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Winterpalais des Prinzen Eugen von Savoyen Barocke Baukunst in Wien vor 350 Jahren

Das Winterpalais des Prinzen Eugen, Einblick, Foto: Oskar Schmidt, © Belvedere, Wien.

Das Winterpalais des Prinzen Eugen, Einblick, Foto: Oskar Schmidt, © Belvedere, Wien.

Die spannendste Neueröffnung des Herbstes 2013 macht nichts Geringeres als das Winterpalais des Prinzen Eugen von Savoyen (1663–1736) erstmals der Öffentlichkeit zugänglich. Das Gebäude und seine Innenausstattung zeigt den bedeutenden österreichischen Feldherrn nicht nur als erfolgreichen Militär und als Stütze des Hauses Habsburg, sondern lässt auch den Kunst- und Büchersammler, den Auftraggeber für Architekten und Kunsthandwerker wiederauferstehen. Prinz Eugen, „Feldherr Philosoph und Kunstfreund“, wobei der titelgebende „Feldherr Philosoph“ eine Ehrenbekundung des französischen Schriftstellers Jean-Baptiste Rousseau (1671–1741) ist, ließ das Winterpalais von den beiden rivalisierenden Architekten Johann Bernhard Fischer von Erlach und Johann Lucas von Hildebrandt zwischen 1696 und 1724 errichten. Prunkräume in der Bel Etage – auf einer Länge von ca. 300 Metern – gestaltete der Prinz unter Zuhilfenahme wichtiger italienischer Künstler wie Chiarini, Crespi und andere. Obwohl oder vielleicht auch gerade weil der Palast seit 1848 das Finanzministerium beherbergte, haben sich weite Teile der originalen Ausstattung erhalten. Zu seinem 350. Geburtstag ehrt das Belvedere dem kunstsinnigen Prinzen mit der Wiedereröffnung seines Palais und der Präsentation seiner Kleinodien.

Architektur

Das Winterpalais gilt in der Barockforschung als „eine der aufwendigsten und bedeutendsten Lösungen der Profanarchitektur Wiens“1. Es haben sich Belege für den Erwerb von zwei Häusern durch den Prinzen ab 1694 erhalten. In diesem Jahr muss auch Johann Bernhard Fischer von Erlach (1656–1723) zu planen begonnen haben, da 1696 in einer ersten Bauphase nach seinen Entwürfen der siebenachsige Kernbau entstand. Für diesen wurde der Altbaubestand weiterverwendet, der die Geschosshöhen bereits vordefinierte. Fischers Hauptanliegen muss daher weniger einer innovativen Fassadengestaltung als einer schlüssigen Raumabfolge gegolten haben. Bis zum Jahr 1699 müssen sich der Prinz und sein Architekt jedoch entzweit haben, da ab 1702 Fischers Rivale Johann Lucas von Hildebrandt (1668–1745) zum Lieblingsarchitekten avanciert ist, das Winterpalais in zwei Etappen erweiterte und Innen ausstattete. Ab 1708 wurde das Winterpalais auf zwölf Achsen und 1723/24 auf 17 Achsen durch Hildebrandt vergrößert.2 Da der Entwurf von Fischer von Erlach bereits anstelle einer geschlossenen Fassadengliederung mit betonter Mitte eine akzentlose Aneinanderreihung von Achsen vorsah, darf davon ausgegangen werden, dass an eine Erweiterung des Baus von Anfang gedacht war. Es konnten problemlos an beiden Seiten je fünf Achsen angeschlossen werden. Heute hat das Gebäude 17 Achsen mit drei Portalen, deren Anbau das ursprüngliche Konzept ohne Veränderung im Entwurf ermöglicht hat. Während Fischer von Erlach für die Repräsentationsräume in Richtung Straße verantwortlich zeichnete, baute von Hildebrandt ab 1702 den Bibliothekstrakt und eine Galerie an; zudem veränderte er auch einige Innenausstattungen.

 

 

Portal – Vestibül – Sala terrena – Stiegenhaus

Von der engen Himmelpfortgasse gelangt man durch das flache Portal – begleitet von Reliefs mit den Darstellungen von Aeneas und Anchises sowie Herkules und Antaeus von Lorenzo Mattielli (1687–1748) aus Kaiserstein – in ein relativ dunkles, niedriges und 30 Meter langes Einfahrtsvestibül und weiter in einen durchlichteten Innenhof mit einem Putti-Brunnen aus der Zeit Maria Theresias. Der mittlere der drei Räume wird durch ein Opaion (vgl. Pantheon in Rom) belichtet. Die Trophäen und martialischen Stuckreliefs leiten von den mythischen Heldenfiguren auf die militärische Karriere des Prinzen über. In einer Nische zwischen den Reliefs und gegenüber dem Zugang zum Treppenhaus befindet sich die monumentale Statue eines Meeresgottes mit einer Schnecke, aus der Wasser floss. Im sog. Prinzipalhof, der hier anschließt, wurden während der Restaurierung 2004 eine Vorzeichnung für einen unausgeführten Architekturprospekt gefunden.

Rechts vom Haupttor gelegen, wurde während der Restaurierung eine mit Groteskenmalerei von Jonas Drentwett (zugeschrieben) ausgestattete Sala terrena wiederentdeckt, die über Jahrzehnte als Aktenablage genutzt worden war. Der in den Quellen nicht dokumentierte Raum dürfte um 1704 fertiggestellt gewesen sein, da im mittleren Deckenmedaillon bei der Fensterwand „Höchstätt“ genannt wird.3 Die Schlacht bei Höchstätt konnte Prinz Eugen erfolgreich 1704 für sich entscheiden, wodurch ein Zeitfenster definiert ist.

