Pablo Picasso

Wer war Pablo Picasso?

Pablo Picasso (1881–1973) war ein spanischer Maler, Grafiker und Bildhauer. Er gilt als einer der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts, dessen Produktivität ein Gesamtwerk von mehr als 15.000 Gemälden hervorbrachte. Picasso kam als Sohn des Malers und Zeichenlehrers José Ruiz Blasco und dessen Ehefrau Maria Picasso y Lopez in Malága zur Welt. Ab 1901 nutzte er den aus Italien stammenden Namen seiner Mutter als Künstlernamen, da ihn die zwei „S“ faszinierten und er ihn für wohlklingender hielt. Der Ruhm Picassos ist mit der Erfindung des Kubismus – gemeinsam mit George Braques – verknüpft. Sein Gemälde „Les Demoiselles d‘Avignon“ (März–Juli 1907, MoMA) avancierte in den 1920er Jahren zur Ikone der Moderne.

 

Blaue und Rosa Periode

Der frühreife Künstler löste sich 1901 vom Akademismus und den Avantgarden in Barcelona und Paris (→ Pablo Picasso und Henri de Toulouse-Lautrec). Er entwickelte nach dem Selbstmord seines Freundes Casagemas die sogenannte Blaue Periode (→ Pablo Picasso: Blaue Periode), der 1906 die Rosa Periode (→ Pablo Picasso: Rosa Periode) folgte. Wählte Picasso in der Blauen Periode Bettler, Mütter mit Kindern (aus dem Gefängnis St. Lazare), Absinthtrinker als Motive seiner Bilder, so wandte er sich ab 1906 Gauklern, Harlekinen zu. Die charakteristische blaue bzw. rosa Färbung der Werke wird als Ausdruck von Melancholie und Hoffnung gedeutet. Im Sommer 1906 verbrachte Pablo Picasso mit Fernande Olivier einige Wochen im katalonischen Gosol, wo er sich der Aktmalerei zuwandte und zu voluminösen Körpern gelangte. Die Gemälde „Das Leben“ und „Die Gauklerfamilie“ sind die Hauptwerke dieser ersten beiden Stilphasen im Werk von Pablo Picasso.

 

Efindung des Kubismus

Das Schlüsselwerk der Moderne ist Picassos Gemälde „Les Demoiselles d’Avignon“ (1907), auf dem er erstmals Figuren aus verschiedenen Perspektiven gleichzeitig zeigte. Damit legte er einen Grundstein für den ab 1908 gemeinsam mit Georges Braque entwickelten Kubismus. Ausgehend von den Überlegungen Paul Cézannes und afrikanischer Plastik, zerlegten Picasso und Braque die Bildgegenstände in Facetten und quaderförmige Strukturen. Volumen und Rhythmus wurden wichtiger als die Farbigkeit, die zugunsten einer nahezu monochromer Farbgebung reduziert wurde. Dem analytischen Kubismus folgte ab 1912 der synthetische, für den die beiden Maler die Methode des Collagierens in ihren Gemälden einsetzten. Mit ihren Experimenten lösten Picasso und Braque eine Welle an Begeisterung aus – zumindest in einer kleinen Gruppe Pariser Avantgardisten. Zu den Kubisten (zweiten Ranges) zählen Juan Gris, Robert Delaunay und Fernand Léger, die auch als die „Salonkubisten“ bekannt wurden.

 

Zurück zur Klassik und Liaison mit dem Surrealismus

Ab 1917 löste sich Pablo Picasso vom Kubismus und wandte sich dem Klassizismus von Ingres zu. Auslöser waren die erste öffentliche Präsentation von „Les Demoiselles d’Avignon“ und seine Arbeit für das Ballett „Parade“ für die Truppe von Sergei Diaghilev. Picasso gestaltete Bühnenbild, Kostüme und Vorhang – und traf seine erste Ehefrau Olga (→ Picassos erste Frau: Olga Picasso). Nach der Hochzeit 1918 und dem Ende des Ersten Weltkriegs war Picasso – neben Henri Matisse – zum führenden Maler Frankreichs avanciert. Auch seine internationale Reputation war während der 1910er Jahre enorm gestiegen. Maurice Raynal publizierte 1921 die erste Monografie über Pablo Picasso in München. 1923 erschien in der Zeitschrift „The Arts“ das erste bedeutende Interview von Picasso. Christian Zervos, der Gründer von „Cahiers d’art“ wurde ab 1932 der Herausgeber des Werkkatalogs.

1922 lernte Picasso die dadaistischen und surrealistischen Dichter André Breton, Louis Aragon und Tristan Tzara kennen, wobei Breton nicht nur „Les Demoiselles d’Avignon“ an einen Gönner verkaufte, sondern Picasso auch für die Bewegung des Surrealismus anzuheuern versuchte. Der ältere Maler hatte bereits 1921 Besuch seines jüngeren Landsmannes Joan Miró erhalten. Pablo Picasso setzte sich in seiner Kunst mit dem Surrealismus auseinander und stellte mit der Gruppe aus, ohne sich je zur Gruppierung zugehörig zu fühlen.

Das Liebesleben von Picasso war lebenslang von seiner überbordenden Männlichkeit geprägt, wobei sich der Maler durchaus darin gefiel, wenn sich zwei Frauen um ihn im wahrsten Sinn des Wortes prügelten. 1927 traf er die damals 15-jährige Marie-Thérèse Walter (1909–1977), die zuerst sein Modell und dann seine Geliebte wurde. Als sie 1935 ihre gemeinsame Tochter María de la Concepción, genannt Maya, zur Welt brachte, ließ sich die Affäre nicht mehr verheimlichen, und Olga verließ mit Paulo Picasso. Zwischen 1936 und 1943 hatte er eine Beziehung mit Dora Maar, dann folgten Françoise Gilot (1943–1953) und Jacqueline Roque, die Picasso nach Olgas Tod am 2. März 1961 heiratete.

