Pablo Picasso

Wer war Pablo Picasso?

Pablo Picasso (Málaga 25.10.1881–8.4.1973 Mougins) war ein spanischer Maler, Grafiker und Bildhauer. Er gilt als einer der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts. Seine überbordende Produktivität brachte ein Gesamtwerk von mehr als 15.000 Gemälden, 3.200 Keramiken, 7.000 Zeichnungen, 1.200 Skulpturen und 20.000 Druckgrafiken. Picasso kam als Sohn des Malers und Zeichenlehrers José Ruiz Blasco und dessen Ehefrau Maria Picasso y Lopez in Malága zur Welt. Ab 1901 nutzte er den aus Italien stammenden Namen seiner Mutter als Künstlernamen, da ihn die zwei „S“ faszinierten und er ihn für wohlklingender hielt. Der Ruhm Picassos ist mit der Erfindung des Kubismus – gemeinsam mit George Braques – verknüpft. Sein Gemälde „Les Demoiselles d‘Avignon“ (März–Juli 1907, MoMA) avancierte in den 1920er Jahren zur Ikone der Moderne.

Kindheit und früheste Werke

Pablo Picasso wurde am 25. Oktober 1881 als erstes Kind von José Ruiz Blasco (1838-1913) und Maria Picasso y Lopez in Málaga geboren.

Im September 1891 zog die Familie Ruiz Picasso nach La Coruna. Vier Jahre später wurde José als Lehrer an die Kunstakademie La Lonja in Barcelona berufen. Daher zog die Familie im September 1895 nach Katalonien. Im Sommer besuchte Picasso Madrid und verbrachte die Ferien in Málaga. Während einer Schiffsreise nach Barcelona entstanden kleine Seestücke. Im Winter schuf er sein erstes großes Bild im akademischem Stil: „Die Erstkommunion“ (Museu Picasso, Bacelona)

Im folgenden Jahr hielt sich Pablo Picasso wieder in Málaga auf, wo er sich mit Landschaften und Stierkampfbildern (erstmals) beschäftigte. Noch vor seiner glänzend bestandenen Aufnahmeprüfung an der Akademie San Fernando in Madrid im Oktober 1897 entstand das Gemälde „Wissenschaft und Barmherzigkeit“ (Museu Picasso, Barcelona).

Ausbildung

Im Oktober 1897 begann Picasso ein Malereistudium an der Akademie San Fernando. Das Wunderkind besuchte die traditionswürdige Institution sporadisch bis 1899.

Bereits im Mai/Juni 1898 kehrte Picasso nach Barcelona zurück. Den Sommer verbrachte er in Horta de Ebro, wo sein Freund Pallarès wohnte; zudem hielt sich Picasso mehrere Monate im Santa-Barbara-Gebirge auf. Erst im Februar 1899 kehrte der jugendliche Maler nach Barcelona zurück. Dort wurde er Mitglied der Gruppe „El Quatre Gats [Die vier Katzen]“, wo er Jaime Sabartès und Carles Casagemas kennenlernte. Im Februar 1900 stellte Picasso mit „El Quatre Gats“ aus.

Erste Aufenthalte in Paris

Pablo Picasso und Henri de Toulouse-Lautrec

Gemeinsam mit Casagemas reiste Picasso im Oktober 1900 erstmals nach Paris. Dort bezog er das frühere Atelier von Nonell am Montmartre. Er lernte den Kunsthändler Pedro Manach und Berthe Weill kennen und verkaufte drei Stierkampf-Aquarelle. Am 20. Dezember 1900 kehrten Picasso und Casagemas wieder nach Barcelona zurück.

Weihnachten verbrachte Picasso in Malága, Mitte Januar 1901 fuhr er nach Madrid. Dort hörte er vom Selbstmord Casagemas in Paris (17.2.). Bevor Picasso selbst wieder nach Paris reiste, verbrachte er noch den April in Barcelona. Im Mai ging Picasso wieder nach Frankreich und wohnte am Boulevard de Clichy, in jenem Haus, wo Casagemas sein Atelier hatte. 1901 hatte Picasso seiner erste große Ausstellung gemeinsam mit Iturrino in der Pariser Galerie Vollard (25.6.-14.7.). Im Rahmen des Aufenthalts lernte Picasso den Dichter Max Jacob. In diesem Winter stellte sich Picasso im „Selbstbildnis“ (1901, Musée Picasso, Paris) dar. Erst Ende Januar 1902 kehrte er nach Barcelona zurück.

Picassos zweite Ausstellung in Paris - gemeinsam mit Bernard-Lemaire in der Galerie Berthe Weill (1.-15.4.1902) - wurde organisiert, während er sich in Barcelona aufhielt. Die Bedeutung von Paris für Picasso zeigt sich, dass sich der junge Maler bereits im Oktober 1902 wieder dort lebte. In dieser Phase entwickelte er die Blaue Periode.

Blaue und Rosa Periode

Der frühreife Künstler entwickelte nach dem tragischen Selbstmord seines Freundes Casagemas die sogenannte Blaue Periode, der 1906 die Rosa Periode folgte. Wählte Picasso in der Blauen Periode Bettler, Mütter mit Kindern (aus dem Gefängnis St. Lazare), Absinthtrinker als Motive seiner Bilder, so wandte er sich ab 1904/05 Mutterschaftsbildern, Gauklern, Harlekinen zu. Die charakteristische blaue bzw. rosa Färbung der Werke wird als Ausdruck von Melancholie und Hoffnung gedeutet. Die Gemälde „Das Leben“ und „Die Gauklerfamilie“ sind die Hauptwerke dieser ersten beiden Stilphasen im Werk von Pablo Picasso.

Blaue Periode

Pablo Picasso: Blaue Periode

Erstmals präsentierte Pablo Picasso Werke der Blauen Periode Ende 1902 in einer Gruppenausstellung bei Berthe Weill (15.11.-15.12.). Das Jahr 1903 verbrachte er in Barcelona. Im Frühjahr 1903 begann er mit der Arbeit an „Das Leben“ (Cleveland Museum of Fine Arts). Erst im Herbst 1904 kehrte Picasso nach Paris zurück und zog in Paco Durios frühes Atelier im Bateau-Lavoir. In diesem Jahr lernte der Spanier Guillaume Apollinaire, André Salmon und Fernand Olivier kennen.

Rosa Periode

Pablo Picasso: Rosa Periode

Bereits im Herbst 1904 änderte Picasso seinen Stil und entwickelte mithilfe von Mutterschaftsbildern die sog. Rosa Periode. In der Pariser Galerie Serruier stellte er im Frühjahr 1905 erste Bilder dieser neuen Phase aus (25.2.-6.3.). Im Frühjahr darauf entstand „Die Gaukler“ (National Gallery, Washington) und im Sommer während eines Aufenthalts im holländischen Schoorl „Die drei Holländerinnen“ (Musée national d'art moderne/Musée Picasso, Paris). Im Herbst 1905 lernte Picasso das Sammler-Geschwisterpaar Gertrude und Leo Stein kennen. Kurze Zeit später wandte er sich den Harlekin-Bildern zu und begann im Winter das „Porträt von Gertrude Stein“ (The Museum of Modern Art, New York), das erst im folgenden Jahr vollendet wurde.

Über Getrude Stein lernte Pablo Picasso 1906 Henri Matisse kennen. Anfang März konnte er die meisten Bilder der Rosa Periode an den Kunsthändler Vollard verkaufen. Mit seiner Freundin Fernande Olivier reiste Picasso Anfang Mai nach Barcelona und Mitte Mai in das nordkatalonischen Gósol. Dort verbrachte Pablo Picasso einige Wochen und wandte sich der Aktmalerei zu. Neben den Akten mit voluminösen Körpern schuf Picasso auch das Gemälde „Zwei Brüder“.

Erfindung des Kubismus

Das Schlüsselwerk der Moderne ist Picassos Gemälde „Les Demoiselles d’Avignon“ (1907), auf dem er erstmals Figuren aus verschiedenen Perspektiven gleichzeitig zeigte. Damit legte er einen Grundstein für den ab 1908 gemeinsam mit Georges Braque entwickelten Kubismus. Ausgehend von den Überlegungen Paul Cézannes und afrikanischer Plastik, zerlegten Picasso und Braque die Bildgegenstände in Facetten und quaderförmige Strukturen. Volumen und Rhythmus wurden wichtiger als die Farbigkeit, die zugunsten einer nahezu monochromer Farbgebung reduziert wurde. Dem analytischen Kubismus folgte ab 1912 der synthetische, für den die beiden Maler die Methode des Collagierens in ihren Gemälden einsetzten. Mit ihren Experimenten lösten Picasso und Braque eine Welle an Begeisterung aus – zumindest in einer kleinen Gruppe Pariser Avantgardisten. Zu den Kubisten (zweiten Ranges) zählen Juan Gris, Robert Delaunay und Fernand Léger, die auch als die „Salonkubisten“ bekannt wurden.