 

 

Das berühmte Treppenhaus erstreckt sich rechts über die gesamte Höhe des Baus und wird durch Obergadenfenster hell erleuchtet. Die von Fischer konzipierten und von Giovanni Giuliani (1664–1744) ausgeführten, stämmigen vier Atlantenfiguren rahmen eine Herkulesstatue am Podest. Herkules sollte der griechischen Mythologie zufolge die Söhne der Göttin Gäa, darunter Atlas und Anthaeos, besiegt haben, um den Olympiern ihre Herrschaft zu sichern. Das Profilbild des Bauherrn vermittelt zwischen dem griechischen Helden und dem Musenführer Apollo im Fresko darüber. Das Deckengemälde mit der Darstellung „Apollo im Sonnenwagen“ (1710/11) von Louis Dorigny (1654–1742) wurde 1945 bei der Detonation einer sowjetischen Fliegerbombe beschädigt, konnte jedoch in den folgenden Jahren wiederhergestellt werden. Der Lauf der Treppe gabelt sich, die beiden Treppenläufe führen in seitliche Raumbuchten und kommen am zentralen Podest wieder zusammen. In den Deckenfeldern darüber sind ebenfalls von Dorigny „Aurora“ und der „Ikarussturz“ dargestellt worden. In den Suppraporten sind – passend zur Darstellung des griechischen Helden – Herkulestaten in Stuckreliefs wiedergegeben.

Das vom oberen Treppenpodest in den Festsaal führende Portal wurde zugemauert und mit allegorischen Skulpturen des Bergbaus besetzt (wohl als Kaminaufsatz gedacht), da das Palais nach Erwerb durch Maria Theresia im Jahr 1752 u.a. der Sitz der Montanverwaltung war. Die repräsentativen Räume befinden sich straßenseitig und wurden noch unter der Bauleitung von Johann Bernhard Fischer von Erlach ausgestattet. Salomon Kleiner (1700–1761) überlieferte in sechs Federzeichnungen (fünf im Wien Museum und eine in Privatbesitz) die ursprünglichen Funktionen und Ausstattungen der Raumabfolge sowie die Fassade ein einem Stich, letztere wurde auch von Fischer von Erlach/Delsenbach in einem repräsentativen Stich dokumentiert.4

 

Die Innenausstattung des Piano Nobile

Prinz Eugen wählte für die Ausstattung seines Winterpalais hauptsächlich bolognesische Künstler5; der bolognesische Senator Virgilio Davia fungierte als Vermittler: Die Supraporten wurden von Giuseppe Maria Crespi (genannt Lo Spagnuolo), Giovanni Gioseffo dal Sole, Giovanni Antonio Burrini, Benedetto Gennari d.J., die Quadaraturen von Marcantonio Chiarini und seinem ersten Mitarbeiter Giuseppe Gambarini als Figurenmaler sowie die Deckenspiegel von Andrea Lanzani bzw. Louis Dorigny gemalt. Dass sich der Prinz für seine straßenseitigen Repräsentationsräume eine durchgängige Freskierung mit Quadratur und Deckenspiegel gewünscht hat, fällt im Wiener Vergleich deutlich aus dem Rahmen. Die in der Kaiserstadt übliche Kombination von Stuck und Einsatzbild in Öl findet sich nur in den hofseitigen Nutzräumen. Die Quadraturen à la Chiarini werden in den Gartenpalais eifrig rezipiert werden, sich jedoch keiner Beliebtheit in innerstädtischen Palästen erfreuen und kaum Nachfolge finden.

Die stilistische Heterogenität – beispielsweise die Feinheit von Gennaris klassizierenden Suppraporten und das dramatisch-expressive Hell-Dunkel jener Crespis (heute im KHM) – wie auch seine Entscheidung zugunsten der Freskomalerei zeugen von der Offenheit des Prinzen als Auftraggeber und Sammler. Zudem scheint es auch keine Geschlossenheit des ikonographischen Programms zu geben, wenn auch Herkules eindeutig im Zentrum der Darstellungen steht. Während das Sommerpalais auch als Ausstellungsort für die reiche Gemäldesammlung des Prinzen diente, wurde das ältere Winterpalais vornehmlich mit wandfesten Ausstattungen und Tapisserien - z.B. „Mars (Allegorie des Krieges)“ (1709/1712) von Jodocus de Vos - geschmückt. Für die Gemälde blieben nur die Galerie und das private Schlafzimmer, wie der Katalog von 1736 verzeichnet.

 

Raumabfolge

Der ehemalige, über eineinhalb Geschosse hohe Festsaal (Großer Saal) ist heute völlig umgebaut und in kleinere Zimmer unterteilt. „Der Haupt-Saal, mit vergoldeten Wand-Pfeilern, und untermischtem Kriegs-Geräthe von Stucatur-Arbeit sehr reich gezieret. Darzu kommt noch die größte Zierde von diesem Saal, daß die Schlachten des Prinzen darinn in Oel-Farbe künstlich gemahlt zu sehen sind. Die Decke stellet verschiedene Thaten des Herkules al fresco für.“6 Die in dieser Beschreibung erwähnten Schlachtenbilder von Jacques-Ignace Parrocel (1667–1722) können frühestens 1711 gemalt worden sein, wurden später jedoch in den Schlachtenbildersaal versetzt. Unter Maria Theresia wurden die Gemälde abgenommen und erst im Zuge der Restaurierungen nach dem Zweiten Weltkrieg an ihren alten Aufstellungsort, dem Schlachtenbildersaal, zurückversetzt. Es fehlen in den Dokumenten Hinweise auf die Freskanten und Stukkateure. Im Zuge der Öffnung des Palais hat man sich entschlossen, hier einen Shop einzurichten.

