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Abstract Painting Now! „Gerhard Richter, Katharina Grosse, Sean Scully …“ in der Kunsthalle Krems

Gerhard Richter, Abstraktes Bild 559-1, 1984, Öl auf Leinwand 200 x 300 cm (Kunstsammlung der Hypo Vereinsbank- Member of UniCredit) Courtesy Richter Images © Gerhard Richter 2017 (0131)

Gerhard Richter, Abstraktes Bild 559-1, 1984, Öl auf Leinwand 200 x 300 cm (Kunstsammlung der Hypo Vereinsbank- Member of UniCredit) Courtesy Richter Images © Gerhard Richter 2017 (0131)

Die „Neue Abstraktion“ begann in den 90ern und blüht in verschiedensten Ausprägungen bis heute. Die Abstraktion der „Zweiten Moderne“ (Heinrich Klotz) ist durch ihre Heterogenität geprägt, fernab verbindender oder trennender Manifeste oder Ideologien wie es für die Abstraktion der 1910er Jahre bzw. der Nachkriegsmoderne charakteristisch ist. Sichtbares Zeichen für die Erneuerung der Abstraktion nach dem Ende des Kalten Kriegs war die documenta IX 1992: Gerhard Richter, Günther Förg, Juan Uslé und Herbert Brandl waren mit wichtigen Werken vertreten und propagierten eine ungegenständliche Malerei.

Mit mehr als sechzig Positionen bietet die Ausstellung „Abstract Painting Now!“ einen Überblick über die wichtigsten Abstrakten der anglo-amerikanischen und deutschsprachigen Kunstszene. Die Liste der ausgestellten Künstlerinnen und Künstler reicht von Gerhard Richter über Albert Oehlen, Charline von Heyl und Katharina Grosse bis Wade Guyton. Werke von österreichischen Malerinnen und Malern – wie Erwin Bohatsch, Herbert Brandl, Hubert Scheibl und Walter Vopava, Martha Jungwirth, Suse Krawagna oder Christoph Schirmer – werden international kontextualisiert.

 

Bunt statt Grau

Alles begann mit Gerhard Richter und seinen „Grauen Bildern“ der Jahre um 1970. In dieser Phase erforschte Richter anhand von Fotomalerei aber auch figurativ-abstrakten Formulierungen – wie den Vorhand-, Wellen- und Röhrenbildern (→ Gerhard Richter: Über Malen / frühe Bilder) – Möglichkeiten der Abstraktion bar einer persönlichen Handschrift und subjektivem Ausdrucks, wie es die Maler des Abstrakten Amerikanischen Expressionismus oder des Informel geprägt hatten. Die Möglichkeiten der Repräsentation auszuloten, zu malen ohne zu komponieren, waren, verkürzt ausgedrückt, wichtige Fragestellungen Gerhard Richters in den 1970er Jahren. Dass der Maler in Düsseldorf gerade 1976 wieder zur Farbigkeit und Abstraktion fand, erstaunte die Zeitgenossen, lässt sich jedoch aus den Erfahrungen der vorangegangenen eineinhalb Jahrzehnte ableiten. Dem „gefundenen“ Motiv setzte Gerhard Richter die Rakel entgegen, um individuelle Handschrift zu verwischen. Der Zufall führt bei dieser Geste ebenso Regie, da Richter das Freilegen und Verschmieren der Farbschichten nur rudimentär kontrollieren kann. Bis heute arbeitet Richter mit dieser Methode (→ Gerhard Richter. Neue Bilder) und schafft dichte Farbgewebe, die von der Ästhetik der Dichte und Farbwerte lebt.

