Van Cleef & Arpels im MAK Wien: glitzernde Juwelen x Meisterwerke des MAK

Van Cleef & Arpels im MAK, 2026
Das MAK Wien inszeniert ab Juni 2026 ein funkelndes Gipfeltreffen der Kunstgeschichte. Unter dem Titel „GLANZSTÜCKE“ verschmelzen historische Kreationen der legendären Maison Van Cleef & Arpels mit ikonischen Entwürfen der Wiener Werkstätte. Ein kuratorischer Coup, der die evolutionären Linien des Designs im frühen 20. Jahrhundert völlig neu vermisst und die ästhetische Verwandtschaft zweier Metropolen offenbart.
Van Cleef & Arpels und das MAK vereinen selten gezeigte Objekte aus der Museumssammlung mit höchster Juwelierskunst. Im Sommer 2026 wird die 120-jährige Geschichte des Pariser Traditionsunternehmens für Haute Joaillerie in Wien lebendig. Schmuckstücke von Van Cleef & Arpels (gegr. 1906 in Paris) treffen auf Preziosen von der Wiener Werkstätte. Doch nicht nur das. Der thematisch organisierte Rundgang verbindet Preziosen mit mittelalterlichen Textilien, japanischen Wandschirmen und anderen berühmten Sammlungsobjekten des MAK.
GLANZSTÜCKE. Van Cleef & Arpels High Jewelry × Masterpieces from the MAK Collection
Österreich | Wien: MAK, Untere Ausstellungshalle
10.6. – 27.9.2026
- Wandschirm Winter, 18. Jahrhundert, Papier, Tusche, Pigmente (MAK, Wien)
Glanzstücke im Dialog: Wenn Pariser High Jewelry auf Wiener Moderne trifft
Es gibt kunsthistorische Begegnungen, die eine fast magische Resonanz erzeugen. Wenn die geometrische Strenge eines Josef Hoffmann auf die florale Poesie und technische Bravour der Place Vendôme trifft, wird Schmuckdesign weit mehr als bloßes Dekor – es wird zum Spiegelbild einer Epoche. Er erzählt von Aufstieg, aber auch von Umbruch.
Die Großausstellung im MAK (Museum für angewandte Kunst) in Wien wagt genau dieses Experiment. In einer spektakulären, labyrinthartigen Ausstellungsarchitektur des Atelier Tsuyoshi Tane treten rund 500 Exponate in einen ästhetischen Dialog. Über 300 Stücke stammen aus der historischen Patrimonial Collection der Maison Van Cleef & Arpels, konfrontiert mit mehr als 200 Meisterwerken der MAK-Sammlung. Die Schau bricht mit der Chronologie zugunsten einer thematischen Gegenüberstellung. Doch bevor wir den Pfaden dieses glitzernden Labyrinths folgen, werfen wir einen Blick auf die Geschichte der Maison Van Cleef & Arpels.
Was ist die Maison Van Cleef & Arpels?
Bis heute zählt Van Cleef & Arpels zu den renommierten französischen Juwelieren und Uhrenherstellern. 1906 öffnete die Maison Van Cleef & Arpels an der geschichtsträchtigen Place Vendôme, Paris, ihre Pforten.1 Von Beginn an stand die Manufaktur für eine Symbiose aus exzellenter Steinkunde und handwerklicher Innovation. Diese Leidenschaft für feine Edelsteine begann bereits 1898 mit der Hochzeit von Estelle Arpels, der Tochter eines Edelsteinhändlers, und Alfred Van Cleef, dem Sohn eines Amsterdamer Edelsteinschleifers.
