0

Abstract Painting Now! „Gerhard Richter, Katharina Grosse, Sean Scully …“ in der Kunsthalle Krems

Gerhard Richter, Abstraktes Bild 559-1, 1984, Öl auf Leinwand 200 x 300 cm (Kunstsammlung der Hypo Vereinsbank- Member of UniCredit) Courtesy Richter Images © Gerhard Richter 2017 (0131)

Gerhard Richter, Abstraktes Bild 559-1, 1984, Öl auf Leinwand 200 x 300 cm (Kunstsammlung der Hypo Vereinsbank- Member of UniCredit) Courtesy Richter Images © Gerhard Richter 2017 (0131)

Die „Neue Abstraktion“ begann in den 90ern und blüht in verschiedensten Ausprägungen bis heute. Die Abstraktion der „Zweiten Moderne“ (Heinrich Klotz) ist durch ihre Heterogenität geprägt, fernab verbindender oder trennender Manifeste oder Ideologien wie es für die Abstraktion der 1910er Jahre bzw. der Nachkriegsmoderne charakteristisch ist. Sichtbares Zeichen für die Erneuerung der Abstraktion nach dem Ende des Kalten Kriegs war die documenta IX 1992: Gerhard Richter, Günther Förg, Juan Uslé und Herbert Brandl waren mit wichtigen Werken vertreten und propagierten eine ungegenständliche Malerei.

Mit mehr als sechzig Positionen bietet die Ausstellung „Abstract Painting Now!“ einen Überblick über die wichtigsten Abstrakten der anglo-amerikanischen und deutschsprachigen Kunstszene. Die Liste der ausgestellten Künstlerinnen und Künstler reicht von Gerhard Richter über Albert Oehlen, Charline von Heyl und Katharina Grosse bis Wade Guyton. Werke von österreichischen Malerinnen und Malern – wie Erwin Bohatsch, Herbert Brandl, Hubert Scheibl und Walter Vopava, Martha Jungwirth, Suse Krawagna oder Christoph Schirmer – werden international kontextualisiert.

 

Bunt statt Grau

Alles begann mit Gerhard Richter und seinen „Grauen Bildern“ der Jahre um 1970. In dieser Phase erforschte Richter anhand von Fotomalerei aber auch figurativ-abstrakten Formulierungen – wie den Vorhand-, Wellen- und Röhrenbildern (→ Gerhard Richter: Über Malen / frühe Bilder) – Möglichkeiten der Abstraktion bar einer persönlichen Handschrift und subjektivem Ausdrucks, wie es die Maler des Abstrakten Amerikanischen Expressionismus oder des Informel geprägt hatten. Die Möglichkeiten der Repräsentation auszuloten, zu malen ohne zu komponieren, waren, verkürzt ausgedrückt, wichtige Fragestellungen Gerhard Richters in den 1970er Jahren. Dass der Maler in Düsseldorf gerade 1976 wieder zur Farbigkeit und Abstraktion fand, erstaunte die Zeitgenossen, lässt sich jedoch aus den Erfahrungen der vorangegangenen eineinhalb Jahrzehnte ableiten. Dem „gefundenen“ Motiv setzte Gerhard Richter die Rakel entgegen, um individuelle Handschrift zu verwischen. Der Zufall führt bei dieser Geste ebenso Regie, da Richter das Freilegen und Verschmieren der Farbschichten nur rudimentär kontrollieren kann. Bis heute arbeitet Richter mit dieser Methode (→ Gerhard Richter. Neue Bilder) und schafft dichte Farbgewebe, die von der Ästhetik der Dichte und Farbwerte lebt.

Jean Scully führte Emotion in das abstrakte Bild ein und holte, so Florian Steininger, „die Malerei aus der Selbstverweigerung heraus“1. Und weiter der Kurator: „Sinnliches Verlangen, personal touch und loaded brush anstelle von asketischer Konzeptualität. Eine Malkultur in der Nachfolge von Diego Velázquez, Edouard Manet, Paul Cézanne, Henri Matisse, Mark Rothko und Willem de Kooning verbreitet sich.2 Strenge geometrische Formen „humanisiert“ Jean Scully mit Hilfe seiner Handschrift bzw. Spuren des Entstehungsprozesses. Die „Neue Abstraktion“, so kann man aus der Gegenüberstellung des konzeptualistischen Richter und des emotional-sinnlichen Scully, ergänzt durch Günther Förg oder Helmut Federle, schlussfolgern, speist sich aus der Unauflösbarkeit dieses Gegensatzes.