Jean Scully führte Emotion in das abstrakte Bild ein und holte, so Florian Steininger, „die Malerei aus der Selbstverweigerung heraus“1. Und weiter der Kurator: „Sinnliches Verlangen, personal touch und loaded brush anstelle von asketischer Konzeptualität. Eine Malkultur in der Nachfolge von Diego Velázquez, Edouard Manet, Paul Cézanne, Henri Matisse, Mark Rothko und Willem de Kooning verbreitet sich.2 Strenge geometrische Formen „humanisiert“ Jean Scully mit Hilfe seiner Handschrift bzw. Spuren des Entstehungsprozesses. Die „Neue Abstraktion“, so kann man aus der Gegenüberstellung des konzeptualistischen Richter und des emotional-sinnlichen Scully, ergänzt durch Günther Förg oder Helmut Federle, schlussfolgern, speist sich aus der Unauflösbarkeit dieses Gegensatzes.

 

 

Landschaft und Natur

Eine weitere „Entwicklungslinie“ der Abstraktion führt über das autonome Landschaftsbild des 19. Jahrhunderts zu den „Erfindern“ abstrahierter Kompositionen, also von Caspar David Friedrich, Gustave Courbet und William Turner über die Seerosen-Panoramen von Claude Monet bis zu Wassily Kandinsky und Piet Mondrian, weiter zu Marc Rothkos Farbfeldmalerei und Willem de Koonings abstrakt-impressionistischen Impasto-Gemälden der 1970er Jahre. Per Kirkeby oder Eugène Leroy schlossen an diese Auseinandersetzung mit dem Landschaftlichen an. Kirkeby selbst spricht von seinen Gemälden als Sedimentation. Transformation, Atmosphäre, Figürliches, ohne illustrativ zu sein, sind weitere wichtige Assoziationen vor seinen Werken. Doch auch direkte Auseinandersetzungen sind heute nicht verpönt: Die amerikanische Malerin Caitlin Lonegan bekennt sich zur Beschäftigung mit Willem de Kooning.

 

 

Mitunter entwickeln sich solche Abstraktionen auch zu Materialbildern, d. h. materiellen Anhäufungen auf dem Bildträger, so zu sehen bei Franz Grabmayr oder Rudolf Stingel. Ihre Bilder haben einen objekthaften Charakter per se, leben auch von der großen Geste des pastosen Spachtelauftrags (bei Grabmayr seit 1967).

 

Puristische Insel

 

„Die radical painters sind dem Idealismus und der Strenge der Moderne verpflichtet, ja setzen die Geschichte der absoluten Bilder von Malewitsch (Weißes Quadrat auf weißem Grund, 1918), Alexander Rodtschenko (seine letzten Bilder in den drei Primärfarben von 1921), Ad Reinhardt („Black Paintings“) und Robert Ryman (weiße Malerei) konsequent ins Heute fort.“3 (Florian Steininger)

Wenn auch die aktuelle Abstraktion von Stilpluralismus und durchaus emotionaler Durchdringung geprägt ist, so gibt es doch eine Reihe von Malerinnen und Malern, die der strengen, dogmatischen Ungegenständlichkeit ihren Tribut zollen. Monochrome Malerei ist durch Werke der Amerikaner Marcia Haff und Joseph Marioni sowie Günter Umberg vertreten. Joseph Marioni verweigert sich – in bester Greenberg’scher Tradition – der Tiefenräumlichkeit und schüttet Acryl-Farbe über die Bildträger. Die Leinwände saugen die Flüssigkeit auf und bilden monochrome Farbflächen aus, Farbnasen lassen auf den Entstehungsprozess rückschließen.

 

 

 

Während der 1980er Jahre prägte eine Gruppe von Malern, darunter Gerwald Rockenschaub und Heimo Zobernig, eine Form der humorvoll-ironischen Abstraktion: Unter dem „Label“ Neo-Geo spielten sie mit Zeichensystemen und Logokultur. Auffallend ist, dass die jüngere Generation an ungegenständlichen Malerinnen und Malern, vertreten von Tomma Abts, Natalia Załuska oder Svenja Deininger, zu den Geburtsstunden der Avantgarden wieder zurückgehen und konstruktivistische Strategien mithilfe von Linie und Faktur neu interpretieren.