 

Erste Retrospektiven und Guernica

Die nationale wie internationale Bekanntheit des Malers aus Spanien war Anfang der 1930er Jahre so gestiegen, dass er 1932 zwei selbst kuratierte Einzelausstellungen ausgerichtet bekam: Der ersten Retrospektive in der Galerie Georges Petit in Paris (16.6.–30.7.) folgte eine zweite im Kunsthaus Zürich (11.9.–13.11. → Picasso. Die erste Museumsausstellung 1932). Diese Erfolge wurden vom Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs 1936 überschattet. Zum Direktor des Prado ernannt, beauftragte ihn die republikanische Regierung mit dem Gemälde „Guernica“ für den spanischen Weltausstellungspavillon 1937 (→ Picasso: Guernica). Während des Zweiten Weltkriegs hielt sich Picasso in Südfrankreich auf und trat am 5. Oktober 1944 der Kommunistischen Partei Frankreichs bei.

 

Von der „Fliegenden Taube“ zur Friedenstaube

Nach dem Zweiten Weltkrieg zählte Pablo Picasso zu den berühmtesten lebenden Künstlern seiner Zeit. Er nahm mehrfach an Weltfriedenskongressen teil (1948, 1950). Für jenen in Sheffield 1950 entwarf er die Lithografie „Fliegende Taube“, die als Friedenstaube zum Symbol des Friedens schlechthin wurde (→ Picasso: die Erfindung der Friedenstaube).

 

Späte Werke

Ab 1953 wurde der Jahrhundertmaler in unzähligen Retrospektiven geehrt. Daraufhin beschäftigte er sich in seinem Spätwerk mit berühmten Bildern aus der Kunstgeschichte wie „Die Frauen von Algier“ von Eugène Delacroix, „Las Meninas” von Diego Velázquez, „Der Raub der Sabinerinnen“ nach Poussin und Jacques-Louis David oder „Frühstück im Freien“ nach Edouard Manet (→ Picasso. Malen gegen die Zeit). Der Abstraktion öffnete sich der Malerstar jedoch zeitlebens nie, obwohl er bei einigen bahnbrechenden künstlerischen Entwicklungen des 20. Jahrhunderts impulsgebend war:

„Es gibt keine abstrakte Kunst. Man muss immer mit etwas anfangen. Nachher kann man alle Spuren der Wirklichkeit entfernen. Dann besteht ohnehin keine Gefahr mehr, weil die Idee des Dinges inzwischen ein unauslöschliches Zeichen hinterlassen hat." (Pablo Picasso über seine Ablehnung der Abstraktion)

Pablo Picasso und Jacqueline Roque lernten einander 1952 kennen, als Jacqueline Gehilfin der Keramikerin Suzanne Ramié (1905–1974) war. Im gleichen Sommer kühlte die Beziehung Picassos zu Françoise ab und er kehrte Ende Oktober 1952 allein nach Paris zurück. Mehrere Monate hinweg wechselte er seine Aufenthaltsorte zwischen Vallauris und Paris. Im August 1953 führt Picasso auf Einladung des Ehepaares Lazerme mit Maya und Paul nach Perpignan am Fuß der östlichen Pyrenäen, wo er die inzwischen geschiedene Jacqueline wiedertraf. Nach der Rückkehr trennte sich Françoise von ihm und kehrte mit den Kindern nach Paris zurück. Erst im folgenden Jahr stand Jacqueline erstmals Modell für Pablo Picasso (Juni und Oktober 1954). In einer Reihe von Porträts kombinierte er Elemente des Kubismus und des synthetischen Stils, der für ihn charakteristisch war. Die Bildnisse sind als formale Kontraste aufgefasst: großflächige Gestaltung (v.a. im Hintergrund) steht neben zeichnerisch durchgearbeiteten Partien, kubistische Formzertrümmerung im Gesicht und antikisches Volumen, dekorative Muster treffen auf spärlich bemalte Leinwand. Die Bilder sind allesamt präzise auf den Tag genau datiert, was die hohe Produktivität des inzwischen über 70-jährigen Malers offenlegt – aber auch dessen fast zwanghaftes Arbeiten im Atelier. Im September trennte er sich endgültig von Françoise und zog mit Jacqueline und deren Tochter Catherine in Paris zusammen.

Jacqueline wurde das Modell für Picassos Abwandlungen der „Frauen von Algier“ (1954) nach Eugène Delacroix (15 Gemälde und zwei Lithografien), die vom Tod Henri Matisses inspiriert waren. Nach dem Tod seiner Ehefrau Olga (11. Februar) erwarb der nunmehr weltberühmte Künstler die Villa „La Californie“ mit einem weitläufigen Garten mit tropischen Bäumen über Cannes. Hier drehte der Dokumentarfilmer Henri-Georges Clouzot im Atelier den Film „Le mystère Picasso“, der den zeichnenden Picasso bei der Arbeit beobachtet. Eines der wichtigsten Bilder des folgenden Jahres ist „Jacqueline im Atelier“ (2.–8. April, Sammlung Rosengart, Luzern), gefolgt von der 58-teiligen Serie zu „Las Meninas“ (17.8.–30.12.) nach Diego Velázquez, Bildnisse von Jacqueline als „Lola aus Valence“ von Edouard Manet.

Im September 1958 tausche Picasso die „Villa Californie“ gegen das Schloss Vauvenargues aus, da immer mehr Zaungäste den „Mythos Picasso“ sehen wollten. Schloss Vauvenargues liegt am Fuß der Mont Sainte-Victoire in der Nähe von Aix-en-Provence. Der letzte Lebens- und Arbeitsort Picassos sollte ab Juni 1961 die Villa Notre-Dame-de-Vie in der Nähe des Dorfes Mougins in den Bergen oberhalb von Cannes werden. Kurz zuvor, am 2. März 1961 hatten er und Jacqueline geheiratet. Im folgenden Jahr entstand am 6. Januar „Sitzende Frau mit gelbgrünem Hut“ (6.1.1962, Sammlung Catherine Hutin-Blay), dem allein in diesem Jahr über 70 Porträts in den Medien Malerei, Zeichnung, Keramik und Grafik folgten. In den folgenden elf Jahren, die Picasso bis zu seinem Tod am 8. April 1973 noch blieben, kreiste sein Werk um die Alten Meister – wie Rembrandt van Rijn – und Jacqueline. Am Abend vor seinem Tod überarbeitete er noch den stark abstrahierten „Liegenden weiblichen Akt und Kopf“ (Privatbesitz). Die überbordende Sexualität und Virilität von Picassos Spätwerk, wird hier in einer geometrisch-stilisierenden Darstellung gebändigt.

