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Polaroid [Im]possible The WestLicht Collection

Vicki Lee Ragan, The Princess and the Frogs, 1983, Polaroid Polacolor, 20 x 24″ © Vicki Lee Ragan

Vicki Lee Ragan, The Princess and the Frogs, 1983, Polaroid Polacolor, 20 x 24″ © Vicki Lee Ragan

Im Juni dieses Jahres überraschte die Wiener Galerie WestLicht mit der Pressemeldung, dass ein Teil der legendären Polaroid-Sammlung für Wien erworben werden und so in ihrer Integrität erhalten werden konnte. 2009 hatte die Versteigerung des amerikanischen Teils dieser Firmen-Sammlung in Kunstkreisen großes Aufsehen erregt. Zwei Jahre später konnte nun der europäische Teil, seit 20 Jahren in den Archiven des Schweizer Musée de l’Elysée in Lausanne verwahrt, für Wien gesichert werden. Bis zum 21. August ist eine Auswahl aus der aus etwa 4.400 Polaroids von ca. 800 Künstlerinnen und Künstlern bestehenden Sammlung in der Wiener Galerie zu sehen.

Polaroid und Ansel Adams

1947 stellte Edwin Land jenes Verfahren für die Sofortbild-Technik vor, das die private Fotografie ab den frühen 70er Jahren prägte und in ihrer Direktheit die digitale Fotografie vorbereitete. Der berühmte amerikanische Fotografen Ansel Adams, den Land 1949 kennengelernt hatte, bekam sehr früh eine Polaroid-Kamera und wurde in der Folge einer der wichtigsten Berater von Land.

Gemeinsam entwickelten sie eine Art „Künstler-Förderprogramm“, wobei Künstler von der Polaroid Corporation Material zu Verfügung gestellt bekamen und im Gegenzug Werke in die firmeneigene Sammlung schenkten. Als die Firma 2008 in die Insolvenz ging, waren es etwa 16.000 Polaroids von einigen der wichtigsten Fotografen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts – von Ansel Adams bis Andy Warhol, von Helmut Newton bis Peter Beard, von Robert Rauschenberg und Gottfried Helnwein bis Leonard Gittleman.

 

Sofortbilder in Groß

Der nun in Wien verwahrte, ehemalige europäische Teil der Sammlung ist die Basis für die erste Präsentation im WestLicht. Wer hier die Ästhetik von vergilbten Familientreffen in kleinem Format erwartet, wird auf jeden Fall überrascht werden. Die alten Fotografien sind farbintensiv, von ausgezeichneter Qualität (v.a. was die Tiefenschärfe betrifft), zeigen auch das Spiel mit verschiedenen Manipulationsverfahren und sind bis zu 50x60 cm groß! Die Ausstellung ordnet die Exponate in vier Bereiche, die den wichtigsten Techniken entsprechen: Integral Film (die berühmte SX-70 Kamera), Peel Apart Film (50x60 cm groß!), Positive/Negative Film (hier wurde ein Negativ und ein Sofortbild belichtet), Instant Slide Film (Diafilm).

Zusätzlich zu den alten Polaroidaufnahmen sind auch jüngere Arbeiten mit dem Material der Firma IMPOSSIBLE ausgestellt. Hierbei handelt es sich um ein völlig neues chemisches Verfahren, das jedoch in Bezug auf Farbigkeit und Schärfe noch in den Kinderschuhen steckt. Nichtsdestotrotz nimmt IMPOSSIBLE die Firmentradition ernst und führt die Zusammenarbeit mit Künstlern wie z.B. Nobuyoshi Araki und Irene Andessner weiter. Insgesamt eine gelungene Ausstellung, die ein altes Medium neu beleuchtet!

Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.