 

Farbfeldmalerei und Ornament

Schillernde Schleierbilder und sphärische Felder vs. pulsierende Kaleidoskope stellen zwei weitere Möglichkeiten abstrakten Gestaltens dar. Farbfeldmalerei4 von Arnulf Rainer, Pat Steir oder Mark Francis setzt Farbe als immaterielle Substanz ein. Atmosphärisches zeigt sich in von der Leinwand aufgesogenen Farbschleiern. Formal im Kontrast dazu stehen Philip Taafe, Bernard Frize und Ross Bleckner, für deren Werke das Ornament als serielles, sich wiederholendes Formengut zum Ausgangspunkt malerischer Recherchen wurde.

Kuratiert von Florian Steininger

 


Ausstellungskatalog: Abstract Painting Now! Gerhard Richter, Katharina Grosse, Sean Scully ...

Florian Steininger (Hg.)
mit Textbeiträgen von Heinrich Klotz, Ulrich Loock, Demetrio Paparoni, Florian Steininger
23 x 28 cm, 216 Seiten, Hardcover, Deutsch / Englisch
Verlag der Buchhandlung Walther König

 

Ausgestellte Künstlerinnen und Künstler

Tomma Abts, John M. Armleder, Ross Bleckner, Erwin Bohatsch, Herbert Brandl, André Butzer, Ernst Caramelle, Gunter Damisch, Svenja Deininger, Helmut Federle, Günther Förg, Mark Francis, Bernard Frize, Jakob Gasteiger, Rudolf Goessl, Franz Grabmayr, Katharina Grosse, Wade Guyton, Marcia Hafif, Peter Halley, Nancy Haynes, Mary Heilmann, Secundino Hernández, Callum Innes, Martha Jungwirth, Franco Kappl, Per Kirkeby, Imi Knoebel, Kurt Kocherscheidt, Suse Krawagna, Jonathan Lasker, Eugène Leroy, Caitlin Lonegan, Brice Marden, Joseph Marioni, Jason Martin, Sarah Morris, Frank Nitsche, Walter Obholzer, Albert Oehlen, Ahmet Oran, Sigmar Polke, Arnulf Rainer, Gerhard Richter, Gerwald Rockenschaub, Thomas Scheibitz, Hubert Scheibl, Adrian Schiess, Christoph Schirmer, Josef Schwaiger, Sean Scully, Pat Steir, Rudolf Stingel, Philip Taaffe, Liliane Tomasko, Lee Ufan, Günter Umberg, Juan Uslé, Charline von Heyl, Walter Vopava, Christopher Wool, Natalia Załuska, Otto Zitko, Heimo Zobernig.

 

