Caravaggio

Wer war Caravaggio?

Michelangelo Merisi da Caravaggio, 1571 in Mailand geboren und später nach dem Heimatort seiner Eltern „Caravaggio“ (1571–1610) genannt, revolutionierte die europäische Malerei des 17. Jahrhunderts durch einen neuartigen Einsatz von Licht und Schatten. Caravaggio arbeitete anfangs für große Werkstätten in Rom wie jener von Cavalier d‘Arpino. Bereits kurz nach 1600 reagieren offensichtlich römische Maler auf die Neuerungen Caravaggios. Zu seinen wichtigsten Mäzenen zählten Giustiniani (1564–1637) und Kardinal Francesco Maria Del Monte (1549–1627), darüber hinaus pflegte Caravaggio auch Kontakte mit Künstlern, Dichtern und Intellektuellen seiner Zeit.

Nicht alle Kollegen waren Caravaggio freundschaftlich gesinnt (→ Caravaggio in Rom. Freunde und Feinde). Diese kulminierten im Duell Caravaggios mit Ranuccio Tomassoni, der dabei ums Leben kam. 1606 wurde Caravaggio dafür zum Tode verurteilt, seine Strafe allerdings auf Fürsprache seiner Gönner in ein Exil umgewandelt. Caravaggios treueste Förderer beauftragten ihn weiterhin mit Gemälden und verfolgten sein Schicksal mit Anteilnahme.

 

Caravaggismus in Europa

Während der Hochphase des europäischen Caravaggismus, also zwischen 1600 und 1630, lebten etwa 2.700 Künstler in Rom, wovon 572 Ausländer waren. Bereits kurz nach 1600 reagierten die ersten Maler in Rom auf die Neuerungen Caravaggios, darunter auch sein alter Lehrmeister Cavalier d' Arpino. Künstler wie Auftraggeber begeisterten sich für den caravaggesken Naturalismus, das Hell-Dunkel (tenebroso) und die Lichtführung, dazu ein genaues Studium der Figuren, die in ihrem jeweiligen Alter deutlich markiert sind (vor allem der Qualitäten von Haut, die unbarmherzig ausgeleuchtet werden). Die wichtigsten Caravaggisten sind in Rom, Neapel und Utrecht (Niederlande) zu finden.

Die ersten Nachfolger von Caravaggio in Rom waren Bartolomeo Manfredi, Jusepe de Ribera, Francesco del Caravaggio (bekannt als Cecco del Caravaggio), Cecco da Caravaggio und in geringerem Maße Lo Spadarino (Giovanni Antonio Galli) und Saraceni. Ihnen können Orazio Borgianni (1578–1616, ab 1602), Orazio Gentileschi und dessen Tochter Artemisia Gentileschi., Antiveduto Gramatica und Giovanni Baglione hinzugefügt werden. Ihre Gemälde zeugen von einem gemeinsamen Experiment zum Thema der isolierten Figur, der Charakterstudie, einer von Caravaggios Spezialitäten und den Malern, die ihn bewunderten.

In Neapel fiel Caravaggios Naturalismus auf besonders fruchtbaren Boden. Erste Kopien von Kompositionen Caravaggios sind von Luis Finson, genannt Finsonius, bekannt. Zu Caravaggios wichtigsten Nachfolgern in Neapel zählen Giovanni Bettista Caracciolo, genannt il Battistello, Massimo Stanzione. Vielleicht in Neapel lernte Mattia Preti die Werke des berühmten Caravaggio kennen. Als Caravaggist der zweiten Generation studierte er bereits die Nachfolger des frühe Verstorbenen in Rom.

Ein weiteres Zentrum des Caravaggismus war die niederländische Stadt Utrecht. Drei junge Maler hielten sich kurz nach 1610 in Rom auf, wo sie die Werke von Caravaggio intensiv studierten und sich an dessen Vorbild inspirierten: Hendrick ter Brugghen (1588–1629), Gerard van Honthorst (1590–1656) und Dirck van Baburen (1594/95–1624). Die Gemälde der Utrechter Caravaggisten sind typisch niederländisch, denn sie verbanden ihre holländische Herkunft mit den Neuerungen Caravaggios. Baburen und Ter Brugghen malten die hässlichen Seiten der Realität: monströse Nasen, faulende Zähne, schmutzige Fingernägel. Ter Brugghen steht sogar im zweifelhaften Ruf das hässlichste aber dadurch vielleicht auch das realistischste Bilder eines Kleinkindes im 17. Jahrhundert gemalt zu haben.

Dazu kommen noch der Spanier Jusepe de Ribera, die Franzosen Claude Vignon, Nicolas Régnier, Nicolas Tournier, Simon Vouet und Valentin de Boulogne, Georges de La Tour, wie die Flamen Gerard Seghers und Theodoor Rombouts.

