0

Frankfurt | Schirn: Hannah Ryggen „Gewebte Manifeste“ der schwedisch-norwegischen Weberin

Hannah Ryggen, Vi lever på en stjern (Wir leben auf einem Stern), Detail, 1958, Bildteppich aus Wolle und Leinen, 400 x 300 cm (Nordenfjeldske Kunstindustrimuseum (Nationales Museum für Kunsthandwerk und Design), Trondheim © H. Ryggen, VG Bild-Kunst, Bonn 2019, Foto: Thor Nielsen)

Hannah Ryggen, Vi lever på en stjern (Wir leben auf einem Stern), Detail, 1958, Bildteppich aus Wolle und Leinen, 400 x 300 cm (Nordenfjeldske Kunstindustrimuseum (Nationales Museum für Kunsthandwerk und Design), Trondheim © H. Ryggen, VG Bild-Kunst, Bonn 2019, Foto: Thor Nielsen)

Die norwegisch-schwedische Textilkünstlerin Hannah Ryggen (1894–1970) webte Geschichten von verblüffender Aktualität. Ihre monumentalen Wandteppiche greifen mutig die grundlegenden Themen des Lebens in unserer Gesellschaft auf: die Gräueltaten im Zweiten Weltkrieg, Machtmissbrauch, unser Angewiesensein auf die Natur und die Verbindung zu unseren Familien und Mitmenschen. Von einem kleinen autarken Bauernhof an der Westküste Norwegens aus schuf die schwedisch-norwegische Künstlerin ein eindrucksvolles, politisch inspiriertes Werk. Sie lancierte bildliche Angriffe auf Hitler, Franco und Mussolini und setzte sich deutlich hörbar für die Opfer von Faschismus und Nationalsozialismus ein.

Politische Künstlerin Ryggen in der Schirn

Die SCHIRN präsentiert – anlässlich des Ehrengastauftritts Norwegens auf der Frankfurter Buchmesse 2019 – eine große Einzelausstellung, die dem Publikum in Deutschland erstmals einen umfassenden Einblick in Ryggens Œuvre gewährt. In den rund 25 gezeigten Tapisserien wird Hannah Ryggen auch als Vertreterin einer anderen Art von Moderne vorgestellt, in der sich Elemente aus Volkskunst und Mythologie mit Themen des gegenwärtigen Lebens mischen. Dabei erkundete sie ein ganz neues Spektrum von Motiven und verwendete ein traditionelles Medium für ein neuartiges Ziel: der Öffentlichkeit mit Wandteppichen, die von Ort zu Ort bewegt werden konnten, ihre starken politischen Botschaften mitzuteilen.

 

 

Kuratiert von Dr. Marit Paasche, Oslo und Esther Schlicht, Schirn Kunsthalle Frankfurt
Quelle: Pressetext

 

Hannah Ryggen: ausgestellte Bildteppiche

  • Hannah Ryggen, Drømmedød (Tod der Träume), 1936, Bildteppich aus Wolle und Leinen, 235 x 273 cm (Nordenfjeldske Kunstindustrimuseum (Nationales Museum für Kunsthandwerk und Design), Trondheim)
  • Hannah Ryggen, Livet glir forbi (Das Leben gleitet vorbei), 1939, 190 x 185 cm (Privatsammlung, Norwegen)
  • Hannah Ryggen, Grini, 1945, Bildteppich aus Wolle und Leinen, 191,5 x 168,5 cm (© Trondheim Kunstmuseum, Norwegen)
  • Hannah Ryggen, Jul Kvale, 1956, Bildteppich aus Wolle und Leinen, 200 x 190 cm (Nordenfjeldske Kunstindustrimuseum (Nationales Museum für Kunsthandwerk und Design), Trondheim)
  • Hannah Ryggen, Vi lever på en stjern (Wir leben auf einem Stern), 1958, Bildteppich aus Wolle und Leinen, 400 x 300 cm (Nordenfjeldske Kunstindustrimuseum (Nationales Museum für Kunsthandwerk und Design), Trondheim)
  • Hannah Ryggen am Webstuhl, um 1964 (Adresseavisen, Trondheim)
  • Hannah Ryggen, Blod i gresset (Blut im Gras), 1966, Bildteppich aus Wolle und Leinen mit Flor, 240 x 290 cm (KODE-Kunstmuseen und Komponistenhäuser, Norwegen)
  • Hannah Ryggen, Ohne Titel (Selbstbildnis), 1970, Nordenfjeldske Kunstindustrimuseum (Nationales Museum für Kunsthandwerk und Design), Trondheim)

