Gerard van Honthorst

Wer war Gerard van Honthorst?

Gerard van Honthorst (auc: Gerrit van Honthorst, 4.11.1592–27.4.1656) zählt zu den bedeutendsten Malern des Barock in den Niederlanden. Gemeinsam mit Dirck van Baburen und Hendrick ter Brugghen prägte er den Utrechter Caravaggismus. Honthorst ist der berühmteste Maler dieser Generation. Vor allem Dank seiner guten Kontakte zum Hof von Frederik Hendrik und dem Winterkönig bzw. dessen Frau Elisabeth Stuart in Den Haag wurde Honthorst mit Aufträgen nahezu überflutet. Er eröffnete sogar ein zweites Atelier in Den Haag, in dem er aristokratischen Damen Malstunden gab. Sein berühmtester Schüler war Joachim von Sandrart (ab 1625).

Gerard van Honthorst in Rom

Gerard van Honthorst wurde als Sohn eines Malers in Utrecht geboren und in der Werkstatt von Abraham Bloemaert ausgebildet. Das Jahr seiner Ankunft in Rom ist ungewiss. Das früheste Dokument seines Aufenthalts ist eine 1616 datierte Zeichnung nach einem Gemälde von Caravaggio. Bis zu seiner Abreise im Jahre 1620 lebte er im Haushalt von Benedetto und Vincenzo Giustiniani.

In Rom erhielt Honthorst wichtige Aufträge für Altarbilder und Gemälde für Sammlungen. Im Jahr 1617 arbeitete Gerard van Honthorst an einem Altarbild für die Grabkapelle von Giovanni Battista Longhi in der Kirche Santa Maria della Scala und auch am Gemälde „Christus vor dem Hohepriester“ (um 1617, The National Gallery, London) für Vincenzo Giustiniani. Bereits in seiner ersten von drei Versionen des „Verleugnung Petri“ (1616/17, Musée des Beaux-Arts de Rennes) wird die hohe malerische Finesse des Künstlers deutlich: Er positioniert den Christus verleugnenden Petrus in einer dunklen, von zwei Kerzen spärlich erleuchteten Taverne. Kartenspielende Soldaten und eine Magd stellen den Apostel zur Rede. Auf dem ersten Blick könnte man es mit einer Genreszene zu tun haben, der sakrale Inhalt offenbart sich erst bei längerer Betrachtung. Indem der Maler die Protagonisten am spannungsgeladenen Höhepunkt zeigt, eine dramatische Lichtstimmung mit den Kerzen herstellt und die Figuren in der vordersten Bildebene positioniert, schafft Gerard van Honthorst von allen Caravaggisten die erzählerisch überzeugendsten Kompositionen.

Eines der bekanntesten Bilder von Gerard von Honthorst ist das außergewöhnlich großformatige Werk „Christus vor dem Hohepriester“ (um 1617, The National Gallery, London) für Kardinal Benedetto und Marchese Vincenzo Giustiniani. Vor allem wegen seiner neuartigen Komposition und der einzigen Lichtquelle wurde es schon von den Zeitgenossen gepriesen und häufig kopiert. In der Sammlung der Brüder Giustiniani war eine Reihe von nächtlichen Szenen (pintura tenebrosa) zu finden: Francesco Bassano d. Ä., Alessandro Turchi, Luca Cambiaso, Annibale Carracci und Joachim von Sandrart. Im Vergleich zu früheren kerzenbeschienenen Nachtszenen fällt die homogene Ausleuchtung der Szene auf. Honthorst beschäftigte sich offensichtlich mit der diffusen Verbreitung von Licht im Raum und stellte diese mit größter Natürlichkeit dar.

Zwischen 1616 und 1618 wird „Die Befreiung Petri aus dem Kerker“ (Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie, Berlin) datiert. Im Inventar von Benedetto Giustiniani vom 31. März 1621 wird es kurz beschrieben. Honthorst bezog sich in der Komposition auf die berühmte „Berufung des hl. Matthäus“ von Caravaggio in der Contarelli Kapelle in San Luigi dei Francesi. Einmal mehr ist es das künstliche Licht, das den Kopf des erschreckten Petrus – seine Mimik, Physiognomie, wettergegerbte Haut – klar herausarbeitet. Insbesondere solche künstlich beleuchteten Nachtszenen machten Gerard van Honthorst in Rom und über Utrecht hinaus berühmt, so dass er später „Gherardo delle Notti“ genannt wurde.