 

Picasso Museen

Bis heute weithin sichtbares Zeichen von Picassos Bedeutung sind die drei Museen in seinem Namen: 1960 machte das Museu Picasso in Barcelona den Anfang (Eröffnung 1963), gefolgt vom Musée Picasso Antibes 1966 und dem Musée Picasso Paris 1985. Als Pablo Picasso am 8. April 1973 in Mougins verstarb, war er 1971 der erste lebende Künstler, dem die Ehre zuteilwurde im Louvre auszustellen: Anlässlich seines 90. Geburtstags wurden die Werke des Altmeisters in der Großen Galerie des Musée du Louvre präsentiert.

„Kunst wäscht den Staub des Altags von der Seele.“ (Pablo Picasso)

 

Pablo Picassos Frauen: Ehefrauen und Freundinnen

  • Fernande Olivier (1881–1966): Pablo Picasso und die geschiedene Pariserin Fernande Olivier lernten einander im Herbst 1904 kennen. Bis 1911 führten sie eine Beziehung und lebten miteinander.
  • Eva Gouel (geb. Marcelle Humbert, 1885–1915): 1911–1915
  • Olga Chochlowa (1891–1955): 1. ⚭ 1918, russische Tänzerin und Mutter von Paulo Picasso; 1937 trennte sich Pablo Picasso von ihr und lebte mit Marie-Thérèse Walter und ihrer gemeinsamen Tochter zusammen. Dennoch ließ er sich nie von Olga scheiden. → Picassos erste Frau: Olga Picasso
  • Marie-Thérèse Walter (1909–1977): 1926–1936; erste Begegnung am 8. Januar 1927 vor den Galeries Lafayette, Modell und Mutter von María de la Concepción, genannt Maya Picasso (* 5. Oktober 1935)
  • Dora Maar (1907–1997): 1936–1943, Fotografin und Malerin, Surrealistin und Kommunistin. Dora Maar dukomentierte die Arbeit an „Guernica“.
  • Françoise Gilot (* 1921): 1943–1953, französische Malerin und Grafikerin. Gilot lebte ab 1948 mit Picasso in Vallauris in Südfrankreich. Sie ist die Mutter von Paloma und Claude Picasso.
  • Jacqueline Roque (1927–1986): 2. ⚭ 2. März 1961, Als Jacqueline Picasso kennenlernte, war sie 46 Jahre jünger als der Malerstar und Keramikverkäuferin bei Madoura in Vallauris, in dessen Atelier Picasso seit 1946 keramische Arbeiten schuf.

 

Kinder

  • Paulo Picasso (1921–1975)
  • María de la Concepción, genannt Maya Picasso (* 5.10.1935)
  • Claude Picasso (* 15.5.1947)
  • Paloma Picasso (* 19.4.1949)

Beiträge zu Pablo Picasso

22. Juli 2019
Pablo Picasso, Kopf einer Frau, 4. Dezember 1962, Bleistift auf geschnittenem und gefaltetem Papier, 42 x 26.5 cm (Musée national Picasso-Paris, Pablo Picasso gift in lieu, 1979, MP1850. Photo © RMN-Grand Palais (Musée national Picasso-Paris) / Béatrice Hatala. © Estate of Pablo Picasso / Artists Rights Society (ARS), New York)

London | Royal Academy of Arts: Picasso und Papier

Pablo Picassos lebenslange Beschäftigung mit Papier ist Gegenstand der wegweisenden Ausstellung „Picasso und Papier“. Mit fast 300 Werken aus der gesamten Karriere des Künstlers bietet „Picasso und Papier“ neue Einblicke in den kreativen Geist und die Arbeitsweise von Picasso (Frühjahr 2020).
22. Juli 2019
Pablo Picasso, Kopf einer Frau, 4. Dezember 1962, Bleistift auf geschnittenem und gefaltetem Papier, 42 x 26.5 cm (Musée national Picasso-Paris, Pablo Picasso gift in lieu, 1979, MP1850. Photo © RMN-Grand Palais (Musée national Picasso-Paris) / Béatrice Hatala. © Estate of Pablo Picasso / Artists Rights Society (ARS), New York)

Cleveland Museum of Art: Picasso auf Papier Skizzen, Drucke, Collagen, Papierskulpturen zeigen den unermesslichen Erfindungsreichtum Picassos

Pablo Picassos langjährige Beschäftigung mit Papier ist Gegenstand der wegweisenden Ausstellung Picasso and Paper. Mit fast 300 Werken aus der gesamten Karriere des Künstlers bietet „Picasso auf Papier“ neue Einblicke in den kreativen Geist und die Arbeitsweise von Picasso.
16. Juli 2019
Anthony Caro, Table Piece CCXXIX, 1975, Stahl mit Rostanflug, lackiert, 61 x 167,6 x 50,8 cm (Sammlung Hubert Looser, © 2019 Courtesy of Barford Sculptures)

Kunsthaus Zürich: Picasso – Gorky – Warhol aus der Sammlung Hubert Looser Skulpturen und grafische Werke zwischen Fläche und Raum

Eine im Jahr 2018 erneuerte Kooperation garantiert auf 20 Jahre die Präsenz von 70 Gemälden, Skulpturen, Installationen und Zeichnungen in der Ende 2020 fertiggestellten Kunsthaus-Erweiterung. Im herbst 2019 zeigen Skulpturen und Arbeiten auf Papier das komplexe Verhältnis von Fläche und Raum in der modernen Kunst.
11. Juli 2019
Amedeo Modigliani, Junge Frau in Hemd, Detail, 1918 (Albertina, Wien, Sammlung Batliner)

