8.3.1945
Anselm Kiefer wurde am 8. März 1945 als Sohn des Wehrmachtsoffiziers Albert Kiefer und dessen Ehefrau Cilly im Luftschutzkeller eines Krankenhauses in Donaueschingen (Baden-Württemberg) geboren. Kurz vor und nach seiner Geburt wurde die Stadt schwer bombardiert. Sein Vater wurde später Hilfslehrer, nachdem er Offizier bei der Wehrmacht war.
1951
Umzug die Familie ins badische Ottersdorf. Im nahegelegenen Rastatt besuchte Kiefer das Gymnasium. Frühe künstlerische Förderung durch den Vater.
1954
Mit neun Jahren begann Kiefer mit der Arbeit an einem achtbändigen Märchenbuch, das er illustrierte und das unter anderem Geschichten wie „Sinnbad der Seefahrer“ enthält.
1958
In der Schule begegnete er der Poesie von Paul Celan (1920–1970), einem in Rumänien geborenen, deutschsprachigen jüdischen Dichter, dessen Werke ihn tief berührten. Unter Celans Werken hinterließ die „Todesfuge“, das er nach seiner Zeit als Gefangener in einem Zwangsarbeitslager schreib, bei Kiefer einen bleibenden Eindruck.
1960
Anselm Kiefer kopierte Vincent van Goghs „Selbstbildnis als Maler“ (1887–1888) und fertigte ein Kohleporträt seiner Großmutter an. 1973 integrierte er dieses Werk in „Landschaft mit Kopf“.
1963
Kiefer erhielt ein Reisestipendium, das es ihm ermöglichte, den Spuren Vincent van Goghs zu folgen. Von Arnheim aus reiste Kiefer per Autostopp nach Zundert, Van Goghs Geburtsort, wo er ein Porträt der Familie Mutsters malte, die ihn an die Bauern in „Die Kartoffelesser“ erinnerte. Nach einem Besuch in Amsterdam führte ihn seine Reise weiter über Belgien nach Paris, Auvers-sur-Oise und Saint-Rémy-de-Provence. Kiefers Reise resultierte in einem Tagebuch voller Zeichnungen und Notizen, für das er mit dem Jean-Walter-Preis ausgezeichnet wurde. Es enthält vielen Skizzen, in dem er viele Landschaftszeichnungen und Porträts, mehr oder weniger im Stil van Goghs, machte (veröffentlicht). Jean Genet wurde prägend für spätere Werke.
1965
Studium der Rechtswissenschaften und Romanistik an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg im Breisgau, das Anselm Kiefer jedoch nicht abschloss.
1966
Anselm Kiefer verbrachte drei Wochen in Sainte-Marie de La Tourette, einem von Le Corbusier entworfenen Kloster in Éveux bei Lyon, wo er unter den Dominikanermönchen lebte und „die Spiritualität des Betons“ erlebte. Danach immatrikulierte sich an der Kunstakademie Freiburg, wo er bei dem Maler Peter Dreher studierte (bis 1968).
1967
Teilnahme an der Ausstellung „Wege 67. Deutsche Kunst der jungen Generation“ im Dortmunder Museum am Ostwall (21.1 –12.3.) - zum ersten Mal mit Richter und Polke.
1968
Kiefer mietete sein erstes Atelier in Karlsruhe und begann mit der Kamera seines Vaters zu fotografieren.
1969
Anselm Kiefer setzte seine Ausbildung an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe bei dem Maler, Grafiker und Bildhauer Horst Antes fort. Sein Abschlussprojekt widmete er einer Reihe radikaler Aktionen, die er „Besetzungen“ (Sommer/Herbst 1969) nannte. Um „konzeptuell die Identifikation mit den Tätern zu simulieren“ (Schütz 1999, S. 24) führte er in der Uniform seines Vaters in der Schweiz (Bellinzona, Küsnacht), Holland, Frankreich (Montpellier, Sète und Arles), Italien (Rom, Paestum, Pompeij, Neapel, Farnese-Palast in Caprarola) (parodierend) den Hitlergruß aus. Die Arbeit rief einen Skandal hervor und wurde von der Mehrheit der Professoren abgelehnt. Nur die Professoren Peter Dreher und Rainer Küchenmeister, die als Kommunisten deportiert worden waren, standen ihm bei. Im selben Jahr fotografierte er sich auch in einem gehäkelten Kleid in seinem Karlsruher Atelier, eine Anspielung auf den französischen Dichter Jean Genet. Diese beiden Fotogruppen, ebenfalls „Heroische Sinnbilder“ betitelt, sind nach einem Artikel aus dem Jahr 1943 benannt, der in der offiziellen Nazi-Kunstzeitschrift „Die Kunst im Deutschen Reich“ erschien. Der Artikel enthielt Abbildungen „heroischer Symbole“ – darunter Gemälde, Skulpturen und Denkmäler – aus der deutschen Kultur. Kiefers Fotografien, manchmal übermalt, wurden später in seinen frühen Künstlerbüchern abgedruckt.
