterhin monatlich Anzahlungen für Gemälde. Den Vermieter bat der Künstle, die Wände seiner Atelier-Wohnung weiß zu streichen.

Ausstellungen in London und New York festigten 1939 den Ruf Mondrians als bedeutenden Vertreter der Avantgarde. Auch auch von Clement Greenberg (1909–1994) vertreten. etlichen Veränderungen schickte er Peggy Guggenheim das von ihr erworbene Gemälde.

Als der Krieg ausbrach, drängte ihn Holtzman nach New York zu kommen. 1940 schrieb Piet Mondrian einen Beitrag zum politischen Geschehen. Den ursprünglichen Titel „Art Shows the Evil of Nazi and Soviet Oppressive Tendencies“ erweiterte er später zu „Liberation and Oppression in Art and Life“. Der Künstler und Theoretiker war bemüht in diesen Aufsätzen eine klare, einfache, leicht verständliche Sprache zu finden, um möglichst viele Menschen zu erreichen. Als die Niederlande und ein Monat später auch Paris von den Deutschen überfallen wurden, war Mondrian zu tiefst entsetzt. Nachdem in der Nähe seines Ateliers eine Rakete eingeschlagen war, ging Mondrian auf Holtzmans Angebot ein nach New York zu kommen.

 

Piet Mondrian in New York

Am 3. Oktober 1940 erreichte Mondrian nach einer zweiwöchigen Schiffsfahrt New York City. Nach drei Wochen hatte Mondrian sein Atelier Apartment in der 56. Straße Ost Nr. 353 bereits umgestaltet und begann neue Bilder zu malen. Kurz darauf trat Piet Mondrian den American Abstract Artists bei (1941). Durch die Entdeckung von färbigem und schwarzem Klebeband konnte er nun schneller und auf größerem Format arbeiten. Mondrian begann seine Biographie zu schreiben, die unter dem Titel „Toward the True Vision of Reality“ herausgegeben wurde. Schon aus der zweiten Ausstellung des Künstlers bei Valentine Dudensing kaufte das Museum of Modern Art das Bild „Broadway Boogie-Woogie“ (1943). Piet Mondrian begann die Arbeit an seinem letzten rautenförmigen Gemälde, das er aber laufend veränderte. Er war zu diesem Zeitpunkt Mitglied der Jury in Guggenheims Frühjahrssalon, wodurch es zu freundschaftlichen Beziehungen mit den ebenfalls emigrierten französischen Surrealisten kam – vor allem zu André Breton und Max Ernst.

 

Tod

Im Januar 1944 erkrankte Piet Mondrian an einer akuten Lungenentzündung. Am 26. Januar brachte ihn Harry Holtzman in das New Yorker Murray Hill Hospital in der 40th Street East, wo sich sein Zustand immer mehr verschlechterte. Am 1. Februar starb Mondrian im Alter von 72 Jahren an den Folgen der Lungenentzündung. Er wurde am Cypress Hill Cemetery in Brooklyn beigesetzt.

1945, ein Jahr nach seinem Tod, fand im Museum of Modern Art in New York die erste posthume Retrospektive des Künstlers statt.

 

Biografie von Piet Mondrian (1872–1944)

  • 7. März 1872

    Am 7. März 1872 wurde Pieter Cornelius Mondriaan (1912 änderte er seinen Namen in Piet Mondrian – Mondrian mit einem „a“) in Amersfoort als Sohn eines Lehrers geboren. Mondrians Vater gehörte der Niederländisch-Evangelischen Kirche an, hatte eine Ausbildung als Zeichenlehrer und war politisch aktiv. Über die Mutter ist wenig bekannt.
  • 1880

    Übersiedlung nach Winterswijk im Osten, da sein Vater dort Leiter der Christlichen Grundschule wurde. Besuch der Grundschule. Der Vater entwarf Namen mit Gedenktafel zu historischen Ereignissen.
  • 1884

    Kein Wechsel auf die Oberschule, sondern zweijährige Zusatzausbildung für Grundschüler (Französisch und Allgemeinbildung).
  • 1886

    Mondrian beschloss als Vierzehnjähriger, Künstler zu werden. Bereitete sich auf Drängen des Vaters zu Hause auf die Eignungsprüfung an Grundschulen vor. Malunterricht durch seinen Onkel Frits.
  • 1889

