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Paul Troger, Allegorie auf die Unbefleckte Empfängnis Mariens Göttliches Licht besiegt die Mächte der Finsternis

Paul Troger, Allegorie auf die Unbefleckte Empfängnis Mariens, Maria, nach 1733, Öl/Lw, 109 x 85 cm (Belvedere, Inv.-Nr. 3154)

Paul Troger, Allegorie auf die Unbefleckte Empfängnis Mariens, Maria, nach 1733, Öl/Lw, 109 x 85 cm (Belvedere, Inv.-Nr. 3154)

Mit fragiler Eleganz schwebt Maria gen Himmel. Das am 8. Dezember in der Katholischen Kirche gefeierte Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria (lat. immaculata conceptio) wurde erst am 8. Dezember 1854 zum Dogma erhoben.

In der päpstlichen Bulle wird festgehalten, „dass die seligste Jungfrau Maria im ersten Augenblick ihrer Empfängnis durch einzigartiges Gnadengeschenk und Vorrecht des allmächtigen Gottes, im Hinblick auf die Verdienste Christi Jesu, des Erlösers des Menschengeschlechts, von jedem Fehl der Erbsünde rein bewahrt blieb“.1 Doch schon Jahrhunderte davor hatte sich ein Kult um die ohne Erbsünde geborene Maria entwickelt, der seit dem Barock in Österreich ein wichtiger Feiertag gewidmet ist: 1646 verkündete Kaiser Ferdinand III. im Dreißigjährigen Krieg die Weihe Österreichs an die unbefleckt Empfangene, da Wien nie besetzt wurde.

 

Paul Trogers Allegorie auf die Unbefleckte Empfängnis Mariens

In diesem Sinne ist Paul Trogers Darstellung der Unbefleckten Empfängnis ein wichtiges Werk, das die Marienfrömmigkeit im österreichischen Barock dokumentiert. Der in Italien geschulte Maler und bedeutende Freskant schildert sie in Verbindung mit der Vision des Apokalyptischen Weibes nach Johannes.

Die Allegorie besteht aus mehreren Teilen: Maria wird als Madonna Immaculata auf der Mondsichel stehend gezeigt. Sie greift mit ihren Armen weit aus, wobei ihre Rechte als abwehrende Haltung gedeutet werden darf, werden in diesem Bereich doch Dämonen vom Erzengel Michael in die Hölle getrieben. Ein Engel bekrönt Maria mit einer Sternenkrone, womit sie auch die Qualität des Apokalyptischen Weibes in sich vereint. Die folgende Stelle aus der Apokalypse wurde während des 18. Jahrhunderts zumeist mit Maria gleichgesetzt:

„Da erscheint ein großes Zeichen am Himmel. Eine Frau, umgeben von der Sonne, dem Mond unter ihren Füßen, und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt. Sie war schwanger und schrie in ihren Wehen und in der Qual des Gebärens.“ (Apk. 12, 1f)

 

Das von den dunklen Dämonen gerettete, hellstrahlende Christuskind wird über ihr von einem weiteren Engel Gottvater präsentiert. Dieser lehnt an der Weltkugel, darunter der Ader, der als Evangelistensymbol zu deuten ist (Apk. 4,6–9). Der obere Teil des Bildes ist hell, während der untere so dunkel gestaltet ist, dass die Figuren kaum auszumachen sind. Diese Lichtregie steht auch für Gut und Böse, für den „Sieg des göttlichen Lichts über die Mächte der Finsternis“.