1969─1972
Fortsetzung des Kunststudiums bei Joseph Beuys in Düsseldorf, der an Kiefers kritischer Absicht bei dieser Aktion nicht zweifelte.
1969: Künstlerbücher
Kiefer schuf Hefte und publizierte sie teilweise als Bücher: „Die Donauquelle“, „Die Frauen“, „Die Himmel“, „Scherben“, „Für Jean Genet“, „Die Überschwemmung Heidelbergs“, „Koll bei Kiefer“, „Du bist Maler“ sowie „Heroische Sinnbilder (symboles héroïques)“ (Sammlung Würth) und „Heroische Sinnbilder II (Montpellier)“. Der Titel „Heroische Sinnbilder“ ist einer Artikelüberschrift der Zeitschrift „Die Kunst im Deutschen Reich“ vom Februar 1943 entnommen
1970
Schuf 1969/70 eine Reihe von Gemälden, Gouachen und Aquarellen, in denen er den einsamen Künstler mit Hitler-Gruß vor weiten Landschaften nochmals aufgriff (Sammlung Würth). „Bilder und Bücher“ (3.–27.2.), Kiefers erste Einzelausstellung fand in der Galerie am Kaiserplatz in Karlsruhe statt. Malte „Winterlandschaft“; die Landschaft wurde zu einem wichtigen Motiv in seinem Werk. Laut Kiefer gibt es keine unschuldige Landschaft: Die Natur ist nicht nur mit Geschichte, sondern auch mit Symbolen, Mythen und Ideen aufgeladen. Anselm Kiefer stellte die Produktion von Büchern zugunsten von Gemälden für vier Jahre ein (bis 1974).
1971
Anselm Kiefer entwickelte eine eigene Bildsprache, in der Mythologie, Poesie und die jüngste deutsche Vergangenheit im Mittelpunkt stehen. Ermutigt durch seinen Mentor Joseph Beuys wurde Kiefer zu einem der ersten deutschen Künstler der jüngeren Generation, der sich in seinen Werken mit den Gräueltaten des Dritten Reichs auseinandersetzte und sie thematisierte.
Umzug von Karlsruhe nach Odenwald, wo Kiefers erste Ehefrau eine Stelle als Lehrerin annahm. Kiefer richtete sein Atelier im Dachgeschoss des ehemaligen Schulhauses in Walldürn-Hornbach ein. Teilnahme an der Aktion „Überwindet endlich die Parteiendiktatur - Rettet den Wald“ von Joseph Beuys und etwa 50 seiner Schüler im Wald von Grafenberg in der Umgebung von Düsseldorf. Um einen Teil des Waldes, der für einen Tennisclub gefällt werden sollte, zu schützen, arbeitete er mit der germanischen Mythologie und dem Geist des Waldes.
1972
Anselm Kiefer malte „Holzraum“ und „O, Du Lamm Gottes“.
1973
Arbeitete über die Nibelungen und Parsifal von Richard Wagner und die „Edda“. Anselm Kiefers berühmte Werke „Glaube, Hoffnung, Liebe“, „Vater Sohn hl. Geist“, „Der Nibelungen Leid“ und „resurrexit“ entstanden mit dem Dachboden des ehem. Hornbacher Schulhauses als Schauplatz christlicher, mythologischer oder historischer Inszenierungen. Ihre Kompositionen sind geprägt von der Perspektive seines Dachbodens, den Kiefer auch fotografiert. Er malte „Deutschlands Geisteshelden“ und schuf Werke, die sich auf die Themen von Wagners Ring des Nibelungen beziehen. Stellte diese Gemälde in der Ausstellungsreihe „14 mal 14 Junge deutsche Künstler“ der Kunsthalle Baden-Baden vor (16.–29.3.). Georg Baselitz erwarb Bilder von Anselm Kiefer. Der Galerist Michael Werner zeigte „Notung“, eine Einzelausstellung von Anselm Kiefer in Köln (bis 1977, vertrat ihn bis 1979). Danach waren sie in der Schau „Der Nibelungen Leid“ im Goethe-Institut in Amsterdam (24.9.–13.10.) zu sehen und anschließend die Präsentation seiner Parsifal-Werke, beide in der Galerie im Goethe-Institut/Provisorium, Amsterdam.
1974
Kiefer fertigte seine ersten Holzstiche mit astigen, harzigen Holzarten im Jahr 1974. Die wichtigsten Werke des Jahres sind: „Maikäfer flieg“, „Malerei der verbrannten Erde“, „Nero malt“, „märkische Heide“. Präsentierte „Parsifal“ (1973) in der Ausstellung „Bilanz einer Aktivität“ in der Galerie im Goethe-Institut/Provisorium in Amsterdam (mit Jochen Gerz, Georg Baselitz, Sigmar Polke, Arnulf Rainer, André Thomkins, A. R. Penck und Markus Lüpertz). Ausstellung „Heliogabal“ in der Galerie ’t Venster in Rotterdam (26.10.–21. 11.). Reise nach Norwegen.