Wien | Albertina: Modigliani – Picasso „Revolution des Primitivismus” in Paris

Amedeo Modigliani (1884–1920) ist als Maler, Zeichner und Bildhauer einer der wichtigsten Künstler des frühen 20. Jahrhunderts. Anlässlich der 100. Wiederkehr seines Todestags widmet die Albertina dem Mitstreiter der Klassischen Moderne im Herbst 2020 eine Ausstellung.
3. April 2019
Pablo Picasso, Minotaure aveugle guidé par une Filette dans la Nuit [Der blinde Minotaurus von einem Mädchen durch die Nacht geführt], Detail, 1934, Abzug 1939, Radierung und Aquatinta auf Vergépapier, 24,7 x 34,7 cm (Städel Museum, Frankfurt am Main, Graphische Sammlung © VG Bild-Kunst, Bonn 2018)

Städel: Picasso. Druckgrafik als Experiment Innovation und Virtuosität in allen druckgrafischen Techniken

Pablo Picasso bediente sich scheinbar mühelos aller Gattungen, Techniken und Materialien und beschritt dabei häufig neue Wege - auch in der Druckgrafik.
6. März 2019
Pablo Picasso, Madame Z (Jacqueline mit Blumen), Detail, 2. Juni 1954, Öl/Lw, 100 x 81 cm (Sammlung Catherine Hutin, © Succession Picasso/VG Bild-Kunst, Bonn 2018)

Museum Barberini: Picasso. Das späte Werk. Aus der Sammlung Jacqueline Picasso Zweite Ehefrau als Lieblingsmodell und viele unbekannte Spätwerke

Pablo Picasso (1881–1973) schuf in den letzten zwei Jahrzehnten seines Lebens mehr Bildnisse von seiner zweiten Ehefrau Jacqueline als je zuvor von einem anderen Modell. Das Museum Barberini zeigt Schätze aus dem Privatbesitz seiner Stieftochter Catherine Hutin.
1. Februar 2019
Pablo Picasso, Akrobat und junger Harlekin [Acrobate et jeune arlequin], Detail, 1905, Gouache auf Karton, 105 x 76 cm (Privatsammlung © Succession Picasso / ProLitteris, Zürich 2018)

Der frühe PICASSO – Blaue und Rosa Periode Kreisen um die menschliche Figur

Anhand von Menschenbildern zeichnet die Fondation Beyeler in dieser chronologischen Schau die Entwicklung von Picassos Blauer und Rosa Periode nach!
24. Mai 2018
Pablo Picasso, Fliegende Taube im Regenbogen, 1952, Lithografie (© Succession Picasso, Paris / VG Bild-Kunst, Bonn 2018)

Picasso – Von den Schrecken des Krieges zur Friedenstaube Variationen des Friedenssymbols und seine Rezeption

Pablo Picasso setzte sich in seiner Kunst intensiv mit Krieg und Frieden auseinander. Für den ersten Weltfriedenskongress 1949 entwarf er eine Taube, die sich in der Folgezeit zu einem wirkungsmächtigen Friedenssymbol entwickelte. Die Ausstellung im Picasso-Museum Münster präsentiert verschiedene Variationen der Taube und thematisiert darüber hinaus die Rezeptionsgeschichte seiner Friedensbilder.
9. Mai 2018
Pablo Picasso, Mädchen mit Blumenkorb, Detail, 1905, 154,6 x 66,1 cm (Privatsammlung)

Rockefeller-Auktion: Picasso für 115 Mio. & 7 neue Rekorde Erster Tag der Rockefeller-Auktion brachte 646 Millionen Dollar

Bei $ 115,000.000.- fiel gestern Nacht der Hammer für Picassos „Fillette à la corbeille fleurie [Junges Mädchen mit Blumenkorb]“ (1905). Damit wurde das Gemälde aus der Rosa Periode zwar nicht zum teuersten Picasso, brachte aber – angesichts seines frühen Entstehungsjahres – brach aber die erwartete (oder erhoffte) Marke von 100 Millionen Dollar. Neue Weltrekord-Preise für weitere sieben Maler: Monet, Matisse, Corot, Delacroix, Seguin, Morandi und Redon.
30. Januar 2018
Pablo Picasso

Pablo Picasso: Lebenslauf / Biografie Leben und Werk des spanischen Malers in Kurzbiografie und Chronologie

Picassos Lebenslauf als Kurzbiografie und als ausführliche Chronologie: Die wichtigsten Informationen zu Ausbildung, Frauen, Kinder, wichtige Werke, Ausstellungen, Freunde, Häuser, Museen.
30. Januar 2018
Picassos Signatur

Pablo Picasso: Steckbrief alle wichtigen Daten in Kurzform

Pablo PIcassos Steckbrief gibt an: ganzer Name, Eltern, Geschwister, Ausbildung, Frauen, Kinder, Stilphasen, Lebensdaten - und gezielte Hinweise zu weiterführenden Beiträgen.
23. Januar 2018
Pablo Picasso, Akt auf rotem Grund, Detail, Paris 1906, Öl/Lw, 81 x 54 cm (Musée de l‘Orangerie)

Pablo Picasso: Rosa Periode Gaukler, Harlekine und rosa Akte

Ende 1904 belebte Pablo Picasso seine Farbskala wieder, dennoch blieb etwas von der melancholischen Stimmung in den Gemälden erhalten. Seine Modelle fand Picasso nun in der Welt der Gaukler, der Harlekine und Seiltänzer, französisch „Saltimbanques“.
23. Januar 2018
Pablo Picasso, Das Leben [La vie], Detail, Barcelona Mai 1903 (Cleveland Museum of Art)

Pablo Picasso: Blaue Periode Melancholie und düstere Stimmung

Mit der sogenannten Blauen Periode (1901–1905) gelang Pablo Picasso erstmals, einen eigenständigen Stil zu entwickeln und sich vom Akademismus wie auch den Einflüssen der Avantgarde aus Barcelona und Paris zu lösen.
12. Januar 2018
Cecil Beaton, Pablo Picasso, rue La Boétie, Paris, 1933 © The Cecil Beaton Studio Archive at Sothenby’s

Pablo Picasso 1932 – Liebe, Ruhm, Tragödie Marie-Thérèse Walter als träumendes Mädchen

Pablo Picasso nannte das Jahr 1932 das „Wunderjahr“: Das Musée Pablo Picasso und die Tate Modern analysieren alle 12 Monate – ein Monat nach dem anderen. Was erlebte Picasso zwischen dem 1. Januar und dem 31. Dezember 1932, und wie beeinflusste das seine künstlerische Produktion?
22. Oktober 2017
Pablo Picasso, Die Kunden, Paris 1901, Öl/Lw, 47,3 x 62,4 cm (Museum of Art, Rhode Island School of Design, Providence. Legat von George Pierce Metcalf) © Sucesiòn Pablo Picasso, VEGAP, Madrid, 2017.

