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Aert van der Neer: Große Winterlandschaft Eisvergnügen bei Sonnenuntergang

Aert van der Neer (1603–1677), Große Winterlandschaft mit Eisvergnügen bei Sonnenuntergang, Öl auf Leinwand; 98 x 126,5 cm, Hohenbuchau Collection, Inv.-Nr. HB 43.

Aert van der Neer (1603–1677), Große Winterlandschaft mit Eisvergnügen bei Sonnenuntergang, Öl auf Leinwand; 98 x 126,5 cm, Hohenbuchau Collection, Inv.-Nr. HB 43.

Winterlandschaften haben in der niederländischen Malerei eine alte Tradition, gehen sie doch auf die Monatsbilder in Kalender zurück. Seit Hendrick Averkamp und Pieter Bruegel dem Älteren sind Winterbilder auch nicht mehr ausschließlich im religiösen Zusammenhang gemalt worden (→ Pieter Bruegel der Ältere). Als Aert van der Neer (1603/04–1677) begann, sich mit diesem Thema zu beschäftigen, hatte es schon einen wichtigen Platz unter den differenzierten Landschaftsschilderungen der Niederländer.

Man kann dieses großformatige Gemälde aus der Hohenbuchau Collection unter die Kategorie „Wintervergnügen“ und „Eisbelustigung“ reihen (→ Brueghel, Rubens, Jordaens...). Diese sind teils farbig ausgefallen komponiert, was als flämischer Einfluss, genauer Averkamps Einfluss, gedeutet wird. Er spezialisierte sich auf Themen, die toniges, nahezu monochromes Kolorit verlangten: Nachtstücke und Winterlandschaften. Auch dem Wasser konnte er, wie in diesem Gemälde, viel abgewinnen und platzierte Flüsse gerne in der Bildmitte. Darauf sind nahsichtig Handlungen dargestellt, die Aert van der Neer aus der niederländischen Tradition ableitete.

Der seit 1629 in Amsterdam lebende Barockmaler ist vielleicht von Camphuysen in Gorkum ausgebildet worden, da er 1629 dessen Schwester Elisabeth heiratete. Die Biografie ist bis heute lückenhaft, sein Aufenthaltsort in den 1630ern unbekannt. Nachweislich führte er zwischen 1659 und 1662 eine Gastwirtschaft in der Kalverstraat und arbeitete auch als Weinhändler. Allerdings dürfte er weder als Maler noch als Geschäftsmann sehr erfolgreich gewesen sein, er ging bankrott und verstarb verarmt. Heute gilt Aert van der Neer als einer der bedeutendsten Maler des „Goldenen Zeitalters“ in den Niederlanden und somit des Barock – mit Spezialisierung auf Nacht- und Winterlandschaften. Sein Sohn Eglon van der Neer (um 1635), eines von sechs Kindern, arbeitete u.a. als kurpfälzischer Hofmaler in Düsseldorf.

 

 

Aert van der Neer, Große Winterlandschaft: Bilder

  • Aert van der Neer (1603/04–1677), Große Winterlandschaft mit Eisvergnügen bei Sonnenuntergang, Öl/Lw; 98 x 126,5 cm (Hohenbuchau Collection, Inv.-Nr. HB 43)
  • Aert van der Neer, Flussansicht im Winter, um 1655–1660, Öl/Lw, 64 × 79 cm (Rijksmuseum, Amsterdam)

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Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.