Alle Beiträge zu Caravaggio

11. Januar 2019
Caravaggio, Narziss, Detail, 1598/99 (© Photo: Gallerie Nazionali di Arte Antica die Roma – Bibliotheca Hertziana, Istituto Max Planck per la storia dell’arte / Enrico Fontolan)

Museum Barberini zeigt Meisterwerke der Nationalgalerien Barberini Corsini: Wege des Barock Caravaggios „Narziss“ (1589/99) kommt nach Potsdam!

„Wege des Barock“ zeigt Meisterwerke der Nationalgalerien Barberini Corsini in Potsdam: Caravaggios „Narziss“ aus der berühmten Barocksammlung von Papst Urban VIII.
19. Dezember 2018
Caravaggio, David mit dem Haupt des Goliath, Detail, um 1600/01, Pappelholz, 91,2 × 116,2 cm (Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie © KHM-Museumsverband)

KHM: Caravaggio & Bernini Barocke Genies in Wien

Das Kunsthistorische Museum Wien präsentiert erstmals ein visuelles Barockspektakel. Im Zentrum stehen dabei bahnbrechende Werke des Malers Michelangelo Merisi da Caravaggio, genannt Caravaggio (1571–1610), und des Bildhauers Gian Lorenzo Bernini (1598–1680).
13. Dezember 2018
Gerard van Honthorst, Die Kupplerin, Detail, 1625, Öl/Lw, 71 x 104 cm (Centraal Museum Utrecht, aankoop met steun van de Vereniging Rembrandt 1951, Foto: Tom Haartsen)

Utrechter Caravaggisti im neuen Licht Centraal Museum, Utrecht | Alte Pinakothek versammelt die Erben Caravaggios

Drama im Kerzenschein – dafür waren und sind die Caravaggisti aus den Niederlanden, Frankreich, Spanien und Italien berühmt. Das Centraal Museum in Utrecht und ab April 2019 die Alte Pinakothek in München konzentrieren sich auf drei Maler aus Utrecht und vergessen dabei nicht, auf die internationale Szene im Rom der 1610er und 1620er Jahre hinzuweisen.
12. Dezember 2018
Gerard van Honthorst, Die Kupplerin, Detail, 1625, Öl/Lw, 71 x 104 cm (Centraal Museum Utrecht, aankoop met steun van de Vereniging Rembrandt 1951, Foto: Tom Haartsen)

Utrechter Caravaggismus: Honthorst, Baburen und Ter Brugghen Niederländische Maler im Lichte Caravaggios

Gerrit van Honthorst, Dirck van Baburen, Hendrik ter Brugghen lebten in den 1610ern in Rom, wo sie den Utrechter Caravaggismus als typisch niederländischen Barockstil prägten.
16. Juli 2018
Caravaggio, Hl. Johannes der Täufer (Knabe mit Widder), Detail, 1602, Öl/Lw, 129 × 94 cm (Musei Capitolini, Pinacoteca Capitolina, Rom – Archivio Fotografico dei Musei Capitolini © Roma, Sovrintendenza Capitolina ai Beni Culturali)

Caravaggio in Rom. Freunde und Feinde Musée Jacquemart-André zeigt Caravaggios künstlerische und private Beziehungen

Michelangelo Merisi da Caravaggio (1571–1610), kurz Caravaggio genannt, revolutionierte die italienische Malerei des 17. Jahrhunderts durch einen neuartigen Einsatz von Licht und Schatten. Die Ausstellung im Musée Jacquemart André in Paris ist Caravaggios Leben und Wirken in Rom gewidmet, dem Milieu, dem er künstlerisch und intellektuell entstammt. Bereits kurz nach 1600 reagieren offensichtlich römische Maler auf die Neuerungen Caravaggios, wie die Schau belegt. Über kunsthistorische Vergleiche hinaus, stehen aber auch die Beziehungen des unangepassten Malers mit Sammlern, Mäzenen wie Giustiniani und Kardinal Francesco Maria Del Monte, aber auch mit Künstlern, Dichtern und Intellektuellen seiner Zeit.
12. Oktober 2009
Bacon - Caravaggio

Caravaggio – Bacon Interessanter Vergleich zum Realismus

Die Galleria Borghese in Rom zeigt „Caravaggio – Bacon“, eine Ausstellung, die einlädt den englischen „Maler der gequälten Körper“ vor historischem Hintergrund zu studieren. Umgeben von Werken der Hochrenaissance (Raffael, Tizian) und jetzt vor allem im Dialog mit den barocken Kompositionen Caravaggios, zeigt sich das dramatische Potenzial von Bacons Auffassung vom Menschsein besonders deutlich.