Andy Warhol

Andy Warhol (1928–1987) war ein amerikanischer Künstler der 1960er bis 1970er Jahre, einer der Hauptvertreter der amerikanischen Pop Art. Zu den bekanntesten Werken Warhols gehören seine Porträts von Filmstars und Musikgrößen: Marilyn Monroe, Liz Taylor, Elvis Presley oder James Dean waren bereits Ikonen ihrer Zeit und vielfach in Magazinen abgelichtet, als Warhol ihre Bilder in Siebdrucke verwandelte. Der Ruhm der Dargestellten übertrug sich auf die Werke und schlussendlich auf den Künstler selbst.

In der von ihm gegründeten „Silver Factory“ waren Mitarbeiter und Freunde damit beschäftigt, ihm bei der Produktion seiner Kunst zu helfen. Der Erfolg Andy Warhols, der sich ab den frühen 1960ern mit Medienbildern von Superstars beschäftigte, führte dazu, dass ab den 1970er Jahren Sammler und Geldadel sich von ihm glanzvoll porträtieren ließen. Darüber hinaus schuf er experimentelle Filme, gründete die Zeitschrift „Interview“ und war der Musikproduzent der Rockband „Velvet Underground“. Als Andy Warhol im Alter von 58 verstarb hinterließ er ein umfangreiches Gesamtwerk, das von einfachen Werbegrafiken bis zu Gemälden, Objekten, Filmen und Büchern reicht.

 

Vom Werbegrafiker zum Galeriekünstler

Der als Gebrauchsgrafiker ausgebildete und in den 1950er Jahren äußerst erfolgreiche Werbegrafiker, wechselte 1960 in die freie Kunst und beschäftigte sich anfangs mit Emblemen der Konsum- und Mediengesellschaft. Er entwickelte und schuf Werbungen für die „Vogue“, „Glamour“, „Harper’s Bazaar“ und „LIFE“. Für Truman Capote illustrierte er Kurzgeschichten. Schon 1952/53 stellte er diese frühen Werke in seiner ersten Galerieausstellung und 1956 in seiner Ausstellungsbeteiligung im Museum of Modern Art aus. Während einer Europa- und Asienreise 1956 begann Warhol, Kunst zu sammeln.

1960 wandte sich Andy Warhol der Malerei zu und arbeitete an Gemälden wie „Saturday’s Popeye“ und „Superman“. Allerdings musste er feststellen, dass Roy Lichtenstein bereits mit diesen Motiven den Galeriemarkt beherrschte. Im folgenden Jahr wandte sich Andy Warhol daher wieder der Konsumwelt zu und wählte als erstes Dosenmotiv eine „Del Monte“-Konserve mit Pfirsichhälften. Ab Dezember 1961 arbeitete er an der berühmten Serie „Campbell’s Soup Can“, einer 32-fachen Wiederholung der frontalen Darstellung einer Suppendose mit unterschiedlichen Geschmacksrichtungen, wie die Beschriftung verrät. Warhol zitierte aus der Konsumgüterwerbung, die er zuvor mit seinen verheißungsvollen Bildern selbst mitgeprägt hatte. Mit Hilfe eines Projektors konnte er die Werbesujets vergrößert auf die Leinwand projizieren und freihändig nachmalen; seriell hergestellte Werke wurden mit Schablonen angefertigt. Gleichzeitig fertigte er Karton- und Holzskulpturen, die in Größe und Bemalung an kommerzielle Verpackungen von Alltagsprodukten zum Verwechseln ähnlichsehen.

Gemeinsam mit Roy Lichtenstein reagierte er auf das absehbare Ende des Abstrakten Expressionismus (→ Abstrakter Expressionismus | Informel), das mit dem tragischen Tod von Jackson Pollock 1956 eingeleitet wurde. Nachdem Andy Warhol als Pop Art Maler und Galeriekünstler erfolgreich geworden war, versteckte er seine Werbekunst der 1940er und 1950er Jahre auf eine höchst neurotische Art. Wie er in „POPism“ freimütig gesteht, versuchte der Mittdreißiger bewusst sich eine neue Identität für eine neue Karriere zuzulegen. Warhol schätzte den Markt der Kunstgalerien einfach „schicker“ ein als den für Werbegrafiker. Dafür vermischte er „commercial art“ [Werbegrafik] mit „real art“ [Kunst] und umgekehrt.

Erste Ausstellungen in Los Angeles (1962), Paris bei Ileana Sonnabend (1964) und 1965 seine erste Museumsausstellung am Institute of Contemporary Art in Philadelphia begründeten Warhols Ruhm als Maler. Noch im gleichen Jahr, 1965, hörte er auf zu malen und wandte sich gänzlich den Medien Siebdruck, Fotografie und Film zu.

 

Marilyn Monroe und Jacky Kennedy: Erfindung der Pop Art

Durchschlagenden Erfolg hatte Andy Warhol, als er sich in den frühen 1960ern den Medienbildern von Filmstars und Pop-Ikonen wie Marilyn Monroe, Elvis Presley, Liz Taylor zuwandte. Mit der Idee ausgestattet, dass zehn Bilder von diesen Persönlichkeiten mehr wären als nur eines, vervielfältigte Warhol die Fotografien (ab 1967 mit Hilfe des Siebdrucks). Poppige Farben akzentuieren, verfälschen und verfremden gleichermaßen die Porträts. Warhol gelang, den ausgeprägten Starkult um Filmschauspieler, Politikergattinnen und Rockmusiker über die unverwechselbare Stilisierung ihrer Porträts auf sich selbst zu übertragen. Damit konnte er als Künstler nicht nur soziale Grenzen überwinden, sondern sogar zum Popstar werden.