Pablo Picasso und Henri de Toulouse-Lautrec Vorbildwirkung mit lebenslangen Folgen

Pablo Picasso (1881‒1973) und Henri de Toulouse-Lautrec (1864‒1901) sind einander nie begegnet. Als der 19-jährige Picasso zum ersten Mal Mitte Oktober 1900 in Paris ankam, war der Franzose bereits krank und starb wenig später am 9. September 1901 im Alter von nur 36 Jahren. Und dennoch hat Toulouse-Lautrecs radikales Werk einen immensen Eindruck auf den jungen Spanier hinterlassen. Die unkonventionellen Themen, die der heute so berühmte Grafiker und Maler aus Südfrankreich wählte, lassen dessen Verbundenheit mit der Welt der Künstler, Artisten und Unterwelt genauso erkennen, wie sie das Pariser Nachtleben feiern und die Schattenseiten der käuflichen Liebe enthüllen. Wie sehr diese Bilder den jungen Picasso prägten, wurde schon von dessen Freunden, Kritikern erkannt und gilt in der Forschung als Grundlage.
31. Mai 2017
Pablo Picasso, Mère et enfant au bord de la mer [Mutter und Kind am Strand], Frühling 1921, Öl auf Leinwand, 142,9 x 172,7 cm (The Art Institute of Chicago, Restricted gift of Maymar Corporation, Mrs. Maurice L. Rothschild, and Mr. and Mrs. Chauncey McCormick; Mary and Leigh Block Fund; Ada Turnbull Hertle Endowment; through prior gift of Mr. and Mrs. Edwin E. Hokin 1954.27 Photo (C) Art Institute of Chicago, Dist. RMN-Grand Palais / image The Art Institute of Chicago)

Picassos erste Frau: Olga Picasso Pablo Picassos Ehefrau (1917–1935), Tänzerin, Muse, Modell

Olga Picasso (1891–1955), der lesenden, melancholisch nachdenklichen Frau in den Bildern ihres Mannes Pablo ist erstmals im Pariser Musée Picasso eine Ausstellung gewidmet. Die russische Balletttänzerin und Mutter des gemeinsamen Sohnes Paul war ab 1917 Picassos wichtigstes Modell, an dem er seine realistische „Klassische Phase“, oder „Olga Periode“, seine surrealistischen Experimente erprobte. Olga und Pablo Picasso lebten von 1917 bis 1935 zusammen, dann trennte sich das Paar, bliebt aber bis zum Tod Olgas (1955) verheiratet.
18. Februar 2017
Pablo Picasso, Guernica, Detail, Paris, 1. Mai bis 4. Juni 1937, Öl auf Leinwand, 349,3 x 776,6 cm (Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofia © Sucesión Pablo Picasso, VEGAP, Madrid, 2017)

Picasso: Guernica Ausstellung zum 80. Geburtstag des Gemäldes im Museo Reina Sofia, Madrid

„Guenica“, Pablo Picassos 27 Quadratmeter großer Aufschrei gegen das Bombardement der gleichnamigen Stadt im Baskenland, wurde 1937 im Spanischen Pavillon auf der Weltausstellung in Paris erstmals dem Publikum gezeigt. Zum 80. Geburtstag des Gemäldes richtet das Museo Reina Sofia in Madrid, wo sich das Werk seit 1992 befindet, eine Werkmonografie aus. Unter dem Titel „Pity and Terror in Picasso: The Path to Guernica“ zeigen die Kuratoren Timothy James Clark und Anne M. Wagner etwa 150 Gemälde Picassos.
21. September 2016
Pablo Picasso, Frau mit gefalteten Händen, 1907, Musée national Picasso – Paris (links); Mutter mit Kind, 1907, Musée national Picasso – Paris (rechts), Ausstellungsansicht „Fremde Götter. Faszination Afrika und Ozeanien“ im Leopold Museum 2016/17, Foto: Alexandra Matzner © Bildrecht.

Picasso war ein Afrikaner! Afrikanische Kunst und Primitivismus in der Moderne

Was bedeutet(e) die Entdeckung der afrikanischen Kunst und etwas später der ozeanischen Kunst für die Entwicklung der Moderne in Europa? Die brüske Antwort Picassos lautete 1923: „Afrikanische Kunst? Die kenne ich nicht!“ Dass diese harsche Abwehr mitnichten des Pudels Kern beschreibt, ist in den letzten Jahren auch durch Ausstellungsprojekte vielfach herausgearbeitet worden. Der hohe Grad an Stilisierung und Abstraktion, der allerdings nicht als Zeichen für fehlenden Realismus in der afrikanischen Kunst gedeutet werden darf, irritierte und begeisterte das europäische Publikum. Dass die Radikalität der künstlerischen Produktion im frühen 20. Jahrhundert, ihre Brüche mit den Traditionen und ihre Formfindungen nicht ohne die Auseinandersetzung mit der als „primitiv“, d. h. nicht von der europäischen Zivilisation verbildeten, gesammelten und wertgeschätzten Kunst entstehen hätte können, muss nach diesem Museumsbesuch zweifelsfrei anerkannt werden.
5. August 2016
„La femme au miroir“ in Jena, Cover des Ausstellungskatalogs

Französische Druckgrafik von Manet bis Picasso

Eine interessante Auswahl französischer Druckgrafik aus der Coninx-Stiftung Zürich – von Werken der Impressionisten bis Pablo Picasso – ist derzeit in der Kunstsammlung Jena zu sehen. Gezeigt werden 77 Druckgrafiken von den Impressionisten, Nabis und der Schule von Paris sowie 46 Werke von Pablo Picasso.
4. Februar 2013
Poster Picasso/Duchamp - He was wrong, Detail, 2012 © Moderna Museet.