 

 

Landschaft und Natur

Eine weitere „Entwicklungslinie“ der Abstraktion führt über das autonome Landschaftsbild des 19. Jahrhunderts zu den „Erfindern“ abstrahierter Kompositionen, also von Caspar David FriedrichGustave Courbet und William Turner über die Seerosen-Panoramen von Claude Monet bis zu Wassily Kandinsky und Piet Mondrian, weiter zu Marc Rothkos Farbfeldmalerei und Willem de Koonings abstrakt-impressionistischen Impasto-Gemälden der 1970er Jahre. Per Kirkeby oder Eugène Leroy schlossen an diese Auseinandersetzung mit dem Landschaftlichen an. Kirkeby selbst spricht von seinen Gemälden als Sedimentation. Transformation, Atmosphäre, Figürliches, ohne illustrativ zu sein, sind weitere wichtige Assoziationen vor seinen Werken. Doch auch direkte Auseinandersetzungen sind heute nicht verpönt: Die amerikanische Malerin Caitlin Lonegan bekennt sich zur Beschäftigung mit Willem de Kooning.

 

 

Mitunter entwickeln sich solche Abstraktionen auch zu Materialbildern, d. h. materiellen Anhäufungen auf dem Bildträger, so zu sehen bei Franz Grabmayr oder Rudolf Stingel. Ihre Bilder haben einen objekthaften Charakter per se, leben auch von der großen Geste des pastosen Spachtelauftrags (bei Grabmayr seit 1967).

 

Puristische Insel

 

„Die radical painters sind dem Idealismus und der Strenge der Moderne verpflichtet, ja setzen die Geschichte der absoluten Bilder von Malewitsch (Weißes Quadrat auf weißem Grund, 1918), Alexander Rodtschenko (seine letzten Bilder in den drei Primärfarben von 1921), Ad Reinhardt („Black Paintings“) und Robert Ryman (weiße Malerei) konsequent ins Heute fort.“3 (Florian Steininger)

Wenn auch die aktuelle Abstraktion von Stilpluralismus und durchaus emotionaler Durchdringung geprägt ist, so gibt es doch eine Reihe von Malerinnen und Malern, die der strengen, dogmatischen Ungegenständlichkeit ihren Tribut zollen. Monochrome Malerei ist durch Werke der Amerikaner Marcia Haff und Joseph Marioni sowie Günter Umberg vertreten. Joseph Marioni verweigert sich – in bester Greenberg’scher Tradition – der Tiefenräumlichkeit und schüttet Acryl-Farbe über die Bildträger. Die Leinwände saugen die Flüssigkeit auf und bilden monochrome Farbflächen aus, Farbnasen lassen auf den Entstehungsprozess rückschließen.

 

 

Während der 1980er Jahre prägte eine Gruppe von Malern, darunter Gerwald Rockenschaub und Heimo Zobernig, eine Form der humorvoll-ironischen Abstraktion: Unter dem „Label“ Neo-Geo spielten sie mit Zeichensystemen und Logokultur. Auffallend ist, dass die jüngere Generation an ungegenständlichen Malerinnen und Malern, vertreten von Tomma Abts, Natalia Załuska oder Svenja Deininger, zu den Geburtsstunden der Avantgarden wieder zurückgehen und konstruktivistische Strategien mithilfe von Linie und Faktur neu interpretieren.

 

 

Farbfeldmalerei und Ornament

Schillernde Schleierbilder und sphärische Felder vs. pulsierende Kaleidoskope stellen zwei weitere Möglichkeiten abstrakten Gestaltens dar. Farbfeldmalerei4 von Arnulf Rainer, Pat Steir oder Mark Francis setzt Farbe als immaterielle Substanz ein. Atmosphärisches zeigt sich in von der Leinwand aufgesogenen Farbschleiern. Formal im Kontrast dazu stehen Philip Taafe, Bernard Frize und Ross Bleckner, für deren Werke das Ornament als serielles, sich wiederholendes Formengut zum Ausgangspunkt malerischer Recherchen wurde.

Kuratiert von Florian Steininger

 

 

Ausstellungskatalog: Abstract Painting Now! Gerhard Richter, Katharina Grosse, Sean Scully ...