Abstract Painting Now!: Bilder

  • Gerhard Richter, Frau in Hollywoodschaukel 196-3, 1968, Öl auf Leinwand, 95 x 115 cm (ACT Art Collection Siggi Loch) Courtesy Richter Images  © Gerhard Richter 2017 (0131)
  • Gerhard Richter, Abstraktes Bild 559-1, 1984, Öl auf Leinwand 200 x 300 cm (Kunstsammlung der Hypo Vereinsbank- Member of UniCredit) Courtesy Richter Images © Gerhard Richter 2017 (0131)
  • Per Kirkeby Summer Storm, 1986, Öl auf Leinwand, 200 x 110 cm (Courtesy Tobias Pils Foto: Kunsthalle Krems / Jorit Aust)
  • Chirstopher Wool, Ohne Titel, 1991, Alkyd auf Papier, 132 x 101 cm (Privatsammlung Foto: © Markus Wörgötter)
  • Ross Bleckner, Loons to Sandpipers, 1996, Öl auf Leinwand, 212 x 183 cm (Sammlung Siegfried und Jutta Weishaupt, Courtesy Galerie Nikolaus Ruzicska, Salzburg Foto: Ulrich Ghezzi)
  • Philip Taaffe, Lupinus Culcidae, 1996, Mischtechnik auf Leinwand, 197 x 169,5 cm (evn sammlung, Maria Enzersdorf Courtesy Luhring Augustine New York © Philip Taaffe)
  • Nancy Haynes, Red Orange Scaffold, 2000/01, Öl auf Leinwand, 61 x 72 cm (Privatsammlung Wien Courtesy Galerie Hubert Winter, Wien © Nancy Haynes)
  • Sarah Morris, State Department (Capital), 2002, Lackfarbe auf Leinwand, 214 x 214 cm (evn sammlung, Maria Enzersdorf, Courtesy Galerie Meyer Kainer, Wien, Foto: Galerie Meyer Kainer, Wien)
  • Sean Scully, Figure Figure, 2004, Öl auf Leinwand, 243,8 x 214 cm (Privatsammlung, Courtesy Neo Neo © Sean Scully)
  • Tomma Abts, Inte, 2013, Acryl und Öl auf Leinwand, 48 x 38 x 2 cm (Privatsammlung Köln Courtesy Galerie Buchholz, Berlin, Foto: Nick Ash)
  • Charline von Heyl, Cluster, 2015, Acryl auf Leinwand, 152,5 x 127 cm (Sammlung Stolitzka, Graz, Foto: Butcher Walsh)
  • Erwin Bohatsch, Ohne Titel, 2015, Öl und Acryl auf Leinwand, 250 x 200 cm (Privatsammlung Courtesy Erwin Bohatsch, Foto: Jorit Aust
  • Walter Vopova, Ohne Titel, 2016, Acryl auf Leinwand, 300 x 200 cm (Courtesy der Künstler, Foto: Kunsthalle Krems / Lisa Rastl)
  • Wade Guyton, Ohne Titel, 2010, Epson-UltraChrome-Tintenstrahldruck auf Leinwand, 213,4 x 175,3 cm (Sammlung Stolitzka, Graz, Inc. Foto: Nick Ash)
  • Christoph Schirmer, 1_2_2000, 2016, Mischtechnik auf Leinwand, 160 x 120 cm (Privatsammlung Courtesy bechter kastowsky galerie, Wien Foto: © Christoph Schirmer)

Weitere Beiträge zur Abstrakten Kunst

4. Dezember 2017
Robert Delaunay, Formes circulaires. Soleil, lune, Detail, 1913–1931, Öl/Lw, 200 x 197 cm (Kunsthaus Zürich)

Robert Delaunay. Werke und Leben Vom Eiffelturm zu „Rhythmus Lebensfreude“ und den „Formes circulaires“

Robert Delaunay (1885–1941) ist einer der bedeutendsten Wegbereiter der Abstrakten Kunst des frühen 20. Jahrhunderts. Vom kubistischen Eiffelturm in den Fensterbildern zum Orphismus, „Rhythmus Lebensfreude“ und den „Formes circulaires“ beeinflusst der Pariser Maler die Künstler des Blauen Reiter wie die Surrealisten und die Nachkriegsabstraktion.
30. September 2017
Paul Klee, Blühendes, 1934, 199, Öl auf Leinwand, 81,5 x 80 cm (Kunstmuseum Winterthur, Legat Dr. Emil und Clara Friedrich-Jezler, 1973, Foto: © Schweizerisches Institut für Kunstwissenschaft, Zürich, Philipp Hitz)

Paul Klee und die Abstraktion „Klee – Die abstrakte Dimension“ in der Fondation Beyeler

Paul Klees beschäftigte sich ab 1912 lebenslang mit der Abstraktion: Zu den berühmtesten Bildern dieses Stranges seiner Kunst zählen Schachbrettbilder und Schichtaquarelle, in denen er sich u.a. mit der Geometrischen Abstraktion der 1930er Jahre auseinandersetzte.
19. September 2017
Paul Klee, Vorhaben, 1938, 126, Kleisterfarbe auf Papier auf Jute; originale Rahmenleisten, 75,5 x 112,3 cm, Zentrum Paul Klee, Bern.