Picasso/Duchamp

Picasso und Duchamp steigen erstmals in den Ring! Zumindest inszeniert das Stockholmer Moderna Museet derzeit Picasso als den „Maler“ gegen Duchamp als das „Gehirn“. Kuratorin Annika Gunnarsson spielt mit dem Gedanken, zwei der wichtigsten Künstler des 20. Jahrhunderts wie Boxer gegeneinander antreten zu lassen.
12. Januar 2011
Pablo Picasso, Taube mit Olivenzweig, 28. Dezember 1961, Courtesy Saint-Denis, Musée d'art et d'histoire und Irène Andréani © Succession Picasso/VBK, Wien 2010.

Picasso: die Erfindung der Friedenstaube

Der Spanier in Paris, der unbeugsame und unkorrumpierbare Künstler, der von den Nationalsozialisten als „entartet“ eingestuft worden war, erreichte nach 1944 weltweit Kultstatus, was nicht nur mit seiner künstlerischen Arbeit zu tun hatte, sondern auch seinem (wenig bekannten) politischen Engagement. Im Oktober 1944 trat Pablo Picasso (1881-1973) der kommunistischen Partei Frankreichs (der PCF) bei und blieb deren Mitglied bis zu seinem Tod.
17. Oktober 2010
Zürcher Kunstgesellschaft Kunsthaus Zürich (Hg.): Picasso. Die erste Museumsausstellung 1932, 2012, Prestel Verlag

Picasso. Die erste Museumsausstellung 1932 Wendepunkt zum modernen Ausstellungsbetrieb

Die erste Museumsausstellung von Pablo Picasso 1932 im Kunsthaus Zürich ist nicht nur als Wegmarke in der Rezeption des Künstlers, sondern auch als Wendepunkt zum modernen Ausstellungsbetrieb zu sehen. Eindrucksvoll und selbstkritisch präsentieren Tobia Bezzola, Christian Geelhaar, Simonetta Fraquelli und Michael FitzGerald die Entstehungsgeschichte jener Ausstellung, die die Beziehung zwischen zeitgenössischer Kunstproduktion, Kunsthändlern, Sammlern und Museum völlig veränderte.
15. September 2006
Pablo Picasso, Die Umarmung, 1. Juni 1972, Öl auf Leinwand, 130 x 195 cm © Succession Picasso/VBK, Wien, 2006, Larry Gagosian, Foto: Robert McKeever.

Picasso. Malen gegen die Zeit Das Alterswerk des Malers

Mann und Frau werden eins – oder doch nicht? Phallus und Vagina stehen einander in der Mitte des Bildes diametral gegenüber. Kaum ist erkennbar, zu welchem Körper welches Bein gehört, wie die deutlich ausgezeichneten Brüste links oder der Bauchnabel rechts mit der Anatomie der Figuren in Übereinstimmung zu bringen ist. Der linke, wohl weibliche Körper streckt einen Arm nach oben, während der rechte mit seinen Armen sein Gesicht verdeckt. Obwohl die Körper orgiastisch miteinander verschränkt sind, will doch kein rechtes Gefühl einer glücklichen Vereinigung aufkommen. „Die Umarmung“ ist das letzte Gemälde, das Picasso am 1. Juni 1971 fertig stellte.

Picasso

Pablo Picasso

Wer war Pablo Picasso?

Pablo Picasso (1881–1973) war ein spanischer Maler, Grafiker und Bildhauer. Er gilt als einer der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts, dessen Produktivität ein Gesamtwerk von mehr als 15.000 Gemälden hervorbrachte. Picasso kam als Sohn des Malers und Zeichenlehrers José Ruiz Blasco und dessen Ehefrau Maria Picasso y Lopez in Malága zur Welt. Ab 1901 nutzte er den aus Italien stammenden Namen seiner Mutter als Künstlernamen, da ihn die zwei „S“ faszinierten und er ihn für wohlklingender hielt. Der Ruhm Picassos ist mit der Erfindung des Kubismus – gemeinsam mit George Braques – verknüpft. Sein Gemälde „Les Demoiselles d‘Avignon“ (März–Juli 1907, MoMA) avancierte in den 1920er Jahren zur Ikone der Moderne.

 

Blaue und Rosa Periode

Der frühreife Künstler löste sich 1901 vom Akademismus und den Avantgarden in Barcelona und Paris (→ Pablo Picasso und Henri de Toulouse-Lautrec). Er entwickelte nach dem Selbstmord seines Freundes Casagemas die sogenannte Blaue Periode (→ Pablo Picasso: Blaue Periode), der 1906 die Rosa Periode (→ Pablo Picasso: Rosa Periode) folgte. Wählte Picasso in der Blauen Periode Bettler, Mütter mit Kindern (aus dem Gefängnis St. Lazare), Absinthtrinker als Motive seiner Bilder, so wandte er sich ab 1906 Gauklern, Harlekinen zu. Die charakteristische blaue bzw. rosa Färbung der Werke wird als Ausdruck von Melancholie und Hoffnung gedeutet. Im Sommer 1906 verbrachte Pablo Picasso mit Fernande Olivier einige Wochen im katalonischen Gosol, wo er sich der Aktmalerei zuwandte und zu voluminösen Körpern gelangte. Die Gemälde „Das Leben“ und „Die Gauklerfamilie“ sind die Hauptwerke dieser ersten beiden Stilphasen im Werk von Pablo Picasso.

 

Efindung des Kubismus

Das Schlüsselwerk der Moderne ist Picassos Gemälde „Les Demoiselles d’Avignon“ (1907), auf dem er erstmals Figuren aus verschiedenen Perspektiven gleichzeitig zeigte. Damit legte er einen Grundstein für den ab 1908 gemeinsam mit Georges Braque entwickelten Kubismus. Ausgehend von den Überlegungen Paul Cézannes und afrikanischer Plastik, zerlegten Picasso und Braque die Bildgegenstände in Facetten und quaderförmige Strukturen. Volumen und Rhythmus wurden wichtiger als die Farbigkeit, die zugunsten einer nahezu monochromer Farbgebung reduziert wurde. Dem analytischen Kubismus folgte ab 1912 der synthetische, für den die beiden Maler die Methode des Collagierens in ihren Gemälden einsetzten. Mit ihren Experimenten lösten Picasso und Braque eine Welle an Begeisterung aus – zumindest in einer kleinen Gruppe Pariser Avantgardisten. Zu den Kubisten (zweiten Ranges) zählen Juan Gris, Robert Delaunay und Fernand Léger, die auch als die „Salonkubisten“ bekannt wurden.

