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John Singer Sargent Porträts von Freunden und Künstlern

John Singer Sargent, Carolus-Duran, 1879 © Sterling and Francine Clark Art Institute, Williamstown, Massachusetts, USA (photo by Michael Agee).

John Singer Sargent, Carolus-Duran, 1879 © Sterling and Francine Clark Art Institute, Williamstown, Massachusetts, USA (photo by Michael Agee).

Sargent – berühmt für seine Gesellschaftsporträts – widmete seine Kunst nicht nur einer äußerst betuchten Klientel, sondern auch Künstlern und Freunden. Als Galerie von berühmten Malern, Schriftstellerinnen und Schriftstellern, Schauspielerinnen, Schauspielern und Musikern ziehen diese Werke zuerst in der Londoner National Portrait Gallery und dann im Metropolitan Museum of Art ein. Singer Sargent, ein Freund der Impressionist_innen, war ein Meister der Farbe, der sich dem Schmelz von Haut und Seide wie der Sinnlichkeit von Texturen genauso widmete wie außergewöhnlichen Blickwinkeln auf seine Modelle. Der von Richard Ormond herausgegebene Katalog präsentiert den Ästheten als traditionellen Modernen, der mit Avantgarde-Künstlern bzw. Künstlerinnen befreundet war und dennoch mit herkömmlichen Repräsentationsmethoden im Porträt arbeitete.

Die Bewunderung ist ihm für seine Charakterstudien, großartige Entwürfe, Brillanz von Licht und Farben sowie seine malerische Bravur sicher. Porträts von „Auguste Rodin (1840–1917)“1 (1884), „Claude Monet (1840–1926)“2 (um 1887) im strengen Profil, die „Fête familiale (The Birthday Party)“3 (um 1885) mit Albert Besnard und dessen Familie, „Gabriel Fauré (1845–1924)“4 (um 1889) sowie der amerikanische Impressionist „William Merritt Chase (1849–1916)“5 (1902) zeigen die berühmtesten Künstlerpersönlichkeiten aus der Schau. Daneben werden aber auch dem enigmatisch-schönen Gemälde „Carnation, Lily, Lily, Rose“6 (1885/86) und der angsteinflößenden „Ellen Terry als Lady Macbeth (1847–1928)“7 (1889) Raum gegeben. Obwohl der Titel von Katalog und Ausstellung auf die Künstlerfreundschaften verweist, geben beide doch einen guten Überblick über das Schaffen und das internationale Netzwerk dieses amerikanisch-französisch-britischen Malers zwischen Fin-de-siécle und Zwischenkriegszeit.

 

Beeindruckt von den Impressionisten und Impressionistinnen

Der Salonmaler Sargent bewunderte den Außenseiter Edouard Manet. Obwohl die zeitgenössische Presse den amerikanischen Kosmopoliten bereits als dessen Nachfolger sah, ist nicht bekannt, ob sich beide jemals persönlich trafen. Im Februar 1884 erwarb Sargent „Das Porträt von Mademoiselle Claus“ (Ashmolean Museum, Oxford), eine Studie für das Gemälde „Der Balkon“, sowie „Irise“ (Privatsammlung) aus dem Nachlass des Künstlers. Gemeinsam mit Claude Monet und nicht zu vergessen Berthe Morisot organisierte er den Ankauf der „Olympia“ (1865) für den Louvre. Wann er den um 16 Jahre älteren Claude Monet zum ersten Mal traf (vielleicht 1876?), kann nicht genau festgestellt werden. Ab Mitte der 1880er Jahre und durch die 1890er hindurch waren sie jedoch gute Freunde. Bei einem Besuch in Giverny hielt er „Claude Monet, Painting, by the Edge of a Wood“8 (viell. 1885) fest und war schockiert darüber, dass Monet kein Schwarz verwendete. Von 1884 bis 1889 malte Singer Sargent sogar im Freien englische Landschaften mit Staffagefiguren, wie er es von dem Franzosen auch bei seinem zweiten Besuch 1887 lernen konnte. Das Interesse an Monets Arbeit führte auch zum Ankauf von vier Landschaftsgemälden durch Sargent sowie einer weiteren Beschäftigung mit Landschaften und Gärten (→ Der moderne Garten in der Malerei von Monet bis Matisse). Gleichzeitig begeisterte er sich für den Japonismus (→ Monet, Gauguin, van Gogh …. Inspiration Japan) und die englischen Präraffaeliten (→ Präraffaeliten am Ausstellungs- und Kunstmarkt). Wenn Sargent auch der Ansicht war, dass nur der Salon für Erfolg am französischen Kunstmarkt sorgen konnte, so stellte er dennoch seine experimentelleren Arbeiten in der Galerie Georges Petit aus. Mit ihm präsentierten sich der Landschafts- und Stilllebenmaler Ernest-Ange Duez, die Porträtisten Roger-Joseph Jourdain und Albert Besnard, Giuseppe De Nittis und Giovanni Boldini, der einflussreiche Naturalist Jules Bastien-Lepage, Jean-Charles Cazin, Julius LeBlanc Stewart und William Stott of Oldham.

