- Francisco de Zurbarán, Heilige Casilda, Detail, um 1630-1635, Öl auf Leinwand, 171 x 107 cm (Museo Thyssen-Bornemisza, Madrid)
Francisco de Zurbarán
Wer war Francisco de Zurbarán?
Francisco de Zurbarán (Fuente de Cantos 7.11.1598–27.8.1664 Madrid) war ein spanischer Maler des Barock. Sein Œuvre umfasst mehr als 250 eigenhändige Gemälde und Dutzende weitere, die seiner Werkstatt zugeschrieben werden – Andachtsbilder, monumentale Klosterzyklen, Stillleben und, als singuläre Ausnahme, eine mythologische Serie für den Königshof.1 Die überraschende Stille und geometrische Klarheit seiner Kompositionen, das fast taktile Interesse an Stoffen, Keramik und Licht sowie die suggestive Kraft seiner religiösen Figuren bestimmen bis heute die Wahrnehmung seines Werks.
Zurbarán eignete sich für seine Bilder der Askese, der mönchischen Disziplin und des militanten Katholizismus früh einen gesteigerten Naturalismus an. Wenn er auch kein genialer Erfinder neuer Bildlösungen war, so schuf er dennoch leicht lesbare Interpretationen religiöser Szenen, sogar dann wenn er die Leben der Heiligen erstmals illustrierte. Die überraschende Einfachheit, Ruhe, ja Stille seiner Kompositionen werden besonders bewundert.
Neben Diego Velázquez (1599–1660) zählt Zurbarán zu den wichtigsten Künstlern seiner Generation in Spaniens „Goldener Ära" (Siglo de Oro → Die Ära Velázquez). Beeinflusst von seinen berühmten Zeitgenossen Velázquez, Alonso Cano und im Spätwerk auch Bartolomé Esteban Murillo, inspiriert von italienischen und nordeuropäischen Kupferstichen und in ständiger Auseinandersetzung mit der polychromierten Skulptur Spaniens, entwickelte er sich schon früh zu einem herausragenden Koloristen (→ Malerei und Skulptur im barocken Spanien).
Den Geist der Gegenreformation verinnerlicht wie kaum ein anderer seiner Zeit, schuf Zurbarán Werke, die religiöse Szenen in greifbare Gegenwart überführten. Sein Können, Malerei mit der überzeugenden Körperlichkeit polychromierter Skulptur zu verbinden, machte ihn zum gefragtesten Auftragnehmer der Sevillaner Klöster – und zu einem der rätselhaftesten Maler des 17. Jahrhunderts.
Kindheit
Francisco de Zurbarán wurde am 7. November 1598 in Fuente de Cantos getauft, einem kleinen Städtchen in der kargen, bergigen Region Extremadura, rund 120 Kilometer nördlich von Sevilla. Die strategische Lage von Fuente de Cantos an der Ruta de la Plata, der alten Silberstraße, die Westspanien von Nord nach Süd durchzieht, hatte die Familie Zurbarán vermutlich dorthin geführt.
Zurbarán war das sechste und letzte Kind von Luis de Zurbarán (1548–1629/1634), einem baskischen Kaufmann und Steuereinnehmer, und seiner Frau Isabel. Luis de Zurbarán war ein baskischer Händler, der 1582 gemeinsam mit seinen Eltern ein Geschäft in Fuente de Cantos eröffnet hatte. Die Familie war wohlhabend; ihr gehörten mehrere Häuser am Stadtplatz. Eine Taufurkunde verzeichnet zudem mindestens eine versklavte Person im Haushalt, eine Frau namens Antonia, deren Sohn Juan am 13. Februar 1600 getauft wurde.2
Im Jahr 1599 wurden Francisco de Zurbarán und seine fünf Geschwister Maria, Andres, Agustin und Cristobal in der Pfarrkirche von Nuestra Señora de la Granada in Fuente de Cantos konfirmiert.