 

Zurück zur Klassik und Liaison mit dem Surrealismus

Ab 1917 löste sich Pablo Picasso vom Kubismus und wandte sich dem Klassizismus von Ingres zu. Auslöser waren die erste öffentliche Präsentation von „Les Demoiselles d’Avignon“ und seine Arbeit für das Ballett „Parade“ für die Truppe von Sergei Diaghilev. Picasso gestaltete Bühnenbild, Kostüme und Vorhang – und traf seine erste Ehefrau Olga (→ Picassos erste Frau: Olga Picasso). Nach der Hochzeit 1918 und dem Ende des Ersten Weltkriegs war Picasso – neben Henri Matisse – zum führenden Maler Frankreichs avanciert. Auch seine internationale Reputation war während der 1910er Jahre enorm gestiegen. Maurice Raynal publizierte 1921 die erste Monografie über Pablo Picasso in München. 1923 erschien in der Zeitschrift „The Arts“ das erste bedeutende Interview von Picasso. Christian Zervos, der Gründer von „Cahiers d’art“ wurde ab 1932 der Herausgeber des Werkkatalogs.

1922 lernte Picasso die dadaistischen und surrealistischen Dichter André Breton, Louis Aragon und Tristan Tzara kennen, wobei Breton nicht nur „Les Demoiselles d’Avignon“ an einen Gönner verkaufte, sondern Picasso auch für die Bewegung des Surrealismus anzuheuern versuchte. Der ältere Maler hatte bereits 1921 Besuch seines jüngeren Landsmannes Joan Miró erhalten. Pablo Picasso setzte sich in seiner Kunst mit dem Surrealismus auseinander und stellte mit der Gruppe aus, ohne sich je zur Gruppierung zugehörig zu fühlen.

Das Liebesleben von Picasso war lebenslang von seiner überbordenden Männlichkeit geprägt, wobei sich der Maler durchaus darin gefiel, wenn sich zwei Frauen um ihn im wahrsten Sinn des Wortes prügelten. 1927 traf er die damals 15-jährige Marie-Thérèse Walter (1909–1977), die zuerst sein Modell und dann seine Geliebte wurde. Als sie 1935 ihre gemeinsame Tochter María de la Concepción, genannt Maya, zur Welt brachte, ließ sich die Affäre nicht mehr verheimlichen, und Olga verließ mit Paulo Picasso. Zwischen 1936 und 1943 hatte er eine Beziehung mit Dora Maar, dann folgten Françoise Gilot (1943–1953) und Jacqueline Roque, die Picasso nach Olgas Tod am 2. März 1961 heiratete.

 

Erste Retrospektiven und Guernica

Die nationale wie internationale Bekanntheit des Malers aus Spanien war Anfang der 1930er Jahre so gestiegen, dass er 1932 zwei selbst kuratierte Einzelausstellungen ausgerichtet bekam: Der ersten Retrospektive in der Galerie Georges Petit in Paris (16.6.–30.7.) folgte eine zweite im Kunsthaus Zürich (11.9.–13.11. → Picasso. Die erste Museumsausstellung 1932). Diese Erfolge wurden vom Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs 1936 überschattet. Zum Direktor des Prado ernannt, beauftragte ihn die republikanische Regierung mit dem Gemälde „Guernica“ für den spanischen Weltausstellungspavillon 1937 (→ Picasso: Guernica). Während des Zweiten Weltkriegs hielt sich Picasso in Südfrankreich auf und trat am 5. Oktober 1944 der Kommunistischen Partei Frankreichs bei.

 

Von der „Fliegenden Taube“ zur Friedenstaube

Nach dem Zweiten Weltkrieg zählte Pablo Picasso zu den berühmtesten lebenden Künstlern seiner Zeit. Er nahm mehrfach an Weltfriedenskongressen teil (1948, 1950). Für jenen in Sheffield 1950 entwarf er die Lithografie „Fliegende Taube“, die als Friedenstaube zum Symbol des Friedens schlechthin wurde (→ Picasso: die Erfindung der Friedenstaube).

 

Späte Werke

Ab 1953 wurde der Jahrhundertmaler in unzähligen Retrospektiven geehrt. Daraufhin beschäftigte er sich in seinem Spätwerk mit berühmten Bildern aus der Kunstgeschichte wie „Die Frauen von Algier“ von Eugène Delacroix, „Las Meninas” von Diego Velázquez, „Der Raub der Sabinerinnen“ nach Poussin und Jacques-Louis David oder „Frühstück im Freien“ nach Edouard Manet (→ Picasso. Malen gegen die Zeit). Der Abstraktion öffnete sich der Malerstar jedoch zeitlebens nie, obwohl er bei einigen bahnbrechenden künstlerischen Entwicklungen des 20. Jahrhunderts impulsgebend war:

„Es gibt keine abstrakte Kunst. Man muss immer mit etwas anfangen. Nachher kann man alle Spuren der Wirklichkeit entfernen. Dann besteht ohnehin keine Gefahr mehr, weil die Idee des Dinges inzwischen ein unauslöschliches Zeichen hinterlassen hat.“ (Pablo Picasso über seine Ablehnung der Abstraktion)

Pablo Picasso und Jacqueline Roque lernten einander 1952 kennen, als Jacqueline Gehilfin der Keramikerin Suzanne Ramié (1905–1974) war. Im gleichen Sommer kühlte die Beziehung Picassos zu Françoise ab und er kehrte Ende Oktober 1952 allein nach Paris zurück. Mehrere Monate hinweg wechselte er seine Aufenthaltsorte zwischen Vallauris und Paris. Im August 1953 führt Picasso auf Einladung des Ehepaares Lazerme mit Maya und Paul nach Perpignan am Fuß der östlichen Pyrenäen, wo er die inzwischen geschiedene Jacqueline wiedertraf. Nach der Rückkehr trennte sich Françoise von ihm und kehrte mit den Kindern nach Paris zurück. Erst im folgenden Jahr stand Jacqueline erstmals Modell für Pablo Picasso (Juni und Oktober 1954). In einer Reihe von Porträts kombinierte er Elemente des Kubismus und des synthetischen Stils, der für ihn charakteristisch war. Die Bildnisse sind als formale Kontraste aufgefasst: großflächige Gestaltung (v.a. im Hintergrund) steht neben zeichnerisch durchgearbeiteten Partien, kubistische Formzertrümmerung im Gesicht und antikisches Volumen, dekorative Muster treffen auf spärlich bemalte Leinwand. Die Bilder sind allesamt präzise auf den Tag genau datiert, was die hohe Produktivität des inzwischen über 70-jährigen Malers offenlegt – aber auch dessen fast zwanghaftes Arbeiten im Atelier. Im September trennte er sich endgültig von Françoise und zog mit Jacqueline und deren Tochter Catherine in Paris zusammen.