    Mondrian bestand die Eignungsprüfung und bemühte sich weiter autodidaktisch um die Lehrbefähigung für den Zeichenunterricht an höheren Schulen, da diese zur Aufnahme an die Rijksacademie in Amsterdam berechtigte.
  • 1890

    Stellte erstmals eine Zeichnung auf dem Salon in Den Haag aus, die positiv besprochen wurde.
  • 1892–1894

    Piet Mondrian bekam die Zulassung zur Jahresausstellung der Künstlervereinigung Kunstliefde in Utrecht. Er schaffte die Qualifikation zum Zeichenlehrer für höhere Schulen. Mondrian schrieb sich zum zweijährigen Studium an der Rijksakademie ein und zog nach Amsterdam. Die Grundlagen der Ausbildung waren kompakte, geschlossene Form, Einfachheit und Wahrhaftigkeit als Grundlagen des Schönen.
  • 1895

    Mondrian zog in eine Dachgeschosswohnung mit Blick auf das Rijksmuseum. Besuch eines einjährigen Abendkurses im Zeichnen an der Rijksacademie.
  • 1897

    Umzug nach Ringdijk am südöstlichen Stadtrand Amsterdams. Beitritt zu den Künstlervereinigungen Arti et Amicitiae und St. Lucas, wo er drei Mal pro Jahr seine Werke ausstellen konnte. Neuerlicher Umzug ins Zentrum Amsterdams, wo er Motive für seine Gemälde fand. Mondrian besuchte regelmäßig sein Elternhaus in Winterswijk, wo er ebenfalls malte.
  • 1900

    Mit Hilfe eines Fahrrads konnte er auch rund um das Flüsschen Het Gein das Polderland malen. Dort entstanden Gemälde von Bauernhöfen, Mühlen und Landschaften. Begegnung mit Simon Maris (1873–1935), dem Sohn von Willem Maris (1844–1910), einem Hauptvertreter der Haager Schule. Freundschaft mit Albert van den Briel (1881–1971), einem Studenten der Forstwirtschaft.
  • 1901

    Umzug des Vaters nach Arnheim, wo er als Hauslehrer arbeitete. Mondrians Mutter und seine älteste Schwester eröffneten eine Pension.
  • 1903

    Im Dezember wurde Piet Mondrian für vier Jahre zum Vorstandsmitglied der Künstlervereinigung St. Lucas gewählt.
  • 1904

    Spannungen in Mondrians Privatleben. Umzug nach Uden (südliche Provinz Brabant, in der Nähe von s’Hertogenbosch), da er sich von der Amsterdamer Kunstszene distanzieren wollte.
  • 1905/06

    Mondrian kehrte nach Amsterdam zurück, wo er in das Dachgeschoss des Gebäudes der Künstlervereinigung St. Lucas einzog. Auf einem Gut südöstlich von Hengelo konnte er malen. Dort fand er eine völlig andere Landschaft vor – Wälder, Heide- und Ackerland.
  • 1907

    Piet Mondrian sah sich selbst als Landschaftsmaler (Kurzbiografie in „Onze Meesters“)
  • 1908

    Im Januar Umzug in das Haus Sarphatipark Nr. 42, hier hatte er ein erstes geräumiges Atelier im ersten Stock. Am 6. und 7. März hielt Rudolf Steiner in Amsterdam Vorträge zur Theosophie (Titel: „Theosophie, Goethe und Hegel“ ohne Goethes Farbenlehre oder Kunstverständnis anzusprechen). Im Mai konnte Piet Mondrian in einer von St. Lucas organisierten Schau das neoimpressionistische Werk von Jan Toroop (1858–1928) sehen. Mondrian stellte vier Landschaften aus und wurde gemeinsam mit Jan Sluijters (1881–1951) als avantgardistischer Künstler erkannt. Sluijters hatte sich in Paris mit den Werken der Fauvisten auseinandergesetzt. Im September besuchte Mondrian Toroop im Seebad Domburg (Seeland). Ihre Gesprächsthemen waren Glaubensfragen und das Sichtbarmachen des Geistigen in der Kunst. Bis Ende Oktober war in der Kunsthandlung C. M. van Gogh in Amsterdam eine Retrospektive über das Werk von Vincent van Gogh (1853–1890) mit einem Schwerpunkt auf dessen Spätwerk zu sehen.
  • 1909

