Paris | Musée du Luxembourg: Marie Laurencin. Sœur des poètes

Maria Laurencin, Apollinaire et ses amis (2ème version), 1909, Öl auf Leinwand, 130 x 194 cm (Centre Pompidou, Paris © Foujita Foundation / Adagp, Paris, Foto (c) Centre Pompidou, MNAM-CCI/Audrey Laurans/Dist. GrandPalaisRmn)
Von März bis Juli 2027 zeigt das Musée du Luxembourg in Paris unter dem Titel „Sœur des poètes“ eine große Ausstellung zu Marie Laurencin (1883–1956). Es ist die erste Station einer internationalen Wanderausstellung, die im Sommer 2027 mit dem Museum Barberini in Potsdam fortgesetzt wird.
→ Mehr zur Künstlerin Marie Laurencin
Stand: Juli 2026 — Titel, genaue Termine und Details zur Pariser Station können sich noch ändern. Wir aktualisieren diesen Artikel, sobald das Musée du Luxembourg weitere Informationen veröffentlicht.
Marie Laurencin. Sœur des poètes
Frankreich | Paris: Musée du Luxembourg
März – Juli 2027 (genaue Daten stehen noch aus)
Station 1 von 2 einer Wanderausstellung → Marie Laurencin: Rollenspiel (Wanderausstellung 2027)
Warum „Sœur des poètes"?
Der Untertitel der Pariser Ausstellung „Sœur des poètes“ — auf Deutsch etwa „Schwester der Dichter“ — verweist auf Marie Laurencins enge Verbindung zur literarischen Avantgarde von Montparnasse. Kaum eine Malerin ihrer Generation war so eng mit den Dichtern des frühen 20. Jahrhunderts verwoben: Guillaume Apollinaire, mit dem sie Jahre lang liiert war und der ihr Werk in seinen Schriften zur Kunstkritik prägend beeinflusste, gehörte ebenso zu ihrem Kreis wie Gertrude Stein, die als Sammlerin und Förderin der Pariser Avantgarde auftrat. Im Umfeld des Kubismus entwickelte Laurencin dennoch eine eigenständige, unverwechselbare Bildsprache — zart in der Farbigkeit, aber unbeirrt in der Konzentration auf weibliche Selbstinszenierung und Identität.
Wie eng dieser Bezug tatsächlich ist, bestätigt indirekt das Programm des Potsdamer Begleitsymposiums: Emilie Bouvard (Fondation Giacometti) widmete einen eigenen Vortrag Laurencins Austausch mit Schriftstellern von Apollinaire bis Colette. Laurencin selbst schrieb zudem Gedichte und illustrierte Bücher. Der Pariser Titel „Sœur des poètes“ dürfte also nicht nur auf ihr persönliches Umfeld verweisen, sondern auch auf ihre eigene literarische Tätigkeit.
Ein Schlüsselwerk: Das Gruppenporträt des Dichterkreises
Für die Erzählung von der „Schwester der Dichter" ist ein Gemälde aus dem Bestand des Centre Pompidou besonders aufschlussreich: „Apollinaire et ses amis (2ème version) [Apollinaire und seine Freunde (zweite Version)“ von 1909 ist ein großformatiges Gruppenporträt, das Laurencin als Hommage an Apollinaire und den kubistischen Freundeskreis konzipierte.1 Von links nach rechts versammelt die Komposition Gertrude Stein, Picassos damalige Gefährtin Fernande Olivier, eine allegorische, fruchtbekrönte Engelsfigur — so die Deutung von Jaime Sabartés aus dem Jahr 1954 —, den im Zentrum thronenden Apollinaire, Pablo Picasso selbst, die Dichterin Marguerite Gillot sowie den unter dem Pseudonym Maurice Chevrier bekannten Dichter Maurice Cremnitz. Laurencin porträtierte sich selbst am Klavier sitzend.