Zurück zur Klassik und Liaison mit dem Surrealismus

Ab 1917 löste sich Pablo Picasso vom Kubismus und wandte sich dem Klassizismus von Ingres zu. Auslöser waren die erste öffentliche Präsentation von „Les Demoiselles d’Avignon“ und seine Arbeit für das Ballett „Parade“ für die Truppe von Sergei Diaghilev. Picasso gestaltete Bühnenbild, Kostüme und Vorhang – und traf seine erste Ehefrau Olga (→ Picassos erste Frau: Olga Picasso). Nach der Hochzeit 1918 und dem Ende des Ersten Weltkriegs war Picasso – neben Henri Matisse – zum führenden Maler Frankreichs avanciert. Auch seine internationale Reputation war während der 1910er Jahre enorm gestiegen. Maurice Raynal publizierte 1921 die erste Monografie über Pablo Picasso in München. 1923 erschien in der Zeitschrift „The Arts“ das erste bedeutende Interview von Picasso. Christian Zervos, der Gründer von „Cahiers d’art“ wurde ab 1932 der Herausgeber des Werkkatalogs.

1922 lernte Picasso die dadaistischen und surrealistischen Dichter André Breton, Louis Aragon und Tristan Tzara kennen, wobei Breton nicht nur „Les Demoiselles d’Avignon“ an einen Gönner verkaufte, sondern Picasso auch für die Bewegung des Surrealismus anzuheuern versuchte. Der ältere Maler hatte bereits 1921 Besuch seines jüngeren Landsmannes Joan Miró erhalten. Pablo Picasso setzte sich in seiner Kunst mit dem Surrealismus auseinander und stellte mit der Gruppe aus, ohne sich je zur Gruppierung zugehörig zu fühlen.

„Einige Anhänger der surrealistischen Schule haben in meinem Skizzenbuch einige Federzeichnungen überrascht, wo nur Punkte und Linien waren. Der Punkt ist, ich bewundere Astronomiekarten sehr. Sie erscheinen mir schön, abgesehen von ihrer ideologischen Bedeutung.“1 (Pablo Picasso, 1926)

In der zweiten Hälfte der 1920er Jahre beschäftigte sich Picasso auch erneut mit Skulptur:

„Es gibt nur einen Turm einer Kathedrale, der uns einen Punkt am Himmel signalisieren kann, an dem unsere Seele in Schwebe bleibt. [...] Wie in der Angst der Nacht uns die Sterne die Hoffnungspunkte am Himmel anzeigen, so zeigt uns auch dieser bewegungslose Pfeil eine unendliche Zahl. Diese Punkte im Unendlichen waren die Vorläufer dieser neuen Kunst: „im Raum zeichnen.“2 (Julio González, 1931/32)

Das Liebesleben von Picasso war lebenslang von seiner überbordenden Männlichkeit geprägt, wobei sich der Maler durchaus darin gefiel, wenn sich zwei Frauen um ihn im wahrsten Sinn des Wortes prügelten. 1927 traf er die damals 15-jährige Marie-Thérèse Walter (1909–1977), die zuerst sein Modell und dann seine Geliebte wurde. Als sie 1935 ihre gemeinsame Tochter María de la Concepción, genannt Maya, zur Welt brachte, ließ sich die Affäre nicht mehr verheimlichen, und Olga verließ mit Paulo Picasso. Zwischen 1936 und 1943 hatte er eine Beziehung mit Dora Maar, dann folgten Françoise Gilot (1943–1953) und Jacqueline Roque, die Picasso nach Olgas Tod am 2. März 1961 heiratete.

Erste Retrospektiven und Guernica

Die nationale wie internationale Bekanntheit des Malers aus Spanien war Anfang der 1930er Jahre so gestiegen, dass er 1932 zwei selbst kuratierte Einzelausstellungen ausgerichtet bekam: Der ersten Retrospektive in der Galerie Georges Petit in Paris (16.6.–30.7.) folgte eine zweite im Kunsthaus Zürich (11.9.–13.11. → Picasso. Die erste Museumsausstellung 1932). Diese Erfolge wurden vom Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs 1936 überschattet. Zum Direktor des Prado ernannt, beauftragte ihn die republikanische Regierung mit dem Gemälde „Guernica“ für den spanischen Weltausstellungspavillon 1937 (→ Picasso: Guernica). Während des Zweiten Weltkriegs hielt sich Picasso in Südfrankreich auf und trat am 5. Oktober 1944 der Kommunistischen Partei Frankreichs bei.

Picasso im Zweiten Weltkrieg

Die Phase 1939 bis 1945 im Werk von Picasso ist weniger bekannt und populär als andere Phasen in dessen Karriere (→ Düsseldorf | K20: Picasso 1939–1945). Auffallend an den Gemälden und Plastiken ist, dass sie keine Opfer, Waffen oder Kämpfe zeigen. Stattdessen beschäftigte sich der Künstler tagtäglich mit Stillleben, Porträts, Landschaftsbildern und Akten. Die dunklen Vanitas-Motive der Stillleben erzählen auf ihre Weise von Tod und Tragödien. Das lässt an eine Beobachtung von Christian Zervos denken. Picassos Biograf stich die „beispiellose Fähigkeit, sich für die Dinge in seiner Umgebung zu begeistern“ hervor. Er zählte zwischen 1937 und 1945 über 2.200 Gemälde, was die energiegeladene Produktivität des Spaniers eindrucksvoll unter Beweis stellt. Und dennoch: Schlichtheit und Banalität der gewählten Themen prallt auf eine formale Gewalt und Zerstörung der Integrität so mancher Form. In der jüngeren Forschung wurden drei Werke benannt, die unmittelbar den Krieg thematisieren: das Theaterstück „Wie man Wünsche beim Schwanz packt“ (1941), die Skulptur „Mann mit Schaf“ (1943) und das Gemälde „Das Leichenhaus“ (1945).

Die Kriegsjahre 1939 bis 1945 bedeuteten im Werk Picassos einen Wendepunkt. Picasso hatte sich – im Unterschied zu vielen anderen Künstlern – bewusst entschieden, in Paris zu bleiben. Die Allgegenwart von Tod, Leiden und Angst sublimierte der Maler in einem rauen, schonungslosen und bisweilen wenig gefälligen Stil. Auffallend sind die ungestümen Verzerrungen, die Picasso den Bildgegenständen und Menschen in seinen Bildern auferlegte. Zum Symbol der Hoffnung wird für ihn der „Mann mit Schaf“, eine antiheroische Figur als Beschützer der Schwachen und damit ein Gegenbild zu Brekers Skulpturen, die Picasso im Juli 1942 in der Orangerie des Tuileriengartens gesehen hatte. Als Reaktion darauf schuf er „Mann mit Schaf“, und stellte sich damit in Nachfolge von Auguste Rodins „Johannes der Täufer“.

Obschon während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Paris Picassos Werke als „entartet“ diffamiert wurden – genauer: ab dem 22. November 1940 – und aus diesem Grund nicht mehr ausgestellt werden durften, arbeitete der Maler wie besessen an Ölgemälden und Plastiken weiter. Unmittelbar vor Kriegsbeginn am 3. September 1939 war Picasso von Paris aus nach Südwestfrankreich geflohen, kehrte aber im August 1940 in die von den Deutschen besetzte Hauptstadt zurück. Bis zur Befreiung von Paris im August 1944 lebte er dort zurückgezogen in seinem Atelier.

„Ich habe nicht den Krieg gemalt, weil ich nicht zu der Sorte von Malern gehöre, die wie ein Fotograf etwas darzustellen suchen. Aber ich bin sicher, dass der Krieg Eingang genommen hat in die Bilder, die ich geschaffen habe.“3 (Pablo Picasso in einem Interview mit Peter Whitney, August 1944)

Von der „Fliegenden Taube“ zur Friedenstaube

Nach dem Zweiten Weltkrieg zählte Pablo Picasso zu den berühmtesten lebenden Künstlern seiner Zeit. Er nahm mehrfach an Weltfriedenskongressen teil (1948, 1950). Für den Weltfriedenskongress in Sheffield 1950 entwarf er die Lithografie „Fliegende Taube“, die als Friedenstaube zum Symbol des Friedens schlechthin wurde (→ Picasso: die Erfindung der Friedenstaube).