Florian Steininger (Hg.)
mit Textbeiträgen von Heinrich Klotz, Ulrich Loock, Demetrio Paparoni, Florian Steininger
23 x 28 cm, 216 Seiten, Hardcover, Deutsch / Englisch
Verlag der Buchhandlung Walther König

 

 

Ausgestellte Künstlerinnen und Künstler

Tomma Abts, John M. Armleder, Ross Bleckner, Erwin Bohatsch, Herbert Brandl, André Butzer, Ernst Caramelle, Gunter Damisch, Svenja Deininger, Helmut Federle, Günther Förg, Mark Francis, Bernard Frize, Jakob Gasteiger, Rudolf Goessl, Franz Grabmayr, Katharina Grosse, Wade Guyton, Marcia Hafif, Peter Halley, Nancy Haynes, Mary Heilmann, Secundino Hernández, Callum Innes, Martha Jungwirth, Franco Kappl, Per Kirkeby, Imi Knoebel, Kurt Kocherscheidt, Suse Krawagna, Jonathan Lasker, Eugène Leroy, Caitlin Lonegan, Brice Marden, Joseph Marioni, Jason Martin, Sarah Morris, Frank Nitsche, Walter Obholzer, Albert Oehlen, Ahmet Oran, Sigmar Polke, Arnulf Rainer, Gerhard Richter, Gerwald Rockenschaub, Thomas Scheibitz, Hubert Scheibl, Adrian Schiess, Christoph Schirmer, Josef Schwaiger, Sean Scully, Pat Steir, Rudolf Stingel, Philip Taaffe, Liliane Tomasko, Lee Ufan, Günter Umberg, Juan Uslé, Charline von Heyl, Walter Vopava, Christopher Wool, Natalia Załuska, Otto Zitko, Heimo Zobernig.

 

Abstract Painting Now!: Bilder

  • Gerhard Richter, Frau in Hollywoodschaukel 196-3, 1968, Öl auf Leinwand, 95 x 115 cm (ACT Art Collection Siggi Loch) Courtesy Richter Images  © Gerhard Richter 2017 (0131)
  • Gerhard Richter, Abstraktes Bild 559-1, 1984, Öl auf Leinwand 200 x 300 cm (Kunstsammlung der Hypo Vereinsbank- Member of UniCredit) Courtesy Richter Images © Gerhard Richter 2017 (0131)
  • Per Kirkeby Summer Storm, 1986, Öl auf Leinwand, 200 x 110 cm (Courtesy Tobias Pils Foto: Kunsthalle Krems / Jorit Aust)
  • Chirstopher Wool, Ohne Titel, 1991, Alkyd auf Papier, 132 x 101 cm (Privatsammlung Foto: © Markus Wörgötter)
  • Ross Bleckner, Loons to Sandpipers, 1996, Öl auf Leinwand, 212 x 183 cm (Sammlung Siegfried und Jutta Weishaupt, Courtesy Galerie Nikolaus Ruzicska, Salzburg Foto: Ulrich Ghezzi)
  • Philip Taaffe, Lupinus Culcidae, 1996, Mischtechnik auf Leinwand, 197 x 169,5 cm (evn sammlung, Maria Enzersdorf Courtesy Luhring Augustine New York © Philip Taaffe)
  • Nancy Haynes, Red Orange Scaffold, 2000/01, Öl auf Leinwand, 61 x 72 cm (Privatsammlung Wien Courtesy Galerie Hubert Winter, Wien © Nancy Haynes)
  • Sarah Morris, State Department (Capital), 2002, Lackfarbe auf Leinwand, 214 x 214 cm (evn sammlung, Maria Enzersdorf, Courtesy Galerie Meyer Kainer, Wien, Foto: Galerie Meyer Kainer, Wien)
  • Sean Scully, Figure Figure, 2004, Öl auf Leinwand, 243,8 x 214 cm (Privatsammlung, Courtesy Neo Neo © Sean Scully)
  • Tomma Abts, Inte, 2013, Acryl und Öl auf Leinwand, 48 x 38 x 2 cm (Privatsammlung Köln Courtesy Galerie Buchholz, Berlin, Foto: Nick Ash)
  • Charline von Heyl, Cluster, 2015, Acryl auf Leinwand, 152,5 x 127 cm (Sammlung Stolitzka, Graz, Foto: Butcher Walsh)
  • Erwin Bohatsch, Ohne Titel, 2015, Öl und Acryl auf Leinwand, 250 x 200 cm (Privatsammlung Courtesy Erwin Bohatsch, Foto: Jorit Aust
  • Walter Vopova, Ohne Titel, 2016, Acryl auf Leinwand, 300 x 200 cm (Courtesy der Künstler, Foto: Kunsthalle Krems / Lisa Rastl)
  • Wade Guyton, Ohne Titel, 2010, Epson-UltraChrome-Tintenstrahldruck auf Leinwand, 213,4 x 175,3 cm (Sammlung Stolitzka, Graz, Inc. Foto: Nick Ash)
  • Christoph Schirmer, 1_2_2000, 2016, Mischtechnik auf Leinwand, 160 x 120 cm (Privatsammlung Courtesy bechter kastowsky galerie, Wien Foto: © Christoph Schirmer)