Rasch wurde Van Cleef & Arpels für die Balance zwischen klassischer Eleganz und kühner Avantgarde bekannt. Renée Puissant, der 1926 die künstlerische Leitung übernommen hatte, entwickelte 1935 die innovative serti mysterieux-Fasstechnik. Schon früh zeigte sich das Bestreben, eine hauseigene, museale Sammlung (die heutige Patrimonial Collection) aufzubauen, um die Evolution des eigenen Stils für die Nachwelt zu sichern.2
Diese historische Sammlung, die heute über 3.000 Juwelen umfasst, bildet das Rückgrat der Wiener Schau. Dass historische Schmuckretrospektiven im musealen Kontext eine immense Faszination ausüben, ist kein neues Phänomen: Schon 1929 präsentierte Van Cleef & Arpels wegweisende Arbeiten im Pariser Palais Galliera3, gefolgt von großen Retrospektiven in den wichtigsten Modemuseen der Welt4. Die Ausstellung im MAK knüpft an diese Tradition an, bricht jedoch mit der rein chronologischen Werkschau zugunsten einer thematischen Konfrontation.
Stilikonen und ihre prominenten Trägerinnen
Schmuck erwacht erst im Zusammenspiel mit dem Körper und der Mode zum Leben, so Jacques Arpels.5 Die Geschichte von Van Cleef & Arpels ist untrennbar mit den Stilikonen des 20. Jahrhunderts verbunden. Das Gotha, die Welt des Theaters und die internationale Elite suchten an der Place Vendôme nach Stücken, die gleichermaßen Statussymbol und künstlerisches Statement waren.6
Zu den treuesten Kundinnen zählte die Duchess of Windsor, deren spektakuläre, oft transformierbare Schmuckstücke die Designphilosophie der Maison maßgeblich prägten. Auch andere legendäre Frauen der High Society hinterließen ihre Spuren in den Auftragsbüchern. Darunter Moneca Fellows (Mrs. Fellows), Stilikone und treue Sammlerin der Maison,7 die Maharani von Baroda, bekannt für ihre Vorliebe für außergewöhnliche Edelsteine im indisch-europäischen Crossover-Stil,8 und Clara Booth Luce, die scharfzüngige Vogue- und Vanity Fair-Journalistin sowie spätere US-Botschafterin9. Die oft in Balenciaga gehüllte Isabelle de La Moussaye (Tochter von Daisy Fellows) machte die revolutionären, mit Rubinen im Serti Mystérieux-Fassungen besetzten Manschettenarmbänder der Maison berühmt.10
- Van Cleef & Arpels, Kleinformatige Reproduktion der Varuna-Yacht, 1906, Gelbgold, Silber, Jaspis, Ebenholz, Emaille (Van Cleef & Arpels Collection)
- Van Cleef & Arpels, Collier Izmir, 2011, Gelbgold, Weißgold, Roségold, gelber Saphir, Amethyst, Citrine, farbige Spinelle, Opale, Spessartit-Granat, rosa Turmaline, Diamanten (Haute Joaillerie-Kollektion Bals de Légende™, Sammlung Van Cleef & Arpels)
- Miniatur aus dem Mogul-Manuskript Hamzanama, um 1570, Baumwolle, Papier, bemalt (MAK, Wien)
Wanderlust: Die Welt als Inspirationsquelle
Am Anfang der MAK-Ausstellung erzählen Objekte von der Faszination des Reisens und dem Aufbruch in fremde Kulturen. Sowohl Van Cleef & Arpels als auch das MAK blicken auf eine lange Tradition der Aufnahme und Aneignung globaler Impulse zurück. Das MAK, gegründet zur Förderung der dekorativen Künste, baute seine Sammlungen zum ostasiatischen und „orientalischen“ Kunstgewerbe insbesondere nach der Wiener Weltausstellung von 1873 massiv aus. Aber auch die Schmuckstücke von Van Cleef & Arpels spiegeln den kosmopolitischen Geist der Haute Joaillerie ab 1906 wider. Sie zeigen sich in den Einflüssen der klassischen Grand Tour, im Art-déco-Japonismus, dem Orientalismus sowie in ägyptischen Motiven (vor allem nach der Entdeckung des Garbes von Tut-Anch-Amun).