1975
„Piet Mondrian – Unternehmen „Seelöwe“. Das Avantgarde-Magazin „Interfunktionen“ (Nr. 12), herausgegeben von Benjamin Buchloh, publizierte eine Auswahl von 18 Fotografien aus den „Besetzungen“ unter dem Titel „Anselm Kiefer. Zwischen Sommer und Herbst 1969 habe ich die Schweiz, Frankreich und Italien besetzt. Ein paar Photos“. Der Beitrag löste einen Skandal aus und führte schließlich zur Einstellung der Publikation. Der Möbeldesigner und Sammler Martin Visser kaufte sein erstes Werk von Kiefer: „Dream King“ (1974), das 2001 vom Kröller-Müller Museum in Otterlo erworben wurde. Bei der Reparatur einer Pfeife entdeckte Kiefer Blei und verwendete es als künstlerisches Material. Schuf neun Bände der Bücher „Ausbrennen des Landkreises Buchen“ (1974/75), die in der Ausstellung „Anselm Kiefer, Bücher“ in der Galerie Michael Werner in Köln zu sehen waren.
1976
Kiefer reagiert auf den Minimalismus mit seinen Künstlerbüchern „Donald Judd hides Brünhilde“, die er erstellte, indem er Zeitschriftenfotos auf den Katalog „Donald Judd. Skulpturen“ der Kunsthalle Bern collagierte und diesen übermalte. Drei Monate Aufenthalt in der Deutschen Akademie Villa Massimo in Rom.
1977
Publizierte „Nothung“. Mit 25 Bildern und sechs Büchern fand Anselm Kiefers erste Retrospektive in dem von Dorothea von Stetten geleiteten Bonner Kunstverein statt (17.3.–24.4.), incl. der erstem Monografie über Anselm Kiefer von Evelyn Weiss und Dorothea von Stetten. Teilnahme an der 10. Pariser Biennale im Musée d’Art Moderne und an der 6. Documenta in Kassel: „Metamorphosen der Bücher. Konzept-Bücher“, „Unternehmen „Seelöwe““ (1975) und „Die Überschwemmung Heidelbergs“ (1969). Kiefers Holzschnitte für Künstlerbücher und große Kompositionen tragen u.a. den Titel „Wege der Weltweisheit“ und zeigen Figuren aus Wagners „Ring der Nibelungen“. Der Künstler begann aus zahlreichen Porträt-Holzschnitten ehemals populärer Autoren ein Buch zusammenzustellen: „Die Hermanns-Schlacht“ (1977/1979) thematisiert die schleichende Pervertierung der romantischen Identifikationsfiguren. Die Galerie Michael Werner in Köln zeigte neuere Holzschnitte in „Anselm Kiefer: Ritt an die Weichsel“.
1978
Der Einsatz von Blei wurde sukzessive ein Markenzeichen von Anselm Kiefer. Publizierte „Die Donauquelle“. Einzelausstellungen: „Anselm Kiefer: Bilder und Bücher“ mit „Wege der Weltweisheit“ (1976), „Noch ist Polen nicht verloren“ (1975) und „heroische Sinnbilder“ (1969–1971) in der Kunsthalle Bern, „Wege der Weltweisheit – Die Hermannsschlacht“ (12.5. –16.6.) in der Düsseldorfer Galerie Maier-Hahn. Rudi Fuchs, Direktor des Van Abbemuseums in Eindhoven, besuchte Kiefers Atelier, wo er von „Wege der Weltweisheit“ (1977) tief beeindruckt war. Das Museum Boijmans Van Beuningen in Rotterdam erwarb „Wege V“ (1978) und „Notung“ (1973).
1979
Erste Museumsausstellung in den Niederlanden im Van Abbemuseum, Eindhoven mit dem Titel „Anselm Kiefer, Schilderijen, Houtsneden en Boeken [Gemälde und Aquarelle]“.
1980
Kiefer vollendete den monumentalen Holzschnitt „Wege“ (1977/1980). Anselm Kiefer vertrat die BRD bei der 39. Biennale von Venedig (gemeinsam mit Georg Baselitz „Modell für eine Skulptur“ (1979-1980), Kurator Klaus Gallwitz) mit der Ausstellung „Verbrennen, Verholzen, Versenken, Versanden“. „Deutschlands Geisteshelden“ (1973), „Parsifal“ und vier Versionen von „Wege der Weltweisheit: die Hermannsschlacht“ riefen erneut einen Kunstskandal hervor. Kiefers Werk begann internationales Echo und nationalen „Skandal“ hervorzurufen.
1980: Fotografie und Poesie
Kiefer verwendete weiterhin Fotografien als Material für seine Arbeit und verfolgte das Thema des Rings des Nibelungen in Form von Gouachen auf Fotografien weiter. Eine Fotografie von Catherine Deneuve bildete die Grundlage für „Brünhilde schläft“. Kiefer machte das Bild, während er François Truffauts „La Sirène du Mississippi“ (1969) ansah. Poesie wurde zu einem zentralen Thema von Anselm Kiefers Arbeit. Er malte Aquarelle mit Anspielungen auf Celans Gedicht „Todesfuge“, das die deutsche Margarethe der jüdischen Sulamith gegenüberstellt. Kiefer schuf zahlreiche Variationen von „Dein goldenes Haar, Margarethe“, in denen Margarete durch Stroh dargestellt wird, das ihr „goldenes“ Haar symbolisiert. Das Haar in Variationen von „Dein aschenes Haar, Sulamith“ wird grau oder schwarz dargestellt.