Paul Klee und die amerikanische Avantgarde „10 Amerikaner nach Paul Klee“ zeigt dessen Einfluss auf die US-Abstraktion

Paul Klee und die Abstraktion in den USA? Paul Klee prägte die Avantgarde in der Neuen Welt bis in die 1960er Jahre, ohne je selbst einen Fuß in die Neue Welt gesetzt zu haben.
15. September 2017
Claude Monet, Charing Cross Bridge, Dampfschwaden im Nebel, Impression, 1902 (© Musée Marmottan Monet, Paris - The Bridgeman Art Library)

Claude Monet. Impression und Empfindung Farbe, Licht und Pflanzen zwischen Impressionismus und Abstraktion

Claude Monet (1840–1926) steht wie kein anderer für die Malerei des Impressionismus. Der französische „Meister des Lichts“ war ein zentraler Wegbereiter der Malerei im 20. Jahrhundert.
15. September 2017
Martha Jungwirth, Ohne Titel (aus der Serie: Regentinnen des Altmännerwohnheims, Frans Hals, 1664), 2014 (Albertina, Wien, Erwerbung aus Mitteln der Galerienförderung des BKA 2015 © Bildrecht, Wien, 2017)

Martha Jungwirth. Werke und Leben Erste Personale der österreichischen Malerin in der Albertina

Die Albertina widmet Martha Jungwirth (* 1940), die heute auch zurecht internationale Anerkennung erfährt, erstmals eine Personale. Einzelne Schlüsselwerke wie auch zu Serien zusammengefasste Werkblöcke ermöglichen einen faszinierenden Einblick in das umfangreiche Schaffen der Wiener Malerin.
29. Juni 2017
Sonia Delaunay, Simultanistische Kleider (Drei Frauen, Formen, Farben), 1925, Öl auf Leinwand, 146 x 114 cm (Museo Thyssen-Bornemisza, Madrid © Pracusa) und Mantel für Gloria Swanson, um 1925, Baumwolle, Wolle (p0rivatsammlung)

Sonia Delaunay. Malerei, Design und Mode Leben und Werk der russisch-französischen Malerin und Designerin im Museo Thyssen-Bornemisza, Madrid

Sonia Delaunay (1885–1979) war eine bedeutende Künstlerin der Abstraktion, Modedesignerin und mit ihrem zweiten Ehemann Robert Delaunay (1885–1941) eine Förderin der Abstrakten Kunst in Form des Simultanismus (Orphismus). Die Avantgardistin verstand es, ihre ästhetischen Ideale auf Alltagsgegenstände, vor allem Kleidung, zu übertragen, was sie vom Werk ihres Mannes deutlich unterscheidet.
12. Juni 2017
Gerhard Richter, Vorhang IV (CR 57), 1965, Öl auf Leinwand, 200 × 190 cm (Kunstmuseum Bonn)

Gerhard Richter: Über Malen / frühe Bilder Bilder von 1961 bis 1980 – die wichtigsten Motive für Richters Metamalerei in Bonn und Gent

Der frühe Gerhard Richter (* 1932) der 1960er und 1970er Jahre erarbeitete sich anhand von wenigen Motiven Ausgangspunkte für ein höchst komplexes Werk. Malerei sui generis auf der Metaebene zu hinterfragen und gleichzeitig neu zubegründen, ist die Reaktion des 1962 aus der DDR geflohenen Malers auf die Avantgarde(n) in Düsseldorf.
24. Mai 2017
Mark Tobey, Lines of the City, 1945

Mark Tobey „white writing“ vom Vorläufer des Abstrakten Expressionismus in der Peggy Guggenheim Collection

Mark Tobey (1890–1976) ist eine zentrale Persönlichkeit der amerikanischen Nachkriegsavantgarde, dessen „white writing [weißes Schreiben]” die formalen Erfindungen der New York School Maler wie Jackson Pollock vorausging. Während der 1940er Jahre wandelte sich Tobeys Ausdrucksweise von einer figurativen Auffassung zur Abstraktion. Als er 1944 erstmals kleinformatige Gemälde von blassen Netzen vorstellte, löste er großes Interesse der New Yorker Kollegen für die All-over-Komposition aus, mit denen er alle Bereiche der Bildfläche gleichwertig miteinander verband.
13. Februar 2017
Gerhard Richter, Abstraktes Bild (947-8), 2016, Öl auf Leinwand, 50 x 60 cm © Gerhard Richter 2017 (221116)