 

 

Im Jahr 1733 freskierte Paul Troger die Mittelkuppel der Kirche in der Benediktinerabtei in Altenburg (Niederösterreich). Dort befindet sich die Darstellung des Apokalyptischen Weibes mit dem Drachen, das in dieser Komposition reduziert wiederholt wird. Der weißbärtige Gottvater ist eine direkte Übernahme aus dem Deckenfresko. Das Apokalyptische Weib taucht im Œuvre des Malers erstmals 1728/29 im Fresko der Chorkuppel der Kirche der Englischen Fräulein in St. Pölten auf. Troger hat, so stellte der Barockexperte Werner Telesko fest, „die Kompositionsidee […] auf der Basis eines relativ kleinen Motivvorrats flexibel in unterschiedliche Kontexte integrieren können“.2 Die Datierung – nach 1733 – richtet sich nach der Motivübernahme aus Altenburg.

 

 

Paul Troger ist einer der bedeutendsten Maler des österreichischen Hochbarock. Der aus dem Pustertal (Tirol) stammende Maler wurde zehn Jahre lang in Italien ausgebildet und übersiedelte 1729 von Salzburg nach Wien. In der Residenzstadt war die Deckenmalerei jedoch von Johann Michael Rottmayr (1652–1730) und vor allem Daniel Gran (1694–1757) bestimmt, wobei letzterer zwischen 1726 und 1730 das Deckenfresko der Hofbibliothek (heute Prunksaal der Nationalbibliothek) ausführte. Troger bot daher seine Kunst den niederösterreichischen Klöstern an und wurde sehr erfolgreich beschäftigt. Hierfür arbeitete er häufig mit Tiroler Landsleuten wie dem Architekt Joseph Munggenast und dem Maler Johann Jakob Zeiler zusammen. 1744 malte Paul Troger das Hochaltarbild für die Schlosskapelle von Schönbrunn, während Daniel Gran mit den Deckenmalereien beauftragt wurde (→ Maria Theresia und die Kunst).

 

Paul Troger war Zeitgenosse von:

  • Martino Altomonte
  • Daniel Gran (Trogers größter Konkurrent)
  • Josef Mildorfer
  • Franz Anton Maulbertsch

 

Schüler von Paul Troger

  • Martin Knoller
  • Franz Anton Leitenstorffer
  • Pietro Antonio Lorenzoni
  • Josef Ignaz Mildorfer
  • Franz Zoller
  • Franz Xaver Wagenschön
  • Stephan Dorfmeister
  • Josef Hauzinger

 

Paul Troger, Allegorie auf die Unbefleckte Empfängnis Mariens: Bilder

  • Paul Troger, Allegorie auf die Unbefleckte Empfängnis Mariens, nach 1733, Öl/Lw, 109 x 85 cm (Belvedere, Inv.-Nr. 3154)
  • Paul Troger, Allegorie auf die Unbefleckte Empfängnis Mariens, Maria, nach 1733, Öl/Lw, 109 x 85 cm (Belvedere, Inv.-Nr. 3154)
  • Paul Troger, Apokalyptisches Weib, 1733, Fresko (Stift Altenburg, Stiftkirche)
  • Paul Troger, Apokalyptisches Weib, Detail, 1733 (Stift Altenburg, Stiftkirche)

 

Biografie von Paul Troger (1698–1762)

  • 1698

    Am 30. Oktober 1698 wurde Paul Troger als Sohn des Schneiders und Mesners Andreas Troger (1664–1720) in Welsberg, im Pustertal (Tirol), geboren.
  • Um 1720

    Der Bischof von Gurk, Jakob Maximilian von Thun und Hohenstein ermöglichte Troger eine zehnjährige Studienreise nach Italien. Hier bildete er sich bei Giambattista Piazzetta in Venedig und bei Francesco Solimena in Neapel weiter.
  • 1721

    „Ruhe auf der Flucht nach Ägypten“ ist die erste signierte Radierung von „Paullus Troger“, wie er sie singierte.
  • 1727/28

    Mit dem Hochaltarbilder und dem Kuppelfresko der Kajetankirche in Salzburg schuf Paul Troger seine ersten Hauptwerke.
  • 1728

