William Turner

Wer war William Turner?

Joseph Mallord William Turner (1775–1851) war ein britischer Landschaftsmaler der Romantik, dessen vielfältiges Werk seinem Schöpfer sowohl Erfolg einbrachte wie auch Kontroversen verursachte. Turner ist heute für seine revolutionär „formlosen“ Ölgemälde, seine wässrigen Aquarelle und Radierungen bekannt. Das Werk des Malers reicht von topografischen Darstellungen bis zu atmosphärischen Bildern von Stürmen, von Sonnenuntergängen, heiteren Iydellen und ehrfurchtgebietende Landschaften. Obschon von Landschafts- und Historienmalern des 16. und 17. Jahrhunderts tief beeinflusst, war William Turner ein Erneuerer, der als Vorläufer der modernen Kunst, des Impressionismus und der Abstrakten Kunst gefeiert wird.

 

Kindheit und Ausbildung

William Turner wurde als Sohn des Barbiers und Perückenmachers William Turner und dessen Ehefrau Mary (geb. Marshall) geboren und am 14. Mai 1775 in der St. Paul's Church in Covent Garden getauft. Seine um drei Jahre jüngere Schwester Mary starb bereits im Alter von sieben Jahren (1783). Daraufhin schickten seine Eltern William Turner zu dessen Onkel Joseph Mallord William Marshall nach Brentford (Middlesex), wo er die Brentford Free School besuchte.

Die frühesten überlieferten Zeichnungen – bereits mit Signatur und Datierung – entstanden im Jahr 1787. Im Alter von zwölf Jahren kopierte William Turner Stiche aus dem Oxford Almanack (1780) und schuf erste eigene Landschaftsskizzen rund um Brentford und London. Diese Arbeiten schickte er an seinen Vater, der sie in seinem Laden stolz präsentierte und bereits verkaufte. William Turners Vater förderte seinen frühreifen, talentierten Sohn und machte ihn mit einflussreichen Kunden bekannt. 

William Turner profitierte in den folgenden Jahren von einer umfangreichen Ausbildung innerhalb und außerhalb der Royal Academy (RA). Im Dezember 1789 wurde der 14-jährige Turner durch die Vermittlung vom Historien- Portrait und Dekorationsmaler John Francis Rigaud (1742–1810) an der Royal Academy‘s Plaster Academy [Gipsklasse] aufgenommen und drei Jahre später zum Aktzeichnen zugelassen. Zusätzliche Erfahrungen sammelte William Turner beim Einfärben von Drucken, als Architekturzeichner und beim Entwurf von Bühnenbildern. In den 1790er Jahren nahm er an einer informellen „Akademie“ teil, in der er sich zusammen mit Thomas Girtin und anderen jungen Männern beim Kopieren von Drucken, Aquarellen und topografischen Zeichnungen im Hause des Arztes und Alienisten Dr. Thomas Monro beteiligte. Turners frühe Tätigkeit als Architekturzeichner und Aquarellmaler war wegweisend für seine künftige Karriere. Er beherrschte etablierte Stile und Methoden und wusste sie zu eigenen Zwecken einzusetzen.

Der Tod seiner Mutter, die während hysterischer und aggressiver Anfälle ans Bett gefesselt werden musste, 1804 in der Abteilung für unheilbar Kranke des Bethlem Royal Hospital, muss eine traumatische Erfahrung gewesen sein.

 

Frühe topografische Ansichten

Den Beginn von William Turners künstlerischem Werk bilden ab den frühen 1790er Jahren Aquarelle, auf deren Grundlage er technische Experimente unternahm. Zwischen 1790 und 1795 war Turner auf den Ausstellungen der Royal Academy überhaupt nur mit Aquarellen vertreten; erst im Jahr 1796 stellte er auch ein erstes Ölgemälde aus. Diese Aquarelle dienten ihm als Grundlage für Druckgrafikserien, mit Hilfe derer er seine Überzeugungen verbreitete und ein beträchtliches Einkommen erzielte.