 

Die Antechambre

Die Tafelparkettböden sind, wie man in diesem Raum unschwer erkennen kann, durchwegs aus dem 19. Jahrhundert. Die Wandbespannungen wurden für die letzte Generalsanierung von 1968 bis 1972 neu gewebt (und entsprechen in ihrer Flächigkeit und wohl auch Farbigkeit nicht barocken Seidenlampas) – ursprünglich waren die Spalieren aus rotem Samt versehen. Die ursprüngliche Deckengestaltung ist nicht bekannt aber durch einfache Stuckverzierung in Rokokoformen ersetzt.

Da die Antechambre viel von ihrem originalen Aussehen eingebüßt hat, entschloss man sich hier Kopien nach den Zeichnungen von Salomon Kleiner, das bekannte Ölgemälde von Carl Moll (um 1907/08) und das Kaiserpaar Maria Theresia und Franz Stephan von Lothringen von Messerschmidt hier aufzuhängen bzw. aufzustellen. Die Zeichnungen von Kleiner geben einen guten Eindruck von der sparsamen Möblierung adeliger Paläste im Barock. Es wurden Stühle an den Wänden aufgestellt und bei Bedarf von Dienern im Raum positioniert, das gleiche machte man mit Tischen, Bett und Spiegel waren fix montiert.

Wenn man aus den Fenstern der Antechambre blickt, entdeckt man den sog. Kuppelhof, der über das Opaion das Vestibül beleuchtet und daher erst im ersten Stock beginnt. Fischer von Erlach hat hier die Fensterrahmungen reich verziert.

 

Der Rote Salon / Audienzzimmer

Salomon Kleiner überliefert das ursprüngliche Aussehen des „Audienz-Zimmers“, das aufgrund seiner repräsentativen Funktion besonders reich mit Stuck, Deckenmalerei und Spiegeln ausgestattet war. Die Ausschmückung mit roter Samttapete, der eine dekorativ aufgelöste Pilastergliederung aufgestickt war, dürfte erst unter Hildebrandt (ab 1702) entstanden sein. An der Nordwand befand sich – zu sehen in Kleiners Zeichnung – ein Baldachin, unter dem wohl Prinz Eugens Lehnsessel stand, wenn er Audienzen hielt. Erhalten haben sich die vergoldeten Lambris, d.h. Sockelverkleidungen aus Holz an den Türflügeln und in den Fensterlaibungen, vergoldet und mit Grotesken bemalt. Die Quadratur und das Deckengemälde stammen von Marcantonio Chiarini, der 1697 nach Wien berufen worden war, und Andrea Lanzani. Dessen Gemälde im Deckenspiegel zeigt die „Aufnahme des Herkules in den Olymp“. Jupiter legt seinem unehelichen Sohn Herkules als Zeichen seiner Aufnahme in den Götterolymp das blaue Sternenkleid um die Schultern. Die Göttin Fama nimmt ihm sein altes Löwenfell ab; Diana, Juno (Hera), Minerva (Pallas Athene) und Apollo sowie Mars sind auf Wolken verteilt. Die Tierdarstellungen in den Ecken weisen auf die Heldentaten Herkules` hin: die Hirschkuh Kerynitis mit goldenem Geweih und eisernen Hufen, der Kaledonische Eber, der Kretische Stier und die Hydra aus den Sümpfen von Lerna. Der „Kampf mit dem Nemäischen Löwen“ und „Herkules am Scheiterhaufen“ vervollständigen die Legende in der Attika. Das Programm des Audienzzimmers war also ganz auf die Heldentaten des Herkules und das Memento Mori seines Todes zugeschnitten. Ob die Darstellungen der Grotesken das Programm ursprünglich noch ergänzt oder erweitert haben, lässt sich heute nicht mehr feststellen, wurden die Positionen der vergoldeten Platten offenbar immer wieder vertauscht und sie auch ergänzt.

 

 

Die Supraporte – bei Kleiner so genau festgehalten, dass sie identifizierbar ist – thematisierte „Theseus zwischen den Töchtern des Minos“ (heute im KHM) im verfeinerten, klassizierenden Stil, mit bunter Farbigkeit und fein lasierender Oberfläche von Benedetto Gennari aus Bologna, sein Gegenüber stellte „Jason mit dem Goldenen Vlies“ dar. Beide Bilder kamen 1702 nach Wien. Beide Supraporten wurden – wie auch in den anderen Räumen – nach dem Tod des Prinzen abgenommen und durch Blumenstillleben ersetzt.

Im Roten Salon befand sich ursprünglich der heute in der Einfahrt von Schloss Schönbrunn aufgestellte, außergewöhnliche Heißluftofen: „Der Ofen ist ein Hercules, der den Drachen erschlägt, von Metall gegossen, welches für ein großes Kunst- und Meisterstück gehalten wird.“7 Dieser Ofen besitzt noch ein Gegenstück mit der Darstellung von „Herkules und der Nemäische Löwe“ (ursprünglich im anschließenden Paradezimmer aufgestellt). Die beiden um 1700 datierten Metallöfen gelten als Arbeiten des französischen Malers und Bildhauers Marc Chabry (1660–1726), einem Schüler von Pierre Puget.8 Giovanni Giuliani kopierte (?) den „Herkules erschlägt den Hesperiden-Drachen Ladon“ in einer 44,4 cm hohen Terracotta-Statue, die sich heute im Zisterzienserstift Heiligenkreuz befindet.