Späte Werke

Ab 1953 wurde der Jahrhundertmaler in unzähligen Retrospektiven geehrt. Daraufhin beschäftigte er sich in seinem Spätwerk mit berühmten Bildern aus der Kunstgeschichte wie „Die Frauen von Algier“ von Eugène Delacroix, „Las Meninas” von Diego Velázquez, „Der Raub der Sabinerinnen“ nach Poussin und Jacques-Louis David oder „Frühstück im Freien“ nach Edouard Manet (→ Picasso. Malen gegen die Zeit). Der Abstraktion öffnete sich der Malerstar jedoch zeitlebens nie, obwohl er bei einigen bahnbrechenden künstlerischen Entwicklungen des 20. Jahrhunderts impulsgebend war:

„Es gibt keine abstrakte Kunst. Man muss immer mit etwas anfangen. Nachher kann man alle Spuren der Wirklichkeit entfernen. Dann besteht ohnehin keine Gefahr mehr, weil die Idee des Dinges inzwischen ein unauslöschliches Zeichen hinterlassen hat." (Pablo Picasso über seine Ablehnung der Abstraktion)

Pablo Picasso und Jacqueline Roque lernten einander 1952 kennen, als Jacqueline Gehilfin der Keramikerin Suzanne Ramié (1905–1974) war. Im gleichen Sommer kühlte die Beziehung Picassos zu Françoise ab und er kehrte Ende Oktober 1952 allein nach Paris zurück. Mehrere Monate hinweg wechselte er seine Aufenthaltsorte zwischen Vallauris und Paris. Im August 1953 führt Picasso auf Einladung des Ehepaares Lazerme mit Maya und Paul nach Perpignan am Fuß der östlichen Pyrenäen, wo er die inzwischen geschiedene Jacqueline wiedertraf. Nach der Rückkehr trennte sich Françoise von ihm und kehrte mit den Kindern nach Paris zurück. Erst im folgenden Jahr stand Jacqueline erstmals Modell für Pablo Picasso (Juni und Oktober 1954). In einer Reihe von Porträts kombinierte er Elemente des Kubismus und des synthetischen Stils, der für ihn charakteristisch war. Die Bildnisse sind als formale Kontraste aufgefasst: großflächige Gestaltung (v.a. im Hintergrund) steht neben zeichnerisch durchgearbeiteten Partien, kubistische Formzertrümmerung im Gesicht und antikisches Volumen, dekorative Muster treffen auf spärlich bemalte Leinwand. Die Bilder sind allesamt präzise auf den Tag genau datiert, was die hohe Produktivität des inzwischen über 70-jährigen Malers offenlegt – aber auch dessen fast zwanghaftes Arbeiten im Atelier. Im September trennte er sich endgültig von Françoise und zog mit Jacqueline und deren Tochter Catherine in Paris zusammen.

Jacqueline wurde das Modell für Picassos Abwandlungen der „Frauen von Algier“ (1954) nach Eugène Delacroix (15 Gemälde und zwei Lithografien), die vom Tod Henri Matisses inspiriert waren. Nach dem Tod seiner Ehefrau Olga (11. Februar) erwarb der nunmehr weltberühmte Künstler die Villa „La Californie“ mit einem weitläufigen Garten mit tropischen Bäumen über Cannes. Hier drehte der Dokumentarfilmer Henri-Georges Clouzot im Atelier den Film „Le mystère Picasso“, der den zeichnenden Picasso bei der Arbeit beobachtet. Eines der wichtigsten Bilder des folgenden Jahres ist „Jacqueline im Atelier“ (2.–8. April, Sammlung Rosengart, Luzern), gefolgt von der 58-teiligen Serie zu „Las Meninas“ (17.8.–30.12.) nach Diego Velázquez, Bildnisse von Jacqueline als „Lola aus Valence“ von Edouard Manet.

Im September 1958 tausche Picasso die „Villa Californie“ gegen das Schloss Vauvenargues aus, da immer mehr Zaungäste den „Mythos Picasso“ sehen wollten. Schloss Vauvenargues liegt am Fuß der Mont Sainte-Victoire in der Nähe von Aix-en-Provence. Der letzte Lebens- und Arbeitsort Picassos sollte ab Juni 1961 die Villa Notre-Dame-de-Vie in der Nähe des Dorfes Mougins in den Bergen oberhalb von Cannes werden. Kurz zuvor, am 2. März 1961 hatten er und Jacqueline geheiratet. Im folgenden Jahr entstand am 6. Januar „Sitzende Frau mit gelbgrünem Hut“ (6.1.1962, Sammlung Catherine Hutin-Blay), dem allein in diesem Jahr über 70 Porträts in den Medien Malerei, Zeichnung, Keramik und Grafik folgten. In den folgenden elf Jahren, die Picasso bis zu seinem Tod am 8. April 1973 noch blieben, kreiste sein Werk um die Alten Meister – wie Rembrandt van Rijn – und Jacqueline. Am Abend vor seinem Tod überarbeitete er noch den stark abstrahierten „Liegenden weiblichen Akt und Kopf“ (Privatbesitz). Die überbordende Sexualität und Virilität von Picassos Spätwerk, wird hier in einer geometrisch-stilisierenden Darstellung gebändigt.

Tod

Pablo Picasso starb am 8. April 1973 in Mougins im Alter von 91 Jahren an einem Herzinfarkt. Er wurde im Garten seines Schlosses Vauvenargues bei Aix-en-Provence beigesetzt.

„Jedes Mal, wenn ich ein Bild beginne, habe ich das Gefühl, mich ins Leere zu stürzen. Ich weiß nie, ob ich wieder auf die Beine komme. Erst später beginne ich, die Wirkung meiner Arbeit genauer einzuschätzen.“4 (Pablo Picasso, 1932)

Picasso hinterließ kein Testament, weshalb unter den Erben ein erbitterter Rechtsstreit losbrach. Der französische Staat zog die Erbschaftssteuer in Form von Gemälden ein und begründete damit das Picasso-Museum in Paris (1985 eröffnet). Picassos viele Beziehungen und unehelichen Kinder wie der Fotograf Claude Picasso und die Designerin Paloma Picasso aus der Beziehung mit Francoise Gilot sowie die Enkel seines ehelichen Sohn Paulo Picasso sind erbberechtigt.
1976 wurde der Nachlass des Künstlers auf 3,75 Milliarden Franc (ca. 696 Millionen Euro) geschätzt. Dazu gehörten Häuser, Grundbesitz, Ateliers, diverse Immobilien und Picassos eigene private Kunstsammlung mit wertvollen Bildern von befreundeten oder von ihm sehr bewunderten Künstlern, wie Matisse, Miró, Modigliani, Cézanne und van Gogh. Der eigene künstlerische Nachlass des berühmten spanischen Malers wird auf einen Wert von 1,275 Milliarden Franc geschätzt. Er umfasst: 1885 Gemälde, 7.089 Zeichnungen, 19.134 Grafiken, 3.222 Keramik-Arbeiten, 1.228 Skulpturen und Objekte, sowie 175 Skizzenbücher mit rund 7.000 Zeichnungen, die Picasso häufig als Skizzen zu großen Arbeiten angefertigt hat.

Der Erben war kein glückliches Leben beschieden. Pablito, Picassos Enkel, versuchte sich unmittelbar nach dem Tod des Großvaters zu vergiften. Er starb mehrere Monate später. Picassos Sohn, Paulo (1921-1975), erlag 1975 seiner Drogen- und Alkoholsucht. Marie-Thérèse Walter, die langjährige Geliebte des Malers, erhängt sich 1977; und Picassos zweite Ehefrau, Jacqueline Roque, erschoss sich 1986.