Während der 1810er und 1820er Jahre schuf William Turner eine Reihe kleinformatiger, topografischer Aquarelle. Er erarbeitete die Formen, indem er Farbblöcke nach einem Einstufungssystem aus „hellen“ und „dunklen“ Farben schichtete. Damit stellte er viele Annahmen der zeitgenössischen Farbtheorie in Frage. Das lichtdurchflutete, expressionistische Erscheinungsbild der Aquarelle spiegelt diese innovative Technik wider. Um Details zu erzeugen, kratzte, tupfte und wischte Turner die Farbe, während sie noch nass war, und kratzte in trockenen Oberflächen. Aquarelle englischer Flüsse, Häfen und Küstenszenen dienten als Grundlage für Mezzotinto- und Kupferstichserien, darunter die „Ports of England“ (1826–1828). Turner passte seine Methoden und Techniken der Aquarellmalerei an die Ölmalerei an. Turner arbeitete mit farbigen Grundierungen, aus denen er einzigartig evokative Gestaltungen und leuchtende Formen aufsteigen lässt.

Seine Aquarelle von altertümlichen, architektonischen und landschaftlichen Prospekten erweckten wegen ihrer überzeugenden Kompositionen und ihrer experimentierfreudigen Technik schon bald Aufsehen. Sie brachten dem frühentwickelten Künstler Aufträge von Kupferstechern ein, die die damalige Hochkonjunktur der illustrierten Publikationen nutzen wollten, und von gut vernetzten Kunden, die ihrerseits Turners gesellschaftlichen Horizont erweiterten. Um die Jahrhundertwende stand Turner an vorderster Front einer neuen Entwicklung hin zu sogenannten Ausstellungsaquarellen, die bezüglich Massen, Bildeffekten und Themen die Konkurrenz zur Ölmalerei suchten, der sich Turner erst kurz zuvor zugewandt hatte.

 

William Turner und die Druckgrafik

Die 70 Abzüge seines „Liber Studiorum [Buch der Studien]“ (1807–1819; Windmill and Lock, Tate, London) bringen die hohen Ambitionen von Turner am deutlichsten zum Ausdruck. Vorbild dafür war Claude Lorrains „Liber Veritatis“, in dem Künstler seine Werke dokumentierte. Diese atmosphärischen Bilder, die seine eigenen Radierungen mit Mezzotinto-Drucken anderer Künstler kombinieren, stellen sechs Landschaftskategorien dar: Pastorale, Marine, Berglandschaft, historische, architektonische und epische Pastorale. Der Titel erinnert bewusst an das „Liber Veritatis“, eine Zusammenstellung von Kompositionen des hochangesehenen Malers idealisierter Landschaften Claude Lorrain (→ Claude Lorrain. Das Licht der Campagna). Außergewöhnlich ist, dass - obwohl oder gerade weil die Themen in linearen und monochromen Kompositionen reproduziert wurden – die Betonung der Lichteffekte, die durch die Modulation des Farbtons und nicht durch die Farbe selbst erzielt wird. Obwohl das „Liber Studiorum“ zu einem der berühmtesten und am meisten benutzten Handbücher zur Kunst des 19. Jahrhunderts avancierte, war es ein wirtschaftlicher Reinfall. 1819 wurde sein Erscheinen eingestellt. Im selben Jahr reiste William Turner allerdings zum ersten Mal nach Italien, was den Maler in eine neue Stilphase treten ließ.

William Turner hat vielleicht eine weitere Serie von Mezzotinto-Drucken allein produziert. Diese Bilder wurden nie veröffentlicht und werden unter dem Titel „Little Liber“ (um 1824–1826) zusammengefasst.

 

Turners Landschaften

Ausgangspunkt für einen Landschaftsmaler wie William Turner war das Reisen, das der Brite extensiv betrieb. Er besuchte Wales in den Jahren 1792, 1795 und 1798, Yorkshire und Lake District im Jahr 1797, die Midlands 1794, Schottland 1801 und 1802 auch erstmals den europäischen Kontinent. Zuvor hatte der napoleonische Krieg das Reisen für Engländer unmöglich gemacht. Die Überfahrt nach Calais war sehr rau, was William Turner in dem Gemälde „Calais Pier“ (1802/03) eindrucksvoll zu vermitteln verstand. Während seiner ersten Reise nach Frankreich und in die Schweiz hielt er in mehr als 400 Zeichnungen die eindrucksvollen Landschaften fest. Aus diesem Fundus an Bildmaterial schöpfte er noch Jahre später für seine Ölgemälde und Aquarelle. Außerdem konnte er während dieser Reise die Gemälde der Alten Meister – darunter die „Dornenkrönung“ Tizians – studieren.