 

 

Musik- und Literaturfreund

Auch als Musikliebhaber wird John Singer Sargent vorgestellt. Der Wagnerianer mochte Gabriel Fauré, den er eindrucksvoll malte, Claude Debussy und Emmanuel Chabrier aber auch javanische Percussion, die er auf der Weltausstellung 1889 kennenlernte. Javanische Tänzerinnen wurden neben Flamenco-Tänzerinnen in einigen Werken eindrucksvoll in Szene gesetzt. Die wilden und kraftvollen Bewegungen und die stolze Haltung der andalusischen Folkloretänzerinnen eigneten sich, wie die Gemälde belegen, besonders gut für die aufgelöste, von Andeutungen lebende Malerei Singer Sargents. Als Leser hatte Sargent ein Faible für französische Werke, wie jene von Charles Baudelaire und Paul Verlaine, Leconte de Lisle und Alfred Vigny, die Romanautoren Théophile Gautier, Gustave Flaubert, Paul Bourget und J.K. Huysmans.

 

 

Sargent in London

Als John Singer Sargent 1886 nach London übersiedelte, wechselte er nicht nur seinen Wohnort, sondern musste sich auch eine neue kulturelle Heimat suchen. Dass er dennoch seine Vorliebe für die französische Kultur nicht aufgab, zeigt folgende Geschichte: Als der Maler in der Nacht vom 12. auf den 13. April 1925 starb, hatte er eine Ausgabe von Voltaires „Dictionnaire Philosophique“ bei sich. Obwohl seine Malerei in Großbritannien anfangs als „französisch“ abgetan wurde, gelang es Singer Sargent in weniger als einem Jahrzehnt Fuß zu fassen. Früher setzte sein Erfolg in den Vereinigen Staaten ein, wo sich ab 1887 Mäzene aus Boston und New York vom kultivierten Maler porträtieren ließen, darunter Isabella Stewart Gardner, Edwin Booth, Joseph Jefferson und Lawrence Barrett. Zu Sargents besten Freunden in London gehörte James McNeill Whistler, dessen Werk viele Zeitgenossen nicht nur positiv überraschte. Beide Maler zollten einander echten Respekt und unterstützten einander bei ihren Projekten. Genauso großzügig verfuhr Singer Sargent aber auch mit den heute wenig bekannten Künstlern Hercules Brabazon Brabazon, Charles Wellington Furse, Scot Robert Brough oder James Jebusa Shannon.

Die „Bravura“-Maler wie der Italiener Giovanni Boldini, der Schwede Anders Zorn und der Spanier Joaquín Sorolla waren Sargents internationale Freunde. Auch nach seinem Umzug stellte er im Pariser Salon aus und unterstützte seine französischen Kollegen, wenn diese nach England kamen. Er lud Monet, Helleu und Rodin ein, machte ihre Werke in England und den USA bekannt und empfahl seinen an Geld und Einfluss reichen Förderern zu kaufen. Rodin nannte ihn sogar den „Van Dyck unserer Zeit“.

 

 

Der späte Landschaftsmaler

Ab etwa 1900 wurde die Landschaft wichtiger als das Gesellschaftsporträt, und 1907 wandte er sich ausschließlich diesem Genre zu. In der Natur fühlte sich der Maler freier und selbstbestimmter denn als Lieferant für beeindruckende Bildnisse. Er genoss seine Reisen und Plein-air-Malerei in Gesellschaft von Freunden, mit denen er die Alpen, Venedig, Rom, Mallorca, Korfu und Südeuropa erkundete. Zu seinen liebsten Begleiter_innen zählten seine Schwester Emily, eine begabte Aquarellistin, Eliza Wedgewood, Wilfrid und Jane de Glehn, Adrian und Marianne Stokes, die Maler Peter Harrison und Ambrogio Raffele aus Vigevano in Norditalien.