Pablo Picassos Frauen: Ehefrauen und Freundinnen

  • Fernande Olivier (1881–1966): Pablo Picasso und die geschiedene Pariserin Fernande Olivier lernten einander im Herbst 1904 kennen. Bis 1911 führten sie eine Beziehung und lebten miteinander.
  • Eva Gouel (geb. Marcelle Humbert, 1885–1915): 1911–1915
  • Olga Chochlowa (1891–1955): 1. ⚭ 1918, russische Tänzerin und Mutter von Paulo Picasso; 1937 trennte sich Pablo Picasso von ihr und lebte mit Marie-Thérèse Walter und ihrer gemeinsamen Tochter zusammen. Dennoch ließ er sich nie von Olga scheiden. → Picassos erste Frau: Olga Picasso
  • Marie-Thérèse Walter (1909–1977): 1926–1936; erste Begegnung am 8. Januar 1927 vor den Galeries Lafayette, Modell und Mutter von María de la Concepción, genannt Maya Picasso (* 5. Oktober 1935)
  • Dora Maar (1907–1997): 1936–1943, Fotografin und Malerin, Surrealistin und Kommunistin. Dora Maar dukomentierte die Arbeit an „Guernica“.
  • Françoise Gilot (* 1921): 1943–1953, französische Malerin und Grafikerin. Gilot lebte ab 1948 mit Picasso in Vallauris in Südfrankreich. Sie ist die Mutter von Paloma und Claude Picasso.
  • Jacqueline Roque (1927–1986): 2. ⚭ 2. März 1961, Als Jacqueline Picasso kennenlernte, war sie 46 Jahre jünger als der Malerstar und Keramikverkäuferin bei Madoura in Vallauris, in dessen Atelier Picasso seit 1946 keramische Arbeiten schuf.

Kinder

  • Paulo Picasso (1921–1975)
  • María de la Concepción, genannt Maya Picasso (* 5.10.1935)
  • Claude Picasso (* 15.5.1947)
  • Paloma Picasso (* 19.4.1949)

Beiträge zu Pablo Picasso

24. September 2021
Pablo Picasso, Massaker in Korea, 1951 (Musée Picasso Paris)

Köln | Museum Ludwig: Der geteilte Picasso Der Künstler und sein Bild in der BRD und der DDR

Die Welt war in zwei Lager geteilt, und Picasso eignete sich als Galions- und Projektionsfigur für beide Systeme und in beiden deutschen Staaten. Das Museum Ludwig analysiert die politische Dimension seiner Werke und stellt die Frage nach der sozialen Rolle von Kunst.
21. September 2021
Valentin Serow, Iwan Abramowitsch Morosow, Moskau 1910

Paris | Fondation Louis Vuitton: Morosow Sammlung Ikonen der modernen Kunst erstmals in Paris

2021 überlässt die Fondation Louis Vuitton für fünf Monate die gesamte Galerie den Meisterwerken aus der Sammlung der Brüder Michail Abramowitsch Morosow (1870–1903) und Ivan Abramowitsch Morosow (1871–1921).
16. September 2021
Amedeo Modigliani, Junge Frau in Hemd, Detail, 1918 (Albertina, Wien, Sammlung Batliner)

Wien | Albertina: Modigliani – Picasso „Revolution des Primitivismus” in Paris

Amedeo Modigliani (1884–1920) ist als Maler, Zeichner und Bildhauer einer der wichtigsten Künstler des frühen 20. Jahrhunderts. Anlässlich der 100. Wiederkehr seines Todestags widmet die Albertina dem Mitstreiter der Klassischen Moderne im Herbst 2020 eine Ausstellung.
19. August 2021
Calder - Picasso

Atlanta | High Museum of Art: CALDER – PICASSO Dialog über Fläche, Raum, Leere und gemeinsame Motive

Die interessante Schau trifft Aussagen über gemeinsame Interessen, Fragestellungen, Motive und vor allem philosophische Diskurse. „Calder – Picasso“ gelingt ein überraschender Dialog zweier Titanen des 20. Jahrhunderts, der tief in die Kunst der Jahrhundertmitte einführt!
9. August 2021
Jean-Auguste-Dominique Ingres, Madame Moitessier, 1856, Öl auf Leinwand, 120 x 92.1 cm (© The National Gallery, London) und Pablo Picasso, Frau mit Buch, 1932, Öl auf Leinwand, 130.5 x 97.8 cm (The Norton Simon Foundation, Inv.-Nr. F.1969.38.10.P © 2020 Estate of Pablo Picasso)

London | National Gallery: Picasso – Ingres Picassos „Frau mit Buch” trifft Ingres` „Madame Moitessier“

Zum ersten Mal wird Pablo Picassos „Frau mit einem Buch“ (1932) aus dem Norton Simon Museum in Pasadena, Kalifornien, mit Jean-Auguste-Dominique Ingres‘ „Madame Moitessier“ (1856) gemeinsam ausgestellt.
21. Mai 2021
Pablo Picasso, Die Frauen von Algier (Version L), Detail, 1955, Öl auf Leinwand (© Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie / Jens Ziehe, © VG Bild-Kunst, Bonn 2019)

Berlin | Museum Berggruen: Pablo Picasso. Les Femmes d’Alger Picassos „Die Frauen von Algier” in Berlin rekonstruiert

Das Museum Berggruen ist das einzige öffentliche Museum in Europa, in dem ein Gemälde der Serie „Les Femmes d’Alger [Die Frauen von Algier]“ (Winter 1954/55) zu sehen ist. Rund um das Bild „Die Frauen von Algier (Verision L)“ (1955) werden Gemälde und Arbeiten auf Papier Picassos Umgang mit Delacroix' Komposition und die Nachfolge aufzeigen.
12. März 2021
Pablo Picasso, Bacchanal mit Stier, 1959 (Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen, © Succession Picasso / VG Bild-Kunst, Bonn 2019)

Bremen | Kunsthalle Bremen: Picasso Picassos Bremer Galerist und die Druckgrafik-Sammlung der Kunsthalle Bremen

Die Kunsthalle Bremen erwarb als eines der ersten deutschen Museen nach 1945 Werke des Künstlers. Die Ankäufe kamen durch den Bremer Galeristen Michael Hertz zustande, der Picassos Grafik exklusiv in Deutschland vertrat. Heute besitzt Bremen eine der bedeutendsten Sammlungen druckgrafischer Arbeiten Pablo Picassos.
30. Dezember 2020
Auguste Rodin, Der Kuss, Detail, 1886 (Musée Rodin, Paris)

Paris | Musée Rodin: Picasso Rodin

Die Gegenüberstellung der beiden berühmten Künstler Auguste Rodin (1840–1917) und Pablo Picasso (1881–1973) inszeniert bereits bekannte Berührungspunkte, stellt aber auch neue Beobachtungen vor.
17. Dezember 2020
Picasso, Kuss, Detail, 1969 (Musée Picasso, Paris)

Paris | Musée Picasso: Picasso Rodin

„Picasso-Rodin“ wird überraschende Übereinstimmungen in den kreativen Prozessen beider Künstler aufzeigen. Die vom Picasso-Museum Paris und dem Musée Rodin organisierte Ausstellung zu Pablo Picasso und Auguste Rodin bietet eine einzigartige Begegnung zweier außergewöhnlicher Künstler, deren formale Erfindungen einen Wendepunkt in der modernen Kunst markieren.
29. Februar 2020
Pablo Picasso, Stillleben mit Stierschädel, Detail, 1942 (Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf, © Succession Picasso / VG Bild-Kunst, Bonn, 2019, Foto: Walter Klein, Düsseldorf)

Düsseldorf | K20: Picasso 1939–1945 Werke und Leben Pablo Picassos während des Zweiten Weltkriegs

Die Ausstellung „Picasso 1939–1945“ im K20 erzählt mit Gemälden, Skulpturen, Zeichnungen und Zeitdokumenten aus den Jahren 1939 bis 1945 von dem Menschen Pablo Picasso während des Zweiten Weltkriegs und den Widersprüchen des Alltags in diesen Zeiten.
26. Januar 2020
Pablo Picasso, Kopf einer Frau, 4. Dezember 1962, Bleistift auf geschnittenem und gefaltetem Papier, 42 x 26.5 cm (Musée national Picasso-Paris, Pablo Picasso gift in lieu, 1979, MP1850. Photo © RMN-Grand Palais (Musée national Picasso-Paris) / Béatrice Hatala. © Estate of Pablo Picasso / Artists Rights Society (ARS), New York)

London | Royal Academy of Arts: Picasso und Papier

Pablo Picassos lebenslange Beschäftigung mit Papier ist Gegenstand der wegweisenden Ausstellung „Picasso und Papier“. Mit fast 300 Werken aus der gesamten Karriere des Künstlers bietet „Picasso und Papier“ neue Einblicke in den kreativen Geist und die Arbeitsweise von Picasso (Frühjahr 2020).
22. Juli 2019
Pablo Picasso, Kopf einer Frau, 4. Dezember 1962, Bleistift auf geschnittenem und gefaltetem Papier, 42 x 26.5 cm (Musée national Picasso-Paris, Pablo Picasso gift in lieu, 1979, MP1850. Photo © RMN-Grand Palais (Musée national Picasso-Paris) / Béatrice Hatala. © Estate of Pablo Picasso / Artists Rights Society (ARS), New York)

