Niki de Saint Phalle

Niki de Saint Phalle (1930-2002) wurde als Marie-Agnès Fal de Saint Phalle geboren. Oft wurde bereits darauf hingewiesen, welche Bedeutung die Biografie der Künstlerin für ihr Werk hatte (Spross einer adeligen Familie, Bankrott des übermächtigen Vaters, erlittener Kindesmissbrauch und das Gefühl von Abhängigkeit).

„Porträt meines Liebhabers“ (auch „Heiliger Sebastian“; 1961) entstand, nachdem sie eine Affäre mit einem verheirateten Künstler hatte. In einem Brief erklärte sie dazu einem Freund:

„Ich fand Spaß daran, Pfeile nach seinem Kopf zu werfen. Es war eine erfolgreiche Therapie, und ich begann, mich von ihm zu lösen.“

Etwas später schoss sie auf Gipsreliefs, die mit bunter Farbe, Eiern, Spaghetti etc. gefüllt waren. Für Niki de Saint Phalle war hierbei der Akt des Schießens das Kunstwerk und das Objekt ein Relikt.

 

Nana: Rückzug in die innere Welt

1963 begann Niki de Saint Phalle ein „neues Abenteuer“, „zog sich in eine innere, weibliche Welt zurück“ und fing an, „Bräute, Hexen, Huren zu machen, verschiedene Rollen, die Frauen in der Gesellschaft haben können.“ Eindrucksvolle Ergebnisse dieser neuen Themenwahl sind in der Ausstellung „La marieé à cheval“ (1963-1997) und die ersten kleinen Woll- und Stoffnanas. Diese führten, einmal überlebensgroß, betretbar und Bauwerken ähnlich realisiert, fast wie selbstverständlich zur Idee, einen Rückzugsort in der südlichen Toskana mit Skulpturen ausstatten zu wollen.

 

Tarot-Garten

Der Tarot-Garten (ab 1974) entstand  mit Hilfe ihrer alten Freundin Marella Caracciolo Agnelli auf dem Hügel eines ehemaligen Steinbruchs bei Garavicchio. Inspiriert durch das „Tarot de Marseille“ aus dem 18. Jahrhundert, entwickelte Niki de Saint Phalle bis zu ihrem Lebensende einen schillernden Ort. 22, mit farbigen und spiegelnden Mosaiksteinen verzierte, Skulpturen geben archetypische Bilder und existentialistische Situationen wie „Die Sphinx“ (auch „Die Kaiserin“, Modell 1978-79), „Mäßigkeit“ (Modell 1985) oder „Der Drache“ (Modell 1988) wieder. Mit ihrer Hilfe gelangt Niki de Saint Phalle zu einer neuen „mystischen Verbindung mit Natur, mit Luft, mit Licht“ und schuf ein Wunderland der Fantasie.

 

Niki de Saint Phalle im Sprengel Museum, Hannover

Am 19. November 2000 übereignete Niki de Saint Phalle der Stadt Hannover mehr als 360 Werke, die seither im Sprengel Museum Hannover zu bewundern sind. Die Schenkung umfasst sämtliche wichtige Schaffensphasen der in Frankreich geborenen Künstlerin von Mitte der 50er bis in die 80er Jahre.