Carl Schuch

Wer war Carl Schuch?

Carl Schuch (1846–1903) war ein Maler des späten 19. Jahrhunderts mit österreichischen Wurzeln. Aufgrund des elterlichen Vermögens war Carl Schuch finanziell unabhängig. Er lebte mehr als 25 Jahre auf Reisen zwischen Italien, Deutschland, Frankreich und Holland, beschäftigte sich mit Landschaften und Stillleben.

Im September 1873 reiste er nach Dresden, wo Carl Schuch erstmals Werke von Eugène Delacroix, Jean-Baptiste-Camille Corot, Charles-François Daubigny (→ Charles-François Daubigny: Wegbereiter des Impressionismus) und Theodore Rousseau. Weitere Reisen führten ihn in diesem Jahr nach Antwerpen, Den Haag, Haarlem, Amsterdam, Rotterdam. Die Malweisen von Rembrandt (→ Der späte Rembrandt) und Jan Vermeer beeindruckten Schuch am meisten, allerdings sah er in einer Kunsthandlung in Den Haag erstmals Gemälde von Gustave Courbet. Doch erst nachdem er sich zur Weltausstellung in Paris aufgehalten hatte, übersiedelte er 1881 für nahezu zehn Jahre in die Stadt an der Seine.

„Ich möchte am liebsten gar nichts, weder Impressionismus noch Leibl, weder Daubigny noch Millet, ich möchte treu und ehrlich sein können und nicht ein Verhältnis zur Natur wie Troyon oder X oder Y, sondern wie ich selbst, wenn ichs könnte.“1

Carl Schuch bewunderte die Landschaftsmalerei der Schule von Barbizon und die pastos gespachtelten Bilder von Gustave Courbet, die atmosphärischen Stimmungen der mit Figuren besetzten Landschaften von Camille Corot und die Farbpalette von Eugène Delacroix. Der lichtvollen Malereider Impressionistinnen und Impressionisten stand er ablehnend gegenüber, deren Nachfolger (Neo-Impressionisten, Symbolisten) schenkt er keine Beachtung. Claude Monet bezeichnete er als „den Rembrandt des Lichts en plein air (im Freien)“2, womit er die farbigen Schatten in den Gemälden des Franzosen meinte.

Schon Anfang des Jahres 1883 hatte er sich eingestehen müssen, dass ein Festhalten am Realismus reaktionär wäre: „Wer heute Courbet spielt, kämpft gegen Windmühlen.“3 Dennoch ist Carl Schuch nicht zum helltonigen Impressionisten geworden. Stattdessen ist sein Werk – wie das gezeigte „Waldinnere bei Saut du Doubs“ (nach 1890–1892?) belegt – von einem tonigen Durchdringen der Landschaften geprägt.

Biografie von Carl Schuch (1846–1903)