Für William Turner vermitteln Landschaften eine breite Palette künstlerischer, historischer und emotionaler Bedeutungen. Er präsentierte sich zudem als Erbe der großen Historienmaler der Vergangenheit. Als junger Mann studierte er Piranesis imposante Architekturphantasien und kopierte Werke von Meistern der Renaissance und des Barock. Das Erbe von Raffael, Tizian, Nicolas Poussin, Claude Lorrain, Rembrandt van Rijn, Cuyp und Willem van de Velde aber auch des Schweizer Landschaftsmalers Abraham-Louis-Rodolphe Ducros ist während seines gesamten Schaffens offensichtlich. Vor allem das Rom Raffaels diente William Turner insbesondere als Inspirationsquelle. Sein Lieblingskünstler war zweifellos Claude Lorrain, dessen ruhige, sonnendurchflutete Ideallandschaften aus der Umgebung von Rom Turner sehr ansprachen.
Turners reife Landschaften zeigen deutlich, dass der romantische Maler so ehrgeizig war, es mit vielen Künstlern der Kunstgeschichte und seinen eigenen Zeitgenossen „aufzunehmen“. Über allen stand Claude Lorrain, dessen pittoreske Landschaften mit mythologischen oder christlichen Geschichten ihn tief berührten. Turner nahm sich vor, alle Stile der Landschaftsmalerei, die er bewunderte zu meistern. So baute er seine Marinebilder auf den Seestücken niederländischer Barockmaler auf. Diesen dramatischen Szenen setzte er ab den 1810er Jahren helle, luminose, atmosphärische und romantisch-dramatische Landschaften entgegen.

Turner hat nicht nur Geschichten aus der fernen Vergangenheit erzählt, sondern auch Motive in der ganzen Welt gefunden. Der Hauptvertreter der Malerei der Romantik interessierte sich dafür, große Emotionen zu erzählen, und war besonders von sublimen oder großartigen Aspekten des modernen Lebens angezogen. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts interessierten sich Intellektuelle zunehmend für atemberaubende Natureindrücke und architektonische Denkmäler. Beide wurden zunehmend als Sehenswürdigkeiten empfunden und als solche bereist, verkörperten doch sowohl gotische Kathedralen wie Gebirgszüge das Wesen der Erhabenheit. Mithilfe von Naturmotiven konnte William Turner den Geist beflügeln, die Macht Gottes oder die Hilflosigkeit des Menschen veranschaulichen. Die Landschaftsmalerei konnte unter diesen Auspizien als ernsthafte Kunstgattung diskutiert werden. Als am 16. Oktober 1834 die Houses of Parliament [Londoner Parlament] durch ein Feuer zerstört wurden, beobachtete William Turner den Brand von einem Boot auf der Themse und malte die Szene in Aquarellen und Ölgemälden: „Die Verbrennung der Houses of Parliament“ (Tate, London).

In „Sklavenschiff“ (1840; Museum of Fine Arts, Boston) erinnerte er an eine noch größere Tragödie und klagte die erzwungenen Schrecken des Sklavenhandels mit aufgeregten Pinselstrichen an, die unter einem blutroten Himmel zu heftigen Wellen erstarrten. Der fast abstrakte „Regen, Dampf und Geschwindigkeit - Die Great Western Railway“ (1844; National Gallery, London) zelebriert durch starke Diagonalen, kühne Kontraste zwischen Hell und Dunkel und durch den turbulenten Umgang mit der Farbmaterie die rasanten Veränderungen der Industriellen Revolution. Das Sublime der Geschwindigkeit nimmt es mit so manchem Unwetter auf. Auf virtuose Weise vermittelte er die Dynamik von Licht und Atmosphäre.

 

William Turner und die Poesie

Als die Royal Academy 1798 den Einreichenden erlaubte, den Bildern Gedichte oder literarische Zeilen in den Ausstellungen beizugeben, machte William Turner davon sofort Gebrauch – und sollte das gesamte Leben diese Vorliebe weiter behalten. Seit seiner Jugend zeigte der Maler ein lebhaftes Interesse an der Dichtkunst. Er besaß eine Bibliothek mit einer Sammlung von alter und moderner Lyrik. Dass Sir Joshua Reynolds Malerei und Dichtkunst als „Schwesternkünste“ auffasste, prägte die Sicht Turners maßgeblich.