Ausbildung
Als der junge Francisco künstlerisches Talent zeigte, suchte sein Vater Luis in Sevilla nach einem geeigneten Lehrmeister. Zurbaráns Ausbildungsvertrag mit Pedro Díaz de Villanueva in Sevilla datiert vom 15. Januar 1614; er verbrachte dort drei Lehrjahre. Der erste Lehrmeister bleibt bis heute eine weitgehend dunkle Figur – dass über ihn kaum etwas bekannt ist, verleiht den Anfängen Zurbaráns ein zusätzliches Mysterium.3
Der Biograf Antonio Palomino berichtet freilich, der Unterricht vor der Sevillaner Lehrzeit habe in Fuente de Cantos stattgefunden, bei einem Schüler des Luis de Morales (tätig 1546–1586), jenes Malers, den man wegen seiner religiösen Werke „el divino" nannte.
In Sevilla lernte Zurbarán Francisco Pacheco (1564–1644), Juan de Roelas (um 1570–1625) und Francisco Herrera den Älteren (um 1590–um 1654) kennen – die Begründer des Sevillaner Naturalismus –, außerdem seine Altersgenossen Alonso Cano (1601–1667) und Diego Velázquez (1599–1660). Ohne die Meisterprüfung abzulegen, kehrte Zurbarán in die Extremadura zurück.
Familie
Francisco de Zurbarán arbeitete ab 1617 als Maler in Llerena, der Hauptstadt der Priorei von San Marcos de Leon. Bekannt ist, dass Francisco de Zurbarán 1617 Maria Paez Jimenez heiratete, die um neun Jahr älter war als er. In den folgenden sechs Jahren kamen drei Kinder zur Welt:
- María (22.2.1618 getauft),
- Juan (19.7.1620 getauft) und
- Isabel Paula (13.7.1623 getauft).
Zwei Monate nach der Geburt der zweiten Tochter starb Maria Paez (7.9.1623 begraben).
Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete Zurbarán 1625 Beatriz de Morales. Ihre gemeinsame Tochter Jeronima starb als Kleinkind. Im Dezember 1626 zog das Paar in ein Haus der Morales am Hauptplatz von Llerena.
Werke
Ab 1617 arbeitete Francisco de Zurbarán als Maler in Llerena, der Hauptstadt der Priorei von San Marcos de León. Von dem in Llerena entstandenen Frühwerk hat sich nichts erhalten. Bekannt ist lediglich, dass der Rat von Llerena ihn 1619 mit einem Gemälde für die Tür der der Kirche Nuestra Señora de Villagarcia beauftragte (verloren).
Dann dekorierte Zurbaran ein Floß für die Osterprozession in Fuente de Cantos und malte und vergoldete einen Altar mit der Darstellung der „Mysterien des Rosenkranzes“ für den Altar von Unsere Rosenkranzmadonna in der Pfarrkirche seiner Heimatstadt (1622). Im Folgejahr wurde Zurbarán beauftragt, die Skulptur eines gekreuzigten Christus für das Kloster der Mercedarier in Azuaga (Badajoz) für 700 Reales auszuführen (1624).
Erste Aufträge für Sevilla: Kreuzigung und Klosterzyklen
Im Jahr 1626 erhielt Francisco de Zurbarán einen ersten Auftrag für Sevilla: Am 17. Januar schlossen Zurbarán und Vater Diego de Bordas, Prior von San Pablo el Real (Dominikaner) einen Vertrag über 14 Gemälde aus dem Leben des heiligen Dominikus sowie sieben Väter und Doktoren der Lateinischen Kirche. Innerhalb von acht Monaten sollten die Bilder ausgeführt sein, Zurbarán verdiente die überschaubare Summe von 4.000 Real. In den fünf erhaltenen Gemälden zeigt sich die koloristische Fähigkeit des jungen Malers.
Die „Kreuzigung“ von 1627
1627 malte Zurbarán für die Sakristei des Dominikanerklosters San Pablo el Real seine berühmte „Kreuzigung“ (Art Institute of Chicago). Es ist sein frühestes erhaltenes, signiertes und datiertes Werk – und zugleich jenes Bild, das seinen Ruhm begründete. Der Gekreuzigte erscheint vor schwarzem Grund; helles Licht fällt von rechts auf den zusammengesunkenen Leib, modelliert sein Volumen mit tiefen Schlagschatten.