Gerhard Richter. Neue Bilder Abstrakte Malerei aus dem Jahr 2016 und ältere Arbeiten aus dem Museum Ludwig, Köln

Gerhard Richters aktuellste Bilder sind anlässlich seines 85. Geburtstags am 9. Februar 2017 im Museum Ludwig zu sehen. Wie für Richters abstraktes Werk charakteristisch arbeitete der Maler 26 Gemälde in unterschiedlichen Formaten höchst materialintensiv und farbig opulent aus.
20. Januar 2017
Claude Monet, Matinée sur la Seine [Vormittag auf der Seine], 1897, Öl auf Leinwand, 81,9 x 93,3 cm (Mead Art Museum, Amherst College, Massachusetts, Vermächtnis Miss Susan Dwight Bliss, 1966, Foto: Alexandra Matzner, ARTinWORDS)

Claude Monet in der Fondation Beyeler Monets Landschaften der 1880er Jahre

Monet die Fondation Beyeler. Als Renzo Piano das Gebäude für die Sammlung des berühmten Kunsthändlerehepaares Beyeler plante, hatte er Claude Monets monumentales Gemälde „Le bassin aux nymphéas [Seerosenteich]“ (um 1917–1920) im Sinn. Piano öffnete das Museum mit großen Glasflächen zum Garten hin. Der Blick wandert über das Gemälde – und weiter zum Teich, dem Schilf, das sich manchmal sanft im Wind wiegt. Wenn auch Claude Monet dieses späte Werk nicht vor dem Motiv gemalt hat, sondern sich dafür eigens ein Atelier in Giverny bauen hat lassen, so suggeriert die Sammlungspräsentation überzeugend die innige Verbindung des Malers mit der Natur, der nahezu blind nach seinen Erinnerungen malte.
23. August 2016
Wassily Kandinsky (Moskau 1866–Neuilly-sur-Seine 1944), Dominant Curve (Courbe dominante), April 1936, Öl auf Leinwand, 129.2 x 194.3 cm (New York, Solomon R. Guggenheim Museum. Solomon R. Guggenheim Founding Collection, Inv.-Nr. 45.989)

Guggenheim Museum: Solomon R. Guggenheim & ungegenständliche Kunst

Mehr als 100 Werke der europäischen und amerikanischen Kunst aus den Guggenheim Sammlungen stehen im Palazzo Strozzi stellvertretend für die beiden Gründerfiguren des wichtigen Museumskomplexes mit New Yorker Wurzeln: Solomon Robert Guggenheim (1861–1949) und seine Nichte Peggy Guggenheim (1898–1979). Unterstützt durch Hilla Rebay, sammelte Solomon R. Guggenheim Gemälde der ungegenständlichen Abstraktion und etablierte sie durch seine Museumsgründung im Kanon der Kunstgeschichte. Das ikonische Guggenheim Museum von Frank Lloyd Wright in New York erfuhr durch seinen ersten Direktor James Johnson Sweeney eine markante Erweiterung durch zeitgenössische europäische und amerikanische Maler und Bildhauer.
29. Mai 2016
Erwin Bohatsch, Ohne Titel, 2014, Acryl und Öl auf Leinwand, 200 x 250 cm (Albertina, Wien)