Weitere Beiträge zur Abstrakten Kunst

21. Mai 2018
Thomas Reinhold, Matrix, Detail, 2018, Öl auf Leinwand, 150 x 140 cm (© Thomas Reinhold)

Thomas Reinhold. Zur Geometrie des Amorphen Ein synästhetisches Erlebnis bei Artemons Contemporary

Thomas Reinhold (* 1953), ehemals Neuer Wilder, der sich nun vornehmlich im Medium der Malerei bewegt, stellt in der Artemons Gallery, Wien, unter dem Titel „Zur Geometrie des Amorphen“ Arbeiten aus Werkreihen von 2006 bis heute vor.
18. Mai 2018
Tomma Abts, Feke, Detail, 2013, Acryl/Öl/Lw, 48 × 38 cm (Courtesy Privatsammlung)

Tomma Abts in der Serpentine Gallery Prozessuale Abstraktion

Tomma Abts (* 1967) gewann 2006 den renommieren Turner Prize – und dennoch hatte die in Kiel (Deutschland) geborene Malerin noch keine Einzelausstellung in Großbritannien! Man mag es kaum glauben, dass die Serpentine Gallery diese Lücke im Sommer 2018 füllt. Tomma Abts ist bekannt für ihre abstrakten Kompositionen in Acryl und Ölfarbe, die auf geometrischen Formen beruhen und durch ihr kleines Format überzeugen.
10. Mai 2018
Per Kirkeby, Ohne Titel, Detail, 1986, Öl/Lw, 200 x 240 cm (PK 435/01, © Per Kirkeby, Courtesy Galerie Michael Werner Märkisch Wilmersdorf, Köln & New York), Foto: Jörg von Bruchhausen

Per Kirkeby: Natur, Struktur, Bild Zum 80. Geburtstag und in Gedenken an den heuer verstorbenen dänischen Künstler

In Gedenken an Per Kirkeby (1938–2018) und sein Werk widmet ihm die Kunsthalle Krems im Herbst/Winter 2018/19 eine Einzelausstellung. Der promovierte Naturwissenschaftler zählte zu den bedeutendsten Malern der Gegenwart. 1938 in Kopenhagen geboren, studierte Per Kirkeby zwischen 1957 und 1964 Geologie an der Universität Kopenhagen. Noch während seines Studiums wandte er sich der Kunst zu und widmete sich anfangs den Medien Zeichnung, 8-mm-Film und Installationen.
29. März 2018
Frantisek Kupka, Amorfa, Fuge in zwei Farben, Detail, 1912, Öl/Lw, (Nationalgalerie Prag, Prag)

František Kupka. Pionier der Abstraktion Symbolismus und Abstraktion: „Amorpha, Fuge in zwei Farben“

Frantisek Kupka (1871–1957) wurde in den letzten Jahren im Solomon R. Guggenheim Museum (1975/76) und im Kunsthaus Zürich, jüngst im Musée d’Art moderne de la Ville de Paris (1989) gewürdigt. Das gesamte Werk des aus dem böhmischen Opočno stammenden Malers wird präsentiert: von frühen symbolistischen Arbeiten über abstrakte Kompositionen bis zu den späten Bildern der 1950er Jahre.
18. März 2018
Josef Albers, Variant / Adobe, 4 Central Warm Colors Surrounded by 2 Blues, 1948 (Josef Albers Museum Quadrat Bottrop © 2017 The Josef and Anni Albers Foundation / VG Bild-Kunst)