Ein frühes, stupendes Zeugnis dieser Epoche ist das präzise im Gründungsjahr 1906 entstandene Varuna-Yachtmodell der Maison – eine Miniatur aus Gelbgold, Silber, Jaspis, Ebenholz und feiner Emaille. Es kündet von der maritimen Sehnsucht einer elitären Klientel, die Luxus als mobiles Gesamtkunstwerk begriff.11
Die Faszination für Japan prägte das Design von Van Cleef & Arpels über Jahrzehnte. So evoziert eine japanisch inspirierte Kosmetikschatulle von 1924 aus Gelbgold, Platin, Jade und Diamanten die Ästhetik traditioneller Inrō – jener kleinen, am Gürtel getragenen Behältnisse, die als Taschenersatz für den Kimono dienten. Im MAK wird ihr ein monumentales Gegenüber beigesellt: Ein sechsteiliger japanischer Wandschirm des 18. Jahrhunderts, dessen reduzierte Tusche-Malerei den winterlichen Lauf der Zeit visualisiert. Der großflächige Einsatz von Gold lässt den schwarzen Strom, einen schneebedeckten Ast samt darauf sitzenden Vogel kontrastreich hervortreten.
Dass diese Wege der Inspiration bis in die Gegenwart reichen, demonstriert das farbgewaltige Collier Izmir (2011) aus der Kollektion Bals de Légende™. Mit seiner opulenten Architektur aus gelbem Saphir, Amethyst, farbigen Spinellen, Opalen und Spessartit-Granaten erinnert es an nahöstliche Palastbauten. Das MAK antwortet darauf kongenial mit einer kostbaren Miniatur aus dem Mogul-Manuskript Hamzanama (um 1570) auf Baumwolle und Papier – ein Fest der Farben und narrativen Linien.
- Van Cleef & Arpels, Armband, 1936, Platin, Gelbgold, Mystery Set™ Rubine, Diamanten (Van Cleef & Arpels Collection)
- Josef Hoffmann, Korb mit Henkel, Wiener Werkstätte, 1907, Zinkblech, gestanzt, bemalt (MAK, Wien)
Architektur: Die Geometrisierung des Luxus
Im zweiten Abschnitt, Architektur, verschieben sich die formalen Parameter hin zu Struktur, Tektonik und kompromissloser Geometrie. Als wegweisender Akteur des Art déco und der Moderne etablierte Van Cleef & Arpels ab den 1920er Jahren schlichte, funktionale und stringente Entwürfe. Nahezu 20 Jahre zuvor hatten Josef Hoffmann und Koloman Moser die Wiener Werkstätte (WW) gründet, um Alltagsgegenständen durch eine radikal geometrische, architektonische Formensprache den Geist des Luxus einzuhauchen.
Die absolute Beherrschung der Fläche zeigt sich in der Gegenüberstellung von Schmuck und Gerät. Die Entdeckung der berühmten, 1933 patentierten Mystery Set™ Technik (auch bekannt als Serti Mystérieux) erlaubte es den Pariser Kunsthandwerkern, Edelsteine so aneinanderzufügen, dass die metallene Fassung vollkommen unsichtbar bleiben.12 Zwei monumentale Armbänder (aus den Jahren 1936 und 1948), dicht besetzt mit Rubinen und Saphiren im Mystery Set™ und flankiert von Diamanten, demonstrieren diesen puren Formwillen. Solche Meisterwerke wurden von den extravagantesten Stilikonen der Epoche getragen – etwa von der Duchesse von Windsor oder Isabelle de La Moussaye, die diese plastischen Manschettenarmbänder berühmt machten.13
Diesen strukturierten Linien antwortet Josef Hoffmanns ikonischer Henkelkorb von 1907, gefertigt für die Wiener Werkstätte aus gestanztem und weiß lackiertem Zinkblech. Das Lochblech avancierte zum idealen Medium für Hoffmanns geometrische Miniaturen, die wie architektonische Entwürfe im Kleinformat – Brücken, Türme oder urbane Raster – anmuten.