Erwin Bohatsch

Kleinformatige Zeichnungen, Monotypien und Aquarelle, meist Hochformate und zirka 63 x 44 Zentimeter groß, stehen im Zentrum der retrospektiv angelegten Überblicksschau von Erwin Bohatsch (* 1951). Hierbei handelt es sich um eine zweimalige Premiere, sowohl was die Erstpräsentation der Arbeiten auf Papier anlangt wie auch den retrospektiven Charakter der Ausstellung.
6. April 2016
Paul Klee, Insula dulcamara, 1938, 481, Öl- und Kleisterfarbe auf Papier auf Jute, originale Rahmenleiste (Zentrum Paul Klee, Bern)

Paul Klee. Bilder voller Poesie Überblick über Werke und Leben des deutschen Expressionisten

Der Grafiker und Maler Paul Klee (1879–1940) verband in seinem Werk unterschiedliche Strömungen der Avantgarde und steuerte Essentielles zur Künstlergruppe „Der Blaue Reiter“ bei. Er fand während der berühmten Tunisreise 1914 zur Farbe. Als Bauhaus-Lehrer und Professor der Düsseldorfer Akademie lehrte er seine Überzeung, dass Kunst nicht darstellt, sonder etwas sichtbar machen würde. 1933 von den Nationalsozialisten diffamiert und aus dem Dienst entlassen, emigrierte Paul Klee in die Schweiz, wo er, von Krankheit gezeichnet, unermüdlich weiterarbeitete. Klees Spätwerk prägte die Amerikanischen Expressionisten.
8. Juli 2015
Paul Klee und Wassily Kandinsky in ihrem Garten in Dessau, um 1927, Foto: Nina Kandinsky, Bibliothèque Kandinsky, Centre Georges Pompidou, Paris. Paul Klee und Wassily Kandinsky in ihrem Garten in Dessau, um 1927, Foto: Nina Kandinsky, Bibliothèque Kandinsky, Centre Georges Pompidou, Paris.

Klee & Kandinsky Nachbarn, Freunde, Konkurrenten

Das Paul Klee Zentrum in Bern und die Städtische Galerie im Lenbachhaus in München kooperieren für eine Ausstellung der Sonderklasse: Klee & Kandinsky. Künstlerisch wie menschlich höchst verschiedenartige Charaktere mit unterschiedlich verlaufenden Karrieren freundeten sich Kandinsky und Klee dennoch miteinander an.
4. Oktober 2014
Augusto Giacometti, Fantasia coloristica, 1913, Öl auf Leinwand, 142 x 142 cm, Kunstmuseum St. Gallen, Ernst-Schürpf-Stiftung © Erbengemeinschaft Nachlass Augusto Giacometti.

Augusto Giacometti Die Farbe und ich

Daniel Spanke und Beat Stutzer kuratierten für das Kunstmuseum Bern eine umfassende Retrospektive über den Schweizer Maler Augusto Giacometti, deren Titel „Die Farbe und ich“ auf einen Radiovortrag des Künstlers verweist. In diesem 1933 publizierten Text legt der Künstler sein Verhältnis zur Farbe als Ausgangspunkt seines Schaffens dar und reproduziert das handschriftliche Manuskript. Ziel von Katalog und Schau ist eine Neubewertung Giacomettis, die ihn in den letzten Jahren von einem „Dekorationsmaler“ zu einem Pionier der Abstraktion gemacht hat.
12. April 2014
Kandinsky, Klee, Schiele... Graphikmappen des frühen 20. Jahrhunderts, Ausst.-Kat. Staatsgalerie Stuttgart, 2014 (HIRMER).

Graphikmappen des frühen 20. Jahrhunderts

Die kurz vor der Jahrhundertwende einsetzende Begeisterung für „Künstlerdrucke“ in Form der Wiederentdeckung der Radierung, des (farbigen) Holzschnitts und der Lithografie hatte viel mit einem neuen Verständnis von Kunst als die Massen bewegende Kommunikationsform in der Moderne zu tun. Gleichzeitig wird aber nicht auf den ökonomischen und markttechnischen Wert der Mappenwerke vergessen: Als kollektive Unternehmungen repräsentierten sie nicht nur einen programmatischen Zugang der Beteiligten, sondern waren wichtige Verdienstmöglichkeiten für junge, aufstrebende Künstlerinnen und Künstler.
4. Februar 2014
Roswitha Ennemoser, white/yellow box I, 1996, Ölgrundierung auf Holz, 24 x 26 x 4 cm, Foto: Michael Wohlschlager © MUSA.