Josef Albers, der Ikonenmaler des 20. Jahrhunderts? Zum 130. Geburtstag des „Farbentäuschers“

Am 19. März 2018 jährt sich der Geburtstag Josef Albers zum 130. Mal. Der Künstler hatte sich nichts Bescheideneres als Ziel gesetzt, als DIE meditativen Ikonen des 20. Jahrhunderts zu malen. Ob ihm dies gelungen ist? ARTinWORDS hat sich diesen feierlichen Tag zum Anlass genommen, um sich dessen bei einem Besuch des Josef Albers Museum im Quadrat Bottrop in seiner Heimatstadt zu vergewissern.
2. März 2018
Martha Jungwirth, Ohne Titel (aus der Serie: Regentinnen des Altmännerwohnheims, Frans Hals, 1664), 2014 (Albertina, Wien, Erwerbung aus Mitteln der Galerienförderung des BKA 2015 © Bildrecht, Wien, 2017)

Martha Jungwirth. Werke und Leben Erste Personale der österreichischen Malerin in der Albertina

Die Albertina widmet Martha Jungwirth (* 1940), die heute auch zurecht internationale Anerkennung erfährt, erstmals eine Personale. Einzelne Schlüsselwerke wie auch zu Serien zusammengefasste Werkblöcke ermöglichen einen faszinierenden Einblick in das umfangreiche Schaffen der Wiener Malerin.
31. Januar 2018
Guy Mees, Portretten (Niveauverschille), frühe 1970er Jahre, Foto: Alexandra Matzner, ARTinWORDS

Guy Mees. Das Wetter ist ruhig, kühl und mild Fragile Dekonstruktionen von Hierarchien

Objekte mit weißer Spitze überzogen, aus Kunstfell oder hochglänzendem Aluminium, fragile Zeichnungen auf gefaltetem Seidenpapier, poetisch-absurde Happenings und konzeptuelle Arbeiten mit Regeln und Codes – all das vereint das Werk des belgischen Künstlers Guy Mees (1935–2003). Die Kunsthalle Wien stellt am Karlsplatz die erste Ausstellung Mees‘ in Österreich als konzentrierten Einblick in dessen Werk vor.
13. Januar 2018
Victor Hugo, Burg und Schloss von Vianden im Mondschein, 1871 (Maisons de Victor Hugo, Paris / Guernese © Foto: Maisons de Victor Hugo/Roger-Viollet)

Victor Hugo. Der schwarze Romantiker Tuschezeichnungen des französischen Romanciers

Zeit seines Lebens stellte Victor Hugo ein einziges Mal 1859 am Salon aus, empfand sich weder als bildender Künstler noch wollte er eine Verbindung von Grafik und Literatur herstellen. Er kokettierte mit seinem Dilettantismus, war aber deuchtlich von Rembrandt und Goya beeinflusst. Seine kreativen Abklatschbilder begeisterten schon André Breton, der in ihnen Vorläufer für surreale Techniken sah!
6. Januar 2018
Hilma af Klint, Series WU/Rosen, Group III, No. 5, Detail (By courtesy of the Hilma af Klint Foundation, Foto: Albin Dahlström, Moderna Museet, Stockholm, Schweden)

Weltempfänger. Georgiana Houghton – Hilma af Klint – Emma Kunz Spiritistinnen und die „Erfindung“ der Abstraktion

Völlig unabhängig voneinander entwickelten Georgiana Houghton (1814–1884) in England, Hilma af Klint (1862–1944) in Schweden und Emma Kunz (1892–1963) in der Schweiz eine jeweils eigene abstrakte, mit Bedeutung hochaufgeladene Bildsprache. Ausgangspunkt war, Naturgesetze, Geistiges und Übersinnliches sichtbar zu machen. Das Lenbachhaus in München zeigt ihre spiritistischen Werke erstmals gemeinsam in einer Ausstellung.
4. Januar 2018
Anni Albers, Red and Blue Layers, Detail, 1954, Baumwolle, 61,6 x 37,8 cm (© 2017 The Josef and Anni Albers Foundation/Artists Rights Society (ARS), New York/DACS, London, Foto: Tim Nighswander/Imaging4Art © Kunstsammlung NRW)

Anni Albers. Textilkünstlerin mit Folgen Leben, Werk und Wirkung der deutsch-amerikanischen Designerin