Die Schau beleuchtet zudem den tiefen Respekt vor dem kollektiven Handwerk. Die enge Symbiose von Gestalter:innen und Ausführenden, wie sie die Wiener Werkstätte propagierte, wird an Koloman Mosers prachtvoller Prunkkassette von 1906 ablesbar: Ihre Punzen dokumentieren die Zusammenarbeit der drei Silberschmiede Adolf Erbrich, Eugen Pflaumer und Karl Ponocny mit der Malerin Therese Trethan.
Auf Pariser Seite findet dieses Streben nach architektonischer Funktionalität seine Entsprechung in der Minaudière™ von 1935. Dieses 1933 von der Maison patentierte, hochentwickelte Necessaire aus Styptor, Gelbgold und Diamanten verbirgt in seinem Inneren ein präzise ausgetüfteltes System aus Fächern für Puderdose, Uhr, Lippenstift und Feuerzeug. 14 Es ist ein Bravourstück des Modernismus der 1930er Jahre, das Ästhetik und Alltagsnutzen perfekt verschmilzt.
- Van Cleef & Arpels, Silhouette Blumen Clip, 1937, Gelbgold, Weißgold, Rubine, Diamanten (Van Cleef & Arpels Collection)
- Wiener Werkstätte, Stoffmuster: Sirocco, Wien 1929, Bleistift, Tusche, Gouache (MAK, Wien)
Rhythmische Designs: Schwingung und optische Illusion
Das Kapitel Rhythmische Designs widmet sich dem Spiel mit Mustern, Wiederholungen und dynamischen Strukturen. Hier treffen die Textilentwürfe des MAK-Archivs auf die plastischen Bewegungen der Haute Joaillerie. Die Stilgeschichte von Van Cleef & Arpels vollzieht in dieser Sektion eine faszinierende Evolution: von den strengen, einfarbigen Art-déco-Bandeau-Armbändern der 1920er Jahre mit ihren repetitiven, klassischen Friesen hin zu den illusionistischen, kinetischen Vibrationsmustern der 1960er und 1970er Jahre, die stark von der Op Art beeinflusst sind.
Ein markantes Beispiel für die formale Stilisierung des späten Art déco sind die Clips Silhouette Fleur (1937) aus Gelb- und Weißgold, besetzt mit Rubinen und Diamanten. Sie brechen mit der naturalistischen Blumendarstellung und übersetzen das florale Motiv in abstrahierte, modernistische Grundsätze. Demgegenüber stehen die rhythmischen, oft organisch-abstrakten Stoffmuster der Wiener Werkstätte – wie die Entwürfe „Sirocco“ (1929) oder Dagobert Peches bedruckter Baumwollstoff „Marina“ (1911–12).
Den Höhepunkt der optischen Täuschung markiert das spektakuläre Armband Op Art von 1970 aus reinem Gelbgold. Durch ein subtiles, rhythmisches Spiel mit gravierten und polierten Goldtexturen vermittelt das Stück eine vibrierende Dynamik und scheinbare Eigenbewegung.
Diese ornamentale Rhythmisierung findet ihre ultimative kunsthistorische Entsprechung in Gustav Klimts monumentalen Werkzeichnungen für den Stoclet-Fries (1908–1911), namentlich dem Teilentwurf „Erfüllung (Liebespaar)“. Ausgeführt in Bleistift, Pastellkreide, Gouache sowie unter Verwendung von Bronze, Silber und Goldpulver, machen diese Skizzen Klimts visionäres Bestreben greifbar, Kunst, Ornament, Körper und Architektur zu einem einzigen, pulsierenden Gesamtkunstwerk zu verschmelzen. Da der Stoclet-Fried aus konservatorischen Gründen in der Abteilung „Wien 1900“ bleiben muss, ist ein Abstecher in die Schausammlung zu empfehlen.