Cleveland Museum of Art: Picasso auf Papier Skizzen, Drucke, Collagen, Papierskulpturen zeigen den unermesslichen Erfindungsreichtum Picassos

Pablo Picassos langjährige Beschäftigung mit Papier ist Gegenstand der wegweisenden Ausstellung Picasso and Paper. Mit fast 300 Werken aus der gesamten Karriere des Künstlers bietet „Picasso auf Papier“ neue Einblicke in den kreativen Geist und die Arbeitsweise von Picasso.
16. Juli 2019
Anthony Caro, Table Piece CCXXIX, 1975, Stahl mit Rostanflug, lackiert, 61 x 167,6 x 50,8 cm (Sammlung Hubert Looser, © 2019 Courtesy of Barford Sculptures)

Kunsthaus Zürich: Picasso – Gorky – Warhol aus der Sammlung Hubert Looser Skulpturen und grafische Werke zwischen Fläche und Raum

Eine im Jahr 2018 erneuerte Kooperation garantiert auf 20 Jahre die Präsenz von 70 Gemälden, Skulpturen, Installationen und Zeichnungen in der Ende 2020 fertiggestellten Kunsthaus-Erweiterung. Im herbst 2019 zeigen Skulpturen und Arbeiten auf Papier das komplexe Verhältnis von Fläche und Raum in der modernen Kunst.
3. April 2019
Pablo Picasso, Minotaure aveugle guidé par une Filette dans la Nuit [Der blinde Minotaurus von einem Mädchen durch die Nacht geführt], Detail, 1934, Abzug 1939, Radierung und Aquatinta auf Vergépapier, 24,7 x 34,7 cm (Städel Museum, Frankfurt am Main, Graphische Sammlung © VG Bild-Kunst, Bonn 2018)

Städel: Picasso. Druckgrafik als Experiment Innovation und Virtuosität in allen druckgrafischen Techniken

Pablo Picasso bediente sich scheinbar mühelos aller Gattungen, Techniken und Materialien und beschritt dabei häufig neue Wege - auch in der Druckgrafik.
6. März 2019
Pablo Picasso, Madame Z (Jacqueline mit Blumen), Detail, 2. Juni 1954, Öl/Lw, 100 x 81 cm (Sammlung Catherine Hutin, © Succession Picasso/VG Bild-Kunst, Bonn 2018)

Museum Barberini: Picasso. Das späte Werk. Aus der Sammlung Jacqueline Picasso Zweite Ehefrau als Lieblingsmodell und viele unbekannte Spätwerke

Pablo Picasso (1881–1973) schuf in den letzten zwei Jahrzehnten seines Lebens mehr Bildnisse von seiner zweiten Ehefrau Jacqueline als je zuvor von einem anderen Modell. Das Museum Barberini zeigt Schätze aus dem Privatbesitz seiner Stieftochter Catherine Hutin.
1. Februar 2019
Pablo Picasso, Akrobat und junger Harlekin [Acrobate et jeune arlequin], Detail, 1905, Gouache auf Karton, 105 x 76 cm (Privatsammlung © Succession Picasso / ProLitteris, Zürich 2018)

Der frühe PICASSO – Blaue und Rosa Periode Kreisen um die menschliche Figur

Anhand von Menschenbildern zeichnet die Fondation Beyeler in dieser chronologischen Schau die Entwicklung von Picassos Blauer und Rosa Periode nach!
27. November 2018
Marc Chagall, Le violoniste [Der Geigenspieler], Detail, 1912/13 (© Marc Chagall, c/o Pictoright Amsterdam/Chagall, Collection Stedelijk Museum Amsterdam, on loan from the Cultural Heritage Agency of the Netherlands)

Stedelijk Museum: Chagall, Picasso, Mondrian in Paris Kunst der Migranten in Paris (1900–1950)

Zwischen 1900 und 1950 lebten unzählige Künstlerinnen und Künstler mit Migrationshintergrund in Paris – darunter Marc Chagall, Pablo Picasso und Piet Mondrian. Das kulturelle Klima im kosmopolitischen Paris der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts versprach – mit Ausnahme der Kriegszeiten – Freiheit, Offenheit im Kampf gegen Nationalismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus. Das Stedelijk Museum Amsterdam erzählt eine Geschichte des Andersseins, der Verbundenheit aber auch der Suche nach einem Weg durch eine polarisierte Gesellschaft und Kunstwelt.
24. Mai 2018
Pablo Picasso, Fliegende Taube im Regenbogen, 1952, Lithografie (© Succession Picasso, Paris / VG Bild-Kunst, Bonn 2018)

Picasso – Von den Schrecken des Krieges zur Friedenstaube Variationen des Friedenssymbols und seine Rezeption

Pablo Picasso setzte sich in seiner Kunst intensiv mit Krieg und Frieden auseinander. Für den ersten Weltfriedenskongress 1949 entwarf er eine Taube, die sich in der Folgezeit zu einem wirkungsmächtigen Friedenssymbol entwickelte. Die Ausstellung im Picasso-Museum Münster präsentiert verschiedene Variationen der Taube und thematisiert darüber hinaus die Rezeptionsgeschichte seiner Friedensbilder.
9. Mai 2018
Pablo Picasso, Mädchen mit Blumenkorb, Detail, 1905, 154,6 x 66,1 cm (Privatsammlung)

Rockefeller-Auktion: Picasso für 115 Mio. & 7 neue Rekorde Erster Tag der Rockefeller-Auktion brachte 646 Millionen Dollar

Bei $ 115,000.000.- fiel gestern Nacht der Hammer für Picassos „Fillette à la corbeille fleurie [Junges Mädchen mit Blumenkorb]“ (1905). Damit wurde das Gemälde aus der Rosa Periode zwar nicht zum teuersten Picasso, brachte aber – angesichts seines frühen Entstehungsjahres – brach aber die erwartete (oder erhoffte) Marke von 100 Millionen Dollar. Neue Weltrekord-Preise für weitere sieben Maler: Monet, Matisse, Corot, Delacroix, Seguin, Morandi und Redon.
30. Januar 2018
Pablo Picasso

Pablo Picasso: Lebenslauf | Biografie Leben und Werk des spanischen Malers in Kurzbiografie und Chronologie

Picassos Lebenslauf als Kurzbiografie und als ausführliche Chronologie: Die wichtigsten Informationen zu Ausbildung, Frauen, Kinder, wichtige Werke, Ausstellungen, Freunde, Häuser, Museen.
30. Januar 2018
Picassos Signatur

Pablo Picasso: Steckbrief alle wichtigen Daten in Kurzform

Pablo PIcassos Steckbrief gibt an: ganzer Name, Eltern, Geschwister, Ausbildung, Frauen, Kinder, Stilphasen, Lebensdaten - und gezielte Hinweise zu weiterführenden Beiträgen.
23. Januar 2018
Pablo Picasso, Akt auf rotem Grund, Detail, Paris 1906, Öl/Lw, 81 x 54 cm (Musée de l‘Orangerie)

Pablo Picasso: Rosa Periode Gaukler, Harlekine und rosa Akte

Ende 1904 belebte Pablo Picasso seine Farbskala wieder, dennoch blieb etwas von der melancholischen Stimmung in den Gemälden erhalten. Seine Modelle fand Picasso nun in der Welt der Gaukler, der Harlekine und Seiltänzer, französisch „Saltimbanques“.
23. Januar 2018
Pablo Picasso, Das Leben [La vie], Detail, Barcelona Mai 1903 (Cleveland Museum of Art)

Pablo Picasso: Blaue Periode Melancholie und düstere Stimmung

Mit der sogenannten Blauen Periode (1901–1905) gelang Pablo Picasso erstmals, einen eigenständigen Stil zu entwickeln und sich vom Akademismus wie auch den Einflüssen der Avantgarde aus Barcelona und Paris zu lösen.
12. Januar 2018
Cecil Beaton, Pablo Picasso, rue La Boétie, Paris, 1933 © The Cecil Beaton Studio Archive at Sothenby’s

Pablo Picasso 1932 – Liebe, Ruhm, Tragödie Marie-Thérèse Walter als träumendes Mädchen

Pablo Picasso nannte das Jahr 1932 das „Wunderjahr“: Das Musée Pablo Picasso und die Tate Modern analysieren alle 12 Monate – ein Monat nach dem anderen. Was erlebte Picasso zwischen dem 1. Januar und dem 31. Dezember 1932, und wie beeinflusste das seine künstlerische Produktion?
22. Oktober 2017
Pablo Picasso, Die Kunden, Paris 1901, Öl/Lw, 47,3 x 62,4 cm (Museum of Art, Rhode Island School of Design, Providence. Legat von George Pierce Metcalf) © Sucesiòn Pablo Picasso, VEGAP, Madrid, 2017.