1981
Publizierte „Kyffhäuser“ (1980-1981); Anselm Kiefer stellte erstmals bei Marian Goodman in New York aus. Einzelausstellung im Museum Folkwang, Essen „Margarethe - Sulamith (30.10.-6.12.). In „Innenraum“, „Dem unbekannten Maler“ (1983), „Die Treppe“ (1982-1983), „Die Säulen“ (1983) setzte er die Architektursprache des Dritten Reiches ein (Albert Speer, Wilhelm Kreis). Nutzte ein ehemaliges Fabrikgebäude in der baden-württembergischen Kreisstadt Buchen als Atelier.
1982
Teilnahme an der Gruppenausstellung „Zeitgeist – Internationale Kunstausstellung Berlin“ (16.10.1982-16.1.1983) im Martin-Gropius-Bau und dem Neuen Berliner Kunstverein, kuratiert von Christos M. Joachimides und Norman Rosenthal. Umzug in ein neues Atelier in Buchen (Odenwald), in eine alte Garage.
1983
Die Thematik der Alchemie tauhte in einigen Gemälden von Kiefer auf, wie „Athanor“ (1983 und 1984). Blei, als Material des Saturn und erster Stoff der Alchemie, wird sein wichtigstes Material.
1984
Einzelausstellung „Anselm Kiefer“ mit Gemälden, Aquarellen und Büchern in der Städtischen Kunsthalle in Düsseldorf (24.3.-5.5.), dem Musée d’art moderne de la Ville de Paris und dem Israel Museum in Jerusalem. Sowohl in Frankreich wie in Israel wurden die Werke von Kiefer entgegen so manchen Kritikermeinungen gut aufgenommen. Im Rahmen der Ausstellung bereiste Anselm Kiefer Israel zum ersten Mal.
1985: Blei vom Kölner Dom
Anselm Kiefer erwarb das Blei vom Dach des Kölner Doms, das er für einige seiner Werke weiterverarbeitete, wie „Zweistromland. The High Priestess“. Kiefer schätzt die physikalischen Eigenschaften des Metalls, vor allem seine plastische Formbarkeit, und betrachtet es symbolisch als das Material, das schwer genug ist, um die Last der Menschheitsgeschichte zu tragen. Seine Verwendung von Blei spielt auch auf Alchemisten an, die versuchten, Blei in Gold zu verwandeln.
1986
Erhielt für „Midgard“ (1980–1985) den Carnegie Preis vom Carnegie Museum of Art in Pittsburgh, das Werk wurde angekauft. Einzelausstellung im Stedelijk Museum Amsterdam.
1987
Kiefers Arbeiten wurden auf der „documenta 8“ in Kassel gezeigt, kuratiert von Manfred Schneckenburger. Anselm Kiefer vertrat die BRD auf der 19. Biennale de São Paolo (Kommissär: Armin Zweite). Auf der Reise nahm Anselm Kiefer viele Fotografien von der Stadt auf, die er in „Lilith“ (1987–2000) verarbeitete. Einzelausstellung im Art Institute of Chicago (5.12.1987-31.1.1988), Philadelphia Museum of Art, Museum of Contemporary Art in Los Angeles und im Museum of Modern Art, New York (bis 1989), sowie der Kunsthalle Bern (6.10.–19.11.). Einzelausstellung bei Marian Goodman in New York, erste Ausstellung in Warschau.
1988
Kaufte die ehemalige Ziegelei in Höpfingen bei Heidelberg, wo er ein umfassendes Kunstpark-Projekt „Zweistromland“ plante, benannt nach seiner gleichnamigen Installation. Es ist das erste Mal, dass Anselm Kiefer ein verlassenes Industriegebäude in eine groß angelegte Installation verwandelte. Die Weizenfelder rund um sein Atelier inspirierten ihn, intensiver mit Stroh zu arbeiten. Die Fotos, die er während seiner Zeit im Odenwald von der Landschaft machte, standen Pate für spätere Landschaftsgemälde mit weiten Feldern, ansteigenden Wegen und niedrigen Horizonten, die an die Werke Van Goghs erinnern.
1989
Anselm Kiefer schuf große Bleiskulpturen in Form von Büchern und Flugzeugen. In Polen setzte er den Film „Noch ist Polen nicht verloren“ um. Anselm Kiefer präsentierte in der Galerie Paul Maenz in Köln „Der Engel der Geschichte – Mohn und Gedächtnis“ (17.11.1989-13.1.1990). „Zweistromland“ (1986–1989, zweiflügeliges Regal mit Bleibüchern).
