James Turrell

Wer ist James Turrell?

James Turrell (* 1943, Los Angeles, Kalifornien) zählt zu den wichtigsten Gegenwartskünstlern. Seit den 1960er Jahren kreist sein gesamtes Schaffen um die (Im-)Materialität und Wahrnehmung von Licht. In raumfüllenden Installationen macht er Licht als künstlerisches Medium sinnlich und geistig erlebbar: Turrell flutet nicht nur begehbare Räume mit Licht, sondern er lässt die Qualitäten der Raumwahrnehmung (Farbe, Lichttemperatur, ...) changieren. Zum einen schafft James Turrell dadurch sanfte Farbenmeere oder intensiv glühende, manchmal diffus sphärische Lichtnebel, zum anderen führt er die Betrachter so an ihre Wahrnehmungsgrenzen. Schnell wird den Interakteuren der Installationen klar, dass es unmöglich ist, sich anhand eines Gegenstands oder räumlicher Grenzen visuell zu verorten. Dadurch entsteht ein Gefühl der Unendlichkeit, was der Künstler auch in Land Art Projekten wie dem „Roden Crater“ im großen Maßstab widerholt: Seit den 1970er Jahren baut er einen erloschenen Vulkan in der Wüste Arizonas zu einer Art Himmelsobservatorium um. James Turrells Lichtkunst markiert die Spitze einer Entwicklung, die von der Abstraktion über die Selbstoffenbarung des Lichts bis hin zur Eroberung des kosmischen Raums reicht.

 

Ausbildung

Der US-amerikanische Land-Art und Licht-Raum-Künstler wurde am 6. Mai 1943 als Sohn einer Quäkerfamilie geboren und streng religiös erzogen. Seine Familie verzichtete auf Strom, Auto und andere Annehmlichkeiten. Mit 16 Jahren 1959 erwarb er eine Fluglizenz für Motorflugzeuge. Ein Jahr später 1960 verweigerte er als überzeugter Pazifist den Kriegsdienst und wurde zu 22 Monaten Gefängnis verurteilt. Turrell machte sein Examen in Psychologe und Mathematik am Pomona College in Claremont (Kalifornien). Seine Arbeit an „Lichträumen“ begann James Turrell in seinem Atelier in Santa Monica, dem Mendota Hotel, im Jahr 1966. Zwei Jahre später erhielt er ein Stipendium am National Endowment for the Arts. Ein Kunststudium an der Graduate School, Claremond, schloss er 1973 ab. Gemeinsam mit Robert Irwin, Mary Corse und Doug Wheeler bildete Turrell die sogenannte Space group von Künstlern in Los Angeles.

 

Roden Crater

Die bekannteste Arbeit von James Turrell ist sein lebenslanges Projekt „Roden Crater“. Dafür verwandelt er einen natürlichen zylindrischen Vulkankrater außerhalb von Flagstaff, Arizona, in ein Himmelsobservatorium. Eintritt erhalten nur Freunde – oder Fans von James Turrell, die mit dem „Roden Crater“ ihre „Turrell-Tour“ abschließen. Davor müssen sie alle Installationen von James Turrell in 23 Ländern weltweit besucht haben.

In den 1970er Jahren war der Künstler mit dem Flugzeug auf der Suche nach einem geeigneten Gelände für eine vorwiegend unterirdisch angelegte Lichtinstallation. In der Wüste von Arizona entdeckte er einen 150 Meter hoher erloschener Vulkan mit einer ovalen Caldera, umgeben von 400 Quadratkilometern Steppe. Turrell kaufte 1974 das Gebiet und nannte es Roden Crater. Es wurde seine bekannteste und ambitionierteste Anlage. Er verwandelte den Vulkankegel durch Einbau unterirdischer Räume, Stollen und Schächte in ein Licht-Observatorium, das dem Betrachter erlauben soll, den Himmel und seine Phänomene, Licht, Sonne und Sterne in einer einzigartigen Weise zu erfahren.

 

Ganzfeld

Die Lichtinstallationen, in denen die Besucherinnen und Besucher Lichtveränderungen miterleben könnten, nennt James Turrell „Ganzfeld“. Die bisher größte, das sogenannte „Wolfsburg Project”, befindet sich in Wolfsburg und wurde anlässlich der bis dato größten Ausstellung des Lichtkünstlers in Deutschland (Oktober 2009 bis OKtober 2010) installiert. Eine Raum-in-Raum-Konstruktion erhebt sich auf 700 Quadratmetern Fläche, elf Meter hoch bis unter die verglaste Museumsdecke. Zwei ineinander übergehende Räume – der sogenannte Viewing Space und der sogenannte Sensing Space -, sind beide vollkommen leer und werden, das ist neu bei diesem Werktyp, mit langsam sich änderndem Farblicht vollständig ausgeflutet.

