0

Dresden | Albertinum: Gerhard Richter. Neue Zeichnungen 2017 bis 2020

Gerhard Richter, 12.1.18, Detail, 2018, Bleistift und Farbstift auf Papier, 14,2 x 20,2 cm, Gerhard Richter Archiv, Staatliche Kunstsammlungen Dresden © Gerhard Richter 2020 (08022020)

Gerhard Richter, 12.1.18, Detail, 2018, Bleistift und Farbstift auf Papier, 14,2 x 20,2 cm, Gerhard Richter Archiv, Staatliche Kunstsammlungen Dresden © Gerhard Richter 2020 (08022020)

Zeichnungen begleiten das malerische Werk von Gerhard Richter bereits seit 1964. Die ab 1976 entstandenen Blätter lehnen sich vor allem an das komplexe Formenrepertoire der parallel entstehenden Abstrakten Bilder an und zeichnen sich durch ihre individuellen Formate und den erstmaligen intensiven Einsatz von farbigen Stiften aus, der diesen Blättern seine spezifische, malerische Anmutung verleiht.

Richter selbst stand der künstlerischen Gattung der Handzeichnung immer kritisch gegenüber. Ebenso wie er die traditionellen druckgrafischen Techniken der Radierung oder der Lithografie stets vermieden hat, empfindet er diese als zu sehr von einer kunsthandwerklichen Geschicklichkeit und Ästhetik geprägt. In seinen Arbeiten auf Papier hat er gegen diese traditionellen Qualitäten des Mediums immer angearbeitet. So entstanden seine ersten Aquarelle von 1977/78 auf dünnem, liniertem Schreibpapier, das sich unter dem Auftrag der Wasserfarben auffällig wellte, was von Experten als ein grober technischer Mangel angesehen wird.

Gerhard Richter. Neue Zeichnungen 2017 bis 2020 in Dresden

Die neuen, im Albertinum ausgestellten Exponate sind mit Tagesdaten zwischen dem 5.11.2017 und dem 15.5.2019 betitelt, die zwar nicht den exakten Entstehungstagen entsprechen, sie aber in mehrere Werkblöcke gliedern. Dass die neuen Arbeiten in Sonderformate zugeschnitten sind, unterscheidet sie ebenfalls von früheren abstrakten Grafitzeichnung Richters, die alle in standardisierten DIN-Formaten gehalten wurden. Die markanteste Neuerung ist jedoch der Einsatz von Farbstiften und Fettkreiden, die den jeweiligen Kunstwerken eine zusätzliche Dimension und Komplexität verleihen.

Während Richter bei den Abstrakten Bildern durch die Verwendung des Rakels dem Zufall großen Raum im Entstehungsprozess der Gemälde zugesteht und das endgültige Werk in einem wechselhaften Prozess von „trial and error“ entstehen lässt, bleibt diese Eigengesetzlichkeit des Zufalls aus der Arbeit an den kleinformatigen Zeichnungen ausgeschlossen. Die Blätter erfordern dadurch eine gesteigerte Konzentration. Jeder Strich muss hier überlegt ausgeführt, jede Form bewusst gesetzt, keine Gestaltung oder Komposition ausgedacht erscheinen, um im Ergebnis, wie Richter es 1986 für seine Malerei formulierte, trotzdem alles zu erhalten: Idee, Form, Gestaltung und Komposition.

Quelle: Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Gerhard Richter. Neue Zeichnungen in Dresden: Bilder

  • Gerhard Richter, 27.11.2017 (2), 2017, Bleistift und Farbstift auf Papier, 21 x 18 cm, Gerhard Richter Archiv, Staatliche Kunstsammlungen Dresden © Gerhard Richter 2020 (08022020)
  • Gerhard Richter, 24.11.18, 2018, Bleistift auf Papier, 230 x 230 mm, Leihgabe aus Privatbesitz, Staatliche Kunstammlungen Dresden, Gerhard Richter Archiv © Gerhard Richter 2019 (25102019)
  • Gerhard Richter, 27.11.2018, 2018, Bleistift auf Papier, 230 x 230 mm, Leihgabe aus Privatbesitz, Staatliche Kunstammlungen Dresden, Gerhard Richter Archiv © Gerhard Richter 2019 (25102019)
  • Gerhard Richter, 12.1.18, 2018 Bleistift und Farbstift auf Papier, 14,2 x 20,2 cm, Gerhard Richter Archiv, Staatliche Kunstsammlungen Dresden © Gerhard Richter 2020 (08022020)
  • Gerhard Richter, 14.1.18, 2018 Bleistift und Farbstift auf Papier, 14,2 x 20,2 cm, Gerhard Richter Archiv, Staatliche Kunstsammlungen Dresden © Gerhard Richter 2020 (08022020)
  • Gerhard Richter, 21.3.19 (2), 2019 Bleistift auf Papier, 15 x 15 cm, Gerhard Richter Archiv, staatliche Kunstsammlungen Dresden © Gerhard Richter 2020 (08022020)