    Umzug nach Wien. Hier wurde die Freskomalerei von Johann Michael Rottmayr und Daniel Gran dominiert, weshalb Paul Troger für niederösterreichische Auftraggeber arbeitete. Der Großteil seiner Fresken befindet sich daher in niederösterreichischen Klöstern wie Melk, Göttweig.
  • 1731/32

    Deckenfresken in Marmorsaal und Bibliothek in Stift Melk
  • 1733

    In Stift Zwettl malte Paul Troger die Deckenfresken der Bibliothek mit Themen zur klösterlichen Bildung. In Stift Altenburg führte er das Kuppelfresko der Stiftskirche aus, in dem er die Apokalypse des Johannes darstellte.
  • 1735

    In Stift Seitenstetten malte Troger das Deckenfresko des Marmorsaals.
  • 1737

    Hochaltar und Seitenaltäre in der Pfarrkirche zur Heiligen Margarethe in Welsberg datiert.
  • 1738

    Troger führte das Deckenfresko des Marmorsaals (ehemaliges Sommerrefektorium) von Stift Geras mit der „Wunderbaren Brotvermehrung“.
  • 1739

    Deckenfresko im Empfangssaal der Prälatur in Stift Melk; Deckenfresko der Kaiserstiege von Stift Göttweig mit der „Apotheose Kaiser Karls VI.“, den er als Sonnengott darstellt.
  • 1741

    Ausführung des Deckenfreskos der Bibliothek in Stift Seitenstetten. Heirat mit Anna Maria Schraub (29.1.1741)
  • 1742

    In der Bibliothek von Stift Altenburg malte er drei Kuppelfresken mit Allegorien, die Personifikation der göttlichen Weisheit sowie der Besuch der Königin von Saba bei König Salomon
  • 1744

    Hochaltarbild mit der „Vermählung Mariae“ in der Schlosskapelle von Schönbrunn; Daniel Gran malte die Deckenfresken.
  • 1745

    Deckenfresken im Kolomanisaal mit der Darstellung der Geschichte von Stift Melk
  • 1746

    Seitenaltarbild mit der „Anbetung der hl. Drei Könige“ für die Salzburger Bürgerspitalskirche St. Blasius.
  • 1748–1750

    Paul Troger führte die einzigen Fresken in seiner Heimat aus: Deckenfresken des Brixner Domes: „Anbetung des Lammes“ im Langhaus, „Engelskonzert“ über der Orgel, „Aufnahme Mariens in den Himmel“ im Presbyterium, der „hl. Kassian als Lehrer und als Glaubensbote“ in den beiden Querschiffen; die Scheinkuppel in der Vierung (1895 zerstört).
  • 1750

    „Christus am Ölberg“ (Belvedere) gilt als eines der schönsten Gemälde des betagten Paul Troger. Tod von Paul Trogers erster Frau (22.2.1750).
  • 1751–1762

    Professor für Malerei an der Akademie der bildenden Künste Wien.
  • 1752

    Er malte das Hauptkuppelfresko in der Basilika Maria Dreieichen sowie das Hochaltarbild für die Pfarrkirche Heilige Dreifaltigkeit in Dommelstadt (Niederbayern) mit der „Heiligen Dreifaltigkeit“.
  • 1753

    „Aufnahme Mariens in den Himmel“ für die Wallfahrtskirche Maria Moos in Zistersdorf. Heirat mit seiner zweiten Frau Franziska Maria Anna Christine Schasser (24.1.1753).
  • 1754–1757

    Paul Troger war Rektor der Wiener Akademie der bildenden Künste.
  • 1762

    Paul Troger starb am 20. Juli 1762 in Wien und in der Schottenkirche bestattet.
  1. Pius IX., Bulle Ineffabilis Deus, Rom 1854.
  2. Werner Telesko, Paul Troger Allegorie auf die Unbefleckte Empfängnis Mariens, in: Agnes Husslein-Arco (Hg.), Barock. Meisterwerke des Belvedere, Wien 2008, S. 338.
Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.