    Ausstellungsbeteiligung an einer großen Schau im Stedelijk Museum gemeinsam mit Cees Spoor (1867–1928) und Jan Sluijters (ab 6.1.). Tod der Mutter (8.1.), Mondrian ging nicht zur Beerdigung. Toroop zeigte luministische Arbeiten bei Arti et Amicitiae und in Amsterdam. Beitritt zu Niederländischen Theosophischen Gesellschaft (25.5.). Bericht von Israël Querido (1872–1932) im Wochenblatt „De Controleur“ (29.5.), auf den Piet Mondrian mit einer ersten Erklärung seiner künstlerischen Ziele reagierte: Die geistige Seite des Kunstwerks wäre durch Farbe und Linie sowie abweichende Technik darzustellen. Erkannte einen „großen Zusammenhang“ zwischen Kunst und Philosophie. Strebte eine „Loslösung vom Stoff“ an. Mondrian malte den Fußboden und die Täfelung seines Ateliers mit Schwarz und die Wände und Möbel Weiß an. Großformatige Strandbilder und Ansichten des Leuchtturms von Westkapelle. Ab Dezember präsentierte die ständige Ausstellung im Rijksmuseum auch Gemälde von Vincent van Gogh und Paul Cézanne.
  • 1910

    Ausstellung in St. Lucas mit vierzehn in Domburg entstandenen Gemälden, die als die modernsten der Schau empfunden wurden. Aufnahme in die Société des Artistes Indépendants (10.6.). Ende August bis Ende Oktober hielt sich Piet Mondrian in Domburg auf um nachzudenken.
  • 1911

    Mondrian besuchte den Ort Veere unweit von Domvurg. Auf der ersten Ausstellung des Modere Kunstkring zeigte man Werke von Paul Cezanne (ab 6.10), der als Vorläufer gesehen wurde, gemeinsam mit Werken von Pablo Picasso und George Braque. Piet Mondrian war mit sechs Werken ebenfalls vertreten, darunter u.a. das Triptychon „Evolutie“. Im selben Jahr stand Mondrian kurz davor Greta Heijbroek (1884–1964) zu heiraten. Er entschied sich dagegen und dafür, nur für die Kunst zu Leben. Ende des Jahres zog Piet Mondrian von Amsterdam nach Paris.
  • 1912

    Mondrian stellte drei Werke im Salon des Indépendiants aus. Seine Bilder hingen neben Werken von Albert Gleizes, Fernand Léger und Jean Metzinger. Dieser Raum wurde von André Salmon gestaltet und galt als das „Königsreich der Kubisten“. Mondrian bezog ein Ateliergebäude in der Rue du Départ Nr. 26, gleich neben dem Atelier des Malers Diego Rivera (1886–1957). In den Sommermonaten reiste Mondrian zurück nach Amsterdam und besuchte auch die Städte Arnheim und Domburg. Zur zweiten Ausstellung des Moderne Kunstkring in Amsterdam, mit dem Schwerpunkt Paul Gauguin und Le Fauconnier, reichte Mondrian seine jüngsten Werke ein, darunter auch die gemalten Pariser Bäume im Herbst.
  • 1913

    Mondrian stellte zum zweiten Mal im Salon des Indépendants aus, wo er die Aufmerksamkeit von Guillaume Apollinaire auf sich zog, der daraufhin über seine Bilder schrieb. Zu diesem Zeitpunkt begann Piet Mondrian seine Werke mit numerischen, neutralen Titeln zu versehen. Am ersten deutschen Herbstsalon, der von Herwart Walden (1878–1942) in Berlin veranstaltet wurde, stellte Mondrian seine jüngsten Werke aus. Sie zeigten Gebäudefassaden und Dächer. Auch auf der dritten Ausstellung des Moderne Kunstkring war Mondrian mit vier Werken vertreten.
  • 1914

    Der niederländische Maler verkaufte an die Kunstsammlerin Helene Kröller-Müller (1869–1939) ein Werk. Sie wurde für diesen Ankauf von H. P. Bremmer (1871–1956) beraten, weshalb Mondrian in einem detaillierten Schreiben an den Kritiker auf seine künstlerischen Ziele einging. Mondrian wollte auf einer Fläche mit den intuitiv angeordneten, horizontalen und vertikalen Linien und Farbkombinationen, die wahren Schönheitsformen der bildenden Kunst sichtbar machen. Sein Interesse an regelmäßig gegliederten Fassaden wurde ersetzt durch die Wände von Abbruchhäusern, auf denen noch die Spuren der Wohnungen sowie zerrissene Werbeplakate zu sehen waren. Durch die Vermittlung von Bremmer erhielt Mondrian seine erste Einzelausstellung beim Kunsthandel Walrecht in Den Haag.
  • Juli 1914

