Carl Blechen

Wer war Carl Blechen?

Carl Blechen (29.7.1798–23.7.1840) war ein deutscher Landschaftsmaler des Realismus. Ende 1828 reiste Blechen nach Italien, wo er bis November 1829 blieb. Das südliche Licht begeisterte ihn mehr als antike Monumente (Ausnahme Pompeij). Hunderte von lavierten Bleistiftzeichnungen entstanden während der Italienreise; danach dienten sie dem Berliner Künstler als Inspirationsquelle und Motivschatz für seine Gemälde. Ab 1831 unterrichtete Carl Blechen an der Berliner Akademie der Künste. Fünf Jahre später erkrankte Blechen so stark an einer Depression, dass er in einer Nervenheilanstalt eingewiesen wurde, wo er 1840 verstarb.

Kindheit und Ausbildung

Am 29. Juli 1798 wurde Carl Blechen als Sohn des Steuerbeamten Adrian Blechen und Johanna Christiana, geb. Happatz, in der Luckischen Gasse (heute: Berliner Straße) in Cottbus geboren. Der Landschaftsmaler kam aus bescheidenen Verhältnissen. Von 1805 bis 1815 besuchte er das Cottbuser Lyzeum an der Oberkirche. Dort übte der Maler Christian Gottlieb Lemmrich großen Einfluss auf Blechen aus. Da Carl Blechens Eltern zu wenig Geld für sein Studium hatten, begann er eine Lehre als Bankkaufmann, die er 1819 abschloss. Danach meldete er sich für ein Jahr zum Garde-Pionier-Bataillon. Im Anschluss begann Carl Belchen, in einer Bank zu arbeiten. Daneben beschäftigte er sich autodidaktisch mit Malerei.

Im Jahr 1822 konnte Carl Belchen endlich ein Kunststudium an der Berliner Akademie der Künste beginnen, wo er bis 1824 bei H. A. Dähling und in der Landschaftskasse von Peter Ludwig Luetke aufgenommen wurde. Ein Jahr später reiste er zu Studienzwecken nach Dresden und in die Sächsische Schweiz. Dort traf er Christian Clausen Dahl und vielleicht auch Caspar David Friedrich, die beide Einfluss auf seine künstlerische Entwicklung nahmen. Deshalb ist Carl Blechens Frühwerk mit den Motiven der Landschaftsmalerei Caspar David Friedrichs verbunden (→ Romantik). Im Jahr 1824 war Carl Blechen zum ersten Mal an der Berliner Akademie-Ausstellung beteiligt.

Dekorationsmaler und freischaffender Maler in Berlin

Im Jahr 1823 erhielt Blechen eine Anstellung als Dekorationsmaler (Bühnendekorateur) am Königstädtischen Theater am Alexanderplatz in Berlin. Vier Jahre später, 1827, wurde ihm aufgrund eines Streits mit der Sängerin Henriette Sontag gekündigt. Danach arbeitete er als freischaffender Maler.

Am 27. Dezember 1824 heiratete Carl Blechen die Putzmacherin Henriette Boldt.

Italienreise (1828/29)

Im Sommer 1828 reiste Carl Blechen an die Ostsee (Insel Rügen), um Studien anzufertigen. Von September 1828 bis November 1829 hielt er sich in Italien auf, wo er u.a. mit Carl Wilhelm Götzloff zusammentraf. Sein Reisebegleiter war Leopold Schlösser. Die erste Station war Rom mit Ausflügen in die Campagna. Anfang Mai fuhren die beiden nach Neapel weiter, wo Blechen bis Mitte Juli blieb. Dort besichtigte er die Ruinen von Pompeij. Über Rom kehrte Carl Blechen nach Berlin zurück.

Auf dieser rastlosen Reise, vor allem während seines Aufenthalts in Rom, entstanden hunderte Skizzen mit Bleistift und Öl „en plein air“, die Blechen später in seinem Berliner Atelier ausarbeitete. So entwarf er das berühmte Bild „Mühlental bei Amalfi“ (um 1831, Museum der bildenden Künste Leipzig) nach dem Mühlental (Vallone die Molini) in Neapel, doch malte er das Motiv erst Jahre später in Berlin. Ihn begeisterten also weniger die antiken Monumente als das brillante Licht.

Das südliche Licht inspirierte Carl Blechen zu sonnendurchfluteten Landschaften. Seine an der Realität geschulte neue Seh- und Malweise entzog sich dem „romantisierenden“ Stil, weshalb Carl Blechen mit seinen Bildern keinen großen Widerhall auslöste. Blechen gilt seither als Realist, der sich in die Vorläufer des Impressionismus einreiht (vgl. Dahl, Fearnly, Menzel, William Turner und John Constable). Neben italienischen Landschaften beschäftigte sich Blechen auch mit der märkischen Landschaft.