Während des Ersten Weltkriegs bereiste Singer Sargent die USA und Kanada. Die Rockies sah er 1916 und Florida 1917. Nach dem Krieg malte er an der Küste von Maine und verbrachte die meiste Zeit in Boston, wo er an Aufträgen für Wandgemälde im Museum of Fine Arts arbeitete, die er als sein wichtigstes künstlerisches Erbe erachtete (fertiggestellt 1925).

 

 

Biografie von John Singer Sargent (1856–1925)

Am 12. Januar 1856 wurde John Singer Sargent in Florenz geboren.
1857 Geburt seiner Schwester Emily (29.1.1857–1936) in Rom.
1867 Sargent Familie besucht Paris und die Weltausstellung (irgendwann zwischen April und November).
1868/69 Im Winter lebte Sargents Familie in Rom.
1869/70 Im Winter besuchte Sargent Klassen in einer Tagesschule in Florenz.
1870 Geburt von Violet Sargent (9.2.1870–1955) in Florenz. Anfang Oktober kam Sargents Familie für den Winter in Florenz.
1871/72 Sargents Familie verbrachte den Winter in Dresden.
1873 Société Anonyme Coopérative des Artistes Peintres, Sculpteurs, Graveurs, etc., später bekannt als die Impressionisten, wurde in Paris gegründet. Im Oktober schrieb sich John Singer Sargent in Accademia di Belle Arti in Florenz ein. Er arbeitete alleine weiter, als sie im Winter schloss.
1874 Erste Impressionisten-Ausstellung in Paris (15 April–15 Mai). Am 16. Mai übersiedelte Sargents Familie nach Paris. Am 26. Mai wurde er von Carolus-Duran als Student in seinem Atelier aufgenommen. Am 26.Oktober immatrikulierte John Singer Sargent an der École des Beaux-Arts (Er immatrikulierte im Frühling 1875 und Frühling 1877 erneut.)
1875 Sargent ging an die Académie Julian.
1877 Erste Teilnahme am Pariser Salon (1.Mai–20.Juni). Sargent reiste nach Cancale in der Bretagne.
1878 James McNeill Whistler’s beschuldigte John Ruskin in London (25.–26.November). Sargent stellte „En route pour la pêche (Setting Out to Fish)“ (1878) im Pariser Salon aus und sandte ein ähnliches Werk mit dem Titel „Fishing for Oysters at Cancale“ (Museum of Fine Arts, Boston) für die erste Ausstellung der Society of American Artists in New York ein. Sargent und Cassatt nahmen an der Weltausstellung in Paris teil (1.Mai–28.Oktober).
1879 Sargent errang eine ehrenvolle Erwähnung am Pariser Salon.
1881 Verantwortung für den Salon geht von der Regierung an die Société des Artistes Français über.
1882 In London stellte Sargent an der Royal Academy aus. Er und Whistler hatten Ausstellungen in der Grosvenor Gallery.
1883 Im Mai ließ sich Claude Monet in Giverny nieder.
1884 Am 19.Juli wurde in Paris die Société des Artistes Indépendants gegründet. In Paris traf Sargent den Autor Henry James. Er stellte an der Royal Academy in London aus. Sargent und Whistler nahmen an der ersten Ausstellung von Les XX, einer Gruppe von Künstlern in Brüssel (gegründet 1883), teil.
1885 John Everett Millais wurde als erster Künstler in England der Titel Baron verliehen. In Paris nahmen Sargent und Whistler am Salon teil. Sargent und Monet stellten in der Georges Petit Galerie aus.
1886 April–Mai: John Singer Sargent löst sein Pariser Atelier auf und zog nach London, wo er Whistler’s früheres Atelier nutzte. Er traf die amerikanische Kunstmäzenin und Philanthropistin Isabella Stewart Gardner. Am 10. April eröffnete Paul Durand-Ruel eine Ausstellung von 290 Werken der Französischen Impressionisten in New York.
1887 Sargent und Auguste Rodin besuchten Monet in Giverny. Erster professioneller Besuch der USA, der seine Reputation stärkte und ihn mit vielen Aufträgen überraschte.
1888 Am 28. Januar eröffnete John Singer Sargent’s erste Einzelausstellung für einen Monat im Boston’s St Botolph Club. Bunker reiste nach England, um den Sommer mit Sargent zu malten. Monet besuchte Sargent in London.
1889 Sargent saß in der Jury des Salon. Auf der Weltausstellung wurde er mit einem Großen Preis geehrt.
1890 Die Société Nationale des Beaux-Arts belebte in Paris ihren jährlichen Salon de Champ-de-Mars zwei Wochen nach dem offiziellen Salon. Auftragserteilung für ein großes Wandgemälde mit dem Thema „Triumph of Religion“ für die Boston Public Library.
1892 Im Mai gründete Henry Peach Robinson The Brotherhood of The Linked Ring in England, um Fotografie zu fördern.
1893 Sargent wurde beauftragt, ein Wandgemälde für die Boston Public Library zu gestalten. Auf der World’s Columbian Exposition in Chicago nahmen Beaux, Cassatt, Chase, Dewing, Hassam, Robinson, Sargent, Tarbell, Twachtman und Whistler teil.
1894 Sargent wurde zum korrespondierenden Mitglied der Royal Academy gewählt.
1896 Sargent borgte sein Londoner Atelier Whistler.
1897 Sargent wurde in die Royal Academy in London und die National Academy of Design in New York gewählt. Er reiste nach Italien.
1898 Whistler und Sargent besuchten die Eröffnung von Monet's Ausstellung bei Georges Petit. Sargent ist Mitglied der Hängekommission an der Royal Academy. Er stellte mit der Wiener Secession aus (gegründet 1897).
1899 Von 20. Februar bis 13. März wurden in der Copley Hall, Boston, die erste umfassende Ausstellung von John Singer Sargent’s Arbeit gezeigt.
1900 Sargent wurde auf der Weltausstellung als führender Künstler erkannt und mit Auszeichnungen geehrt.
1902 Von Mai bis Juni hatte John Singer Sargent’s erste Einzelausstellung in London in der Carfax Gallery.
1907 Sargent gab das Porträtmalen auf, um sich ausschließlich der Landschaftsmalerei zuzuwenden.
1914 Am 4.Mai zerstach eine Suffragette Sargent‘s „Porträt von Henry James“ in der Royal Academy.
Am 13. April 1925 starb John Singer Sargent im Schlaf an einer Herzattacke. Er wurde am Brookwood Cementery in London bestattet.