Weitere Beiträge zu Gerhard Richter

18. März 2020
Vija Celmins in der Hamburger Kunsthalle 2021

Hamburg | Hamburger Kunsthalle: Vija Celmins – Gerhard Richter Double Vision bringt erstmals die beiden zusammen

Die Hamburger Kunsthalle verortet große Nähe zwischen Celmins und Richter: Themen, Arbeit mit fotografischen Vorlagen, Bedeutung der Farbe Grau und die elementaren Bedingungen des Darstellens.
29. Februar 2020
Gerhard Richter, Seestück (oliv bewölkt), Detail, 1969, Öl/Lw, 80 cm x 100 cm (Privatsammlung, Italien © Gerhard Richter, WVZ 237-3)

New York | The Met Breuer: Gerhard Richter. Bilder trotz allem „Birkenau“ und „Cage“ erstmals in New York

„Gerhard Richter: Bilder trotz allem [Painting After All]“ ist der umfassendste Überblick über das bisherige Schaffen des Künstlers. Zwei jüngere Serien werden in New York zum ersten Mal zu sehen und daher auch zentral präsentiert werden: „Birkenau“ (2014) und „Cage (2006).
13. Januar 2020
Gerhard Richter, Piz Surlej, Piz Corvatsch, 1992, Öl auf Fotografie, 8,9 x 12,6 cm (Privatbesitz © Gerhard Richter, Köln)

Gerhard Richter: Landschaft Romantische Natur- und Landschaftsvisionen des deutschen Malers im Kunstforum Wien

„Sehnsucht“ und der „Traum nach klassischer Ordnung und heiler Welt“ – gemeinhin klassische Motivationen für die künstlerische Auseinandersetzung mit der Landschaft in der Tradition der deutschen Romantik – sind auch für Gerhard Richter Anlass, sich seit 1963 durchwegs diesem Genre zu widmen. Das Kunstforum Wien zeigt im Herbst 2020 einen Überblick über Richters Landschaftsmalerei.

Aktuelle Ausstellungen

1. Juli 2020
Larry Poons, Nixe's Mate, 1961, Acryl auf Leinwand, 178x 285 x 4 cm (Leihgabe der Österreichischen Ludwig-Stiftung seit 1996, Photo: mumok – Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien © Bildrecht, Wien2020)

Wien | mumok: Misfitting Together. Serielle Formationen der Pop Art, Minimal Art und Conceptual Art Andy Warhols serielles Denken kontextualisiert

Pop Art, Minimal und Conceptual Art aus der Sammlung von Peter und Irene Ludwig unter dem Aspekt des Seriellen erweitert den Blick auf Andy Warhols Werk. Modulare und serielle Ideen nach Mel Bochner in deutscher und amerikanischer Kunst der 1960er und 1970er Jahre.
23. Juni 2020
Angelika Kauffmann, Selbstporträt der Künstlerin am Scheideweg zwischen Musik und Malerei, Detail, Rom 1794, Öl/Lw, 147,3 x 215,9 cm (Nostell Priory, West Yorshire © National Trust Images/John Hammond)

Düsseldorf | Museum Kunstpalast: Angelika Kauffmann Bedeutendste Künstlerin Europas um 1800

Angelika Kauffmann (1741–1807) vertritt exemplarisch den neuen Typus einer europaweit vernetzten und weltgewandten Künstlerin. Ihr breitgefächertes Œuvre repräsentiert wesentliche Aspekte des internationalen Klassizismus im Zeitalter der Aufklärung und Empfindsamkeit.
19. Juni 2020
Peter Lindbergh, Uma Thurman, New York, 2016 © Peter Lindbergh (courtesy Peter Lindbergh, Paris)

Hamburg | MKG: Peter Lindbergh „Untold Stories“ feiert Lindberghs „Neue Frau“

Peter Lindbergh war einer der einflussreichsten Modefotografen der letzten 40 Jahre. Er fotografierte Menschen so wie sie sind, natürlich und authentisch, und prägte einen völlig neuen Typus des Supermodels.