Die Präsentation zu Prinz Eugens 350. Geburtstag thematisiert im Roten Salon des Winterpalais die drei Kaiser, für die Eugen tätig war: Kaiser Leopold ist in einem Profilrelief von Paul Strudel präsent, Joseph I. in einer Kopie aus dem 19. Jahrhundert nach Peter Gabriels Bildnis und Karl VI. in einer Kopie nach Johann Auerbach. Der Prinz selbst ließ sich um 1720 von Jacob van Schuppen malen.

 

Der Blaue Salon / Paradezimmer (= offizielles Schlafzimmer des Prinzen)

Die beiden Supraporten zu Seiten des Paradebettes von Prinz Eugen schmückten Gemälde von Giuseppe Maria Crespi, genannt Lo Spagnuolo, mit den Themen „Chiron lehrt Achilles das Bogenschießen“ und „Aeneas, die Sibylle und Charon“ (beide um 1695–1697, KHM). Beide Bilder kamen um 1697 nach Wien, ihre Hängung konnte mit Hilfe der Federzeichnungen Salomon Kleiners identifiziert werden. Ab 1702 arbeitete Johann Lucas von Hildebrandt an der Wandgestaltung, die das dreiachsige Zimmer mit einer strengen Pilastergliederung überzog, die in Seiden-, Silber- und Goldfäden dreidimensional gestickt waren und sich auch von der blau-grünen Wandbespannung abhob. An der Nordwand stand das Paradebett zwischen zwei Türen, von denen die rechte ins Goldkabinett führt und die linke wohl unter Nikolaus Pacassi durch eine Tapetentür und dahinter einer bemalte Kapelle ersetzt wurde. Auch der Kamin existiert in diesem Zimmer nicht mehr.

Der Bologneser Quadraturist Chiarini9, anfangs vom Figurenmaler Giuseppe Gambarini und später durch Louis Dorigny verstärkt, waren ab 1709 mit der Ausmalung der Decke beschäftigt, die „Herkules Vermählung mit Hebe“ zeigt. In den Medaillons werden wiederum Heldentaten des Herkules gezeigt, die man teilweise bereits aus dem Roten Salon kennt: Herkules und der Kretische Stier, der Höllenhund Zerberus, die Lernäische Hydra und der Kentaure Nessus. Personifikationen wie die Fama mit Trompeten oder die Ewigkeit einem Ring flankieren die Abenteuerszenen.

 

 

Da das Paradebett des Prinzen Eugen nicht erhalten ist, stellt das Belvedere im Blauen Salon das sog. „Türkenbett“ (1711) aus dem Augustiner Chorherrenstift St. Florian auf. Obwohl es als Bett für das Schlafzimmer des kaiserlichen Gastes Karl VI. on St. Florian bestimmt war, befand es sich im Prinz-Eugen-Zimmer, auch Soldantenzimmer genannt. Die dortigen Wandmalereien sind vom Thema des Krieges und v.a. der Türkensiege bestimmt. Ergänzt wird dieses oberösterreichische Werk von Leonhard Sattler oder Meinrad Guggenbichler durch zwei japanische Lackkästchen feinster Qualität sowie zwei Reiterporträts des Prinzen Eugen. Die großformatige Darstellung des Prinzen im Ornat des Goldenen Vlieses von Jacob van Schuppen, zeigt ihn als Mitglied des gleichnamigen Ordens, in den er am 6. Oktober 1687 nach dem Sieg bei Mohács durch Leopold I. aufgenommen worden war.

 

Die Kapelle (1752)

Die von einem unbekannten Maler vollständig bemalte und durch seitliche Fenster (manchmal) beleuchtete Kapelle dürfte von Nikolaus Pacassi eingebaut worden sein, nachdem Maria Theresia 1752 das Winterpalais erworben hatte. Ursprünglich dürfte sich hier die Garderobe als kleiner Nutzraum befunden haben. Der Holzfußboden stammt aus dem Barock und ist demnach der älteste Fußbodenbelag im ganzen Palais sein, wenn er auch aus einem anderen Raum stammt. Der Altar war 1712 dem hl. Valetin geweiht worden und befand sich – wie der Fußboden – in der Privatkapelle des Prinzen, der u.a. als Laienabt eine Kapelle in seinem Privatappartement zur Verfügung hatte. Maria Theresia veranlasste, dass ein kleines Fenster vom Goldkabinett in die Kapelle gebrochen wurde, damit man auch von diesem Raum aus an den Messfeierlichkeiten beiwohnen konnte. Das in alten Aufnahmen noch sichtbare Immaculata-Bild von E. Vernon Bell aus dem Jahre 1888 ist in der Neuaufstellung nicht mehr vorzufinden.

 

 