Pablo Picasso und Henri de Toulouse-Lautrec Vorbildwirkung mit lebenslangen Folgen

Pablo Picasso (1881‒1973) und Henri de Toulouse-Lautrec (1864‒1901) sind einander nie begegnet. Als der 19-jährige Picasso zum ersten Mal Mitte Oktober 1900 in Paris ankam, war der Franzose bereits krank und starb wenig später am 9. September 1901 im Alter von nur 36 Jahren. Und dennoch hat Toulouse-Lautrecs radikales Werk einen immensen Eindruck auf den jungen Spanier hinterlassen. Die unkonventionellen Themen, die der heute so berühmte Grafiker und Maler aus Südfrankreich wählte, lassen dessen Verbundenheit mit der Welt der Künstler, Artisten und Unterwelt genauso erkennen, wie sie das Pariser Nachtleben feiern und die Schattenseiten der käuflichen Liebe enthüllen. Wie sehr diese Bilder den jungen Picasso prägten, wurde schon von dessen Freunden, Kritikern erkannt und gilt in der Forschung als Grundlage.
31. Mai 2017
Pablo Picasso, Mère et enfant au bord de la mer [Mutter und Kind am Strand], Frühling 1921, Öl auf Leinwand, 142,9 x 172,7 cm (The Art Institute of Chicago, Restricted gift of Maymar Corporation, Mrs. Maurice L. Rothschild, and Mr. and Mrs. Chauncey McCormick; Mary and Leigh Block Fund; Ada Turnbull Hertle Endowment; through prior gift of Mr. and Mrs. Edwin E. Hokin 1954.27 Photo (C) Art Institute of Chicago, Dist. RMN-Grand Palais / image The Art Institute of Chicago)

Picassos erste Frau: Olga Picasso Pablo Picassos Ehefrau (1917–1935), Tänzerin, Muse, Modell

Olga Picasso (1891–1955), der lesenden, melancholisch nachdenklichen Frau in den Bildern ihres Mannes Pablo ist erstmals im Pariser Musée Picasso eine Ausstellung gewidmet. Die russische Balletttänzerin und Mutter des gemeinsamen Sohnes Paul war ab 1917 Picassos wichtigstes Modell, an dem er seine realistische „Klassische Phase“, oder „Olga Periode“, seine surrealistischen Experimente erprobte. Olga und Pablo Picasso lebten von 1917 bis 1935 zusammen, dann trennte sich das Paar, bliebt aber bis zum Tod Olgas (1955) verheiratet.
18. Februar 2017
Pablo Picasso, Guernica, Detail, Paris, 1. Mai bis 4. Juni 1937, Öl auf Leinwand, 349,3 x 776,6 cm (Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofia © Sucesión Pablo Picasso, VEGAP, Madrid, 2017)

Picasso: Guernica Ausstellung zum 80. Geburtstag des Gemäldes im Museo Reina Sofia, Madrid

„Guenica“, Pablo Picassos 27 Quadratmeter großer Aufschrei gegen das Bombardement der gleichnamigen Stadt im Baskenland, wurde 1937 im Spanischen Pavillon auf der Weltausstellung in Paris erstmals dem Publikum gezeigt. Zum 80. Geburtstag des Gemäldes richtet das Museo Reina Sofia in Madrid, wo sich das Werk seit 1992 befindet, eine Werkmonografie aus. Unter dem Titel „Pity and Terror in Picasso: The Path to Guernica“ zeigen die Kuratoren Timothy James Clark und Anne M. Wagner etwa 150 Gemälde Picassos.
21. September 2016
Pablo Picasso, Frau mit gefalteten Händen, 1907, Musée national Picasso – Paris (links); Mutter mit Kind, 1907, Musée national Picasso – Paris (rechts), Ausstellungsansicht „Fremde Götter. Faszination Afrika und Ozeanien“ im Leopold Museum 2016/17, Foto: Alexandra Matzner © Bildrecht.

Picasso war ein Afrikaner! Afrikanische Kunst und Primitivismus in der Moderne

Was bedeutet(e) die Entdeckung der afrikanischen Kunst und etwas später der ozeanischen Kunst für die Entwicklung der Moderne in Europa? Die brüske Antwort Picassos lautete 1923: „Afrikanische Kunst? Die kenne ich nicht!“ Dass diese harsche Abwehr mitnichten des Pudels Kern beschreibt, ist in den letzten Jahren auch durch Ausstellungsprojekte vielfach herausgearbeitet worden. Der hohe Grad an Stilisierung und Abstraktion, der allerdings nicht als Zeichen für fehlenden Realismus in der afrikanischen Kunst gedeutet werden darf, irritierte und begeisterte das europäische Publikum. Dass die Radikalität der künstlerischen Produktion im frühen 20. Jahrhundert, ihre Brüche mit den Traditionen und ihre Formfindungen nicht ohne die Auseinandersetzung mit der als „primitiv“, d. h. nicht von der europäischen Zivilisation verbildeten, gesammelten und wertgeschätzten Kunst entstehen hätte können, muss nach diesem Museumsbesuch zweifelsfrei anerkannt werden.
5. August 2016
„La femme au miroir“ in Jena, Cover des Ausstellungskatalogs

Französische Druckgrafik von Manet bis Picasso

Eine interessante Auswahl französischer Druckgrafik aus der Coninx-Stiftung Zürich – von Werken der Impressionisten bis Pablo Picasso – ist derzeit in der Kunstsammlung Jena zu sehen. Gezeigt werden 77 Druckgrafiken von den Impressionisten, Nabis und der Schule von Paris sowie 46 Werke von Pablo Picasso.
4. Februar 2013
Poster Picasso/Duchamp - He was wrong, Detail, 2012 © Moderna Museet.

Picasso/Duchamp

Picasso und Duchamp steigen erstmals in den Ring! Zumindest inszeniert das Stockholmer Moderna Museet derzeit Picasso als den „Maler“ gegen Duchamp als das „Gehirn“. Kuratorin Annika Gunnarsson spielt mit dem Gedanken, zwei der wichtigsten Künstler des 20. Jahrhunderts wie Boxer gegeneinander antreten zu lassen.
12. Januar 2011
Pablo Picasso, Taube mit Olivenzweig, 28. Dezember 1961, Courtesy Saint-Denis, Musée d'art et d'histoire und Irène Andréani © Succession Picasso/VBK, Wien 2010.

Picasso: die Erfindung der Friedenstaube

Der Spanier in Paris, der unbeugsame und unkorrumpierbare Künstler, der von den Nationalsozialisten als „entartet“ eingestuft worden war, erreichte nach 1944 weltweit Kultstatus, was nicht nur mit seiner künstlerischen Arbeit zu tun hatte, sondern auch seinem (wenig bekannten) politischen Engagement. Im Oktober 1944 trat Pablo Picasso (1881-1973) der kommunistischen Partei Frankreichs (der PCF) bei und blieb deren Mitglied bis zu seinem Tod.
17. Oktober 2010
Zürcher Kunstgesellschaft Kunsthaus Zürich (Hg.): Picasso. Die erste Museumsausstellung 1932, 2012, Prestel Verlag

Picasso. Die erste Museumsausstellung 1932 Wendepunkt zum modernen Ausstellungsbetrieb

Die erste Museumsausstellung von Pablo Picasso 1932 im Kunsthaus Zürich ist nicht nur als Wegmarke in der Rezeption des Künstlers, sondern auch als Wendepunkt zum modernen Ausstellungsbetrieb zu sehen. Eindrucksvoll und selbstkritisch präsentieren Tobia Bezzola, Christian Geelhaar, Simonetta Fraquelli und Michael FitzGerald die Entstehungsgeschichte jener Ausstellung, die die Beziehung zwischen zeitgenössischer Kunstproduktion, Kunsthändlern, Sammlern und Museum völlig veränderte.
15. September 2006
Pablo Picasso, Die Umarmung, 1. Juni 1972, Öl auf Leinwand, 130 x 195 cm © Succession Picasso/VBK, Wien, 2006, Larry Gagosian, Foto: Robert McKeever.