Anni Albers (1899−1994, geb. Anneliese Fleischmann) ist die wohl anerkannteste Textilkünstlerin im 20. Jahrhundert. Bislang „überschattete“ ihre Ehe mit Josef Albers die Wahrnehmung von Anni Alberts und verhinderte gleichsam den Blick auf das höchst eigenständige Werk der Künstlerin. Erstmals seit fast 20 Jahren präsentiert die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen im K20 alle Facetten ihres Werks.
4. Januar 2018
Carmen Herrera, Irlanda, 1965, Acryl auf Leinwand, mit gemaltem Rahmen, 88,3 x 88,6 cm (Sammlung Pérez Simón, © Carmen Herrera, Foto: Raphael Doniz)

Carmen Herrera. Grande Dame der geometrischen Abstraktion „Lines of Sight“ im K20

Carmen Herrera (* 1915), Pionierin der geometrischen Abstraktion und lange verkannte Künstlerin, wird in einer umfangreichen Retrospektive im K20 der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen dem deutschsprachigen Publikum vorgestellt. Die heute über 100-jährige Malerin verkaufte mit 89 ihr erstes Gemälde!
4. Dezember 2017
Robert Delaunay, Formes circulaires. Soleil, lune, Detail, 1913–1931, Öl/Lw, 200 x 197 cm (Kunsthaus Zürich)

Robert Delaunay. Werke und Leben Vom Eiffelturm zu „Rhythmus Lebensfreude“ und den „Formes circulaires“

Robert Delaunay (1885–1941) ist einer der bedeutendsten Wegbereiter der Abstrakten Kunst des frühen 20. Jahrhunderts. Vom kubistischen Eiffelturm in den Fensterbildern zum Orphismus, „Rhythmus Lebensfreude“ und den „Formes circulaires“ beeinflusst der Pariser Maler die Künstler des Blauen Reiter wie die Surrealisten und die Nachkriegsabstraktion.
30. September 2017
Paul Klee, Blühendes, 1934, 199, Öl auf Leinwand, 81,5 x 80 cm (Kunstmuseum Winterthur, Legat Dr. Emil und Clara Friedrich-Jezler, 1973, Foto: © Schweizerisches Institut für Kunstwissenschaft, Zürich, Philipp Hitz)

Paul Klee und die Abstraktion „Klee – Die abstrakte Dimension“ in der Fondation Beyeler

Paul Klees beschäftigte sich ab 1912 lebenslang mit der Abstraktion: Zu den berühmtesten Bildern dieses Stranges seiner Kunst zählen Schachbrettbilder und Schichtaquarelle, in denen er sich u.a. mit der Geometrischen Abstraktion der 1930er Jahre auseinandersetzte.
19. September 2017
Paul Klee, Vorhaben, 1938, 126, Kleisterfarbe auf Papier auf Jute; originale Rahmenleisten, 75,5 x 112,3 cm, Zentrum Paul Klee, Bern.

Paul Klee und die amerikanische Avantgarde „10 Amerikaner nach Paul Klee“ zeigt dessen Einfluss auf die US-Abstraktion

Paul Klee und die Abstraktion in den USA? Paul Klee prägte die Avantgarde in der Neuen Welt bis in die 1960er Jahre, ohne je selbst einen Fuß in die Neue Welt gesetzt zu haben.
15. September 2017
Claude Monet, Charing Cross Bridge, Dampfschwaden im Nebel, Impression, 1902 (© Musée Marmottan Monet, Paris - The Bridgeman Art Library)

Claude Monet. Impression und Empfindung Farbe, Licht und Pflanzen zwischen Impressionismus und Abstraktion

Claude Monet (1840–1926) steht wie kein anderer für die Malerei des Impressionismus. Der französische „Meister des Lichts“ war ein zentraler Wegbereiter der Malerei im 20. Jahrhundert.
29. Juni 2017
Sonia Delaunay, Simultanistische Kleider (Drei Frauen, Formen, Farben), 1925, Öl auf Leinwand, 146 x 114 cm (Museo Thyssen-Bornemisza, Madrid © Pracusa) und Mantel für Gloria Swanson, um 1925, Baumwolle, Wolle (p0rivatsammlung)

Sonia Delaunay. Malerei, Design und Mode Leben und Werk der russisch-französischen Malerin und Designerin im Museo Thyssen-Bornemisza, Madrid