1990
Im September Teilnahme Kiefers an der Eröffnungsausstellung des neuen Gebäudes des Israel Museum in Jerusalem „Life-Size. A Sense of the Real in Recent Art“. Diese zweite Reise nach Israel führte Kiefer näher an die jüdische Mystik. Das zeigte sich in der Bleibibliothek mit dem Titel „Chevirat Ha-Kelim [Der Bruch der Vasen]“, die sich auf den Schöpfungsmythos der Kabbala bezieht. Im Mai verlieh ihm die Knesset (Jerusalem) den Preis der Wolf Foundation für seine Arbeit über Menschlichkeit und freundschaftliche Beziehungen zwischen den Völkern. Weiters erhielt er den Kunstpreis der Stadt Goslar (D) wo er im Kloster mit „Johannis-Nacht“ eine ständige Installation schuf. Es ist die erste außerhalb von Kiefers Atelier! Ausstellung in der Kunsthalle Tübingen „Anselm Kiefer Bücher 1969–1990“ (29.9.-18.11.)
1991
Dreijährige Malpause und Reisen durch Nepal und Thailand, nach China, Korea, Australien, Japan und Mexiko, Guatemala. Kiefer widmete sich nun dem Fotografieren und dem Schreiben. Ende der ersten Ehe. Die BBC drehte eine Dokumentation über ihn. Kiefer entwickelte einige Aktionen für diese Aufnahmen wie „Lion de Mer“ über die militärische Invasion der Deutschen in England am Beginn des Zweiten Weltkriegs.
1992
Nach 20-jähriger Arbeit im Odenwald verließ Kiefer Deutschland (ohne seine Ehefrau und die drei Kinder) und übersiedelte nach Barjac in Südfrankreich (in der Nähe von Nîmes). Er wählte eine alte Seidenweberei, die er „La Ribaute“ nannte, als neues Atelier. Er baute Barjac zu einem Gesamtkunstwerk aus. Auf den 25 Hektar Land renovierte Kiefer das Hauptgebäude, baute Tunnel und Übergänge, ein Amphitheater, „Häuser“, die als Behälter seiner Werke dienen und Türme aus Beton. Der Rhythmus seiner Ausstellungen verlangsamte sich dadurch notgedrungen, da diese Phase auch durch neue Reisen über die ganze Welt gekennzeichnet ist: USA, Thailand, Australien und Indonesien.
1993
Aufenthalt in Indien, Besuch von Assam, Nationalpark von Kaziranga, die Vogelheiligtümer von Manas und Jatinga, die Tempel von Gawahati; weiter nach Japan, wo das Sezon Museum of Art in Tokyo, das Kyoto National Museum of Modern Art und in Hiroshima das City Museum of Contemporary Art ihm die Ausstellung „Melancholia“ widmeten. Ende des Jahres Reisen nach China, Pakistan und Nepal. Bezog das weitläufige Areal der aufgelassenen Seidenspinnerei La Ribaute im südfranzösischen Barjac, wo Anselm Kiefer einen riesigen Kunstbereich einrichtete.
1994/95
Nach seiner Rückkehr nach Barjac konzentriert sich Anselm Kiefer 1994 auf die Entwicklung von La Ribaute. Er begann mit Bauarbeiten und verwandelte das verlassene Industriegelände in den folgenden Jahren in ein weitläufiges Kunstwerk mit mehrstöckigen Betontürmen, unterirdischen Tunneln und Pavillons voller Installationen. Kiefer säte Sonnenblumenkerne, die er aus Japan mitgebracht hatte und die ihm als Material und Inspiration für Holzschnitte, Gemälde und seine fotografische Praxis dienten. Er bezog auch die vor Ort angebauten Pflanzen wie Farne, Rosen und Tulpen in seine Werke ein.
Kiefer bereiste Europa und die USA.
1996
Anfang des Jahres unternahm Kiefer seine zweite Reise nach Indien, während dessen er die wichtigsten Städte des Landes besuchte; er hielt sich auch in Ägypten und Marokko auf. Die Fotografien von verschiedenen Gebäuden gingen in die nun entstehenden riesigen Gemälde ein. Kiefers Werke stellen nun reale Architektur frontal dar und scheinen aus den gleichen Werkstoffen gefertigt zu sein. Zwei Typen dominierten diese Phase: die Pyramide, Echo seines Aufenthaltes im Jemen, Mexiko und Ägypten, und Backsteinbauten aus Südindien. Anselm Kiefer entwickelte über diese Ruinenarchitekturen eine Poesie der vergangenen Zeit, des Verschwindens und der Melancholie. In Barjac begann er zwei Serien, für die Kiefer sehr bekannt ist, die Sternenbilder und die Sonnenblumen. Kiefer trug Gouache auf Fotografien auf und schuf Holzschnitte unter dem Titel „Ich halte alle Indien in meiner Hand“, eine Anspielung auf ein Gedicht von Francisco de Quevedo. Die Einzelausstellung „I Hold All Indias in My Hand“ fand in der Anthony d’Offay Gallery in London statt. Gleichzeitig zeigte die South London Gallery neuere Holzschnitte.
