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Yayoi Kusama: Silver Dress Flower Power und Kunst für alle

Yayoi Kusama, Silver Dress, Detail, 1966, Stoffkleid, Kunstblumen, Farbe, Kleiderbügel, 137 x 90 x 20 cm (mumok Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, ehemals Sammlung Hahn, Köln, erworben 1978, Foto: mumok, © Yayoi Kusama, 2017)

Yayoi Kusama, Silver Dress, Detail, 1966, Stoffkleid, Kunstblumen, Farbe, Kleiderbügel, 137 x 90 x 20 cm (mumok Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, ehemals Sammlung Hahn, Köln, erworben 1978, Foto: mumok, © Yayoi Kusama, 2017)

Ein glitzerndes, silbernes Kleid, beklebt mit Rosen, Blumengirlanden und Seerosen und mit Metallicfarbe besprüht, ist eines einer Reihe von Kleidungsstücken und Environments, die die japanische Künstlerin Yayoi Kusama während der 1960er Jahre produzierte. Heute ist es in der Sammlung Hahn im Wiener mumok ausgestellt (→ Sammlung Hahn: Eine Wanderausstellung gegen Phantomschmerzen).

Yayoi Kusama lebte während der 1960er in New York, wo sie in den Feldern Malerei (ab 1959 „Infinity Net“), Skulptur, Zeichnungen, kinetische Installationen, Happenings und (einem) Film arbeitete. Seit diesen Jahren beschreibt die Künstlerin selbst ihr Ziel als „Self obliteration“, als „Sich-zum-Verschwinden-Bringen“. Dies, so stellte Silvia Eiblmayr im Katalog zur Sammlung Hahn fest, eine „mit Raum im weitesten Sinn verknüpfte Vorstellung, die im Zen-Buddhismus bzw. in der Kultur Japans eine spezifische Rolle spielt“1. Obsessionen – ob als obsessives und arbeitsintensives Auftragen von Netzstrukturen oder in Form von Akkumulation der Polka Dots und Phalloi – spielen in ihrem Werk eine herausragende Rolle. Bereits als Kind erlebte die Tochter einer konservativen und wohlhabenden Familie ab ihrem 10. Lebensjahr visuelle Halluzinationen, sah Aureolen um Objekte und Musterschleier vor ihren Augen. Sie selbst betont immer wieder, wie wichtig diese geistige Erkrankung für ihren Arbeitsprozess wäre. Dennoch erklärt diese nicht die nunmehr lebenslange, hochqualitative Arbeit der Künstlerin, vielmehr die unerschöpfliche Energie, das Getriebensein.2

 

 

Im gleichen Jahr, in dem Kusama das „Silver Dress“ oder auch „Phallic Shoe“ schuf, war sie auf die Biennale von Venedig eingeladen. Der Kunsthändler Renato Cardazzo der Galleria d’Arte del Naviglio in Mailand stellte ihr den Rasen vor dem italienischen Pavillon in den Giardini zur Verfügung. Yayoi Kusama entwarf dafür die Installation „Narcissus Garden“, für den sie 1.500 verspiegelte Plastikbälle anfertigen ließ. Die in einem traditionellen Kimono bekleidete Kusama verkaufte ihre Bälle für den Wert von 1.200 Lira, oder 2 Dollar, an die Passanten mit der Bemerkung: „Your Narcissism für Sale, Lira 1,200.“ Ein Polizeieinsatz verfügte, dass die Künstlerin damit aufhören müsste. Der daraufhin startende Medienrummel war offensichtlich Teil des Kunstwerks, das jedermann zugänglich und günstig sein sollte wie die Dinge im Supermarkt. In diesem Sinn wird wohl aus das „Silver Dress“ zu verstehen sein. Kusama verwandelt Menschen in Kunstwerke – mit Hilfe von selbst entworfener Kleidung, aber auch durch Körperbemalung und Nackt-Happenings. Leben und Kunst zusammenzubringen, psychedelische Kunst zu machen3, Flower Power all das steckt im silbernen Kleid.

 

Literatur

  • Silvia Eiblmayr, Yayoi Kusama: Silver Dress 1966, Gold Dress 1966, Phallic Shoe 1966, in: Barbara Engelbach, Susanne Neuburger (Hg.), Kunst ins Leben! Der Sammler Wolfgang Hahn und die 60er Jahre (Ausst. Kat. Museums Ludwig, Köln; mumok, Wien 2017/18), Köln 2017.
  • Midori Yamamura, Yayoi Kusama. Inventing the Singular, Cambridge 2015.
  • Laura Hoptman, Akira Tatehata, Udo Kultermann, Yayoi Kusama, London 2000.

 

Yayoi Kusama, Silver Dress: Bild

  • Yayoi Kusama, Silver Dress, 1966, Stoffkleid, Kunstblumen, Farbe, Kleiderbügel, 137 x 90 x 20 cm (mumok Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, ehemals Sammlung Hahn, Köln, erworben 1978, Foto: mumok, © Yayoi Kusama, 2017)

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  1. Silvia Eiblmayr, Yayoi Kusama: Silver Dress 1966, Gold Dress 1966, Phallic Shoe 1966, in: Barbara Engelbach, Susanne Neuburger (Hg.), Kunst ins Leben! Der Sammler Wolfgang Hahn und die 60er Jahre (Ausst. Kat. Museums Ludwig, Köln; mumok, Wien 2017/18), Köln 2017, S. 123.
  2. Siehe dazu Laura Hoptman, Akira Tatehata, Udo Kultermann, Yayoi Kusama, London 2000, S. 37.
  3. Siehe Midori Yamamura, Yayoi Kusama. Inventing the Singular, Cambridge 2015, S. 133ff.
Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.