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Edmund de Waal „im Goldhaus“ für Dresden angekauft Stifter aus dem Kreis der Freunde der SKD finanzieren Erwerb

Edmund de Waal © Edmund de Waal, Foto: Ben McKee, 2015

Edmund de Waal © Edmund de Waal, Foto: Ben McKee, 2015

Edmund de Waal (* 1964 in Nottingham) beschäftigte sich im 300. Todesjahr von Johann Friedrich Böttger (1682–1719) mit den Ursprüngen der Dresdner Porzellansammlung und den Anfangsjahren der Meissener Manufaktur. Seine Erkenntnisse verarbeitete der international gefeierte Keramikkünstler und Autor in der Installation „im Goldhaus“ (2019).

Boettgers Goldhaus

Im sogenannten Goldhaus am Zwinger, auf der Jungfernbastei auf der Brühlschen Terrasse gelegen, experimentierte Böttger gemeinsam mit dem Naturforscher Ehrenfried Walther von Tschirnhaus (1651–1708) mit verschiedenen Materialien. Zuerst wollten die Alchemisten Gold und dann Porzellan machen. Damit markiert das Goldhaus eine wichtige Station auf dem Weg zum „weißen Gold“ Europas. Aufgrund der näherrückenden Kriegsgefahr wurde das Labor 1705 mit Boettger und seinen Helfern auf die Albrechtsburg nach Meissen verlegt, dann nach Königstein (1706) und wieder nach Dresden (1707). Erst 1708 notierte Böttger den Brand von weißem Porzellan in seinem Journal: Am 15. Januar 1708 um fünf Uhr nachmittags gelang der erste Weißbrand! 1710 konnte Boettger das weiße Boettger-Porzellan auf der Leipziger Messer erstmals der Öffentlichkeit vorstellen und die Meissner Manufaktur gründen.

Eine erste Präsentation der Porzellansammlung fand 1719 anlässlich der Hochzeit des späteren August III. mit Maria Josepha statt. Das „Holländische Palais“ beherbergte bereits drei Jahre später 25.000 Porzellane, die den Neubau des „Japanischen Palais“ zur Folge hatten. Dresden stieg binnen wenige Jahre zur „Hauptstadt des Porzellans“ auf, worauf mit der Neueinrichtung des Porzellankabinetts im Residenzschloss hingewiesen werden soll (→ Dresden | Residenzschloss: Porzellankabinett im Turmzimmer).

De Waals Goldhaus

Im Anschluss an die Eröffnung der Paraderäume und des Porzellankabinetts im Residenzschloss zeigt Edmund de Waal erstmals seine neue Installation. In einem goldenen Rahmen stellt, legt, schichtet Edmund de Waal Porzellan und Gold in minimalistischer Anmutung. De Waals „im Goldhaus“ ist bis Januar 2020 im Böttgersaal der Porzellansammlung ausgestellt. Ab dem 29. November 2019 ist mit der aktuell in Venedig präsentierten Rauminstallation „The Library of Exile“ (2019) ein weiteres Werk von Edmund de Waal im Japanischen Palais in Dresden zu sehen sein.

48 Stifter*innen innerhalb der Freunde der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden e. V. geben jedes Jahr 2.500 Euro je Stifter*in, mit denen Ankäufe zeitgenössischer Kunst für die insgesamt 15 Museen des Verbundes getätigt werden können. Die Vorstandsvorsitzende MUSEIS SAXONICIS USUI Petra von Crailsheim, zeigt sich stolz darauf, dass „mit ‚im Goldhaus‘ Porzellangeschichte lebendig“ wird. Julia Weber, Direktorin Porzellansammlung, stößt laut Presseaussendung ins selbe Horn, wenn sie meint, dass Edmund de Waal „eine Brücke vom Barock ins Jetzt“ baut.