1997
Das Museo Correr in Venedig präsentierte die Retrospektive „Anselm Kiefer: Himmel-Erde“ (Juni bis November), die Germano Celant organisierte. Gleichzeitig nahm Kiefer an der 47. Architektur-Biennale teil. Er stellte zwei Bücher aus: „For Robert Fludd“ (1996) und „L’Auvergne“ (1996), weiters das großformatige Gemälde „Dein und mein Alter und das Alter der Welt“ (1997).
1998
Das Metropolitan Museum in New York erwarb ein Ensemble von 54 Arbeiten auf Papier, darunter „Der Rhein“, „Grane“ und „Wege der Weltweisheit – die Hermannsschlacht“, die in der Ausstellung „Anselm Kiefer. Works on Paper, 1969–1993“ präsentiert wurden.
1999
Erhielt den Praemium Imperiale, den Preis der japanischen Künstlervereinigung, für sein malerisches Werk (gleichzeitig Louise Bourgeois für Skulptur, Fumihiko Maki für Architektur, Oscar Peterson für Musik und Pina Bausch für Theater und Film). Kiefer schuf 1999 mehrere Künstlerbücher mit Fotografien, die mit verschiedenen Materialien wie Sand, Kohle und Emulsion überzogen sind. Einige Bilder enthalten Sonnenblumenkerne.
2000
Während des Festival d’automne in Paris wurde Anselm Kiefer die Kapelle Saint-Louis de la Salpêtrière anvertraut, wo er die Intervention „Chevirat Ha-Kelim/Le Bris des vases“ als Referenz auf die Kabbala (entwickelt von Isaac Louria zur Schöpfung der Welt und dem Dogma des Tzimtzum). Kiefer entwickelte die Idee dieses Dogmas als künstlerischem Schöpfungsakt auf sechs monumentalen Gemälden: „Chevirat Ha-Kelim“, Tzimtzum“, „Tikkoun“, „Émanation“, „Sefiroth“ und „Die Ordnung der Engel“ stellte er ein neues Werk aus der Serie „20 Jahre Einsamkeit“ dazu, etwa 30 weiße Bücher mit Spuren von Sperma, Zeichen, handgeschriebenen Notizen, auf Sockeln aus Bleilaub im Presbyterium der Kapelle.
2003
Anselm Kiefer schuf das Bühnenbild für Sophokles‘ „Ödipus auf Kolonos“ am Burgtheater Wien und „Elektra“ von Richard Strauss am Teatro di San Carlo in Neapel (Inszenierungen von Klaus Michael Grüber). Die Société des amis du musée national d’art moderne schenkte anlässlich ihres hundertjährigen Bestehens zehn Gemälde mit dem Titel „La Vie secrète des plantes“ (2001/02), die 2002 in der Galerie Yvon Lambert in Paris präsentiert worden waren.
2004
Zur Eröffnung der Fondazione Hangar Bicocca in Mailand schuf Anselm Kiefer die permanente Installation „I Sette Palazzi Celesti [Die sieben Paläste des Himmels]“, erneut eine Bezugnahme auf die sieben Paläste in der hebräischen Tradition von Sefer Hechaloth. Sie besteht aus sieben Betontürmen mit dem Gewicht von 90 Tonnen und einer Höhe von 14 bis 18 Meter. „Anselm Kiefer“ im Museo Archeologico Nazionale in Neapel, organisiert von Eduardo Cicelyn und Mario Codognato.
2005
Die Einzelausstellung „Anselm Kiefer. Himmel und Erde“ war in Nordamerika im Fort Worth Museum of Modern Art, Texas, im Hirshhorn Museum and Sculpture Garden in Washington, DC, im San Francisco Museum of Modern Art und im Musée d’art contemporain in Montréal zu sehen. White Cube in London zeigte die neuesten Arbeiten Kiefers, der sich von dem russischen Schriftsteller Vélimir Khlebnikhov inspirieren ließ. Kiefer erhielt das Bundesverdienstkreuz und das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst.
2007
Anselm Kiefer gab sein Atelier in Südfrankreich auf und siedelte zwei Jahre später in ausgedienten Lagerhallen des Pariser Kaufhauses La Samaritaine in Croissy-Beaubourg vor den Toren von Paris. In den folgenden Jahrzehnten betreute Kiefer weiterhin die Entwicklung von Projekten in Barjac.
Im Mai war er der erste Künstler, der an der „Monumenta“ teilnahm, die jedes Jahr einen zeitgenössischen Künstler einlädt, ein Original für Hauptschiff des Grand Palais in Paris zu schaffen. Kiefer erarbeitete drei eigenständige Werke speziell für eines der Treppenhäuser entworfen wurden. Mit der Intervention „Sternenfall [Chute d’étoiles]“ würdigte Anselm Kiefer die Schriftsteller Paul Celan und Ingeborg Bachmann. Dem Romanautor Louis-Ferdinand Céline widmete er ein Werk. Im Herbst bezog er sein neues Atelier in Marais. Im Oktober Eröffnung des Werks „Athanor“ (14 x 4 Meter) und die beiden Skulpturen „Danae“ und „Hortus Conclusus“ im Musée du Louvre, Ägyptische Abteilung (Sully Flügel, Nordstiege, erster Stock der Kolonnade).