Goldkabinett oder Spiegel-Kabinett / Frühstückszimmer

Das einachsige Goldkabinett ist der letzte und kleinste Raum der straßenseitigen Enfilade mit öffentlicher Funktion (nur eine Fensterachse breit); in ihm empfang der Hausherr die ranghöchsten Gäste in kleinem Kreis. Im Anschluss befindet sich noch die ehem. Bibliothek; die Federzeichnung Salomon Kleiners beweist jedoch, dass von hier aus kein Zugang zur 1723 angebauten Bibliothek bestand. Die Räume für öffentliche und private Nutzung waren streng voneinander getrennt. Heute ist von der ursprünglichen, reichen Dekoration nur mehr ein Teil der Decke und der Kamin erhalten. Das mit Schnitzdekorationen reich bestückte Gesims rahmt eine flache Tonnenwölbung mit blattvergoldetem Schnitzwerk aus Lindenholz und zeigt in Öl gemalte Grotesken von Jonas Drentwett. Ursprünglich schmückten auf Konsolen aufgestellte Porzellane den Raum, so dass der Groteskenmaler darauf Rücksicht nahm. Lorenz hält es aus stilistischen Gründen für unwahrscheinlich, dass diese frühe Form eines Goldkabinetts in Wien noch von Johann Bernhard Fischer von Erlach entworfen worden ist.10 Stattdessen schlägt er vor, dass Claude Le Fort du Plessis, der später als Innenausstatter der Sommerresidenz Belvedere nachweisbar ist, ab 1708 an diesen Arbeiten beschäftigt war.11 Nach dem Erwerb durch Maria Theresia wurden die Boiserien des Kabinetts bis zur Decke abmontiert und im Unteren Belvedere als „Konversations-Zimmer“ neu montiert. Die dadurch frei gewordenen Flächen wurden von dem Bildhauer Caspar Franz Sambach (1715–1795) und Franz Zogelmann (1720–1758) bestückt.

 

 

Die ehemaligen Bibliothekssäle: der Schlachtenbildersaal / der Grüne Salon / der ehemalige Zweite Bibliotheksraum

Um die berühmte Bibliotheca Eugeniana unterzubringen, hatte sich der Prinz von Hildebrandt im Jahr 1724 eine fünfachsige Erweiterung bauen lassen. Nachdem seine Nichte Anna Viktoria von Savoyen jedoch diese berühmten Bestände an Kaiser Karl VI. verkauft hatte, wurden auch die von Salomon Kleiner dokumentierten Bücherregale abgebaut und die Räume immer wieder unterteilt, um sie besser vermieten zu können.12

Sieben Schlachtenbilder von Parocell sind in der Zeit Maria Theresias in den sog. Schlachtenbildersaal versetzt worden. Während der französischen Besetzung Wiens 1805, wurden sie in den Louvre abtransportiert, zum Wiener Kongress 1814/1815 jedoch zurückgegeben. Seit 1947 hängen sie in der heute zu sehenden Reihenfolge, die keine chronologische ist,13 und seit der Restaurierung 1968–1972 sind die Decke und die Wände im einfachster barockisierender Manier gestaltet. Im Zentrum hängt mit der „Schlacht von Turin“ das größte Gemälde, gerahmt wird es von kleineren Formaten von unterschiedlicher Breite.

Alle Bilder sind nach einem einheitlichen Schema organisiert. Man steht vor ihnen und blickt auf die Landschaften hinunter, die Horizonte sind hoch in den Gemälden angelegt. Das Schlachtengetümmel spielt sich in der unteren Ebene ab. Die „Schlacht von Turin“, die im Zuge des Spanischen Erbfolgekriegs ausgefochten wurde, ist mit einer Breite von über sechs Metern das größte der Gemälde. Es zeigt, wie die Mineure Tunnel graben, um durch Explosionen die Turiner Stadtmauer zum Einsturz zu bringen bzw. die belagernden Franzosen in die Luft zu sprengen. Anfang September 1706 erschien das Entsatzheer auf den Höhen östlich der Stadt und konnte Turin befreien. Ein Restaurator hat während der 20er Jahre ein Hochrad ins Bild gemalt.

 

 

Der Grüne Salon erhielt sein Ausstehen im Wesentlichen um 1890.14 Er hatte ursprünglich gemeinsam mit dem Schlachtenbildersaal den ehemaligen Ersten Bibliotheksraum gebildet. In Diesem Raum sind zwei Bilder aus der Schlachtenbilder-Serie von dem flämischen Maler Jan van Huchtenburgh aus der Galleria Sabauda gehängt. Porträts des Provencalen Parocell, Feldmarschall Karl Josef Batthyány, Guido Graf Starhemberg (Jan Kupetzky, nach 1714) ergänzen die Gemälde mit Schlachtenbezügen. Die Mutter von Karl Josef Batthyány, Eleonore Batthány-Strattmann, deckte 1718 eine Intrige der „spanischen Partei“ gegen Prinz Eugen auf und rettete so seine Stellung und seinen Ruf. Starhemberg war neben Prinz Eugen der bedeutendste Feldherr in kaiserlichen Diensten und ab 1719 Hochmeister des Deutschen Ordens, die beiden verband lange Jahre Freundschaft, die sich ab den 1710er Jahren in erbitterte Feindschaft wandelte. Der ehemalige Zweite Bibliotheksraum wurde 1972 unter Zuhilfenahme von Groteskenmalerei im Stil von Jonas Drentwett, die zuvor bei der Restaurierung des Goldkabinetts auf den Rückseiten gefunden worden waren, neu gestaltet und zeigt nun Dokumente zum Ableben des Prinzen. Ob die Supraporten von Paul Strudel bereits Teil der Ausstattung unter Prinz Eugen waren, lässt sich heute nicht mehr beantworten.

 

 

Der Gelbe Salon / Galerieraum

Die Galerie war keine reine Gemäldegalerie, sondern präsentiert auch ostasiatische Lackkabinette, wie ein japanisches, mit Blumenvasen dekoriertes Export-Kabinett (Edo-Periode, um 1680) auf einem Wiener Unterstelltisch (um 1720, beide Turin, Galleria Sabauda) aber auch der berühmte „Betende Knaben“ (heute: Berlin, Antikensammlung15), eine hellenistische Bronzestatue, die Prinz Eugen 1717 in Wien für 18.000 Franken vom Marquis de Belleisle erwarb. An den hier verzeichneten Gemälden lässt sich die Vorliebe des Prinzen für die bolognesische Kunst, Guido Reni „Heiliger Johannes der Täufer“, Albani, Cignani, für die Venezianer Tizian und Veronese und die Flamen Peter Paul Rubens, Antonis van Dyck „Selbstbildnis mit Sonnenblume“ und das Dreiviertelporträt von „Prinz Thomas von Savoyen Carignan“ und Jan Brueghel nachvollziehen. Darüber hinaus besaß der Prinz auch noch Werke von Rembrandt, Poussin „Heilige Margerita“ und Castiglione. Die von Chiarini und Dorigny gemalte Decke ist unter der Zwischendecke erhalten geblieben.

