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München | Pinakothek der Moderne: K. H. Hödicke Arbeiten auf Papier in der Staatlichen Graphischen Sammlung München

Veröffentlicht von Alexandra Matzner von 18. Juni 2020
K. H. Hödicke, Entwurf, Detail, 1972, Bleistift und Wachsmalstift auf Papier, 297 x 210 mm (Staatliche Graphische Sammlung München, Schenkung S. K. H. Herzog Franz von Bayern 2019, Foto: Staatliche Graphische Sammlung München © VG Bild-Kunst, Bonn 2020)

K. H. Hödicke, Entwurf, Detail, 1972, Bleistift und Wachsmalstift auf Papier, 297 x 210 mm (Staatliche Graphische Sammlung München, Schenkung S. K. H. Herzog Franz von Bayern 2019, Foto: Staatliche Graphische Sammlung München © VG Bild-Kunst, Bonn 2020)

K. H. Hödicke, der Berliner Maler, wird in der Pinakothek der Moderne und einem zweibändigen Katalog als Zeichner von duftigen DIN-A4-Blättern und monumentalen malerischen Gouachen vorgestellt. Der Erwerb von 53 Arbeiten auf Papier durch die Staatliche Graphische Sammlung München wie eine zweijährige Zusammenarbeit ihres Direktors Michel Hering mit dem Künstler ermöglichen, Hödicke als gewitzten, sich mit der Pop-Art, Konzeptkunst und seiner Umgebung höchst innovativ beschäftigenden Maler kennenzulernen.

K. H. HÖDICKE. EINE RETROSPEKTIVE

Deutschland | München: Pinakothek der Moderne
Staatliche Graphische Sammlung München
18.6. – 13.9.2020

Der in den 1960er Jahren als Wortführer einer kleinen Gruppe figurativer Maler erstmals auftretenden Hödicke prägte neben Markus Lüpertz u.a. die deutsche Malerei maßgeblich. Als Schüler von Fred Thieler an der Westberliner Kunsthochschule wandte sich der 1938 geborene Künstler von der zum Akademismus erstarrenden Abstraktion (→ Abstrakter Expressionismus | Informel) ab und einer neuen figurativen Malerei mit expressivem Duktus zu. Etwa gleichzeitig begann er sich in seinen DIN-A4-Zeichnungen mit der Großstadt auseinanderzusetzen: Neonreklame, Fenster mit Spiegelungen, kleine Objekte des Alltags, formale Entsprechungen (Kirschen – Fahrradfahrer) und damit ausgesuchte Bildwitze. Die kleinformatigen Zeichnungen dienten dem Maler als Notizbuch, als Bildquelle, als Experimentierfeld und sprühen vor subtilem Humor, ohne auf Selbstironie zu vergessen.

 

K. H. Hödicke, Entwurf, Detail, 1972, Bleistift und Wachsmalstift auf Papier, 297 x 210 mm (Staatliche Graphische Sammlung München, Schenkung S. K. H. Herzog Franz von Bayern 2019, Foto: Staatliche Graphische Sammlung München © VG Bild-Kunst, Bonn 2020)
K. H. Hödicke, Entwurf, Detail, 1972, Bleistift und Wachsmalstift auf Papier, 297 x 210 mm (Staatliche Graphische Sammlung München, Schenkung S. K. H. Herzog Franz von Bayern 2019, Foto: Staatliche Graphische Sammlung München © VG Bild-Kunst, Bonn 2020)
K. H. Hödicke, Doppel-Pappel, 1989/1990, Kunstharzfarbe auf Leinwand, 190 x 150 cm (Foto: Roman März © VG Bild-Kunst, Bonn 2020)
K. H. Hödicke, Doppel-Pappel, 1989/1990, Kunstharzfarbe auf Leinwand, 190 x 150 cm (Foto: Roman März © VG Bild-Kunst, Bonn 2020)

 

Die ab Mitte der 1970er Jahre entstehenden großformatigen Gouachen hingegen changieren zwischen Proben für Gemälde und eigenständigen Werken. In ihnen zeigt der seit 1974 an der Westberliner Akademie lehrende Hödicke, wie figurative Malerei neben Konzeptkunst und Minimalismus weiterexistieren kann: direkte alla-prima-Malerei mit expressiver Pinselschrift und leuchtendem Kolorit, mit reduzierter Formensprache und subjektiver Motivwahl. Seine Suche nach dem „Wesen“ der Dinge führte ihn über einen abstrahierenden Weg. Weniger ist mehr, lässt sich zu den Gouachen Hödickes sagen.