William Turners Abstecher in die Poesie ergänzten die Erzählungen seiner Landschaftsbilder. Im Jahr 1798 begann er, Zitate von Dichtern – zum Beispiel aus Miltons „Verlorenem Paradies“, James Thomson und Lord Byron – als Begleittexte seiner Bilder den Katalogeinträgen der Royal Academy hinzuzufügen. Zum ersten Mal verwendete er Ausschnitte aus seinem unvollendeten Gedicht „Fallacies of Hope“, als er „Schneesturm: Hannibal überquert mit seinem Heer die Alpen“ (1812; Tate, London) ausstellte. Auszüge aus dem Gedicht begleiteten viele der nachfolgenden Bilder von Turner, obwohl der Text niemals fertiggestellt oder veröffentlicht wurde.

 

William Turner und die Royal Academy

William Turners Malerei löste bei Freunden und Feinden starke Reaktionen aus. Einerseits wurde er von vielen Kollegen respektiert, andererseits wurden viele seiner Gemälde als Skandale empfunden. In seiner Frühzeit wurde William Turner mit Aquarellbildern, meist Darstellungen von Architektur und seltener Landschaften, so berühmt, dass er 1799 zum außerordentlichen Mitglied der Ryoal Academy gewählt wurde. Mit 26 Jahren wurde er 1802 als Vollmitglied in die Royal Academy aufgenommen. Fünf Jahre später wählten ihn die Mitglieder zum Professor für Perspektive.

William Turner blieb sein ganzes Leben in der Akademie aktiv und diente der Vereinigung an verschiedenen administrativen Posten, war 1845 in einer kurzen Amtszeit als Präsident gipfeltet. Dennoch schlug William Turner von einigen konservativen Kritikern immer wieder Verachtung entgegen. Im Jahr 1836 regte eine Rezension, die Turners lockere Ausführung kritisierte, John Ruskin zu Turners Verteidigung an. Ruskins Engagement für Turners Genie resultierte im fünfbändigen Werk „Modern Painters“ (1843–1860): Hier pries Ruskin den romantischen Landschaftsmaler als überragenden Naturalisten und empfahl ihn als Beispiel für die Präraffaeliten. Am 22. Juni 1840 trafen die beiden einander zum ersten Mal persönlich. Der damals 21-jährige Ruskin verehrte den bereits 65-jährigen Turner und vertraute seinem Tagebuch an:

„Wurde heute dem Mann vorgestellt, der ohne Zweifel der größte unseres Zeitalters ist; der größte in jedem Bereich der Phantasie, jedem Zweig szenischen Wissens; zugleich der Maler und Poet unserer Zeit, J. M. W. Turner. Alle haben ihn mir als derb, ungehobelt, geistlos und vulgär beschrieben. Ich wusste, dass das nicht stimmen konnte. Ich fand in ihm einen etwas exzentrischen, scharfsinnigen, nüchternen und englisch gesinnten Gentleman: offensichtlich gutmütig, offensichtlich reizbar, jedem Unsinn abhold, gewitzt, vielleicht ein wenig selbstverliebt demonstriert oder zur Schau gestellt, sondern sie nur gelegentlich in einem Wort oder einem Blick aufblitzen lässt.“1 (John Ruskin über William Turner)

 

William Turners Arbeitsmethode

Diese frühen Studien im Bereich der Topografie formten William Turner und prägten sein künstlerisches Werk. Turners erste ausgestellte Arbeiten waren sorgfältig gezeichnete Aquarelle, in denen er wiedererkennbarere englischer Denkmäler und Landschaften festhielt. Obwohl Turner später ein umfangreiches visuelles Vokabular entwickelte, das weit über präzise Darstellung hinausging, blieben Beobachtungen aus erster Hand für seine Arbeitsmethode entscheidend. Im Laufe von fünf Jahrzehnten füllte er Hunderte von Skizzenbüchern mit Eindrücken von zahlreichen Touren durch England, Schottland und Wales sowie auf dem ganzen Kontinent nach Belgien, Frankreich, Holland, Italien, Rheinland, der Schweiz. William Turner verließ sich auf diese vor Ort entstandenen Skizzen, um auch seine fantasievollsten Gemälde zu entwickeln. So kombinierte der Maler beispielsweise für eine Ansicht von Venedig mehrere Perspektiven, um einen – faktisch unmöglichen – Blick auf mehrere venezianische Wahrzeichen zu bieten.