Sonia Delaunay (1885–1979) war eine bedeutende Künstlerin der Abstraktion, Modedesignerin und mit ihrem zweiten Ehemann Robert Delaunay (1885–1941) eine Förderin der Abstrakten Kunst in Form des Simultanismus (Orphismus). Die Avantgardistin verstand es, ihre ästhetischen Ideale auf Alltagsgegenstände, vor allem Kleidung, zu übertragen, was sie vom Werk ihres Mannes deutlich unterscheidet.
12. Juni 2017
Gerhard Richter, Vorhang IV (CR 57), 1965, Öl auf Leinwand, 200 × 190 cm (Kunstmuseum Bonn)

Gerhard Richter: Über Malen / frühe Bilder Bilder von 1961 bis 1980 – die wichtigsten Motive für Richters Metamalerei in Bonn und Gent

Der frühe Gerhard Richter (* 1932) der 1960er und 1970er Jahre erarbeitete sich anhand von wenigen Motiven Ausgangspunkte für ein höchst komplexes Werk. Malerei sui generis auf der Metaebene zu hinterfragen und gleichzeitig neu zubegründen, ist die Reaktion des 1962 aus der DDR geflohenen Malers auf die Avantgarde(n) in Düsseldorf.
24. Mai 2017
Mark Tobey, Lines of the City, 1945

Mark Tobey „white writing“ vom Vorläufer des Abstrakten Expressionismus in der Peggy Guggenheim Collection

Mark Tobey (1890–1976) ist eine zentrale Persönlichkeit der amerikanischen Nachkriegsavantgarde, dessen „white writing [weißes Schreiben]” die formalen Erfindungen der New York School Maler wie Jackson Pollock vorausging. Während der 1940er Jahre wandelte sich Tobeys Ausdrucksweise von einer figurativen Auffassung zur Abstraktion. Als er 1944 erstmals kleinformatige Gemälde von blassen Netzen vorstellte, löste er großes Interesse der New Yorker Kollegen für die All-over-Komposition aus, mit denen er alle Bereiche der Bildfläche gleichwertig miteinander verband.
13. Februar 2017
Gerhard Richter, Abstraktes Bild (947-8), 2016, Öl auf Leinwand, 50 x 60 cm © Gerhard Richter 2017 (221116)

Gerhard Richter. Neue Bilder Abstrakte Malerei aus dem Jahr 2016 und ältere Arbeiten aus dem Museum Ludwig, Köln

Gerhard Richters aktuellste Bilder sind anlässlich seines 85. Geburtstags am 9. Februar 2017 im Museum Ludwig zu sehen. Wie für Richters abstraktes Werk charakteristisch arbeitete der Maler 26 Gemälde in unterschiedlichen Formaten höchst materialintensiv und farbig opulent aus.
12. Februar 2017
Otto Freundlich, Sphärischer Körper, 1925, Pastell auf Papier, 65 x 50 cm (Privatsammlung), Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln

Otto Freundlich Leben & Werk

Otto Freundlich (1878–1943) war einer der frühesten Vertreter der abstrakten Kunst, Gründungsmitglied der Novembergruppe (1918) und gehörte zu den verfemten Künstlern des NS-Staats. Zwischen 1908 und 1914 lebte Freundlich in Paris und schloss sich der Avantgarde im Bateau Lavoir an. Als Maler und Bildhauer sowie Autor kunsttheoretisch-philosophischer Schriften verfocht er die Idee, dass Kunst eine universelle Sprache wäre. Die abstrakten Kompositionen Freundlichs bestehen aus farbigen Facetten, die das Ideal eines geeinten sozialen Gefüges widerspiegeln.
  1. Florian Steininger, Abstract Painting Now!, in: Abstract Painting Now! (Ausst.-Kat. Kunsthalle Krems 2017), Köln 2017, S. 7.
  2. Ebenda. Die Parallelsetzung von malerischen Qualitäten der Heroen der Kunstgeschichte mit dem Duktus Scullys liest sich im Katalog wie folgt durchaus emphatisch: „Das Malerische per se findet stets seinen Weg, ob in Velázquez’ schillerndem Kleid einer Infantin oder in Scullys handgemalten Balken. Ebenso flackert uns in Scullys Bildern ein festlicher Kolorismus entgegen, Farbe als emotionale Empfindung.“
  3. Ebenda, S. 7.
  4. Die historische Basis hierfür bilden die amerikanischen Color-Field-Painter Helen Frankenthaler und Morris Louis.
Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.