2008
Anselm Kiefer drehte „Merkaba, Türme“, einen Film über La Ribaute und seine Beton-Türme. Gewann den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels auf der Frankfurter Buchmesse. Kaufte ein weiteres Lager in Croissy-Ost.
2009
Zur Feier ihres 20-jährigen Bestehens beauftragte die Pariser Opéra Bastille unter der Leitung von Gerard Mortier Anselm Kiefer und den deutschen Komponisten Jörg Widmann mit der Schaffung einer musikalischen Darbietung. Die visuelle und musikalische Performance basiert auf Texten aus dem Alten Testament. Der Künstler entwarf Konzept, Regie, Bühnenbild und Kostüme für diese Oper mit dem Titel „Am Anfang“. Erhielt in Paris den Adenauer-de Gaulle-Preis. Ausstellungsbeteiligung in „Von Dürer bis Kiefer: Fünf Jahrhunderte Grafik“ in der Kunsthal Rotterdam.
2010
Im Wintersemester 2010/2011 lud ihn das berühmte Collège de France zu Vorlesungen ein. Kiefer war der erste bildende Künstler, der den einjährigen Lehrstuhl für künstlerisches Schaffen am Collège de France in Paris innehat. Seither lehrt er dort als Professor. Sein Antrittssemester war unter das Thema „L’art survivra à ses ruines“ gestellt, die Vorlesungen hielt er gemeinsam mit Olivier Kaeppelin, Roland Recht, Danièle Cohn, Germano Celant, Daniel Buren und Antoine Compagnon. Für das Rijksmuseum in Amsterdam schuf Kiefer „La Berceuse (für Van Gogh)“, ein aus drei Vitrinen bestehendes Werk, das gegenüber von Rembrandts „Nachtwache“ installiert wurde.
2011
Anselm Kiefer erhielt in New York die Leo-Baeck-Medaille, einen Preis für Beiträge zur Erinnerung an die deutsch-jüdische Kultur. Kulturminister Frédéric Mitterrand schlug Kiefer zum Commandeur de l’Ordre des arts et lettres. Das Rijksmuseum in Amsterdam zeigte die Ausstellung „Kiefer & Rembrandt“.
2012
Nach zahlreichen Kooperationen mit der Galerie Gagosian in New York, Los Angeles und Rom eröffnete Anselm Kiefer die neuen Galerieräume in Le Bourget bei Paris mit der Ausstellung „Morgenthau Plan“. Der Titel bezieht sich auf den gescheiterten Plan des amerikanischen Finanzministers Henry Morgenthau, Deutschland zu deindustrialisieren und in ein Agrarland zu verwandeln. Diese historische Episode setzte der Künstler in großformatigen Gemälden voller blühender Landschaften und Kornfelder um. Die Galerie Thaddaeus Ropac präsentierte in Pantin Die Ungeborenen".
2013
Im Auftrag des Louvre schuf Anselm Kiefer Holzschnitte für den Eingangsbereich einer Ausstellung über deutsche Kunst, „De l’Allemagne, 1800-1939“. Nach einer Zeit, die von Mythologie, Religion und Okkultismus geprägt war, kehrte der Künstler zum Thema Deutschland zurück. Ausstellung „Morgenthau-Plan“ in der Galerie Gagosian in Le Bourget bei Paris.
2014
Im Juni 2014 zeigte Kiefer anlässlich der Wiedereröffnung des Mönchehaus Museums Goslar die Ausstellung „Johannis-Nacht“. Im September eröffnete die Royal Academy of Arts in London eine Retrospektive. Das Gemälde „Resurrexit“ (1973) und der Holzschnitt „Wege der Weltweisheit“ (1976-1977) waren unter anderem in „Bad Thoughts“, einer Übersicht von Werken aus der Privatsammlung von Martijn und Jeannette Sanders, im Stedelijk Museum Amsterdam, zu sehen (20.7.2014-10.1.2015). Zusammen mit Alexander Kluge drehte er den Dokumentarfilm „Anselm Kiefer in Barjac“, wo Kiefer eine Residenz eröffnete. Der erste Gast ist Wolfgang Laib, bekannt für seine spektakulären Installationen aus Bienenwachs und Pollen. Scheidung von seiner zweiten Frau, der österreichischen Fotografin Renate Graf.
2015
Im März 2015 eröffnete die Galerie Thaddaeus Ropac in Salzburg die Schau „Im Gewitter der Rosen“, für die sich Anselm Kiefer von Gedichten Ingeborg Bachmanns „Im Gewitter der Rosen“ (1953), der mittelalterlichen Liebeslyrik „Under der Linden“ (um 1170–1230) von Walther von der Vogelweide und Arthur Rimbauds „Le Dormeur du val“ (1870) inspirieren ließ. Stellte in der Galerie White Cube in São Paulo (April) aus.