Auf der Bühne: Eleganz und darstellerische Poesie
Das vierte Kapitel, Auf der Bühne, führt in die glamouröse Welt des Theaters, des Balletts und der gesellschaftlichen Etikette. Seit der Gründung im Jahr 1906 fertigte Van Cleef & Arpels Preziosen für eine Klientel, die den Theaterbesuch als Bühne der eigenen Eleganz verstand.15 Diese Liaison mit der darstellenden Kunst harmoniert perfekt mit der Wiener Kulturgeschichte, gilt Wien doch als eine Welthauptstadt der Musik.
Hier, in Wien, etablierte sich um die Jahrhundertwende der moderne Tanz als radikal neue Ausdrucksform. Ein Epizentrum dieser Bewegung war das 1907 eröffnete, von der Wiener Werkstätte unter Josef Hoffmann gestaltete Avantgarde-Kabarett Fledermaus. Die Anmut und die emanzipierte Bewegung berühmter Tänzerinnen wie Gertrude Barrison inspirierte die bildenden Künstler der Zeit – meisterhaft eingefangen in Fritz Zeymers Illustration für das erste Programmheft des Kabaretts (1907) in Tusche und Gouache.
In Paris übersetzte die Maison diese Leidenschaft für den Tanz in die weltberühmten, plastischen Clips Danceuse und Fée, die eine zutiefst poetische Traumwelt heraufbeschwören. Ein Schlüsselwerk dieser Kategorie ist der Clip Petite Fée ailée von 1941 (später umbenannt in Spirit of Beauty) aus Platin, Smaragden, Rubinen und Diamanten. Das Stück, einst von der legendären amerikanischen Society-Dame Barbara Hutton für eine enge Freundin erworben,16 fängt die schwebende Leichtigkeit einer Ballerina im harten Medium des Edelsteins ein.
Ergänzt durch den verwandten Clip Fée von 1943, ebenfalls ein filigranes Meisterwerk aus Platin, Smaragden und Rubinen, demonstriert diese Sektion, wie Kunsthandwerker auf beiden Seiten der Grenze versuchten, das Ephemere – den flüchtigen Moment eines Tanzes oder den Zauber eines Bühnenauftritts – für die Ewigkeit zu bannen.
- Van Cleef & Arpels, Blattarmband, 1950, Platin, Gelbgold, Saphire, Diamanten (ehemalige Sammlung der amerikanischen Society-Lady Marjorie Merriweather Post; Sammlung Van Cleef & Arpels)
- Wiener Werkstätte Stoffmuster „Blätter“ (Hartdruck), 1910–1911. Blockdruck (MAK, Wien)
Formwille im frühen 20. Jahrhundert
Die Wiener Ausstellung schlägt die Brücke von diesen Pariser Meisterwerken zu den radikalen Entwürfen der Wiener Werkstätte. Es ist das Aufeinandertreffen zweier Welten, die im Kern dieselbe Frage stellten: Wie lässt sich die Moderne in Form gießen?
Während Josef Hoffmann mit durchbrochenen Metallarbeiten und strengen Rastern die Geometrie feierte, erfand Van Cleef & Arpels mechanische Meisterleistungen wie das Zip-Collier (das sich von der Halskette zum Armband transformieren lässt) oder das vielseitige Passe-Partout-System.17 Das absolute Highlight für Schmuckhistoriker ist die Gegenüberstellung von Objekten, die die absolute Beherrschung des Materials fordern: Auf der einen Seite das hauseigene Serti Mystérieux18, bei dem die Fassung unter den Edelsteinen komplett unsichtbar wird, auf der anderen Seite die kompromisslose Materialästhetik von Koloman Moser.
Wenn der Chrysanthemum Clip von 1937 neben einer Prunkkassette der Wiener Werkstätte glänzt, wird spürbar, dass die Sehnsucht nach „Ordnung, Schönheit, Luxus und Ruhe“19, um es mit Baudelaire zu sagen, keine geografischen Grenzen kannte.