Das Bild ging 1912, im Jahr ihrer Trennung von Apollinaire, in dessen eigene Sammlung über und hing bis 1973 in seiner Wohnung am Boulevard Saint-Germain 202, wo der Dichter starb. Erstmals gezeigt wurde es 1909 im Salon des Indépendants unter dem Titel „Une réunion à la campagne [Ein Treffen am Land]“, vermutlich in Anspielung auf zwei zeitgleiche „Landschaftsporträts“ des Zöllners Henri Rousseau, die ebenfalls Apollinaire und Laurencin als Paar zeigen (Kunstmuseum Basel; Puschkin-Museum Moskau). Später kursierte es unter dem Titel „Au rendez-vous des amis“ — eine Anspielung auf die Inschrift „Au rendez-vous des poètes", die Picasso über der Tür seines Ateliers im Bateau-Lavoir angebracht hatte. Der heute gebräuchliche Titel dürfte auf eine Verwechslung mit einem gleichnamigen Gemälde von 1908 zurückgehen, das dieselben Paare zeigt: Apollinaire/Laurencin und Picasso/Olivier (ehem. Slg. Gertrude Stein, heute Baltimore Museum of Art, Cone Collection).
Mehrere Vorstudien dokumentieren den langen Entstehungsprozess: 1908 entstanden gemalte Einzelporträts von Apollinaire, Picasso und Maurice Cremnitz; 1909 folgten drei vorbereitende Zeichnungen, darunter ein Selbstporträt mit Obstschale und zwei Kompositionsstudien. Eine Skizze zeigt zudem eine ursprünglich allegorischere, an Puvis de Chavannes erinnernde Bildidee mit einer drapierten Figur der Poesie im Vordergrund, die in der endgültigen Fassung wieder entfernt wurde.
Kunsthistorisch lässt sich das Werk als Gegenstück zu Picassos „Demoiselles d'Avignon“ (1907 → Alle wichtigen Informationen zum Kunstwerk Les Demoiselles d’Avignon) lesen: Wo Picasso ein autobiografisches Atelier-Scherzbild schuf, inszeniert Laurencin ein symbolisches, freundschaftlich-intellektuelles Zusammentreffen des kubistischen Kreises. Interessanterweise dominiert, ähnlich wie in Maurice Denis' „Hommage à Cézanne“, von der für Cézanne emblematischen Obstschale. Die vereinfachte Farbgebung erinnert an Picassos Landschaften von „La Rue-des-Bois“ (1908), die maskenhaften Gesichter an Rousseaus naiven Stil. Für Laurencin wurde dieser kubistische Manierismus schlussendlich charakteristisch. Apollinaire selbst verteidigte das Werk 1909 in seiner Kritik zum Salon des Indépendants und reproduzierte es 1913 in seinem Buch „Les Peintres cubistes“.
Teil einer europäischen Wanderausstellung
Die Pariser Station eröffnet ein internationales Ausstellungsprojekt, das im Juli 2027 im Museum Barberini in Potsdam unter dem Titel „Rollenspiel“ fortgesetzt wird. Eine mögliche dritte Station in London wird derzeit diskutiert. Einen Überblick über alle Stationen, Termine und das internationale Kuratorium findest du im oben genannten Überblick.
Häufig gestellte Fragen
Wann eröffnet die Marie-Laurencin-Ausstellung in Paris?
Die Ausstellung „Sœur des poètes“ ist ab März 2027 im Musée du Luxembourg zu sehen; sie läuft bis Juli 2027. Genaue Daten werden noch bekanntgegeben.
Wo befindet sich das Musée du Luxembourg?
Musée du Luxembourg, 19 Rue de Vaugirard, 75006 Paris
Ist die Pariser Ausstellung Teil einer Wanderausstellung?
Ja. Nach Paris wandert die Ausstellung im Sommer 2027 unter dem Titel „Rollenspiel“ weiter ins Museum Barberini nach Potsdam.