Wenn auch nichts mehr an die einstige Nutzung des Gelben Salons erinnert, so wird hier auf die Familie des Prinzen eingegangen. Seine Mutter Olympia Mancini (Porträt von Pierre Mignard oder Werkstatt), die Lieblingsnichte des Staatskanzlers Mazarin, und sein Vater Eugen Moritz von Savoyen-Carignan (Magda Ettler, Kopie nach einem Porträt in Schloss Gripsholm, 1943) ermöglichen Prinz Eugen am Königshof in Versailles aufzuwachsen. Im Jahre 1680 fiel jedoch seine Mutter einer Hofintrige zum Opfer – sie wurde als Giftmörderin angeschuldigt – floh sie nach Brüssel. Prinz Eugen wurde daher von seiner Großmutter Marie von Bourbon-Soissons in Paris erzogen. Die niederen Weihen erhielt Eugen im Jahr 1678. Bereits 1682 verweigerte König Ludwig XIV. den Prinzen die Aufnahme in der Armée du Roi. Als Mädchen verkleidet floh Eugen am 23. Juli 1683 an den Wiener Hof. Die ersten fünf Jahre lebte er in Wien ohne finanzielle Absicherung.

 

 

Verantwortlich für den „Ausverkauf“ der Sammlungen zeichnete die Alleinerbin des Prinzen, seine Nichte Anna Viktoria von Savoyen-Soissons. Um ihren gehobenen Lebensstil zu finanzieren, zerriss sie das mühevoll Zusammengetragene: Die antiken Skulpturen gingen nach Dresden, die Gemälde nach Turin, Schloss Hof an ihren Gatten, die Bibliothek an die Habsburger und so weiter. Die Büste der Viktoria von Savoyen-Soissons von Francesco Orso (um 1760) scheint vorauseilend bereits den schlechten Charakter der Dame eingefangen zu haben; eigentlich entspricht sie aber in ihrer „Skurrilität“ nur den Arbeiten dieses wichtigsten Wachsbildners des 18. Jahrhunderts.

 

Das Konferenzzimmer

Hinter dem Gelben Salon lag das ehemalige Konferenzzimmer, das mit aufgespannten Groteskentapisserien aus der Werkstatt des Jodocus de Vos (bis 1734) in Brüssel geschmückt war. Zudem hatte es Stühle, Portieren und Vorhänge aus blauem Damast. Der Ofen war weiß mit vergoldetem Dekor. Das Deckengemälde in Öl wurde von Peter Strudel angefertigt und zeigt „Den Sieg der Gerechtigkeit über den schlechten Herrscher“. Hier findet sich nun die in Wien vorherrschende Kombination von Stuckdekor und Einsatzbild. Strudel war auch der Maler der Supraporten mit den Jahreszeiten. Ergänzt wurde dieses eigenartig gemischte ikonografische Ensemble durch einen reliefgeschmückten Ofen.

Die aktuelle Präsentation stellt eine Gipskopie des Betenden Knaben vor einer Tapisserie von Jodocus de Vos ins Zentrum. Ein Porträt von Nikolaus Pacassi und eine weitere Tapisserie aus dem Besitz von Maria Theresia ergänzen die Raumausstattung.

 

Bau und Nutzung des Palais

Ab 1694 Ankauf von zwei Häusern in der Himmelpfortgasse durch Prinz Eugen: das Haus des Reichsgrafen von Thurn für 33000 Gulden.
1697 kamen der Bologneser Marcantonio Chiarini und der Mailänder Andrea Lanzani nach Wien, um für Prinz Eugen zu arbeiten.
1. Bauphase 1697–1698: Portal (mittleres Tor) und sieben Fensterachsen incl. Prunkstiege
1702 Johann Lucas von Hildebrandt übernahm von Fischer von Erlach die Innenausstattung
März 1703 Ankauf des Ballhauses des kaiserlichen Hofhutmachers Faulconet
2. Bauphase 1708–1709: Erweiterung durch Johann Lucas von Hildebrandt auf zwölf Achsen, zweites Portal (= linkes Tor)
Um 1710 Einbau der Hauskapelle und einer Galerie, Blauer Salon (Fresken von Chiarini)
1719 vierter Grundstückskauf
3. Bauphase 1723–1724: Erweiterung durch Johann Lucas von Hildebrandt auf 17 Achsen und den Bibliothekstrakt, drittes Portal (= rechts Tor) mit Reliefs von Lorenzo Mattielli, Wandzierbrunnen im Hof von Mattielli
1698/99–1736 Winterpalais des Prinzen Eugen, kostbar ausgestattetes Wohn- und Repräsentationsgebäude
Am 21. April 1736 starb Prinz Eugen, seine Alleinerbin Anna Victoria von Savoyen verkaufte die beweglichen Güter und ließ das Palais durch Trennmauern teilen. Vermietete das sog. Kleinere Haus, der Rest stand 18 Jahre bis 1752 leer.
1752 von Maria Theresia erworben: zahlreiche bauliche Veränderungen durch Hofarchitekt Nicolaus von Pacassi (1716–1790) - Nutzung als Sitz der Münz- und Bergbehörde, der Obersten Justizbehörde und schließlich der Hofkammer
1841–1848 nach einer längeren Umbauphase wurde das Winterpalais als Sitz des k. k. Finanzministeriums genutzt
1880–1890 Restaurierung
1913–1928 kleinere Adaptierungsarbeiten
8. April 1945 Angriff sowjetischer Flugzeuge auf die Innere Stadt, eine Bombe fiel durch das Dach und explodierte auf dem Dachboden. Das Deckengemälde von Louis Dorigny (1654–1742) wurde beschädigt, konnte aber restauriert werden.
1945–1947 Schäden des Zweiten Weltkriegs behoben
1967–1973 Generalsanierung der Prunkräume
2007–2013 Generalsanierung der Prunkräume im Auftrag des Finanzministeriums, Übergabe des Winterpalais in die Obsorge des Belvedere
2013–2017 Öffnung für das Publikum. Das Belvedere organisierte in den Prunkräumen Wechselausstellungen, teils mit zeitgenössischer Kunst, teils mit barocken Werken.