Aktuelle Ausstellungen

10. Oktober 2019
Edvard Munch, Unter den Sternen, Detail, 1900-1905, Öl/Lw, 90 x 129 cm (Munchmuseet Oslo)

K20: Edvard Munch gesehen von Karl Ove Knausgård Schriftsteller zeigt unbekannten Munch

Düsseldorf, Herbst 2019: Der umtrittene norwegische Schriftsteller zeigt den "unbekannten" Munch aus dem Archiv und dem Kunstdepot des Munch Museum in Oslo.
9. Oktober 2019
Pierre Bonnard, Speisezimmer am Land, Detail, 1913, Öl/Lw, 164,5 x 205,7 cm (Minneapolis Institute of Art)

Pierre Bonnard. Die Farbe der Erinnerung Farbenfrohe Moderne mit südfranzösischem Licht

Pierre Bonnards (1867–1947) reifes Werk ab 1909 in leuchtenden Farben, seine Freundschaften mit Vuillard & Matisse und seine Reaktionen auf politisches Zeitgeschehen neu gesehen. Wie zeitgenössisch ist das Werk des französischen Postimpressionisten?
8. Oktober 2019
Mark Dion, The Shipwreck, 2001, Buntstift auf Papier, 27,5 x 34,8 cm (Schenkung der Sammlung Florence und Daniel Guerlain, 2012 | Centre Pompidou – Musée National d’Art Moderne, Paris)

Albertina: Zeichnungen aus der Sammlung Guerlain Zeichnen heute: Internationale Positionen seit 2000

Die Albertina zeigt eine Auswahl an zeitgenössischen Zeichnungen aus der Sammlung von Florence und Daniel Guerlain, Stifter des Prix de dessin, die vor einigen Jahren dem Centre Pompidou 1.200 Arbeiten auf Papier schenkten.
7. Oktober 2019
August Macke, Café am See, Detail, 1913 (Franz Marc Museum, Kochel a. See, Dauerleihgabe aus Privatbesitz)

Kochel am See | Franz Marc Museum: Blauer Reiter – Das Moment der Abstraktion August Mackes „Café am See“ und die Abstraktion im „Blauen Reiter“

Eine neue, bedeutende Dauerleihgabe, das Gemälde August Mackes, „Café am See“ von 1913 ist Anlass, die verschiedenen Abstraktionstendenzen, die die Künstler des „Blauen Reiters“ in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg entwickelten, nebeneinanderzustellen.
30. September 2019
Werner Scholz, Am Bülowbogen, Detail, um 1930, Farblithographie (© Berlinische Galerie – Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur. Leihgabe aus Privatbesitz, Hamburg)

Köln | Käthe Kollwitz Museum: Berliner Realismus Von Käthe Kollwitz bis Otto Dix. Sozialkritik – Satire – Revolution

Rau, ruppig und politisch unbequem: Die Berliner Kunst zur Kaiserzeit besitzt Sprengkraft! „Von Käthe Kollwitz bis Otto Dix“ zeigt politisch engagierte Kunst zwischen Realismus und Verismus.
28. September 2019
Raffael, Madonna Aldobrandini (auch: Madonna Garvagh), Detail, um 1510/11, Öl/Lw, 38,9 x 32,9 cm (The National Gallery, London)

Raffael und seine Freunde in Urbino Künstlerisches Netzwerk Raffaels in den Marken

Das Netzwerk Raffaels in und aus Urbino ist Thema der Raffael-Ausstellung in Urbino. Wie entwickelte er sich zu einem Hauptvertreter der Renaissance? Welche Einflüss übte er selbst mit seinen Werken in Rom auf urbinatische Künstler wie Giulio Romano aus?
Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.