Für Design-Aficionados, Kunsthistoriker und Liebhaber hochkarätiger Handwerkskunst ist diese Schau im MAK Wien zweifellos das kulturelle Highlight des Jahres 2026. Eine Ausstellung, die zeigt, dass wahrer Glanz die Zeiten überdauert.
Das Projekt ist das Ergebnis eines intensiven Dialogs zwischen Van Cleef & Arpels und dem MAK, die ihre gemeinsame Leidenschaft und Begeisterung für herausragendes Design und handwerkliche Exzellenz zusammengeführt hat.
Im Rahmen dieser Kooperation treten die berühmten Sammlungsobjekte des MAK – von mittelalterlichen Textilien bis hin zu den genialen Entwürfen der Wiener Werkstätte – in einen Dialog mit der Patrimonial Collection des Hauses Van Cleef & Arpels, die mehr als 3.000 Haute-Joaillerie- und Schmuckkreationen sowie Uhren und Preziosen umfasst.
Für die Ausstellung in Wien wählten die Kurator:innen rund 500 Exponate aus – mehr als 300 davon aus der Sammlung Van Cleef & Arpels und über 200 aus der Sammlung des MAK. Sie verbindet vor allem ihre außergewöhnliche Handwerkskunst, ihr visionäres Design und die verwendeten Materialien. Die Gegenüberstellungen zeigen auch überraschende Parallelen hinsichtlich Form, Farbe und Motiven, die oft auf ähnliche Inspirationsquellen zurückzuführen sind.
Kuratiert von Alexandrine Maviel-Sonet, Direktorin für Kulturerbe und Ausstellungen bei Van Cleef & Arpels, sowie Anne-Katrin Rossberg, Kustodin MAK Sammlung Metall und Wiener Werkstätte Archiv.
Glanzstücke. Van Cleef & Arpels High Jewelry × Masterpieces from the MAK Collection: Ausstellungskatalog
Lilli Hollein (Hg.)
mit Texten von Lilli Hollein, Catherine Renier, Alexandrine Maviel-Sonet, Rainald Franz, Sebastian Hackenschmidt, Michael Hölters, Kathrin Pokorny-Nagel, Anne-Katrin Rossberg, Lara Steinhäußer, Mio Wakita-Elis
gestaltet von Bueronardin
368 Seiten mit zahlreichen Farbabbildungen
Deutsch/Englisch
MAK, Wien/Hannibal Books, Veurne, Belgien, 2026
Literatur
- Van Cleef et Arpels, hg. von Fabienne Falluel und Liesel Couvreur-Schiffer (Ausst.-Kat. Musée de la mode et du costume, Paris, 18.06–31.10.1992), Paris 1992.
Ausgestellte Objekte und Werke
- Collier Izmir, 2011, Gelbgold, Weißgold, Roségold, gelber Saphir, Amethyst, Citrine, farbige Spinelle, Opale, Spessartit-Granat, rosa Turmaline, Diamanten (Haute Joaillerie-Kollektion Bals de Légende™, Sammlung Van Cleef & Arpels)
- Miniatur aus dem Mogul-Manuskript Hamzanama, um 1570, Baumwolle, Papier, bemalt (MAK)
- Halskette mit Reißverschluss, 1955, umwandelbar in ein Armband, Gelbgold, Platin, Smaragde, Diamanten (Van Cleef & Arpels Collection)
- Kleinformatige Reproduktion der Varuna-Yacht, 1906, Gelbgold, Silber, Jaspis, Ebenholz, Emaille (Van Cleef & Arpels Collection)
- Japanisch inspiriertes Kosmetiketui, 1924, Gelbgold, Platin, Jade, Email, Diamanten (Van Cleef & Arpels Collection)
- Wandschirm Winter, 18. Jahrhundert, Papier, Tusche, Pigmente (MAK, Wien)