Das Attentat auf Präsident John F. Kennedy erschütterte Warhol und löste eine Beschäftigung mit dessen Witwe Jacky Kennedy aus. In acht Sujets arbeitete der Künstler ihre Rolle in den Medienberichten auf: die lachende Präsidentengattin, die geschockte Ehefrau, die trauernde Witwe – alles über TV und Fotografie so direkt wie noch nie zuvor in der Geschichte im Wohnzimmer mitzuerleben.

Die Schattenseiten des amerikanischen Lebenstraums fand er in Bildern von Autounfällen („Death and Disaster Series“) sowie dem Elektrischen Stuhl („Electric Chair“). Im Verfahren des Siebdrucks, das als reproduktiv und daher unkünstlerisch galt, und mit Acrylfarbe fertigte Andy Warhol Kompositionen, für die er als Vorlagen Pressefotos von tragischen Unfällen oder Flugzeugabstürzen und ähnlichem verwendete. Er bemalte die Leinwände, bevor er sie mit Siebdrucken nach Fotografien bedruckte. Weitere Bemalung hebt einzelne Partien der Darstellung weiter hervor. Zudem interessierte sich Andy Warhol für die Reproduktion und Variation der Drucke, die auch ohne sein Zutun von Mitarbeitern hergestellt werden konnten.

 

Porträtist der New Yorker Gesellschaft

Andy Warhols Kunst wurde in den 1960er Jahren so populär, dass die 70er von Auftragsarbeiten geprägt wurden. Das leicht wiedererkennbare Konzept machte die Bilder zu „blue-chips“ an den Wohnzimmerwänden. War die Avantgarde-Szene mit neuen Medien (Fotografie, Film), Feminismus, Happening und Performance aber vor allem Minimal Art und Konzeptkunst beschäftigt, residierte Andy Warhol in seiner Factory. Hier schuf er Selbstporträts und Serien von Bildnissen von Mao Tse Tung. Die Phase der Selbstreflexion führte zu zwei bedeutenden autobiografischen Schriften: „The Philosophy of Andy Warhol“ (1975) und „POPism – The Warhol 60s“ (1980).

„In ihrem Markterfolg zeigte sich, wie erfolgreich Unternehmergeld in Unternehmerkunst investiert worden war, und so steckte in der Unternehmerimitation des Dandys Warhol mehr als nur eine kokette Pose, nämlich eine ebenso lakonische wie präzise soziologische Selbstverortung.“1 (Walter Grasskamp über Andy Warhol)

 

Die Person hinter dem öffentlichen Bild, hinter Warhol mit seiner blonden oder silbernen Perücke ist bis heute wenig bekannt. Der stilisierte sich selbst zur Ikone, und zählte siet den 1970er Jahren zu New Yorks Glamourstars.

„Sex und Partys sind die zwei Dinge, für die du immer noch da sein musst - Dinge, die dich und andere Menschen betreffen. Sex und Partys sind die zwei Dinge, [wo] du deinen Protoplasma-Klumpen noch physisch bringen [...] und ihn nahe an einen anderen bringen musst. Um Freundschaften zu führen oder Schecks einzahlen oder Kleidung kaufen zu können, können Sie einfach einen Anruf tätigen oder eine Computernachricht senden. Um eine gerichtliche Aussage zu machen oder ein Datum zu suchen oder dein eigenes Testament zu lesen, nachdem du tot bist, kannst du ein Videoband senden. Um jemanden zu schwängern und sich zu vermehren, kann man einfach Sperma schicken. Sie müssen nicht einmal da sein, um in einem Krieg zu kämpfen - Sie schicken einfach eine Bombe. Aber für Sex und Partys muss dein Körper da sein.“ (Andy Warhol, Vorwort zu „Andy Warhol’s Party Book”, 1988)

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Jean-Michel Basquiat & Andy Warhol, Bananas, 1985, Privatsammlung © Foto: Galerie Bruno Bischofberger, Schweiz © The Estate of Jean-Michel Basquiat und The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc.

WARHOL / BASQUIAT Paintings

Andy Warhol (1928–1987) und Jean-Michel Basquiat (1960–1988) schufen 1984/85 auf Initiative ihres Zürcher Kunsthändlers Bruno Bischofberger eine Serie von über 130 so genannten Collaborations, von Gemeinschaftswerken. Sie arbeiteten abwechselnd auf derselben Leinwand, füllten sie mit Symbolen ihrer eigenen Bildwelten und reagierten aufeinander – quasi ein malerischer Dialog zwischen dem arrivierten und dem jungen aufstrebenden New Yorker Künstler. In der Geschichte der Malerei der 80er Jahre nehmen die Gemälde eine wichtige Stellung ein, animierte der Shootingstar Basquiat doch den etablierten Warhol, wieder mit dem Malen zu beginnen. Obwohl Warhol und Basquiat unterschiedlicher nicht sein konnten, ergänzen sich ihre spontanen Bildideen zu spannenden, experimentierfreudigen Kompositionen.
  1. Zit. n. Walter Grasskamp, Das Phantom der Medien – Worüber wir reden, wenn wir über Pop reden, in: Stephan Diederich, Luise Pilz (Hg.), Ludwig goes Pop (Ausst.-Kat. Museum Ludwig, Köln 1.10.2014–11.1.2015; Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, 13.2.2015–13.9.2015) Köln 2014, S. 127–157, hier S. 157.