 

Verwendete Literatur

Prinz Eugen und das barocke Österreich (Ausst.-Kat. Schlosshof und Niederweiden, 22.4.-26.10.1986), Wien 1986.
Hellmut Lorenz: Einige unbekannte Ansichten Salomon Kleiners aus dem Stadtpalais des Prinzen Eugen in Wien, in: Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte 40 (1987) 223-234. (http://books.google.at/books?id=fMYaXRczurMC&pg=PA11&dq=1987+jahrbuch+wien&hl=en&sa=X&ei=44JaUuPyLcKXtQbz9oG4Bg&ved=0CDIQ6AEwAA#v=onepage&q=1987%20jahrbuch%20wien&f=false)
Hellmut Lorenz: Johann Bernhard Fischer von Erlach, Zürich 1992.
Peter Prange: Meisterwerke der Architekturvedute. Salomon Kleiner 1700–1761 zum 300. Geburtstag (Ausst.-Kat. Salzburger Barockmuseum 19.7.-27.8.2000, Architekturmuseum Schwaben, Augsburg 7.9.-22.10.2000, Österr. Nationalbibliothek, Wien 19.1.-28.2.2001), Salzburg 2000.
Richard Kurdiovsky, Klaus Grubelnik, Pilo Pichler: Das Winterpalais des Prinzen Eugen von der Residenz des Feldherrn zum Finanzministerium der Republik, Wien 2001.
Cornelia Diekamp: Die Galerie im Oberen Belvedere und die Bildersammlung Prinz Eugens im Belvedere und im Stadtpalais, in: Agnes Husslein-Arco, Marie Louise von Plessen (Hg.): Prinz Eugen. Feldherr Philosoph und Kunstfreund (Ausst.-Kat. Belvedere Wien 11.2.-6.6.2010), München 2010, S. 127-131.
Agnes Husslein-Arco (Hg.): Das Winterpalais des Prinzen Eugen, Wien 2013.

 

Kurzbiografie von Prinz Eugen von Savoyen (1663-1736)

1663 in Paris geboren, aufgewachsen in Paris im Umkreis des Sonnenkönigs Ludwig XIV. als jüngster Sohn der Familie (vier ältere Brüder und zwei jüngere Schwestern). Ursprünglich zum Geistlichen (Abbé) bestimmt.
1683 im Alter von 20 Jahren kam Prinz Eugen mittellos nach Wien, kämpfte am 2. September als Freiwilliger gegen die Osmanen (Türken), die gerade Wien belagerten, und übernahm das Dragonerregiment seines gegen die Osmanen gefallenen Bruders. Erfolgreich bei der Rückeroberung von Gran (1683) und Budapest (1686)
1687 Überbrachte Kaiser Leopold I. die Siegesnachricht vom Berg Hárṥany bei Mohács persönlich; erhielt den Orden vom Goldenen Vlies von König Karl II.
1689 Im Alter von 26 Jahren wurde er bereits General
1690–1697 Pfälzischer Erbfolgekrieg: als Militär in Oberitalien
1697 Erhielt den Oberbefehl über die kaiserlichen Truppen im Kampf gegen die Hohe Pforte.
11.9.1697 Sieg Prinz Eugens in der Schlacht bei Zenta über die Osmanen; damit wurde der Grundstein für den Frieden von Karlowitz 1699 gelegt, die Ruhe an der Osmanenfront bis 1716 garantierte und Kaiser Leopold I. einen bedeutenden Gebietszuwachs in Ungarn bescherte.
1700 Mitglied des Geheimen Rates, des engsten Beraterkreises Kaiser Leopolds I, weshalb er auch Sonder- und Friedensbotschafter empfangen durfte.
1701–1714 Während des Spanischen Erbfolgekriegs war Prinz Eugen Oberbefehlshaber der kaiserlichen Truppen und Reichsmarschall: In der Schlacht von Höchstädt und Blindheim (1704) kämpfte er an der Seite des Earl von Marlborough und den englischen Truppen.
1703 zum Präsidenten des Hofkriegsrates bestimmt
1707–1716 Generalgouverneur des Herzogtums Mailand
1711 starb Kaiser Joseph I. Sein jüngerer Bruder wollte als Karl III. König von Spanien und gleichzeitig als Karl VI. Kaiser des Heiligen Römischen Reiches werden.
1714 Die Friedensverhandlungen von Rastatt wurden wesentlich von Prinz Eugen gestaltet und brachten den Habsburgern große Teile des spanischen Erbes: das heutige Belgien, Mailand und Neapel mit Sizilien.
1716 Papst Clemens XI. ließ Prinz Eugen „stocco e berettone“, Stock und Hut, als Zeichen für seine Verdienste um den Schutz von Religion und Kirche in den Schlachten von Temešvar und Peterwardein überreichen.
1716–1724 Österreichischer Statthalter in den Niederlanden
1717 in der Schlacht bei Belgrad besiegte er die Osmanen entscheidend (Türkenkrieg 1716-1718, Friede von Passarowitz)
1736 starb Prinz Eugen in Wien und wurde im Stephansdom beigesetzt. Das Grabmal wurde während des Zweiten Weltkriegs stark beschädigt und ist heute nur mehr in Resten im rechten Querschiff erhalten.