- Armband, 1936, Platin, Gelbgold, Mystery Set™ Rubine, Diamanten (Van Cleef & Arpels Collection)
- Josef Hoffmann, Korb mit Henkel, Wiener Werkstätte, 1907, Zinkblech, gestanzt, bemalt (MAK, Wien)
- Armband, 1948, Platin, Weißgold, Mystery Set™ Saphire, Diamanten (Van Cleef & Arpels Collection)
- Koloman Moser, Schatulle, Wiener Werkstätte, 1906, Silber, Emaille, Holz, Halbedelsteine (MAK, Wien)
- Minaudière, 1935, Styptor, Gelbgold, Silber, Diamanten (Sammlung Van Cleef & Arpels)
- Silhouette Blumen Clip, 1937, Gelbgold, Weißgold, Rubine, Diamanten (Van Cleef & Arpels Collection)
- Wiener Werkstätte, Stoffmuster: Sirocco, Wien 1929, Bleistift, Tusche, Gouache (MAK, Wien)
- Op Art Armreif, 1970, Gelbgold (Sammlung Van Cleef & Arpels)
- Dagobert Peche, Wiener Werkstätte Stoff Marina, Wien 1911–1912, Baumwolle bedruckt (MAK, Wien)
- Gustav Klimt, Werkzeichnungen für das Speisezimmer des Soclet Haus mit dem Motiv Erfüllung (Liebespaar), 1908–1911, Bleistift, Farbstift, Gouache, Bronze-, Silber- und Goldpulver (MAK, Wien)
- Clip „Little Winged Fairy“, später „Spirit of Beauty“ genannt, 1941, Platin, Smaragde, Rubine, Diamanten, gekauft von der amerikanischen Prominenten Barbara Hutton für eine Freundin (Sammlung Van Cleef & Arpels)
- Fritz Zeymer, Illustration zum ersten Programm von Cabaret Fledermaus (Tänzerin Gertrude Barrison), Wien, 1907, Tusche, Gouache (MAK, Wien)
- Feenclip, 1943, Platin, Smaragde, Rubine, Diamanten (Van Cleef & Arpels Kollektion)
- Abendtasche, 1923, Platin, Perlen, Diamanten (Van Cleef & Arpels Kollektion)
- Reversuhr, 1926, Platin, Weißgold, Saphire, Onyx, Diamanten (Van Cleef & Arpels Kollektion)
- Halskette, 1936, Platin, Weißgold, Rubine, Diamanten (Van Cleef & Arpels Kollektion)
- Fünfblättriger Clip, 1965, Platin Rubine, Diamanten, ehemalige Sammlung der Opernsängerin Maria Callas (Sammlung Van Cleef & Arpels)
- Gerippte Halskette, 1972–1984 (Sammlung Van Cleef & Arpels)
- Tintenständer, um 1620 (MAK, Wien)
- Tischdecke, Goodyer’s Artistic Fabrics, England, spätes 19. Jahrhundert (Baumwolle, bedruckt (MAK, Wien))
- Doppelclip, 1937, in zwei Clips wandelbar, Platin, Osmior, Diamanten (Sammlung Van Cleef & Arpels)
- Blattarmband, 1950, Platin, Gelbgold, Saphire, Diamanten (ehemalige Sammlung der amerikanischen Society-Lady Marjorie Merriweather Post; Sammlung Van Cleef & Arpels)
- Wiener Werkstätte Stoffmuster „Blätter“ (Hartdruck), 1910–1911. Blockdruck (MAK, Wien)
- Blumenbrosche, 1938, Platin, Weißgold, Gelbgold, Mystery-Set mit Smaragden und Diamanten (Van Cleef & Arpels Kollektion)
- Bellflower Clip, 1969. Platin, Gelbgold, Mystery-Set mit Saphiren und Diamanten (Van Cleef & Arpels Kollektion)
- Meteor Secret Armbanduhr, 1959, Gelbgold, Platin, Diamanten (Van Cleef & Arpels Kollektion)
- Asterisk Clip, 1966–1967, Gelbgold, Platin, Weißgold, Roségold, Saphire, Diamanten (Van Cleef & Arpels Kollektion)