Jacqueline wurde das Modell für Picassos Abwandlungen der „Frauen von Algier“ (1954) nach Eugène Delacroix (15 Gemälde und zwei Lithografien), die vom Tod Henri Matisses inspiriert waren. Nach dem Tod seiner Ehefrau Olga (11. Februar) erwarb der nunmehr weltberühmte Künstler die Villa „La Californie“ mit einem weitläufigen Garten mit tropischen Bäumen über Cannes. Hier drehte der Dokumentarfilmer Henri-Georges Clouzot im Atelier den Film „Le mystère Picasso“, der den zeichnenden Picasso bei der Arbeit beobachtet. Eines der wichtigsten Bilder des folgenden Jahres ist „Jacqueline im Atelier“ (2.–8. April, Sammlung Rosengart, Luzern), gefolgt von der 58-teiligen Serie zu „Las Meninas“ (17.8.–30.12.) nach Diego Velázquez, Bildnisse von Jacqueline als „Lola aus Valence“ von Edouard Manet.

Im September 1958 tausche Picasso die „Villa Californie“ gegen das Schloss Vauvenargues aus, da immer mehr Zaungäste den „Mythos Picasso“ sehen wollten. Schloss Vauvenargues liegt am Fuß der Mont Sainte-Victoire in der Nähe von Aix-en-Provence. Der letzte Lebens- und Arbeitsort Picassos sollte ab Juni 1961 die Villa Notre-Dame-de-Vie in der Nähe des Dorfes Mougins in den Bergen oberhalb von Cannes werden. Kurz zuvor, am 2. März 1961 hatten er und Jacqueline geheiratet. Im folgenden Jahr entstand am 6. Januar „Sitzende Frau mit gelbgrünem Hut“ (6.1.1962, Sammlung Catherine Hutin-Blay), dem allein in diesem Jahr über 70 Porträts in den Medien Malerei, Zeichnung, Keramik und Grafik folgten. In den folgenden elf Jahren, die Picasso bis zu seinem Tod am 8. April 1973 noch blieben, kreiste sein Werk um die Alten Meister – wie Rembrandt van Rijn – und Jacqueline. Am Abend vor seinem Tod überarbeitete er noch den stark abstrahierten „Liegenden weiblichen Akt und Kopf“ (Privatbesitz). Die überbordende Sexualität und Virilität von Picassos Spätwerk, wird hier in einer geometrisch-stilisierenden Darstellung gebändigt.

 

Picasso Museen

Bis heute weithin sichtbares Zeichen von Picassos Bedeutung sind die drei Museen in seinem Namen: 1960 machte das Museu Picasso in Barcelona den Anfang (Eröffnung 1963), gefolgt vom Musée Picasso Antibes 1966 und dem Musée Picasso Paris 1985. Als Pablo Picasso am 8. April 1973 in Mougins verstarb, war er 1971 der erste lebende Künstler, dem die Ehre zuteilwurde im Louvre auszustellen: Anlässlich seines 90. Geburtstags wurden die Werke des Altmeisters in der Großen Galerie des Musée du Louvre präsentiert.

„Kunst wäscht den Staub des Altags von der Seele.“ (Pablo Picasso)

 

Pablo Picassos Frauen: Ehefrauen und Freundinnen

  • Fernande Olivier (1881–1966): Pablo Picasso und die geschiedene Pariserin Fernande Olivier lernten einander im Herbst 1904 kennen. Bis 1911 führten sie eine Beziehung und lebten miteinander.
  • Eva Gouel (geb. Marcelle Humbert, 1885–1915): 1911–1915
  • Olga Chochlowa (1891–1955): 1. ⚭ 1918, russische Tänzerin und Mutter von Paulo Picasso; 1937 trennte sich Pablo Picasso von ihr und lebte mit Marie-Thérèse Walter und ihrer gemeinsamen Tochter zusammen. Dennoch ließ er sich nie von Olga scheiden. → Picassos erste Frau: Olga Picasso
  • Marie-Thérèse Walter (1909–1977): 1926–1936; erste Begegnung am 8. Januar 1927 vor den Galeries Lafayette, Modell und Mutter von María de la Concepción, genannt Maya Picasso (* 5. Oktober 1935)
  • Dora Maar (1907–1997): 1936–1943, Fotografin und Malerin, Surrealistin und Kommunistin. Dora Maar dukomentierte die Arbeit an „Guernica“.
  • Françoise Gilot (* 1921): 1943–1953, französische Malerin und Grafikerin. Gilot lebte ab 1948 mit Picasso in Vallauris in Südfrankreich. Sie ist die Mutter von Paloma und Claude Picasso.
  • Jacqueline Roque (1927–1986): 2. ⚭ 2. März 1961, Als Jacqueline Picasso kennenlernte, war sie 46 Jahre jünger als der Malerstar und Keramikverkäuferin bei Madoura in Vallauris, in dessen Atelier Picasso seit 1946 keramische Arbeiten schuf.

 

Kinder

  • Paulo Picasso (1921–1975)
  • María de la Concepción, genannt Maya Picasso (* 5.10.1935)
  • Claude Picasso (* 15.5.1947)
  • Paloma Picasso (* 19.4.1949)

Beiträge zu Pablo Picasso

icon

40

grid

3

pablo-picasso-werke-steckbrief

date

DESC