Besucher können diese Räume über eine sich vom Obergeschoss steil in den Viewing Space herabsenkende Rampe betreten und mit all ihren Sinnen in einem „sublimen Lichtbad“ erleben, wie sich in dem homogenen Sehfeld die architektonischen Gegebenheiten bis zur Orientierungslosigkeit aufheben. Während das Licht sich selbst offenbart und auf nichts außerhalb seiner Selbst verweist, treten Fläche, Farbe und Raum in ein Wechselspiel und schaffen eine Atmosphäre, die den Betrachter und seine Sinne vollständig umgeben. Man taucht ein in eine geheimnisvolle, malerische Welt aus reinem Licht. Der Künstler selbst nennt dieses Erlebnis „mit den Augen fühlen“ und verbindet damit nicht nur eine ästhetische, sondern auch geistige Erfahrung.

Turrells reduzierte Ästhetik, die mit nichts als dem puren Licht arbeitet, wurde zunächst als Fortsetzung der großformatigen Farbfeldmalerei (Mark Rothko, Barnett Newman) gesehen und im Kontext der Minimal und Land Art (Dan Flavin, Walter De Maria) verortet. Doch Turrell, der sich fernab von Trends und Moden bewegt, ist in seiner radikalen Beschäftigung mit dem Licht und seine aufwändigen architektonischen „Laboratorien“ heute einzigartig.

„Ich beschäftige mich sowohl mit Kartographie als auch mit Fotografie. Darüber hinaus war ich ein Künstler, der eine Kunst entwickelte, die sich mit Licht befasste. Der Wunsch, das Tageslicht in eine Landschaft einzubringen, führte mich zu den Installationsarbeiten. Ich wollte der Erdoberfläche nicht meinem Stempel aufprägen, sondern wollte das Sonnen-, Mond- und Sternenlicht dazu verwenden, einem Kunstwerk Kraft zu verleihen. Anstatt mit dem Sonnenuntergang zu konkurrenzieren, wollte ich ihn benutzen, ihn einbeziehen. Ich schuf Räume, die mit der Camera obscura Ähnlichkeit haben. Die Räume, in die man hineingeht, sollten das, was draußen ist, in Licht ausdrücken. Ich bildete einen Innenraum, der ein Gefühl vermitteln sollte für das, was im Außenraum vorgeht – einen Raum der Wahrnehmung. Die Stupas, die ich im Dschungel sah, repräsentierten diese Beziehung zwischen Innen und Außen, zwischen Erde und Kosmos symbolisch. Die Erfahrung dessen, was drinnen ist, wird geprägt von dem, was draußen geschieht. Wenn wir in den Innenraum hineinschauen, beobachten wir einen Raum, der selber schaut. Dieser Innenraum wird zum Ausdruck des Außenraums. In ähnlicher Weise hat meine Arbeit nicht so sehr mit meinem Sehen zu tun, sondern mit deinem Sehen. Niemand steht zwischen dir und deiner Erfahrung. Es ist eine Kunst ohne Stellvertreterfunktion."

Beiträge zu James Turrell

8. Juni 2018
James Turrell, Ganzfeld APANI (Venice Biennial 2011), 2011, Installation, LED, 16 x 12 x 6 m (Foto: Florian Holzherr, Courtesy Häusler Contemporary München | Zürich)

James Turrell. Lichtkunst Museum Frieder Burda präsentiert die „Wahrnehmungsmaschinen“ des amerikanischen Künstlers

James Turrell (* 1943, Los Angeles) zählt zu den wichtigsten Künstlern unserer Zeit. Seit mehr als fünfzig Jahren widmet er sein gesamtes Schaffen der Auseinandersetzung mit der (Im-)Materialität und Wahrnehmung von Licht. Wie keinem anderen gelingt es ihm, Licht als künstlerisches Medium sinnlich und geistig erlebbar zu machen.
5. Juni 2011
Eingang der Giardini, Biennale 2011; Foto: Alexandra Matzner

Tintoretto und die zeitgenössische Kunst Teil 3 der 54. Biennale von Venedig: ILLUMInazioni

Für die 54. Biennale wählte Kuratorin Bice Curiger den Titel “ILLUMInazioni” – ein Wortspiel aus “illuminazione” und “nazioni”. Es geht der Schweizerin darum, die Biennale, deren primäre Funktion die „Erhellung“ internationaler Kunstentwicklung sei, also diese Mutter aller Biennalen in Venedig mit ihren Nationenpavillons innerhalb eines weltumspannenden Kunstnetzes zu verstehen.