Mit München verbindet ihn viel, hat K. H. Hödicke hier einen Teil seiner Kindheit und Jugend verbracht. Museumsbesuche im Lenbachhaus und der Pinakothek zählten kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs zu seinen Lieblingsbeschäftigungen, wobei ihn die Farbenpracht der Bilder des Blauen Reiter und die Bravourmalerei der Alten Meister nachhaltig prägten. Und doch war es die Großstadt Berlin, in der er zum Künstler ausgebildet zu einem „Klassiker“ der jüngeren deutschen Kunstgeschichte wurde. Dass das geteilte Berlin die einzige Großstadt mit einer Stadtmauer war und er lange in der Nähe des Brachlandes an der Mauer arbeitete, prägte K. H. Hödickes Bildwelt nachhaltig. Dass dieses Berlin längst der Vergangenheit angehört, erweitert den Blick auf seine Bilder um den Aspekt der Erinnerung. Da sich der Maler nicht als „Chronist“ bezeichnen lassen will, und künstlerische, formale Fragen in den Vordergrund stellt, fragt Michael Hering spannenderweise danach, ob nicht der Einfluss des Informel größer war, als die figurative Malerei Hödickes prima vista vermuten lässt. Die Auseinandersetzung war eine produktive, wie der „Informel-Saal“ veranschaulicht.

 

K. H. Hödicke, Monumentale Stadtansicht, 1976, Mischtechnik auf Papier, 606 x 897 mm (Foto: Staatliche Graphische Sammlung München © VG Bild-Kunst, Bonn 2020)
K. H. Hödicke, Monumentale Stadtansicht, 1976, Mischtechnik auf Papier, 606 x 897 mm (Foto: Staatliche Graphische Sammlung München © VG Bild-Kunst, Bonn 2020)

 

Hödicke auf Papier in München

„K. H. Hödicke. Eine Retrospektive“ thematisiert die Grafiken des in Berlin lebenden Malers, ohne auf eine Auswahl an malerischen Werken zu verzichten. Die bereits ikonischen Bilder aus den Serien „Reflexionen“ und „Spiegelungen“ werden mit Werken aus den 80ern und 90ern sowie einer Gruppe von kleinformatigen Bronzen gruppiert. Und dennoch: Michael Hering stellt großformatige Malereien auf Papier der 1970er und 1980er Jahren ins Zentrum der Schau. Die kleinformatigen DIN-A4-Zeichnungen der späten 1960er bis 1970er gingen diesen autonomen Kunstwerken als Ideenpool voraus. In der Pinakothek der Moderne sind 80 DIN-A4-Zeichnungen zu sehen. In den späten 1980ern und frühen 1990ern schuf Hödicke sogenannten Croquis-Studien auf vorgefundenen Kartonpappen.

Der Fülle an Werken auf Papier wird eine konzentrierte Auswahl malerischer Hauptwerke aus der Serie Reflexionen aus der Mitte der 1960er Jahre und Spiegelungen aus den späten 1960er und frühen 1970er Jahren gegenübergestellt, ergänzt um einige wenige charakteristische Gemälde der 1980er und frühen 1990er Jahre sowie nicht zuletzt einer Gruppe kleinformatiger Bronzen.

 

K. H. Hödicke. Eine Retrospektive: Ausstellungskatalog

Band 1: K. H. Hödicke. Din A 4, ca. 400 Seiten, mit einem Vorwort und Essay von Michael Hering sowie mit einer Biographie und einem Ausstellungsverzeichnis
Band 2: K. H. Hödicke. Mixed Media, ca. 400 Seite, mit einem Vorwort von Michael Hering und 100 Aphorismen, Sentenzen und Zitaten von K. H. Hödicke
370 ganzseitige Farbabbildungen
Verlag der Buchhandlung Walther König

 

K. H. Hödicke: Bilder

  • K. H. Hödicke im Atelier Dessauer Straße, 1982, Foto: Elvira Hödicke
  • K. H. Hödicke, Entwurf, 1972, Bleistift und Wachsmalstift auf Papier, 297 x 210 mm (Staatliche Graphische Sammlung München, Schenkung S. K. H. Herzog Franz von Bayern 2019)
  • K. H. Hödicke, Doppel-Pappel, 1989/1990, Kunstharzfarbe auf Leinwand, 190 x 150 cm (Privatbesitz)
  • K. H. Hödicke, Monumentale Stadtansicht, 1976, Mischtechnik auf Papier, 606 x 897 mm (Staatliche Graphische Sammlung München)

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Alexandra Matzner

Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.
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