2015/16: Retrospektiven zum 70. Geburtstag
Zum 70. Geburtstag richteten die Albertina, das Centre Pompidou, die Bibliothèque Nationale in Paris und das Museum der bildenden Künstle Leipzig Anselm Kiefer eine vierteilige Retrospektive aus. Im Oktober eröffnete die BNF-François Mitterrand „Anselm Kiefer – L’Alchimie du livre“ mit den Künstlerbüchern Kiefers (1968-2015). Im Dezember Eröffnung der Retrospektive „Anselm Kiefer“ im Centre Pompidou, der ersten in Frankreich seit 1984 im Musée d’art moderne de la Ville de Paris. Die Albertina zeigte „Anselm Kiefer: Die Holzschnitte“.
2017
Das Musée Rodin in Paris und die Barnes Foundation in Philadelphia präsentierten die Ausstellung „Kiefer – Rodin“.
2018
Anselm Kiefer wurde österreichischer Staatsbürger (Januar). „Uraeus“ (2017–2018), Kiefers erste öffentliche Skulptur in den Vereinigten Staaten, wurde vorübergehend im Rockefeller Center in New York installiert.
2019
„Anselm Kiefer: Livres et xylographies“ wurde in der Fondation Jan Michalski pour l’écriture et la littérature in Montricher, Schweiz, eröffnet, bevor die Ausstellung ins Astrup Fearnley Museet in Oslo reiste. Anselm Kiefer malte „De sterrennacht“, „Die sieben Schalen des Zorns“ und andere Werke, deren imposante Größe die den dargestellten Landschaften entsprechen. Die Werke enthalten häufig Blattgold, Zweige, verbranntes Stroh und Sedimente aus der Elektrolyse; sie scheinen Ernte und Tod in einem einzigen Bild darzustellen. Ausstellung in der Staatsgalerie Stuttgart und den Deichtorhallen in Hamburg: „Baselitz - RIchter - Polke - Kiefer. Die jungen Jahre der Alten Meister“ (2019/20).
2020
Im Auftrag des französischen Präsidenten Emmanuel Macron wurden Werke von Kiefer und dem Komponisten Pascal Dusapin anlässlich der Pantheonisierung des Schriftstellers Maurice Genevoix und als Hommage an die Veteranen des Ersten Weltkriegs dauerhaft im Panthéon in Paris installiert.
2021
Das Grand Palais Éphémère in Paris beherbergte „Anselm Kiefer. Pour Paul Celan“, eine Hommage an einen der Dichter, der für Kiefer zeitlebens eine wichtige Inspirationsquelle war (16.12.2021–11.1.2022).
2022
Anselm Kiefer präsentierte ein neues Werk, das speziell für den Palazzo Ducale geschaffen und dem italienischen Philosophen Andrea Emo gewidmet wurde. Die Ausstellung, die an die Geschichte Venedigs erinnert, fiel mit der 59. Biennale zusammen. Die Eschaton-Anselm Kiefer-Stiftung öffnet Kiefers Atelierhaus La Ribaute in Barjac im Rahmen saisonaler Führungen für die Öffentlichkeit.
2023
Anselm Kiefer erhielt den mit € 30.000.- dotierten Deutschen Nationalpreis 2023. Der Künstler gab das Preisgeld an die Empfänger des diesjährigen Förderpreises, die Jugendorchester-Projekte Hangarmusik und Démos aus Berlin und Paris weiter. White Cube in London zeigte in der Schau „Anselm Kiefer - Finnegans Wake“ (7.6.–20.8.2023) Gemälde, Skulpturen und Installationen als Reaktion auf den Roman von James Joyce aus dem Jahr 1939. Im Musée LaM in Lille wurde „La photographie au commembre“ (6.10.2023–3.3.2024) gezeigt, die erste Ausstellung, die der Fotografie im Werk Kiefers gewidmet war. Im Herbst kam die Dokumentation „Anselm - Das Rauschen der Zeit“ von Wim Wenders ins Kino (12.10.). Der 3D-Film verwebt auf poetische Weise Vergangenheit und Gegenwart und zeigt den Künstler sowohl in La Ribaute als auch in seinem Atelier in Croissy. Das Museum Voorlinden in Wassenaar präsentierte die Ausstellung „Anselm Kiefer - Bilderstreit“ (14.10.2023-25.2.2024). Am 8. November präsentierte die Wiener Staatsoper den neuen, von Anselm Kiefer gestalteten Eisernen Vorhang.
2024
„Anselm Kiefer: Fallen Angels“ im Palazzo Strozzi in Florenz präsentierte aktuelle und historische Werke im Dialog mit der Renaissance-Architektur des Gebäudes. Kiefer schuf „Sag mir wo die Blumen sind“ für die Halle rund um die zentrale Treppe des Stedelijk Museums in Amsterdam. Die japanische Tänzerin und Künstlerin Min Tanaka trat neben dem Werk „Sag mir wo die Blumen sind“ in Kiefers Atelier in Croissy auf, bevor es in der Amsterdamer Ausstellung installiert wurde.
2025
„Sag mir wo die Blumen sind“ ist der Titel der Kiefer-Ausstellung in Amsterdam und London. In den Niederlanden sind die Werke Kiefers gemeinsam mit Arbeiten von Vincent van Gogh ausgestellt (7.3.–9.6.2025).
Anselm Kiefer lebt und arbeitet in Paris