  1. Hellmut Lorenz: Johann Bernhard Fischer von Erlach, Zürich 1992, S. 106. Sich mit barocker Architektur, die bis heute einen Teil der Innenstadt Wiens prägt, dem eigenen Standeslob und dem Ruhm für die Ewigkeit zuzuarbeiten, war für einige Jahre Ziel vieler Adeligen, die nach 1683 in die Nähe des Hofes zogen. Er führte zur Verdichtung der Innenstadtbebauung genauso wie zur Verdrängung von Handwerkern und Gewerbetreibenden in die Vorstädte. Der Hofstaat unter Kaiser Karl VI. umfasst 2000 Personen, die sich in Herrenvierteln um die Hofburg niederließen. Siehe: Peter Prange: Einleitung, in: Peter Prange: Meisterwerke der Architekturvedute. Salomon Kleiner 1700–1761 zum 300. Geburtstag (Ausst.-Kat. Salzburger Barockmuseum 19.7.-27.8.2000, Architekturmuseum Schwaben, Augsburg 7.9.-22.10.2000, Österr. Nationalbibliothek, Wien 19.1.-28.2.2001), Salzburg 2000, S. 28-29.
  2. Hellmut Lorenz: Einige unbekannte Ansichten Salomon Kleiners aus dem Stadtpalais des Prinzen Eugen in Wien, in: Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte 40 (1987) 224.
  3. Sylvia Schönoldt, Zu den kürzlich abgeschlossenen Restaurierarbeiten, in: Agnes Husslein-Arco (Hg.): Das Winterpalais des Prinzen Eugen, Wien 2013, S. 44.
  4. Das Winterpalais sollte wohl ähnlich dem Sommerpalais des Prinzen in einer ausführlichen, aus 20 Blatt bestehenden Dokumentation verewigt und publiziert werden. Eine anonyme Beschreibung der „Helden-Thaten“ des Prinzen Eugen soll der Palast von Salomon Kleiner gezeichnet worden sein. Seine Zeichnungen von der Fassade, den Grundrisse, den Durchschnitten „sammt allen Haupt-Zimmern“ wurden jedoch nie gedruckt; es sind nur einige Vorzeichnungen bekannt. Siehe: Peter Prange: Das Winter Palais des Prinzen Eugen, in: Peter Prange: Meisterwerke der Architekturvedute. Salomon Kleiner 1700–1761 zum 300. Geburtstag (Ausst.-Kat. Salzburger Barockmuseum 19.7.-27.8.2000, Architekturmuseum Schwaben, Augsburg 7.9.-22.10.2000, Österr. Nationalbibliothek, Wien 19.1.-28.2.2001), Salzburg 2000, S. 122.
  5. Im Sommerpalais arbeiteten auch Künstler anderer Kunstlandschaften des Spätbarock.
  6. Zit. nach ebenda, S. 110.
  7. Zit. nach Hellmut Lorenz, Einige unbekannte Ansichten Salomon Kleiners aus dem Stadtpalais des Prinzen Eugen in Wien, in: Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte 40 (1987) 225.
  8. Lorenz stellt die Frage, ob deren Entwurf nicht vielleicht eine Schöpfung von Fischer von Erlach sein könnte: ebenda, S. 225.
  9. Im Jahr 1715 sollte Chiarini zum dritten und letzten Mal nach Wien kommen, um am Unteren Belvedere und für den Vizekönig von Neapel, Graf Wirich Philipp Daun, im Palais Daun-Kinsky zu arbeiten.
  10. Hellmut Lorenz, Einige unbekannte Ansichten Salomon Kleiners aus dem Stadtpalais des Prinzen Eugen in Wien, in: Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte 40 (1987) 226.
  11. Ebenda, S. 227.
  12. Vielleicht wurden die Repositorien im Theresianum wieder aufgebaut. Siehe: Richard Kurdiovsky, Klaus Grubelnik, Pilo Pichler, Das Winterpalais des Prinzen Eugen von der Residenz des Feldherrn zum Finanzministerium der Republik, Wien 2001, S. 140.
  13. Eigentlich müsste die Schlacht von Zenta (1697), gefolgt von jener in Höchstädt (1704), Cassano (1705), Turin (1706), Oudenaarde (1708), Malplaquet (1709) und Belgrad (1717) in richtiger zeitlicher Abfolge gehängt sein.
  14. Sylvia Schönoldt, Zu den kürzlich abgeschlossenen Restaurierarbeiten, in: Agnes Husslein-Arco (Hg.), Das Winterpalais des Prinzen Eugen, Wien 2013, S. 52.
  15. Nach Eugens Tod 1736 von Prinz Wenzel von Liechtenstein erworben und im Stadtpalais aufgestellt. 1747 von König Friedrich II. von Preußen für 5000 Taler gekauft und nach Sanssouci gebracht. Durch die Truppen Napoleons nach Paris verschleppt und 1814 wieder zurückgekehrt.
Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.