Am 30. September 1846 wurde Carl Eduard Schuch in der Wiener Leopoldvorstadt als Sohn der Gastwirte und Innenausstatter von Gaststätten und Theresia (geb. Gutmayr) geboren. Er hatte eine ältere Schwester Pauline.
1848 Tod der Mutter.
1851 Seine Tante Susanna übernahm die Erziehung der Kinder ihrer Schwester.
1859 Als Dreizehnjähriger entschloss sich Carl Schuch, Maler zu werden. Den ersten Unterricht erhielt er von Mathias Adolf Charlemont.
1865–1867 Studium an der Akademie der bildenden Künste in Wien in den Klassen von Karl Wurzinger und Karl Mayr.
1867 Lehre bei Ludwig Halauska, mehrere Studienreisen, um vor der Natur zu malen.
1869 Tod der Schwester Pauline an einem Lungenleiden. Schuch beendete seine Ausbildung und begab sich auf eine 25-jährige Wanderschaft durch Westeuropa.
1869/70 Einjährige Italien-Reise: Venedig, Florenz, Sizilien, Rom, Olevano. Spendete eine große Summe, um den Wald von Olevano zu erhalten.
1871 Umzug nach München. Lernte Wilhelm Trübner kennen, mit dem er sich künstlerisch intensiv auseinandersetzte. Im Sommer Begegnung mit Wilhelm Leibl, mit dem er sich ebenfalls anfreundete und den er künstlerisch schätzte.
1872 Im Mai und Juni in Purkersdorf bei Wien, um Landschaftsstudien zu machen. Im Oktober in Venedig, wo er Trübner traf. In Rom bezogen sie ein gemeinsames Atelier.
1873 Erneut in Olevano in der Casa Baldi. Im Sommer in Hintersee bei Berchtesgaden, hier lernte er seinen späteren Biografen Karl Hagemeister kennen. Im September reisten beide nach Wien, wo Schuch in einer Ausstellung im Österreichischen Kunstverein das „Das Begräbnis von Ornans“ (1850) von Courbet sah, und weiter nach Dresden. In „Elbflorenz“ sah Carl Schuch erstmals Werke von Eugène Delacroix, Corot, Daubigny und Théodore Rousseau (Herbst). Weiter in Brüssel richteten sich Schuch und Hagemeister ein Atelier ein. Weitere Reisen nach Antwerpen, Den Haag, Haarlem, Amsterdam, Rotterdam. Die Malweisen von Rembrandt und Vermeer beeindruckten Schuch am meisten. In einer Kunsthandlung in Den Haag sah Schuch erstmals Gemälde von Gustave Courbet. Vielleicht besuchte er in diesem Jahr erstmals Paris.
1874 Gemeinsam mit Trübner Studienreisen zur Insel Rügen, durch den Harz und den Bayerischen Wald. Winter in München.
1875 Zum dritten und letzten Mal in Olevano, Winter in München.
1876 Begann Stillleben zu malen. Auf der Jubiläumsausstellung des Münchner Kunstgewerbevereins verkaufte er sein einziges Bild während seiner Lebzeiten! Schuch und Trübner beendeten ihre künstlerische Zusammenarbeit. Anfang November Umzug nach Venedig, wo Schuch sechs Jahre lang blieb.
1877 Reisen nach Conegliano, Beltuno, St. Croce, Cadore, Ampezzo, Schluderbach, Toblach im Pustertal, Prags am Pagaer Wildsee.
1878 Hielt sich zur Weltausstellung in Paris auf. Hier setzte er sich mit Werken von Courbet, Millet, Daubigny und Corot auseinander. Reiste in Ferch, in der Nähe von Postdam, um mit Hagemeister Landschaften zu malen. Besuchte erstmals das Kaiser-Friedrich-Museum in Berlin. Auf der Rückreise nach Venedig besuchte er Dresden, um die französische Kunst in der Sammlung Meyer zu sehen.
1880 Während des Sommers in Kähnsdorf bei Pottsdam.
1881 Während des Sommers in Ferch bei Pottsdam.
1882 Löste sein Atelier in Venedig im Frühling auf, um den Sommer in Hintersee bei Berchtesgaden zu verbringen und im November nach Paris zu ziehen. Mietete ein Atelier in der Rue St.-Honoré 276.
1883/84 Karl Hagemeister wohnte bei und arbeitete mit Carl Schuch in Paris. Im Frühjahr zerstritten sich die beiden Maler.
1883 Im April in Nizza und Marseille. Ende Mai letzter Aufenthalt mit Hagemeister im Sommer am Hintersee.
1884 Sommer in Scheveningen (Niederlanden).
1885 Sommer in Scheveningen (Niederlanden).
1886 Ab diesem Sommer fuhr Carl Schuch über sieben Jahre hinweg jeden Sommer an den Saut du Doubs bei Le Locle (Jura, französische Schweiz) gereist. Intensive Studien zur französischen Malerei und Höhepunkt seiner Stillleben-Produktion.
1891 Akuter werdende Krankheit (vermutlich die Syphilis). Kuraufenthalte in Karlsbad und Aussee.
1894 Schuch verließ Paris. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Louise Eugénie Lami kehrte Schuch im Frühling nach Wien zurück. Ab diesem Zeitpunkt ist keine Entstehung von Gemälden mehr nachweisbar.
1897 Einlieferung in die „Privatheilanstalt für Gemüthskranke“ von Dr. Svetlin in Wien. Nach drei Monaten Aufenthalts aufgrund vorübergehender Besserung wieder entlassen.
1898 Endgültige Einlieferung in die Klinik.
Am 13. September 1903 starb Carl Schuch. Er wurde am Wiener Zentralfriedhof beigesetzt. Nur Wilhelm Trübner erwies unter den Malerkollegen Schuch die letzte Ehre.
1904 Erste Ausstellung von Werken Carl Schuchs auf Betreiben des Kunsthändlers Schulte wird viel beachtet. Hugo von Tschudi erwarb zwei Gemälde für die Berliner Nationalgalerie.
1906 Auf der Jahrhundertausstellung präsentierte Hugo von Tschudi Carl Schuch mit sechs Bildern. Die Würdigung Schuchs als wichtiger Maler war bis zum Zweiten Weltkrieg ungebrochen. Dann wurde sein Werk erst 1986 in einer Ausstellung in Mannheim und München „wiederentdeckt“.

  1. Zitiert nach Cézanne, Manet, Schuch, S. 90.
  2. Zitiert nach Brigitte Buberl (Hg.), Cézanne, Manet, Schuch. Drei Wege zur autonomen Kunst (Ausst.-Kat. Museum für Kunst und Kulturgeschichte der Stadt Dortmund) München 2000, S. 77.
  3. Zitiert nach Cézanne, Manet, Schuch, S. 89.