Roswitha Ennemoser Konkretisierung

Die 2008 verstorbene Wiener Künstlerin Roswitha Ennemoser wird unter dem Titel „Konkretisierung“ erstmals einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt. Bereits im Jahr 2000 kuratierten Berthold Ecker und Wolfgang Hilger hinter dem Rathaus die Ausstellung „!Strenge Kammer?“, in der Konkrete Kunst aus Wien „in Erinnerung gerufen bzw. erneut oder auch erstmals zur Diskussion gestellt“ werden sollte.
18. November 2013
Barnett Newman, Chartres, 1969, Acryl auf Leinwand, 305 x 289.5 cm, Daros Collection, Switzerland ©2013 ProLitteris, Zürich.

Piet Mondrian – Barnett Newman – Dan Flavin Drei Varianten der Abstraktion

Direktor Bernhard Mendes Bürgi kuratierte für sein Baseler Kunsthaus eine Ausstellung über drei Künstler der Abstraktion, deren Bedeutung nicht überschätzt werden kann: Piet Mondrian, Barnett Newman und Dan Flavin treffen in der Nordschweiz in drei Einzelpräsentationen aufeinander.
15. Juni 2013
Hilma af Klint. Eine Pionierin der Abstraktion, Hrsg. Iris Müller-Westermann, Moderna Museet, Stockholm, Hatje Cantz.

Hilma af Klint Pionierin der Abstraktion

Die schwedische Mystikerin und Malerin Hilma af Klint (1862–1944), Pionierin der Abstraktion, malte bereits 1906 erste nichtfigurative Kompositionen, die sie jedoch zu Lebzeiten nur auserwählten Eingeweihten gezeigt. Sie verfügte in ihrem Testament, dass diese Bilder erst 20 Jahre nach ihrem Tod ausgestellt werden dürfen, da sie vermutete, dass ihre Zeitgenossen sie nicht verstünden.
3. November 2010
Claude Monet, Les Coquelicots à Argenteuil, 1873, Öl auf Leinwand, 50 x 65,3 cm, Musée d'Orsay, Paris © service presse Rmn / Hervé Lewandowski.

Claude Monet: Werk & Leben Impressionismus und darüber hinaus

Von frühen Landschaften aus dem Wald von Fontainebleau hin zu den berühmten Seerosenbildern der späten Zeit in Giverny entwickelte sich das Werk von Claude Monet vom Realismus zum Impressionismus und darüber hinaus. Anhand seiner Reiseziele - wie der Normandie, von Argenteuil, Vétheuil und des Mittelmeers - lässt sich die malerische Entwicklung des französischen Landschaftsmalers nachzeichnen. Die Pariser Kuratoren führen dazu Motive wie das Porträt, die Stillleben, die Fassade der Kathedrale von Rouen, das Parlament von London, Venedig, die Pappeln oder die Getreideschober zusammen.
  1. Florian Steininger, Abstract Painting Now!, in: Abstract Painting Now! (Ausst.-Kat. Kunsthalle Krems 2017), Köln 2017, S. 7.
  2. Ebenda. Die Parallelsetzung von malerischen Qualitäten der Heroen der Kunstgeschichte mit dem Duktus Scullys liest sich im Katalog wie folgt durchaus emphatisch: „Das Malerische per se findet stets seinen Weg, ob in Velázquez’ schillerndem Kleid einer Infantin oder in Scullys handgemalten Balken. Ebenso flackert uns in Scullys Bildern ein festlicher Kolorismus entgegen, Farbe als emotionale Empfindung.“
  3. Ebenda, S. 7.
  4. Die historische Basis hierfür bilden die amerikanischen Color-Field-Painter Helen Frankenthaler und Morris Louis.
Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.