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Albrecht Dürer, Geburt Christi (Albertina) Heilige Nacht im Stall

Albrecht Dürer, Geburt Christi, Detail, 1514, Feder in Schwarz, 31,3 x 21,7 cm (Albertina)

Albrecht Dürer, Geburt Christi, Detail, 1514, Feder in Schwarz, 31,3 x 21,7 cm (Albertina)

Albrecht Dürers „Geburt Christi“ zeigt das heilige Geschehen als Familienglück!

Die Anbetung des nackten Jesuskindes durch Maria und Josef findet in einem ruinösen Stall statt. Über dem Stall leuchtet der Stern von Bethlehem. Maria kniet andächtig schauend hinter dem Kind, Josef steht links daneben. Die offene hintere Stallwand gibt den Blick in den Hintergrund frei. Hier entfaltet sich eine hügelige Landschaft mit Häusern und Bäumen. In weiter Entferndung deuten einige Linien die Verkündigung an die Hirten an, zwei weitere eilen im Mittelgrund zum heiligen Geschehen. Ochs und Esel bilden links ein Gegengewicht. Vor den Tieren findet sich auch das überraschend schräg gestellte Monogramm Dürers und die Datierung 1514.

Die Architektur des Stalls ist räumlich überzeugend wiedergegeben, was die Federzeichnung mit dem „Marienleben“ (publiziert 1511) verbindet. Detailzeichnungen und skizzenhafte Ausführung sind gleichermaßen auf dem Blatt zu beobachten, Parallelschraffur gehört in diesen Jahren zu den bevorzugten Zeichentechniken Albrecht Dürers. Damit erzeugt der Nürnberger Maler hellere und dunklere Töne, was besonders schön an den Faltenwürfen in den Gewändern von Josef und Maria nachvollzogen werden kann.

 

„Aber dorbei ist zu melden, dass ein verständiger geübter Künstler – sein großen Gwalt und Kunst erzeigen kann mehr in ein geringen Ding dann Mäncher in ein grossen Werk. Diese Red weden die rechten Künstler wol vernehmen, dass ich wahr sag. Daraus kummt, dass mäncher Künstler in eim Tag mit der Ferdern etwas auf ein halben Bogen Papiers reisst, ist künstlercher weder ein Andern gross Werl, doran mit allem Fleiss derselb ein Jahr macht. Derhalb schickt Gott oft Einen, den er lässt lernen und etwan in vierhundert Johrn keiner ihm zu gleichen gefunden würd und etwan in vierhundert Johrn keiner vor ihm gewest.“1 (Albrecht Dürer)

Das von Herzog Albert von Sachsen-Teschen erworbene, selten ausgestellte Blatt hat eine interessante Provenienz: Vor Herzog Albert besaßen Everhard Jabach (1618–1695) und Pierre Crozat (1665–1740) die Dürer-Zeichnung.

 

Albrecht Dürer, Geburt Christi: Bild

  • Albrecht Dürer, Geburt Christi, 1514, Feder in Schwarz, 31,3 x 21,7 cm (Albertina)

 

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  1. Zit. nach Walter Koschatzky, Dürer Zeichnungen. Die Geschichte der Dürersammlung der Albertina, Salzburg/Wien 1971, S. 5.
Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.
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