    Piet Mondrian besuchte seinen Vater und Freunde in Amsterdam. Der Ausbruch des ersten Weltkrieges, verhinderte jedoch eine Ausreise, wodurch Mondrian gezwungen wurde, in den Niederlanden zu bleiben. Er bezog ein Ferienhaus einer Freundin in Domberg und ab Herbst lebte er bei seinen Brüdern in Amsterdam. Zu dieser Zeit begann er zu zeichnen und füllte seine Skizzenbücher mit Zeichnungen, Notizen zur Kunst, zur Theosophie und zum Leben.
  • 1915

    Mondrian zog in eine Pension in Laren. Seine zuvor entstanden Skizzen und Zeichnungen verarbeitete er in Gemälden. Der Kunsthandel Walrecht zeigte frühere naturalistische Arbeiten, gemeinsam mit seinen jüngsten Werken. In der selben Pension in Laren wohnte auch Salomon B. Slijper (1884–1971), den Mondrian im Sommer kennenlernte, woraus eine enge Freundschaft entstand. Die Beiden verband die große Leidenschaft für den Tanz. Slijper begann zu dieser Zeit Mondrians Werk zu sammeln, vor allem das Frühwerk interessierte ihn sehr. Der Kritiker Theo van Doesburg (1883–1931) lobte Mondrians jüngstes Werk. Es entstand ein reger Briefwechselt zwischen den Beiden.
  • 1916

    Während des Ersten Weltkriegs bekam Piet Mondrian nur einmal die Gelegenheit seine Werke auszustellen. Dies geschah auf der zweiten Ausstellung des Hollandsche Kunstenaarskring [Holländischer Künstlerkreis]. Bremmer ließ sich dazu überreden, Mondrian einen monatlichen Betrag zu bezahlen und bekam im Tausch dazu Bilder von ihm. Piet Mondrian arbeitete zu dieser Zeit auch an einer Schrift, in der er seine Gedanken zur Kunst niederschrieb. Darin ging es vor allem darum, „dass mein Werk lediglich eine Konsequenz dessen ist, was seit alters gemacht und gesucht wird: das alle Kunst gut war und die meinige-geradezu zwangsläufig-aus dem Geiste einer künftigen Zeit hervorgegangen […].“ Mondrian lernte Bart van der Leck (1876–1958) kennen. Dieser beeinflusste die Farbgebung Mondrians.
  • 1917

    Da Piet Mondrian seine Werke des Vorjahres stets überarbeitete, hatte er für die Ausstellung des Hollandse Kunstenaarskring nur drei Bilder fertig. Diese drei zeigte er als Triptychon. Mondrian begann mit van Doesburg eine intensive Korrespondenz über sein Werk und Gründung der Künstlervereinigung „De Stijl“ (mit Theo van Doesburg u.a.). Piet Mondrian prägte bis 1918 in den Texten „De Nieuwe Beelding in de schilderkunst” den Begriff „Neo-Plastizismus“ für seine aus elementaren Gestaltungsmittel abgeleiteten Kompositionen (horizontale und vertikale Linien, Grundfarben Rot, Blau und Gelb plus die Nichtfarben Schwarz, Weiß und Grau) Im November des Jahres erschien das Erste Heft von „De Stijl“, in dem angekündigt wurde, dass eine zwölfteilige Serie im ersten Jahrgangs herausgegeben würde.
  • 1918

    Auf der vierten Ausstellung des Hollandsche Kunstenaarskring wurden acht Werke von Mondrian ausgestellt. Bremmer kaufte alle acht Bilder und verdoppelte sogar die finanzielle Zuwendung an ihn. Mondrian begann seine Arbeit „Sache aus lauter Rauten“. In diesen Werken, die von 1918 bis 1920 entstanden, legte er durch eine regelmäßige Gitterkonstruktion aus 15 mal 15 horizontalen und vertikalen Linien seine Kompositionen fest. Ende des Jahres gab er die Komposition der schrägen Flächen auf, indem er die Leinwand um 45 Grad drehte. So entstanden seine ersten vier Rautenbilder.
  • 1919

