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Per Kirkeby: Biografie Lebenslauf und Werke der dänischen Künstlers

Per Kirkeby, Nikopeja II, 1996

Per Kirkeby, Nikopeja II, 1996

Per Kirkeby (1938–2018) war vor allem als abstrakter Maler bekannt. Darüber hinaus schuf er ein multimediales Gesamtwerk, das auch Collagen, Plakate, Radierungen, Wandmalereien, Skulpturen, Filme und Bücher (Künstlermonografien) umfasste. Von den 1980er Jahren bis zu seinem Tod war Kirkeby der bekannteste dänische Künstler. Vor allem zu Deutschland pflegte der studierte Geologe eine enge Beziehung lehrte er doch an der Kunstakademie in Karlsruhe (1978–1989) und an der Frankfurter Städelschule (1989–2000).

 

„Maler klauen ständig, wir sind in einem dauerhaften Dialog mit Künstlern von der Höhlenmalerei bis zur Gegenwart.“ (Per Kirkeby)

 

Bis in die 1970er Jahre sind seine Gemälde noch von den plakativen Ausdrucksmitteln der Pop Art bestimmt. Kirkeby „klaute“ sowohl von der Natur wie berühmten Vorgänger aus der Kunstgeschichte. Inspiration für seine seit 1976/77 entstandenen Gemälde zog der dänische Künstler aus der Natur. Er beobachtete und skizzierte vor Ort und setzte seine Bilder im Atelier um. Der Malerprozess zog sich häufig über viele Jahre hin, da Kirkeby zwar von Oberflächenbeschaffenheit, geologischen Strukturen oder etwa Bäumen ausging, diese Formen jedoch ständig zerstörte und wieder aufbaute. Kirkeby selbst sprach von seinen Gemälden als Sedimentation. Transformation, Atmosphäre, Figürliches, ohne illustrativ zu sein, sind weitere wichtige Assoziationen vor seinen Werken.

 

Weitere Beiträge zu Per Kirkeby

 

Biografie von Per Kirkeby (1938–2018)

  • 1938

    Per Kirkeby wurde am 1. September 1938 als Per Christensen in Kopenhagen geboren.
  • 1957–1964

    Per Kirkeby studierte Geologie an der Universität Kopenhagen. Sein Spezialgebiet ist die Erdgeschichte der Eiszeiten.
  • 1958

    Expedition nach Grönland (Narssaq) als wissenschaftlicher Assistent
  • 1959 / 1960 / 1963

    Expeditionen in die Antaktis
  • 1962

    Beginn eines Kunststudiums an der Experimental Art School, wo nicht nur die akademische Ausbildung abgelehnt wurde, sondern auch Pop Art, Minimalismus und die radikale Anti-Kunstform Fluxus gelehrt wurden. Der noch nicht promovierte Geologe trat der von Poul Gernes und dem Kunsthistoriker Troels Andersen gegründeten Künstlergruppe „Den Eksperimenterende Kunstskale“ bei. Zu seinen frühesten Medien zählten Grafiken, 8-mm-Film und Installationen. Während der 1960er Jahre beteiligte er sich auch an Happenings. Hierfür arbeitete er mit Künstlern wie Joseph Beuys, Henning Christiansen, Nam June Paik und Charlotte Moorman, Jörg Immendorf zusammen.
  • 1963

    Zweite Expedition nach Grönland (Pearyland).
  • 1965

    Per Kirkeby erhielt ein dreijähriges Stipendium an der „State Art Foundation“. Ab nun drückte sich Per Kirkeby vornehmlich als Zeichner aus, wobei er sich anfangs der Pop Art anschloss und die Abstraktion, vor allem das Informel der 1950er Jahre, ablehnte. Politisch bekannte sich Per Kirkeby zur 68-Bewegung.
  • 1966

    Per Kirkeby begann mit der Arbeit an Backsteinskulpturen, die zu seinen „Markenzeichen“ wurden.
  • 1968

    Kirkeby schuf seinen ersten Kurzfilm in Anlehnung an Andy Warhols Filmtheorie – bis 1989 folgten 23 weitere Filme.
  • 1970

    „Deer Garden: The Romantic Forest“
  • 1971

    Reise nach Mittelamerika, wo er die Maya-Kultstätten in Palenque, Yaxchilan, Uxmal und Copán besuchte.
  • 1973

    Mit „Huset [Das Haus]“ schuf Per Kirkeby seine erste Backsteinskulptur im öffentlichen Raum.
  • 1974

    Per Kirkeby wandte sich der Ölmalerei zu; erste Gemälde entstanden in diesem Jahr.
  • 1977

    Ausstellung „Per Kirkeby. Bilder. Backsteinskulpturen. Bücher" im Museum Folkwang, Essen
  • 1978

    Kirkeby wurde an die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe berufen.
  • 1979

    Ausstellung „Per Kirkeby" in der Kunsthalle Bern und im Aarhus Kunstmuseum
  • 1982

    DAAD-Stipendium für einen einjährigen Aufenthalt in Berlin; Teilnahme an der Ausstellung „zeitgeist“ und der documenta 7.
  • 1984

    Teilnahme an der Ausstellung „Von hier aus – Zwei Monate neue deutsche Kunst in Düsseldorf“
  • 1985

    Fotografien aus dem Pariser Rodin-Museum.
  • 1987

    Teilnahme an Skulptur Projekte Münster mit „Backstein-Skulptur“; Per Kirkeby erhielt die Thorvaldsen-Medaille. „Kirkeby-Monument“ in Stuttgart.
  • 1989

    Per Kirkeby erhielt eine Professur an der Städelschule in Frankfurt a. M., wo er bei 2000 lehrte.
  • 1990

    Kirkeby erhielt den Kunstpreis der Norddeutschen Landesbank, Hannover.
  • 1992

    Teilnahme an der documenta IX
  • 1993

    Per Kirkeby erhielt den Ars Fennica Award der Henna und Pertti Niemistö Art Foundation
  • 1995

    Per Kirkeby wandte sich der Architektur zu. Er entwarf mehrere Gebäude für die Stiftung Insel Hombroich.
  • 1996

    Kirkeby erhielt den Coutts Contemporary Art Foundation Award und den Henrik-Steffens-Preis der Alfred Toepfer Stiftung F.V.S., Hamburg. Er errichtete eine Kunstmauer vor dem Neubau der Deutschen Bibliothek in Frankfurt/Main.
  • 2000

    Per Kirkeby emeritierte von der Städelschule.
  • 2003

    Per Kirkeby erhielt den Herbert-Boeckl-Preis für sein Lebenswerk.
  • 2008

    Retrospektive im Louisiana Museum of Modern Art, Humlebæk (2.9.2008–25.1.2009),
  • 2009/10

    Retrospektive in der Tate Modern, London (17.6.–6.9.), die danach im Museum Kunstpalast Düsseldorf (26.9.2009–10.1.2010) gezeigt wurde.
  • 2015

    Anfang des Jahres verunglückte Per Kirkeby bei einem Treppensturz in seinem Haus in Hellerup und konnte seither nicht mehr malen. Er lebte in Kopenhagen, auf Læsø, in Frankfurt am Main und Amasco (Italien).
  • 9. Mai 2018

    Am 9. Mai 2018 verstarb Per Kirkeby in Kopenhagen.
Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.