Edmund de Waal in Dresden: Bilder

  • Edmund de Waal, im Goldhaus, 2019 © Edmund de Waal, Foto: Mike Bruce
  • Edmund de Waal © Edmund de Waal, Foto: Ben McKee, 2015

Beiträge zu Edmund de Waal

12. Dezember 2016
Albrecht Dürer, Traumgesicht, 1525, Aquarell, bezeichnet und signiert, 22,2 × 30,1 cm, in: Kunstbuch Albrecht Dürers (Wien, Kunsthistorisches Museum, Kunstkammer © KHM-Museumsverband)

Edmund de Waal trifft Albrecht Dürer Ausstellung des Keramikkünstlers im KHM

Bisher war Edmund de Waal (* 1964) bekannt für strahlendweiße Installationen, in denen er seine handgefertigten, teilweise versilberten Porzellanbehälter („vessels“) auf reinweißen Regalen arrangierte. Als Autor wird de Waal seit 2010 für sein Erinnerungsbuch „Der Hase mit den Bernsteinaugen“ weltweit gefeiert. Sein subtiler Umgang mit Sprache und dem Unsagbaren, seine Liebe zur Poesie wurde in Wien bereits in seiner Installation „Lichtzwang“ im Theseustempel (2014) vorgestellt. Als der Brite im Rahmen der Vorbereitungen von Jasper Sharp und dem Kunsthistorischen Museum eingeladen wurde, eine Ausstellung zu kuratieren, entschied er sich sein Interesse an den Dingen auf ihr Potenzial, Angst zu bannen, Unheimliches zu zeigen, den Kontrollverlust zu sublimieren und Einsamkeit zu füllen, auszuweiten.
11. November 2016
Edmund de Waal, 2014 © Edmund de Waal, Foto: Alexandra Matzner.

Edmund de Waal. Lichtzwang Weiße Porzellangefäße in weißem Raum

Was bedeutete es wohl für Edmund de Waal für eine Ausstellung nach Wien eingeladen zu werden? Beim Pressegespräch fand er dafür keine Worte, sie waren für ihn, der seine Familiengeschichte in Romanform aufgearbeitet hatte, nicht fassbar. Stattdessen schuf er im Theseustempel einen weißen Raum, meditative Grundstimmung und ein musikalisches Werk aus unzähligen, kleinen, aber individuell geformten Porzellanbechern in zwei Vitrinen. Das Regal erinnern nicht von ungefähr an eine aufgeschlagene Doppelseite einer Publikation.

Aktuelle Ausstellungen

10. August 2020
Filmstill aus "There goes our Neighbourhood" © Tom Wholohan

Wien | Architektur.Film.Sommer 2020 Gebaute Gerechtigkeit?

Mit „Gebaute Gerechtigkeit“ thematisiert das internationale Filmfestival Architektur.Film.Sommer des Az W 2020 an vier Kinoabenden Fragen zu Aneignung von öffentlichem Raum, zum Überwinden von Räumen und Grenzen, zum Zusammen Zuhause.
6. August 2020
Alter Leuchtturm (1887) in Sulina, Foto: Jürgen Haberhauer

Schallaburg: DONAU – Menschen, Schätze & Kulturen Vom Donaudelta in die Wachau

Auf der Schallaburg kann man 2020 die Donau von ihrer Mündung im Schwarzen Meer bis zum Ausstellungsort hinaufreisen: Menschen, Schätze & Kulturen – ergänzt durch politisch-militärische Splitter und die Donau als Lebensraum für Tiere— prägen den Fluss und dieser wiederum ihre Geschicke. Doch lassen wir die Donau selbst diese Geschichte erzählen.
1. Juli 2020
Larry Poons, Nixe's Mate, 1961, Acryl auf Leinwand, 178x 285 x 4 cm (Leihgabe der Österreichischen Ludwig-Stiftung seit 1996, Photo: mumok – Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien © Bildrecht, Wien2020)

Wien | mumok: Misfitting Together. Serielle Formationen der Pop Art, Minimal Art und Conceptual Art Andy Warhols serielles Denken kontextualisiert

Pop Art, Minimal und Conceptual Art aus der Sammlung von Peter und Irene Ludwig unter dem Aspekt des Seriellen erweitert den Blick auf Andy Warhols Werk. Modulare und serielle Ideen nach Mel Bochner in deutscher und amerikanischer Kunst der 1960er und 1970er Jahre.
Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.