    Piet Mondrian blieb seinem Stil (dem vollkommenen Ablehnen von Wirklichkeitsbezügen) treu, da er keine Gegenstände mehr darstellen wollte, sondern nur Verhältnisse. Für „De Stijl“ schrieb er einen Dialog zwischen einem Sänger und einem Maler sowie einen Trialog, um seine Ideen in einer eingängigen Form darzulegen. Die meisten seiner früheren naturalistischen Werke, die noch in seinem Besitz waren, verkaufte Mondrian an Slijper bevor er neuerlich nach Paris zog. Mondrian mietete sich in der Rue de Coulminers Nr. 5 ein und begann mit bunten Papieren zu experimentieren, die er an die farbigen Wände heftete. Seine Möbel malte er ebenfalls bunt an. Es entstand ein weiterer Trialog, diesmal zwischen einem Laien, einem naturalistisch und einem abstrakt arbeitenden Künstler.
  • 1920

    Mondrian verfasste Texte über Tanz und Dada. In dem Stil schrieb er auch experimentelle Prosa über Großstadtimpressionen. Mondrian gab eine französischsprachige Fassung einer Schrift mit dem Titel „Principe Général de l‘Equivalence Plastique“ heraus. An den Gemälden fällt auf, dass er darauf achtete, keine regelmäßigen Einteilungen mehr zu schaffen. Auf Initiative von Slijper stellte er eine Leihgabe, eine sogenannte regelmäßige Komposition, für eine Ausstellung in Brighton, England, zur Verfügung.
  • 1921

    Piet Mondrians Schrift über den Neoplastizismus wurde als Broschüre von der Galerie L´Effort Moderne von Léonce Rosenberg herausgegeben. Tod von Mondrians Vater (Februar). Im Mai zeigte die Galerie L´Effort Moderne in einer Gruppenausstellung fünf ungerahmte Bilder. An die Tochter von Jan Toorop, Charley Toorop, verkaufte er ein Gemälde. Piet Mondrian zog in die Rue du Départ Nr. 26 um. Auch dieses Atelier gestaltete Mondrian nach seinen Wünschen mit farbigen Wänden und Möbeln. Im November stellte Mondrian wieder bei Rosenberg aus, verkaufte aber diesmal kein Werk, weswegen er in Erwägung zog, nach Südfrankreich auszuwandern.
  • 1922

    Mondrian verfasste Schriften über Musik und begann über Jan Slijper Blumenbilder zu verkaufen, die er angefangen hatte zu malen. Anlässlich seines 50. Geburtstags, zeigte das Stedelijk Museum eine erste Retrospektive über Mondrian, aus der Planung und Organisation der Ausstellung hielt sich Mondrian komplett heraus. In Wien erschien die von Lajos Kossák (1887–1967) und László Moholy-Nagy (1895–1946) herausgegebene Zeitschrift „Müvészek Könye [Buch neuer Künstler]“. Das gesamte Bildmaterial, das zuvor in De Stijl publiziert wurde, wurde in enger Zusammenarbeit mit der ungarischen Zeitschrift „MA“ wiederveröffentlicht. Gemeinsame Freunde kauften ein Gemälde Mondrians, um es dem Rijksmuseum zu schenken.
  • 1923

    Piet Mondrian schickte auf Einladung der Novembergruppe drei Bilder an die Große Berliner Kunstausstellung. Das deutsche Publikum war begeistert von seinen Beiträgen. In der Zeitschrift „Der Sturm“ schrieb László Moholy-Nagy beiläufig über Mondrians Gedanken zur Musik aus flächenhaften, scharfen und abgebrochenen Tönen oder Geräuschen. Mondrian schrieb einen Artikel für das Oktoberheft „Merz“, das von Kurt Schwitters (1887–1948) herausgegeben wurde, über das intuitive Prinzip des Neoplastizismus.
  • 1924

    Piet Mondrian verfasste einen Text mit dem Titel „De huif naar den wind [Die Fahne nach dem Wind]“, in der er Künstler kritisierte, die sich von Kunstströmungen leiten ließen. Durch die Ehefrau des Direktors der Kestner-Gesellschaft, Sophie Küppers (1891–1978), lernte Mondrian Hans Arp (1881–1966) und El Lissitzky (1890–1940) kennen. Für die niederländische Sektion zeigte Mondrian in der „Internationalen Kunstausstellung“ in Wien, zwei ältere Gemälde aus den Jahren 1921 und 1923. Von sechs neuen Bildern verkaufte Mondrian eines der Gemälde an Alexander Doerner (1893–1957), der das Hannoversche Provinzial Museum leitete.
  • 1925

