0

Köln | Wallraf: Naturalismus des spanischen Barock Malerei, die „Unter die Haut“ geht!

Jusepe de Ribera, Paulus, der Eremit, Detail, 1647, Öl/Lw (Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Foto:RBA Köln)

Jusepe de Ribera, Paulus, der Eremit, Detail, 1647, Öl/Lw (Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Foto:RBA Köln)

Ribera, Zurbarán und Murillo: Drei Namen, drei Künstler, ein Königreich, eine Epoche – sie alle bringt das Wallraf in seiner nächsten Jahrespräsentation zusammen. Die drei Stars des spanischen Barock und ihre naturalistischen Malereien werden den Besucher*innen laut Ausstellungstitel „Unter die Haut“ gehen. Dafür sorgen nicht nur der ergreifende Realismus, das Pathos und die spirituelle Überzeugungskraft der Meister, sondern auch ihre Inspirationsquellen.

Anlass dafür, den kleinen, aber feinen Bestand spanischer Barockmalerei des Wallraf in den Fokus zu rücken, ist die jüngst vollendete Restaurierung von Riberas Hauptwerk „Heiliger Paulus der Eremit“. Das Gemälde von 1647 befindet sich seit mehr als achtzig Jahren in der Kölner Sammlung und wurde jüngst dank finanzieller Unterstützung durch das Land NRW erstmals grundlegend restauriert. Selbst Kenner des Bildes wird seine neue Ausstrahlung erstaunen. Für die Sonderschau verstärkt sich das Wallraf mit hochkarätigen Leihgaben aus dem Museo de Bellas Artes in Sevilla, der Gemäldegalerie Berlin und dem Arp-Museum Remagen.

Im Mittelpunkt von „Unter die Haut“ steht die Bildsprache und künstlerische Bandbreite von Jusepe de Ribera (1591–1652). So treffen die Nüchternheit und Drastik seines frisch restaurierten Eremiten auf den Farbenrausch und die Lässigkeit (sprezzatura) seines Apostel „Jakobus der Ältere“ (1634, Museo de Bellas Artes in Sevilla), um gemeinsam in Riberas „Heiligen Hieronymus“ (1636, Arp-Museum Remagen) zu verschmelzen. Dieses beeindruckende Gemälde-Trio liefert einen faszinierenden Einblick in die Entwicklung und Vision des Künstlers.

Riberas Ausdruckskraft spiegelt sich bereits in dem gezeigten, frühen „Männerporträt“ (um 1609, Gemäldegalerie Berlin), das lange als Werk von Caravaggio galt. Ein Eindruck, der sich im direkten Vergleich mit dem nicht weniger ikonischen Meister Francisco de Zurbarán (1598 – 1664 → Francisco de Zurbarán und Juan de Zurbarán) verfestigt. Sein „Christus der Barmherzigkeit“ zeigt den Gekreuzigten nicht als expressiven Schmerzensmann, sondern als ein im Dunkeln mystisch scheinender Heiland, dessen stille Größe uns unmittelbar ergreift. Und auch der Vergleich mit dem großartigen Bartolomé Esteban Murillo verdeutlicht die Wirkungsmacht der naturalistischen Bildsprache des spanischen Barock. Die Jahrespräsentation „Unter die Haut“ entsteht in enger Partnerschaft mit dem Museo de Bellas Artes in Sevilla, mit dem das Wallraf eine langjährige Kooperation verbindet, und wird von der Botschaft des Königreichs Spanien in Berlin gefördert.

Spanische Barockmalerei im Wallraf: Bilder

  • Jusepe de Ribera, Paulus, der Eremit, 1647, Öl/Lw (Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud)
  • Jusepe de Ribera, Brustbild eines Mannes, um 1613, Öl/Lw (Gemäldegalerie, Staatliche Museen zu Berlin)

Beiträge zur Kunst des Barock

29. November 2022
Catharina van Hemessen, Selbstbildnis an der Staffelei, 1548 (Kunstmuseum Basel, Schenkung der Prof. J.J. Bachofen-Burckhardt-Stiftung 2015)

Basel | Kunstmuseum: Geniale Malerinnen vom 16. bis 18. Jahrhundert Erfolg durch/trotz Familien und Gesellschaft | 2024

Die Ausstellung präsentiert rund 100 Werke herausragender Künstlerinnen dreier Jahrhunderte: Erstmals wird der familiäre Kontext, in dem die Künstlerinnen ihre Karriere entwickelten, thematisiert und durch die Gegenüberstellung mit Werken ihrer Väter, Brüder, Ehemänner und Malerkollegen sichtbar gemacht.
29. November 2022
Catharina van Hemessen, Selbstbildnis an der Staffelei, 1548 (Kunstmuseum Basel, Schenkung der Prof. J.J. Bachofen-Burckhardt-Stiftung 2015)

Hamburg | Bucerius Kunst Forum: Malerinnen und ihre Familien Geniale Malerinnen vom 16. bis 18. Jahrhundert | 2023/24

Die Ausstellung präsentiert rund 100 Werke herausragender Künstlerinnen dreier Jahrhunderte: Erstmals wird der familiäre Kontext, in dem die Künstlerinnen ihre Karriere entwickelten, thematisiert und durch die Gegenüberstellung mit Werken ihrer Väter, Brüder, Ehemänner und Malerkollegen sichtbar gemacht.
29. November 2022
Antico, Büste des Marc Aurel, Detail, um 1500, Bronze, vergoldet, 72,5 x 60,0 cm (LIECHTENSTEIN. The Princely Collections, Vaduz–Vienna, Inv.-Nr. SK 1630)

Wien | Gartenpalais Liechtenstein: Bronzen der Fürsten von Liechtenstein Gegossen für die Ewigkeit | 2023

Die Fürstlichen Sammlungen beherbergen einige der kostbarsten Bronzeplastiken vom 15. bis zum 19. Jahrhundert. Im März 2023 werden sie mit hochkarätigen Leihgaben aus den weltweit bedeutendsten Bronzesammlungen ergänzt.