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Wien | Unteres Belvedere: Die Erfindung Venedigs im 19. Jahrhundert

Anton Romako, Mädchen an einem Fenster zum Markusplatz, Tauben fütternd, Detail, um 1875 (Belvedere, Wien)

Anton Romako, Mädchen an einem Fenster zum Markusplatz, Tauben fütternd, Detail, um 1875 (Belvedere, Wien)

Die Ausstellung im Unteren Belvedere nimmt die „Erfindung Venedigs im 19. Jahrhundert“ in den Fokus. Ausgehend von der Beobachtung, dass die Lagunenstadt von den Habsburgern regiert wurde, avancierte Venedig im 19. Jahrhundert zum Sehnsuchtsort am Meer. Hier glaubte man Unbeschwertheit und einfaches Leben zu finden; die vom Meer geprägte Landschaft; die Loslösung von der bürgerlichen Enge im eigenen Land. In drei thematischen Kapiteln begibt sich die Ausstellung auf die Spuren dieser Inszenierung eines Traums.

Venedig im Unteren Belvedere

Der erste Teil der Ausstellung beleuchtet die Historienmalerei des 19. Jahrhunderts: Österreichische und italienische Künstler*innen hielten Episoden aus der ruhmreichen tausendjährigen Geschichte Venedigs in opulenten Darstellungen fest. Besonderes Beispiel dafür ist das über zehn Meter lange Gemälde von Hans Makart „Huldigung der Caterina Cornaro“. Wegen seines ungewöhnlichen Formats nur selten zu sehen, ist es eine der besonderen Attraktionen der Schau.

Der zweite Teil wendet sich der engen historischen Verbindung der Stadt mit Österreich zu. Aufgrund der geografischen Nähe hielten sich österreichische Künstler*innen wie etwa Antonietta Brandeis, Leopold Carl Müller, Carl Schuch, August von Pettenkofen oder Anton Romako über längere Zeiträume in der Stadt auf, um sich Inspiration zu holen. Auch im Wiener Stadtbild hinterließen venezianische Motive ihre Spuren: Der umfangreiche, in den 1850er Jahren errichtete Komplex des Wiener Arsenals etwa erinnert nicht nur mit seinem Namen, sondern auch mit seinem eigenwilligen Baustil explizit an das venezianische Vorbild.

Und schließlich wird im dritten Abschnitt Venedig als Sehnsuchtsort beleuchtet – jener Mythos, der die Stadt seit dem beginnenden 19. Jahrhundert bis heute prägt. Maler*innen und vor allem auch Literat*innen aus Europa und den USA gaben sich der Magie, aber auch der Melancholie der Stadt hin; bis heute sehen manche in Venedig eine Metapher für „Sterben in Schönheit“.

Die Ausstellung umfasst rund 80 Gemälde, ein Großteil davon stammt aus der Sammlung des Belvedere. Daneben bieten auch zahlreiche Beispiele aus Literatur und Film weitere Zugänge zur künstlerischen Auseinandersetzung mit dieser faszinierenden Stadt.

Kuratiert von Franz Smola.

Venedig im Belvedere: Bilder

  • Giuseppe Canella d. J., Chioggia vor Sonnenaufgang, 1838 (Belvedere, Wien)
  • Michelangelo Grigoletti, Der Doge Francesco Foscari schickt seinen Sohn Giacomo in die Verbannung (I due Foscari), vor 1843 (Belvedere, Wien)
  • Jakob Alt, Blick auf San Giorgio Maggiore in Venedig, 1834 (Belvedere, Wien)
  • Josef Carl Berthold Püttner, Nachtfahrt in der Lagune, 1857 (Belvedere, Wien)
  • Leopold Carl Müller, Blick von Mestre auf Venedig (Lagunenlandschaft), 1871 (Belvedere, Wien)
  • Hans Makart, Venedig huldigt Caterina Cornaro, 1872–1873 (Belvedere, Wien)
  • Anton Romako, Mädchen an einem Fenster zum Markusplatz, Tauben fütternd, um 1875 (Belvedere, Wien)
  • Ludwig Johann Passini, Kürbisverkäufer in Chioggia, 1876 (Belvedere, Wien)
  • Franz Leo Ruben, Motiv aus Venedig, 1877 (Belvedere, Wien)
  • Pietro Fragiacomo, Venedig (Fra sole e luna), 1908 (Belvedere, Wien)

Weitere Beiträge zu Venedig in der Kunst

William Turner (1775–1851), Venedig, die Seufzerbrücke (Venice, the Bridge of Sighs), 1840 ausgestellt, Öl auf Leinwand, 68,6 x 91,4 cm (Tate, London: Accepted by the nation as part of the Turner Bequest 1856 Inv.-Nr. N00527)

Venedig. Stadt der Künstler


Das Bild der Lagunenstadt in Malerei und Fotografie von 1600 bis heute
„Man kann aus Venedig nicht abreisen, ohne sofort wiederkommen zu wollen!“ Mit diesem Satz von Claude Monet kann sich wohl so ziemlich jeder Venedig-Reisende identifizieren. Nicht mehr als 13 Quadratkilometer ist Venedig groß, doch seine Anziehungskraft bewegt bis heute Massen. Die Ausstellung im Bucerius Kunstforum widmet sich dem Blick der Künstler auf Venedig vom 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart – und ermöglicht einen ausgezeichneten Einstieg in das Thema.

Edouard Manet und Venedig


Der französische Impressionist und die Lagunenstadt
Edouard Manet (1832–1883) kam im Jahr 1853 zum ersten Mal nach Venedig und blieb einen ganzen Monat in der Lagunenstadt, bevor er nach Florenz und vielleicht auch Rom weiterfuhr. Die Ausstellung im Dogenpalast zeigt erstmals Manets berühmtestes Gemälde, die skandalumwitterte „Olympia“ (1863), neben Tizians „Venus von Urbino“ (1538) an einer Wand nebeneinander.

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