Als er um 1795 begann in Öl zu experimentieren, setzte er das neuerworbene Wissen sogleich auch in der Aquarellmalerei um. Anstelle des weißen Papiers und des transparenten Farbauftrags traten nun farbige Papiere (blau), farbige Grundierungen (erdig, zarte Blau-, Rosa- oder Gelbtöne) und hineingeritzte Details. Turner arbeitete sowohl in Ölmalerei wie auch Aquarelltechnik nun von Dunkel nach Hell, entfernte an manchen Stellen die getrocknete Farbe wieder. Details wurden mit feinen Pinseln aufgezeichnet oder mit einer Klinge bzw. seinem „adlerklauenartigen Daumennagel“ in die nasse Farbmaterie hineingeritzt. Ab etwa 1810 grundierte William Turner seine Landschaftsgemälde Weiß. Dadurch wurden seine Landschaften leuchtender und lichthältiger, malte er doch die Strukturen in dünnen Ölschichten.

 

Tod und Nachleben

Ab 1845 verschlechterte sich William Turners Gesundheitszustand. Dennoch setzte er seine Arbeit fort, ja plante weitere Serien an Aquarellen.

William Turner verstarb am 19 Dezember 1851. Er wurde in der St. Pauls Cathedral begraben. Als seine Familie, die Turner stets auf Distanz gehalten hatte, das Testament anfocht, einigte man sich wie folgt: Die Verwandten bekamen das Kapitalvermögen zugesprochen, etwa 140.000 Pfund in Staatsanleihen und Immobilien. Die National Gallery erhielt die 100 vollendeten Gemälde sowie sämtliche andere Originalwerke, die sich in Turners Haus und Atelier befanden. Der Turner-Nachlass umfasst etwa 300 Ölgemälde, über 30.000 Zeichnungen und Aquarelle, 280 Skizzenbücher.

Die kunsthistorische Stellung von Turners Werken wird häufig und gerne als Wegbereiterin der Moderne - von Impressionismus bis zum Abstrakten Expressionismus - gesehen. So wurde seine Kunst schon gemeinsam mit jener von James McNeill Whistler und Claude Monet präsentiert. Doch der offenbar am ehesten als impressionistisch zu bezeichnende Teil seiner Werke entstand für gewöhnlich im Atelier und kaum einmal im Freien oder direkt vor dem Motiv. Was expressionistisch wirkt, ist nicht abstrakt im modernen Sinn. Turners Abstraktion ist weder konzeptuell noch theoretisch, sondern ätherisch und atmosphärisch, denn sie bildet die durch Licht und Luft ausgelösten veränderlichen Effekte ab. Das ließ Mark Rothko schlussfolgern, dass Turner viel von ihm, Rothko, gelernt hätte.

 

Literatur

  • William Turner. Die Alpen und das Meer (Ausst.-Kat. Kunstmuseum Luzern, Luzern,6.7.2019–13.10.2019), München 2019.
  • Georg-W. Költzsch (Hg.), William Turner. Licht und Farbe (Ausst.-Kat. Museum Folkwang Essen, 15.9.2001–6.1.2002, Kunsthaus Zürich, 1.2.–26.5.2002), Köln 2001.
  • Eric Shanes (Hg.), Turner. Aquarelle (Ausst.-Kat. Royal Academy of Arts, London, 2.12.2000–18.2.2001), München 2000.

Beiträge zu William Turner

4. Mai 2019
Joshua Reynolds, The Hon. Miss Monckton, Detail, 1777/78, Öl/Lw, 240 x 147,3 cm (Tate Britain, London)

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22. April 2019
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William Turner: Biografie Lebenslauf des britischen Landschaftsmalers der Romantik

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17. März 2019
Sean Scully, Landline China 8, Detail, 2018, Öl/Aluminium, 300 × 190 cm (Privatsammlung (SS3506) © Sean Scully. Photo: courtesy the artist)

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27. Februar 2019
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23. Dezember 2018
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The Shape of Time Zeitgenossen treffen im KHM auf Alte Meister

„The Shape of Time“ setzt bedeutende, zwischen 1800 und heute geschaffene Kunstwerke in Dialog mit Gemälden, Kunstkammerstücken und antiken Skulpturen aus der Sammlung des KHM, um zu zeigen, wie groß die inhaltlichen, thematischen oder formalen Verwandtschaften über die Jahrtausende hinweg sein können.
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Essentiell für die Landschaftsmalerei - erstmals wissenschaftlich eingeteilt im frühen 19. Jahrhundert. Das Leopold Museum widmet sich dem wichtigen Nass zwischen Himmel und Erde.
  1. zit. n. Andrew Wilton, Einführung, in: William Turner. Licht und Farbe, Köln 2001, S. 43.