    Piet Mondrian verfasste einen Artikel in der von Emilie Malespine herausgegebene Zeitschrift „La Manometre“ mit dem Titel „Les Arts et la beauté de notre ambience tangible“, in dem Mondrian zu dem Schluss kommt, dass nicht die Architektur, sondern einzig und allein die Malerei die „neue Schönheit“ vorführen könnte. Für eine Doppelausstellung mit Man Ray (1890–1976), in der Dresdner Kunsthandlung Kühl und Kühn bereitete Mondrian zwölf Gemälde vor. Im November erschien in der fünften Ausgabe der sogenannten Bauhausbücher „Piet Mondrian. Neue Gestaltung. Neoplastizismus. Nieuwe Beelding“, eine Ausgabe, die alle wichtigen Schriften seit 1920 in deutscher Übersetzung beinhaltete.
  • 1926

    Die Tänzerin Gret Palucca (1902–1993) erhielt von einem Freund ein Bild Mondrians, eine sogenannte rautenförmige Komposition. Die Ausstellung der Kunsthandlung Kühl und Kuhn zog weiter nach München in die Galerie Hans Goltz, wo sie um Werke von Lissitzky erweitert wurde. Die beiden Künstler Frederick Kieslers (1890–1965) und Marcel Duchamps (1887–1968) rieten der amerikanischen Sammlerin Kathrine Dreier (1877–1952), das Atelier Mondrians zu besuchen, um für ihre Ausstellung der Société Anonyme in New York Werke des Künstlers auszusuchen. Das Landesmuseum Hannover zeigte in der Ausstellung „Raum für konstruktive Kunst“ Bilder Mondrians. Seuphor führte André Kertesz (1894–1985) zu Mondrian, der die berühmten Fotos des Ateliers machte.
  • 1927

    Dank Sophie Küppers wurden 14 Werke Mondrians im Februar in der Städtischen Kunsthalle Mannheim in der Ausstellung „Wege und Richtungen der abstrakten Malerei in Europa“ gezeigt. Mondrian plagten zu dieser Zeit gesundheitliche Probleme. Im März stellte er an einem Abend etwa 20 neue Gemälde in Paris aus, die zum großen Teil beschädigt wurden. Weshalb die geplante Ausstellung in der Buch- und Kunsthandlung L´Esthétique nicht standfinden konnte. Zeitgleich arbeitete Piet Mondrian an einer größeren Schrift über „den Menschen und die Gesellschaft“. Er schickte wieder Werke nach Deutschland und in die Niederlande und verkaufte ein weiteres Gemälde an Charley Toorop. Katherine Dreier erwarb einige Werke Mondrians, weshalb er sich nicht wieder mit dem Malen von Blumenbildern beschäftigen musste. Mondrians Schrift „De Jazz nen de Neo Plastik [Die Jazzmusik und die Neoplastik]“ erschien. Sein Atelier wurde wieder von ihm umgestaltet. Zum zehnjährigen Jubiläum von De Stijl bat ihn Theo van Doesburg um einen Beitrag in seiner Jubiläumsnummer. Mondrian lehnte ab aufgrund der eigenmächtigen Korrektur seiner Schrift Neo-Plastizismus.
  • 1928

    Auf der Ausstellung „A.S.B. Architektuur, Schilderkunst, Beeldhouwkunst“ im Stedelijk Museum in Amsterdam, wurden die Werke von Künstlern der neuen Generation präsentiert. Piet Mondrian war auf der 16. Biennale von Venedig vertreten. Er arbeitete intensiv an Gemälden für den sechsten Salon des Tuileries, wo Mondrian den Hinterrahmen mit Aluminium versah. Bei diesen Bildern bemühte er sich um eine noch strengere Form zwischen Linie und Fläche. Sein Atelier wurde abermals von ihm umgestaltet. Piet Mondrian lernte den Zürcher Architekten Alfred Roth (1903–1999) kennen. Seine Freunde Küppers und Lissitzky kamen für zwei Wochen zu ihm auf Besuch. Das Museum Folkwang in Essen war das zweite Museum, dass Werke Mondrians erwarb. Er verkaufte Werke in die Schweiz an Siegried Gideon (1888–1968) und Clara Gideon-Welcher (1893–1979).
Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.