 

John Singer Sargent. Porträts von Künstlern und Freunden: Ausstellungskatalog

mit Beiträgen von T. Fairbrother, B. Dayer Gallati,
E. E. Hirshler, M. Simpson, H. B. Weinberg
256 Seiten
London 2015

 

John Singer Sargent. Künstler: Bilder

  • John Singer Sargent, Carolus-Duran, 1879 © Sterling and Francine Clark Art Institute, Williamstown, Massachusetts, USA (photo by Michael Agee).
  • John Singer Sargent, Édouard und Marie-Louise Pailleron, 1881, © Des Moines Art Center, Des Moines, Iowa.
  • John Singer Sargent, Robert Louis Stevenson, 1887 © Courtesy of the Taft Museum of Art, Cincinnati, Ohio.
  • John Singer Sargent, Zwei schlafende Frauen in einem Kahn unter der Weide, um 1887, Öl und Leinwand, 56 x 68,6 cm (Museu Calouste Gulbenkian, Lissabon, Foto Catarina Gomes Ferreira).
  • John Singer Sargent, Dame Ethel Smyth, 1901 © National Portrait Gallery, London.

 

  1. Öl auf Leinwand, 72,5 × 52,5 cm, beschriftet, oben: à mon ami Rodin John S. Sargent 1884, Musée Rodin, Paris, France.
  2. Öl auf Leinwand, 40,6 × 33 cm, beschriftet, oben links: John S. Sargent, National Academy Museum, New York, USA.
  3. Öl auf Leinwand, 61 × 73,7 cm, Minneapolis Institute of Arts, Minnesota, USA.
  4. Öl auf Leinwand, 61 × 54,6 cm, beschriftet, oben: à Gabriel Fauré, souvenir affectueux John S. Sargent, Collection Musée de la Musique, Paris, Frankreich.
  5. Öl auf Leinwand, 158,8 × 105,1 cm, beschriftet, oben rechts: Copyright by John S. Sargent 1902, The Metropolitan Museum of Art, New York, USA.
  6. Öl auf Leinwand, 174 × 153,7 cm, beschriftet, oben links: John S. Sargent, Tate, London.
  7. Öl auf Leinwand, 221 × 114,3 cm, beschriftet, unten links: John S. Sargent, Tate, London.
  8. Öl auf Leinwand, 54 × 64,8 cm, Tate, London.
Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.