In nur drei Jahren etablierte sich Gerard van Honthorst in Rom als gefragter Maler seiner Zeit. Er malte während seines Aufenthalts in der Eigen Stadt etwa ein Dutzend Ölgemälde und vier großformatige Altarbilder mit einer Gesamtgröße von 35 m². Der Auftrag für die „Enthauptung von Johannes dem Täufer“ (1617/18) für die Kirche Santa Maria della Scala zählte zu den bedeutendsten an den niederländischen Maler in diesen Jahren. Battista Longhi, Major-domo von Kardinal Tolomeo Gallio wurde am 20. Dezember 1610 in der Kapelle bestattet. Sein Testamentsvollstrwcker, Maurizio Sanzio, musste die Ausstattung der Kapelle vollenden, wobei er erst mehr Geld für die Bezahlung der Materialien und Künstler auftreiben musste. Vielleicht wählte Sanzio oder die Unbeschuhten Karmeliter Honthorst als Maler des Hochaltarbildes. Honthorst erhielt von den Brüdern nur einen Bonus, wenn sie auch für das teure Ultramarin bezahlten. In der gleichen Kirche hätte der „Marientod” (Louvre) von Caravaggio hängen können, wenn ihn die Brüder nicht abgelehnt hätten.

Neben religiösen Bildern schuf Gerard van Honthorst Genrebilder nach dem Vorbild von „Fröhliche Gesellschaft mit einem Lautenspieler“ (um 1619/20, Galleria degli Uffizi, Florenz). Eine Gruppe sitzt rund um einen Tisch, spielt Musik und Karten, amüsiert sich. Vermutlich ist dieses Werk identisch mit jenem Bild, dass Honthorst für den Großherzog der Toskana, Cosimo II. de’ Medici (1590–1621), gemalt hat. Wenn auch Bartolomeo Manfredi das Genre vorprägte, so antwortete Honthorst darauf mit sehr niederländisch geprägten Kompositionen. In dem 1625 signierten und datierten „Der liederliche Student“ aus der Alten Pinakothek, München, führte Honthorst das deutlich moralisch aufgeladene Thema weiter.

Im Gegensatz zu dem von ihm verehrten Caravaggio trat Honthorst in der Öffentlichkeit wie ein Edelmann auf. Beschreibungen schildern ihn als elegant gekleidet, melancholisch und restrained im Verhalten, außergewöhnlich vertrauenswürdig. Er wusste, wie er möglichen Auftraggebern seine Kunstwerke präsentieren musste und zeigte sich glücklich, wenn er vor ihnen malen sollte. Dennoch verbrachte er 1619 eine Nacht im Gefängnis, weil er verbotenerweise ein Schwert im Haus der Kurtisane Vittoria da Rieti getragen hatte. Die Dame kannte er nachweislich seit zehn Monaten, wobei der Maler zu Protokoll gab, dass er Vittoria da Rieti auch „fleischlich kannte“. Weder sein Besuch bei einer Prostituierten noch das Tragen des Schwertes in der Öffentlichkeit waren für den Künstler problematisch, sondern dass er es im Haus einer Prostituierten nicht abgelegt hatte.

Utrechter Caravaggist

Am 26. Juli 1620 war Gerard van Honthorst wieder in Utrecht. Seine Freunde richteten ihm eine Willkommensparty aus. Zurück in Utrecht eröffnete er eine große Werkstätte mit zahlreichen Studenten (bis zu 25 Lehrlinge!), darunter ab 1625 Joachim von Sandrart. Von April bis Dezember 1628 arbeitete er am englischen Hof von König Karl I. und erhielt im November desselben Jahres die englische Staatsbürgerschaft. In den folgenden Jahren wuchs seine internationale Reputation in aristokratischen Kreisen. Im Januar 1625 und erneut im Jahr 1640 wurde er zum Vorstand der Utrechter Malerzunft gewählt. Honthorst starb 1656 in Utrecht.

Beiträge zu Gerard van Honthorst

13. Dezember 2018
Gerard van Honthorst, Die Kupplerin, Detail, 1625, Öl/Lw, 71 x 104 cm (Centraal Museum Utrecht, aankoop met steun van de Vereniging Rembrandt 1951, Foto: Tom Haartsen)

Utrechter Caravaggisti im neuen Licht Centraal Museum, Utrecht | Alte Pinakothek versammelt die Erben Caravaggios

Drama im Kerzenschein – dafür waren und sind die Caravaggisti aus den Niederlanden, Frankreich, Spanien und Italien berühmt. Das Centraal Museum in Utrecht und ab April 2019 die Alte Pinakothek in München konzentrieren sich auf drei Maler aus Utrecht und vergessen dabei nicht, auf die internationale Szene im Rom der 1610er und 1620er Jahre hinzuweisen.
12. Dezember 2018
Gerard van Honthorst, Die Kupplerin, Detail, 1625, Öl/Lw, 71 x 104 cm (Centraal Museum Utrecht, aankoop met steun van de Vereniging Rembrandt 1951, Foto: Tom Haartsen)

Utrechter Caravaggismus: Honthorst, Baburen und Ter Brugghen Niederländische Maler im Lichte Caravaggios

Gerrit van Honthorst, Dirck van Baburen, Hendrik ter Brugghen lebten in den 1610ern in Rom, wo sie den Utrechter Caravaggismus als typisch niederländischen Barockstil prägten.