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Paris | Centre Pompidou: Niki de Saint Phalle, Jean Tinguely & Pontus Hulten Bewegung und Teilhabe in der Kunst | 2024

Tinguely, Saint Phalle, Strawinsky Brunnen

Tinguely, Saint Phalle, Strawinsky Brunnen

Niki de Saint Phalle, Jean Tinguely und Pontus Hulten verband in den 1970er Jahren eine intensive Zusammenarbeit im Centre Pompidou. Pontus Hulten war von 1973 bis 1981 der Gründungsdirektor des Pariser Museums und davor am Moderna Museet in Stockholm (1957–1972).1 Ihm verdankt das Centre Pompidou seine Einzigartigkeit: Von Anfang an verwischte er die Grenzen zwischen Kunst, Literatur, Wissenschaft und Leben. Von Anfang an wollte er das Publikum aktiv einbinden.

Pontus Hulten war davon überzeugt, dass die Sammlung das Rückgrat des Museums ist und leistete einen beispielhaften Beitrag zu seiner Bereicherung. Er hat zahlreiche Ankäufe moderner und zeitgenössischer Werke getätigt und eine ehrgeizige Schenkungspolitik umgesetzt. Das Museum selbst war kein Kulturtempel mehr, sondern ein privilegierter Ort für Wissen und Teilhabe.

Kunst zum Anfassen machten Niki de Saint Phalle und Jean Tinguely. Pontus Hulten hatte de Saint Phalle bereits 1966 in Schweden ausgestellt. Dort konstruierte die Künstlerin mit ihren Freunden die Installation „Hon“, eine begehbare Skulptur in Form eines liegenden Frauenkörpers.

Ihr Partner Jean Tinguely nahm an den Ausstellungen zur Eröffnung des Centre Georges Pompidou 1977 mit dem „Crocodrome“ teil. Das „Crocodrome“ war eine Gemeinschaftsarbeit mit Bernard Luginbühl, Niki de Saint Phalle, Daniel Spoerri, Robert Rauschenberg und Martial Raysse. Die Künstler:innen brachten Offenheit, Widersprüchlichkeit, eine Anregung mit, die in dem Material zu finden ist, aus dem er seine Skulpturen macht: Ein Objekt trägt Spuren, es suggeriert, es widersetzt sich. Einige Jahre später, 1982/83, schuf das Künstlerpaar den Strawinski-Brunnen, auch Tinguely-Brunnen genannt, der bis heute vor dem Centre Pompidou steht.

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Pontus Hultens acht Jahre im Museum gelten als goldenes Zeitalter und dienen, wie das Centre Pompidou auch später nicht müde wurde zu betonen, als Maßstab für […]
  1. Pontus Hultens acht Jahre im Museum gelten als goldenes Zeitalter und dienen, wie das Centre Pompidou auch später nicht müde wurde zu betonen, als Maßstab für alle, die es nach ihm leiteten. Er begann seine Karriere als Museumsmann an der Akademie der Schönen Künste im Nationalmuseum in Stockholm. In den 1950er Jahren zeichnete er sich durch einige Ausstellungen aus, die seine Vorliebe für eine Kunst des Bruchs und der Weltoffenheit zeigten: „Le Mouvement“ in der Galerie Denise René in Paris, „Jean Tinguely“ und „Henri Matisse“ in Stockholm. 1959 wurde er Direktor des neuen Moderna Museet, das sich auf neue Schöpfungen konzentrierte. Dank dieses Erfolgs wurde Pontus Hulten auch weltweit als Kurator eingeladen und aufgefordert, andere Institutionen zu leiten: das Museum of Contemporary Art in Los Angeles (1981), den Palazzo Grassi in Venedig (1985), die Kunst- und Ausstellungshalle der BDR in Bonn (1990), das Jean-Tinguely-Museum in Basel (1994). Von 1988 bis 1995 leitete er außerdem das Institute for Advanced Studies in Plastic Arts.
  2. Pontus Hultens acht Jahre im Museum gelten als goldenes Zeitalter und dienen, wie das Centre Pompidou auch später nicht müde wurde zu betonen, als Maßstab für alle, die es nach ihm leiteten. Er begann seine Karriere als Museumsmann an der Akademie der Schönen Künste im Nationalmuseum in Stockholm. In den 1950er Jahren zeichnete er sich durch einige Ausstellungen aus, die seine Vorliebe für eine Kunst des Bruchs und der Weltoffenheit zeigten: „Le Mouvement“ in der Galerie Denise René in Paris, „Jean Tinguely“ und „Henri Matisse“ in Stockholm. 1959 wurde er Direktor des neuen Moderna Museet, das sich auf neue Schöpfungen konzentrierte. Dank dieses Erfolgs wurde Pontus Hulten auch weltweit als Kurator eingeladen und aufgefordert, andere Institutionen zu leiten: das Museum of Contemporary Art in Los Angeles (1981), den Palazzo Grassi in Venedig (1985), die Kunst- und Ausstellungshalle der BDR in Bonn (1990), das Jean-Tinguely-Museum in Basel (1994). Von 1988 bis 1995 leitete er außerdem das Institute for Advanced Studies in Plastic Arts.
Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.