Picasso. Malen gegen die Zeit Das Alterswerk des Malers

Mann und Frau werden eins – oder doch nicht? Phallus und Vagina stehen einander in der Mitte des Bildes diametral gegenüber. Kaum ist erkennbar, zu welchem Körper welches Bein gehört, wie die deutlich ausgezeichneten Brüste links oder der Bauchnabel rechts mit der Anatomie der Figuren in Übereinstimmung zu bringen ist. Der linke, wohl weibliche Körper streckt einen Arm nach oben, während der rechte mit seinen Armen sein Gesicht verdeckt. Obwohl die Körper orgiastisch miteinander verschränkt sind, will doch kein rechtes Gefühl einer glücklichen Vereinigung aufkommen. „Die Umarmung“ ist das letzte Gemälde, das Picasso am 1. Juni 1971 fertig stellte.

Picasso

Pablo Picasso

Wer war Pablo Picasso?

Pablo Picasso (1881–1973) war ein spanischer Maler, Grafiker und Bildhauer. Er gilt als einer der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts, dessen Produktivität ein Gesamtwerk von mehr als 15.000 Gemälden hervorbrachte. Picasso kam als Sohn des Malers und Zeichenlehrers José Ruiz Blasco und dessen Ehefrau Maria Picasso y Lopez in Malága zur Welt. Ab 1901 nutzte er den aus Italien stammenden Namen seiner Mutter als Künstlernamen, da ihn die zwei „S“ faszinierten und er ihn für wohlklingender hielt. Der Ruhm Picassos ist mit der Erfindung des Kubismus – gemeinsam mit George Braques – verknüpft. Sein Gemälde „Les Demoiselles d‘Avignon“ (März–Juli 1907, MoMA) avancierte in den 1920er Jahren zur Ikone der Moderne.

Blaue und Rosa Periode

Der frühreife Künstler löste sich 1901 vom Akademismus und den Avantgarden in Barcelona und Paris (→ Pablo Picasso und Henri de Toulouse-Lautrec). Er entwickelte nach dem Selbstmord seines Freundes Casagemas die sogenannte Blaue Periode (→ Pablo Picasso: Blaue Periode), der 1906 die Rosa Periode (→ Pablo Picasso: Rosa Periode) folgte. Wählte Picasso in der Blauen Periode Bettler, Mütter mit Kindern (aus dem Gefängnis St. Lazare), Absinthtrinker als Motive seiner Bilder, so wandte er sich ab 1906 Gauklern, Harlekinen zu. Die charakteristische blaue bzw. rosa Färbung der Werke wird als Ausdruck von Melancholie und Hoffnung gedeutet. Im Sommer 1906 verbrachte Pablo Picasso mit Fernande Olivier einige Wochen im katalonischen Gosol, wo er sich der Aktmalerei zuwandte und zu voluminösen Körpern gelangte. Die Gemälde „Das Leben“ und „Die Gauklerfamilie“ sind die Hauptwerke dieser ersten beiden Stilphasen im Werk von Pablo Picasso.

Erfindung des Kubismus

Das Schlüsselwerk der Moderne ist Picassos Gemälde „Les Demoiselles d’Avignon“ (1907), auf dem er erstmals Figuren aus verschiedenen Perspektiven gleichzeitig zeigte. Damit legte er einen Grundstein für den ab 1908 gemeinsam mit Georges Braque entwickelten Kubismus. Ausgehend von den Überlegungen Paul Cézannes und afrikanischer Plastik, zerlegten Picasso und Braque die Bildgegenstände in Facetten und quaderförmige Strukturen. Volumen und Rhythmus wurden wichtiger als die Farbigkeit, die zugunsten einer nahezu monochromer Farbgebung reduziert wurde. Dem analytischen Kubismus folgte ab 1912 der synthetische, für den die beiden Maler die Methode des Collagierens in ihren Gemälden einsetzten. Mit ihren Experimenten lösten Picasso und Braque eine Welle an Begeisterung aus – zumindest in einer kleinen Gruppe Pariser Avantgardisten. Zu den Kubisten (zweiten Ranges) zählen Juan Gris, Robert Delaunay und Fernand Léger, die auch als die „Salonkubisten“ bekannt wurden.

Zurück zur Klassik und Liaison mit dem Surrealismus

Ab 1917 löste sich Pablo Picasso vom Kubismus und wandte sich dem Klassizismus von Ingres zu. Auslöser waren die erste öffentliche Präsentation von „Les Demoiselles d’Avignon“ und seine Arbeit für das Ballett „Parade“ für die Truppe von Sergei Diaghilev. Picasso gestaltete Bühnenbild, Kostüme und Vorhang – und traf seine erste Ehefrau Olga (→ Picassos erste Frau: Olga Picasso). Nach der Hochzeit 1918 und dem Ende des Ersten Weltkriegs war Picasso – neben Henri Matisse – zum führenden Maler Frankreichs avanciert. Auch seine internationale Reputation war während der 1910er Jahre enorm gestiegen. Maurice Raynal publizierte 1921 die erste Monografie über Pablo Picasso in München. 1923 erschien in der Zeitschrift „The Arts“ das erste bedeutende Interview von Picasso. Christian Zervos, der Gründer von „Cahiers d’art“ wurde ab 1932 der Herausgeber des Werkkatalogs.

1922 lernte Picasso die dadaistischen und surrealistischen Dichter André Breton, Louis Aragon und Tristan Tzara kennen, wobei Breton nicht nur „Les Demoiselles d’Avignon“ an einen Gönner verkaufte, sondern Picasso auch für die Bewegung des Surrealismus anzuheuern versuchte. Der ältere Maler hatte bereits 1921 Besuch seines jüngeren Landsmannes Joan Miró erhalten. Pablo Picasso setzte sich in seiner Kunst mit dem Surrealismus auseinander und stellte mit der Gruppe aus, ohne sich je zur Gruppierung zugehörig zu fühlen.

Das Liebesleben von Picasso war lebenslang von seiner überbordenden Männlichkeit geprägt, wobei sich der Maler durchaus darin gefiel, wenn sich zwei Frauen um ihn im wahrsten Sinn des Wortes prügelten. 1927 traf er die damals 15-jährige Marie-Thérèse Walter (1909–1977), die zuerst sein Modell und dann seine Geliebte wurde. Als sie 1935 ihre gemeinsame Tochter María de la Concepción, genannt Maya, zur Welt brachte, ließ sich die Affäre nicht mehr verheimlichen, und Olga verließ mit Paulo Picasso. Zwischen 1936 und 1943 hatte er eine Beziehung mit Dora Maar, dann folgten Françoise Gilot (1943–1953) und Jacqueline Roque, die Picasso nach Olgas Tod am 2. März 1961 heiratete.

Erste Retrospektiven und Guernica

Die nationale wie internationale Bekanntheit des Malers aus Spanien war Anfang der 1930er Jahre so gestiegen, dass er 1932 zwei selbst kuratierte Einzelausstellungen ausgerichtet bekam: Der ersten Retrospektive in der Galerie Georges Petit in Paris (16.6.–30.7.) folgte eine zweite im Kunsthaus Zürich (11.9.–13.11. → Picasso. Die erste Museumsausstellung 1932). Diese Erfolge wurden vom Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs 1936 überschattet. Zum Direktor des Prado ernannt, beauftragte ihn die republikanische Regierung mit dem Gemälde „Guernica“ für den spanischen Weltausstellungspavillon 1937 (→ Picasso: Guernica). Während des Zweiten Weltkriegs hielt sich Picasso in Südfrankreich auf und trat am 5. Oktober 1944 der Kommunistischen Partei Frankreichs bei.

Von der „Fliegenden Taube“ zur Friedenstaube

Nach dem Zweiten Weltkrieg zählte Pablo Picasso zu den berühmtesten lebenden Künstlern seiner Zeit. Er nahm mehrfach an Weltfriedenskongressen teil (1948, 1950). Für jenen in Sheffield 1950 entwarf er die Lithografie „Fliegende Taube“, die als Friedenstaube zum Symbol des Friedens schlechthin wurde (→ Picasso: die Erfindung der Friedenstaube).