„Er war ein begnadeter Maler von Gottes Gnaden. Einer der wenigen Auserwählten, der nicht nur zu den Besten seiner Zeit gehörte […], sondern auch auf die Besten seiner Zeit, wie auf Adolf Menzel, einen entscheidenden Einfluss ausgeübt hatte.“ (Max Liebermann, Gesammelte Schriften)

Italienische Skizzenbücher

66 Zeichnungen gleichen Formats wurden von Heinrich Bauer und Paul Ortwin Rave zum sog. „Amalfi-Skizzenbuch“ zusammengefasst. Die Blätter sind mit Sepia über Bleistift laviert. Charakteristisch für die Zeichentechnik Blechens ist, dass er mit Bleistift und Feder sparsame, leichte Umrisslinien andeutete. Blechen malte die Schattenzonen mit Sepia und setzte weiße Lichtstreifen als formtrennende Elemente ein. Der Künstler erinnerte sich selbst später an die Reise und seine Malausflüge:

„Dann machten wir (von Neapel aus) ein Reise nach Portici, Torre Annunziata, Castellamare; da nahmen wir uns eine Barke und fuhren nach Sorrent, wo wir gegen Abend ankamen, stiegen in einem Gasthaus ab, reinigten uns, aßen zu Abend, besahen uns die Umgegend und zeichneten etwas, aßen zu Mittag, gingen noch etwas aus und reisten zu Esel nach Amalfi, wo wir um 9 Uhr abends ankamen. Dort hielten wir uns acht Tage auf, zeichneten mehreres im Tale und machten eine Fußreise auf den Bergen nach Ravello, wo wir auch etwas zeichneten, dann gingen wir wieder zurück nach Amalfi.“1 (Carl Blechen)

Das „Neapler Skizzenbuch“ wurde während des Neapel-Aufenthalts und auf der Rückreise nach Berlin (Assisi) von Blechen benutzt. Einer der ersten Ausflüge in Neapel galt den Ruinen von Pompeij, wo er zwei Bleistiftzeichnungen und vier Aquarelle u.a. nach dem 1824/25 freigelegten „Haus des tragischen Dichters“ (63 n. Chr.) schuf.

Auf der Rückreise nutzte Carl Blechen zwischen Assisi, der Schweiz und Heidelberg (September/Oktober 1829) ein Skizzenbuch mit 41 zusammengehörigen Blättern. Sie zeigen unauffällige, fast beliebige Motive. Die Weite des Raums, die Blechen mittels atmosphärischem Sepialavierungen andeutete, erinnert an die Nebelbilder von Caspar David Friedrich. Bereits der Maler Karl Begas beobachtete 1840 in seinem Gutachten über den Blechen-Nachlass, dass seine einzigartige Gabe wäre, „mit so wenigen Mitteln […] ein solches perspektivisches Gefühl für Terrainverschiebungen“ auszudrücken.

Professur für Landschaftsmalerei an der Berliner Akademie

Karl Friedrich Schinkel empfahl Carl Blechen 1831 zum Professor für Landschaftsmalerei an der Berliner Akademie. Der Maler wurde berufen und 1835 zum ordentlichen Mitglied ernannt. Im gleichen Jahr reiste Carl Blechen erstmals nach Paris. Ab 1836 verfiel Carl Blechen in depressive Geisteskrankheit. Bettina von Arnim setzte sich für den Kranken ein. Ab 1837 lebte er in einem Sanatorium, wo er vier Jahre später starb.

Werke

Carl Blechens Landschaftsmalerei offenbart einen neuen Realismus, wobei er die religiös begründete, vergeistigte Schau Caspar David Friedrichs aufgab. Desgleichen distanzierte er sich auch von den idealistischen und heroischen Landschaften von Jakob Philipp Hackert oder Joseph Anton Koch. Wie den Idyllen des Schweizer Malers Salomon Gessner. Zu den Höhepunkten von Blechens Landschaftsauffassung gehören Licht- und Farbeffekte in objektiv beobachteten Landstrichen.

Blechen nutzte u.a. symmetrische Kompositionen, um den Motiven etwas Erhabenes zu verleihen. Damit thematisierte er den Konflikt der Kräfte zwischen Mensch und Natur.

Tod

Carl Blechen starb am 23. Juli 1840 in Berlin. Ein Teil seines Nachlasses ging in den Besitz der Akademie der Künste über. In den Nationalgalerie Berlin liegen 1.299 Zeichnungen und Ölstudien.

  1. Zit. n. Von Caspar David Friedrich bei Adolph Menzel. Aquarelle und Zeichnungen der Romantik aus der Nationalgalerie Berlin/DDR, hg. v. Gottfried Riemann und Klaus Albrecht Schröder (Ausst.-Kat. Kunstforum Länderbank Wien, 31.1.-21.4.1990) München 1990, S. 188.