Giovanni Boldini

Wer war Giovanni Boldini?

Giovanni Boldini (1842–1931) war ein italienisch-französischer Maler des Impressionismus. Vor allem als Porträtist konnte der Freund von Edgar Degas überzeugen. Ab 1875 porträtierte er Prominente der Pariser Theaterwelt und Aristokratie. In Auseinandersetzung mit der Porträtkunst von Frans Hals entwickelte er einen virtuosen Malstil. Boldinis Porträts sind berühmt für exaltierte Posen, gelängte Körperformen und fließende Linien der Kleidung.

Kindheit und Ausbildung

Giovanni Boldini wurde am 31. Dezember 1842 in Ferrara als Sohn eines Malers geboren. Er begann in frühester Jugend zu malen und zu zeichnen. Im Selbststudium kopiert Boldini Werke der Renaissance im Palazzo dei Diamanti in Ferrara und nahm möglicherweise Unterricht bei Dekorationsmalern. Bereits im Alter von 18 Jahren war Boldini in Ferrara als Porträtmaler bekannt. Ab 1864 hielt er sich in Florenz auf, wo er unregelmäßig den Unterricht in der Accademia di Belle Arti besuchte.

Auf dem Weg zum Porträtmaler der Gesellschaft

Von 1866 bis 1868 genoss Giovanni Boldini die Förderung des in Pistoia ansässigen englischen Ehepaares Isabella Robinson und William Falconer, deren Villa er ausgestaltete. Sie führten den Maler bei der florentinischen Aristokratie und zahlreichen in der Toskana lebenden Ausländern ein. In der Folge entstanden 1869 mehrere Porträts. 1870 und 1871 hielt er sich als Gast eines Freundes der Falconers in England auf, wo Boldini sehr erfolgreich für die britische Gesellschaft malte.

Giovanni Boldini in Paris

Boldini besuchte die Weltausstellung 1867 in Paris. Danach ließ sich Boldini im Oktober 1871 definitiv in Paris nieder, wo er sich, vertreten durch die Kunsthändler Adolphe Goupil und Charles Cram, mit Genreszenen einen Namen machte. 1879 präsentiert er sich zum ersten Mal auf dem Salon mit „Die Depesche“ (The Metropolitan Museum of Art, New York). Er bewundert das Werk von Camille Corot (1796–1875) und Edouard Manet (1832–1883). Sein Freund Edgar Degas (1834–1917) machte ihn mit der Pariser Stadtlandschaft vertraut, die in den Jahren 1872 bis 1875 zum Thema zahlreicher seiner Gemälde wurde.

Ab 1875 porträtierte er Prominente der Pariser Theaterwelt und Aristokratie. Im selben Jahr besuchte er die Niederlande, wo ihn besonders die Werke Frans Hals’ faszinierten. Zur gleichen Zeit begann Boldini in Pastelltechnik zu arbeiten. Auch sein bekanntestes Werk, das Porträt von „Giuseppe Verdi“ (1886, Galleria Nazionale d’Arte Moderna, Rom) ist nach einer für ihn unbefriedigenden Version in Ölfarben in dieser Technik ausgeführt.

Velázquez in Spanien

1889 reisten Boldini und Degas nach Spanien, wo ihn besonders die Bilder von Diego Velázquez begeisterten. In der Folge fuhr er weiter nach Marokko. Ausgedehnte Reisen führten den italienisch-französischen Maler in den nächsten Jahren nach Italien und wiederum Spanien, er besucht London und New York, ebenso Venedig, das er in zahlreichen Gemälden darstellt.

Virtuoser Gesellschaftsporträtist

Während der 1890er Jahre spezialisiert sich Giovanni Boldini auf Ganzfigurenporträts von elegant und hochmodisch gekleideten Frauen der Oberschicht. Ihre exaltierten Posen, gelängten Körperformen und die fließenden Linien der Kleidung sind gleichermaßen dem Manierismus wie der Art nouveau (Jugendstil) verpflichtet. Die Virtuosität der Darstellung lässt Boldini zu einem Zeitgenossen von John Singer Sargent werden (→ John Singer Sargent. Porträts). Jahre später weisen Boldinis Werke Merkmale des Futurismus auf.

Boldini zählte zu den gefragtesten Porträtisten seiner Zeit und war bis an sein Lebensende künstlerisch tätig.

Tod

Giovanni Boldini starb am 11. Juli 1931 in Paris.