Späte Werke

Ab 1953 wurde der Jahrhundertmaler in unzähligen Retrospektiven geehrt. Daraufhin beschäftigte er sich in seinem Spätwerk mit berühmten Bildern aus der Kunstgeschichte wie „Die Frauen von Algier“ von Eugène Delacroix, „Las Meninas” von Diego Velázquez, „Der Raub der Sabinerinnen“ nach Poussin und Jacques-Louis David oder „Frühstück im Freien“ nach Edouard Manet (→ Picasso. Malen gegen die Zeit). Der Abstraktion öffnete sich der Malerstar jedoch zeitlebens nie, obwohl er bei einigen bahnbrechenden künstlerischen Entwicklungen des 20. Jahrhunderts impulsgebend war:

„Es gibt keine abstrakte Kunst. Man muss immer mit etwas anfangen. Nachher kann man alle Spuren der Wirklichkeit entfernen. Dann besteht ohnehin keine Gefahr mehr, weil die Idee des Dinges inzwischen ein unauslöschliches Zeichen hinterlassen hat.“ (Pablo Picasso über seine Ablehnung der Abstraktion)

Pablo Picasso und Jacqueline Roque lernten einander 1952 kennen, als Jacqueline Gehilfin der Keramikerin Suzanne Ramié (1905–1974) war. Im gleichen Sommer kühlte die Beziehung Picassos zu Françoise ab und er kehrte Ende Oktober 1952 allein nach Paris zurück. Mehrere Monate hinweg wechselte er seine Aufenthaltsorte zwischen Vallauris und Paris. Im August 1953 führt Picasso auf Einladung des Ehepaares Lazerme mit Maya und Paul nach Perpignan am Fuß der östlichen Pyrenäen, wo er die inzwischen geschiedene Jacqueline wiedertraf. Nach der Rückkehr trennte sich Françoise von ihm und kehrte mit den Kindern nach Paris zurück. Erst im folgenden Jahr stand Jacqueline erstmals Modell für Pablo Picasso (Juni und Oktober 1954). In einer Reihe von Porträts kombinierte er Elemente des Kubismus und des synthetischen Stils, der für ihn charakteristisch war. Die Bildnisse sind als formale Kontraste aufgefasst: großflächige Gestaltung (v.a. im Hintergrund) steht neben zeichnerisch durchgearbeiteten Partien, kubistische Formzertrümmerung im Gesicht und antikisches Volumen, dekorative Muster treffen auf spärlich bemalte Leinwand. Die Bilder sind allesamt präzise auf den Tag genau datiert, was die hohe Produktivität des inzwischen über 70-jährigen Malers offenlegt – aber auch dessen fast zwanghaftes Arbeiten im Atelier. Im September trennte er sich endgültig von Françoise und zog mit Jacqueline und deren Tochter Catherine in Paris zusammen.

Jacqueline wurde das Modell für Picassos Abwandlungen der „Frauen von Algier“ (1954) nach Eugène Delacroix (15 Gemälde und zwei Lithografien), die vom Tod Henri Matisses inspiriert waren. Nach dem Tod seiner Ehefrau Olga (11. Februar) erwarb der nunmehr weltberühmte Künstler die Villa „La Californie“ mit einem weitläufigen Garten mit tropischen Bäumen über Cannes. Hier drehte der Dokumentarfilmer Henri-Georges Clouzot im Atelier den Film „Le mystère Picasso“, der den zeichnenden Picasso bei der Arbeit beobachtet. Eines der wichtigsten Bilder des folgenden Jahres ist „Jacqueline im Atelier“ (2.–8. April, Sammlung Rosengart, Luzern), gefolgt von der 58-teiligen Serie zu „Las Meninas“ (17.8.–30.12.) nach Diego Velázquez, Bildnisse von Jacqueline als „Lola aus Valence“ von Edouard Manet.

Im September 1958 tausche Picasso die „Villa Californie“ gegen das Schloss Vauvenargues aus, da immer mehr Zaungäste den „Mythos Picasso“ sehen wollten. Schloss Vauvenargues liegt am Fuß der Mont Sainte-Victoire in der Nähe von Aix-en-Provence. Der letzte Lebens- und Arbeitsort Picassos sollte ab Juni 1961 die Villa Notre-Dame-de-Vie in der Nähe des Dorfes Mougins in den Bergen oberhalb von Cannes werden. Kurz zuvor, am 2. März 1961 hatten er und Jacqueline geheiratet. Im folgenden Jahr entstand am 6. Januar „Sitzende Frau mit gelbgrünem Hut“ (6.1.1962, Sammlung Catherine Hutin-Blay), dem allein in diesem Jahr über 70 Porträts in den Medien Malerei, Zeichnung, Keramik und Grafik folgten. In den folgenden elf Jahren, die Picasso bis zu seinem Tod am 8. April 1973 noch blieben, kreiste sein Werk um die Alten Meister – wie Rembrandt van Rijn – und Jacqueline. Am Abend vor seinem Tod überarbeitete er noch den stark abstrahierten „Liegenden weiblichen Akt und Kopf“ (Privatbesitz). Die überbordende Sexualität und Virilität von Picassos Spätwerk, wird hier in einer geometrisch-stilisierenden Darstellung gebändigt.

Picasso Museen

Bis heute weithin sichtbares Zeichen von Picassos Bedeutung sind die drei Museen in seinem Namen: 1960 machte das Museu Picasso in Barcelona den Anfang (Eröffnung 1963), gefolgt vom Musée Picasso Antibes 1966 und dem Musée Picasso Paris 1985. Als Pablo Picasso am 8. April 1973 in Mougins verstarb, war er 1971 der erste lebende Künstler, dem die Ehre zuteilwurde im Louvre auszustellen: Anlässlich seines 90. Geburtstags wurden die Werke des Altmeisters in der Großen Galerie des Musée du Louvre präsentiert.

„Kunst wäscht den Staub des Altags von der Seele.“ (Pablo Picasso)

Pablo Picassos Frauen: Ehefrauen und Freundinnen

  • Fernande Olivier (1881–1966): Pablo Picasso und die geschiedene Pariserin Fernande Olivier lernten einander im Herbst 1904 kennen. Bis 1911 führten sie eine Beziehung und lebten miteinander.
  • Eva Gouel (geb. Marcelle Humbert, 1885–1915): 1911–1915
  • Olga Chochlowa (1891–1955): 1. ⚭ 1918, russische Tänzerin und Mutter von Paulo Picasso; 1937 trennte sich Pablo Picasso von ihr und lebte mit Marie-Thérèse Walter und ihrer gemeinsamen Tochter zusammen. Dennoch ließ er sich nie von Olga scheiden. → Picassos erste Frau: Olga Picasso
  • Marie-Thérèse Walter (1909–1977): 1926–1936; erste Begegnung am 8. Januar 1927 vor den Galeries Lafayette, Modell und Mutter von María de la Concepción, genannt Maya Picasso (* 5. Oktober 1935)
  • Dora Maar (1907–1997): 1936–1943, Fotografin und Malerin, Surrealistin und Kommunistin. Dora Maar dukomentierte die Arbeit an „Guernica“.
  • Françoise Gilot (* 1921): 1943–1953, französische Malerin und Grafikerin. Gilot lebte ab 1948 mit Picasso in Vallauris in Südfrankreich. Sie ist die Mutter von Paloma und Claude Picasso.
  • Jacqueline Roque (1927–1986): 2. ⚭ 2. März 1961, Als Jacqueline Picasso kennenlernte, war sie 46 Jahre jünger als der Malerstar und Keramikverkäuferin bei Madoura in Vallauris, in dessen Atelier Picasso seit 1946 keramische Arbeiten schuf.

Kinder

  • Paulo Picasso (1921–1975)
  • María de la Concepción, genannt Maya Picasso (* 5.10.1935)
  • Claude Picasso (* 15.5.1947)
  • Paloma Picasso (* 19.4.1949)

Beiträge zu Pablo Picasso

icon

40

grid

3

pablo-picasso-werke-steckbrief

date

DESC

  1. Zit. n. Pablo Picasso, Lettres sur l'art, in: Ogoniok, Moskau, Nr. 20, 16. Mai 1926. Aus dem Russischen von C. Motchoulsky übersetzt, in: Formes, Nr. 2, Februar 1930.
  2. Zit. n. Julio González, Picasso und die Kathedralen, Picasso-Bildhauer, 1931–1932, Manuskript, IVAM-Archiv, Julio González Center, Valencia.
  3. Zitiert nach: Peter D. Whitney, Picasso is safe: The artist was neither a traitor to his painting nor his country, in: San Francisco Chronicle, 3. September 1944. Whitney, Kriegskorrespondent dieser Zeitung, war der erste US-amerikanische Journalist, der Picasso nach der Befreiung von Paris interviewte. Nachdruck von Alfred Barr, 1945, zit. nach: Gertje Utley, Picasso. The Communist years, New Haven 2000, S. 31.
  4. Zit. n. Pablo Picasso, in Christian Zervos, Pablo Picasso. I. Werke von 1895 bis 1906, Paris, Cahiers d'Art; 1932, S. XVII.