Damit setzte sich Zurbarán nicht nur mit der zeitgenössischen, realistisch bemalten Skulptur auseinander, sondern auch mit den tatsächlich vorhandenen Lichtverhältnissen an den Bestimmungsorten der Gemälde. Denn Palomino überliefert die zeitgenössische Reaktion: Fast zwei Jahrhunderte stand diese Kreuzigung hinter einem Gitter in der schwach beleuchteten Sakristei, und „jeder, der sie sieht und es nicht weiß, glaubt, dass es eine Skulptur sei".4
„Es gibt eine Kreuzigung von Zurbaráns Hand, die hinter einem Gitter der wenig beleuchteten Kapelle gezeigt wird, und jeder, der sie sieht, und es nicht weiß, glaubt, dass es eine Skulptur sei.“5 (Antonio Palomino über Francisco de Zurbarán, um 1720)
Das Bild markiert zugleich die stilistischen Koordinaten seines gesamten Werks: die Auseinandersetzung mit Caravaggios Chiaroscuro, die Nähe zur polychromierten Skulptur Spaniens und das Bestreben, durch Malerei Devotion auszulösen. Das Konzil von Trient (1545–63) hatte in seinem Dekret über Bilder vom 4. Dezember 1563 gefordert, religiöse Darstellungen sollten die Gläubigen zur Frömmigkeit bewegen; Zurbarán setzte diesen Auftrag mit einem bis dahin ungekannten Realismus um.6
Am 29. August 1629 lud der Rat der Vierundzwanzig, der Stadtrat von Sevilla, Zurbarán förmlich ein, sich dauerhaft in der Stadt niederzulassen.
- Francisco de Zurbarán, Hl. Serapion, 1628, Öl auf Leinwand, 120,2 x 104 cm (Hartford, Wadsworth Atheneum Museum of Art, CT. The Ella Gallup Sumner and Mary Catlin Sumner Collection Fund © Partial and promised gift of Barney A. Ebswroth Collection)
- Francisco de Zurbarán (1598–1664), Die Kreuzigung, 1627 © The Art Institute of Chicago. Robert A. Waller Memorial Fund (1954.15).
„Hl. Serapion“
Am 29. August 1628 hatte Zurbarán bereits einen Vertrag mit Padre Juan de Herrera, dem Prior der Beschuhten Mercedarier, unterzeichnet: 22 Gemälde über das Leben des Ordensgründers Pedro Nolasco. Der „Hl. Serapion“ (1628, Wadsworth Atheneum, Hartford) für die Totenkapelle [Sala de Profundis] des Konvents zählt zu den eindrücklichsten Ergebnissen dieser Phase.
Im Gegensatz zu einigen Zeitgenossen - vor allem Bildhauern - lag Zurbarán nichts daran, die Drastik des Martyriums durch das Zeigen von Wunden hervorzustreichen. Mit größter Würde und Präzision schildert Zurbarán die letzten Momente des einfachen Mönchs. Das caravaggieske Licht modelliert den Körper des Heiligen genauso überzeugend wie dessen weißen Habit. Zurbaráns koloristische Meisterschaft zeigt sich u. a. in der Modulation von Weißtönen.
Wenn auch dieser Zyklus wohl nie zur Gänze ausgeführt worden ist, so gehört der „Heilige Serapion“, zwei düstere Versionen des „Hl. Franziskus in Kontemplation“ (um 1635, Londoner National Gallery und St. Louis), „Die Erscheinung der Madonna vor dem hl. Petrus Nolascus“ (beide Prado) und seine „Vision“ (Pariser Privatsammlung) zu den wichtigen Werken dieser Phase. Der datierte und signierte „Hl. Serapion“ gilt als Probestück des Künstlers für einen großen Auftrag für die Casa Grande de la Merced Calzada (Mecedarier Kloster).
Am 29. August 1629 bat der Rat der Vierundzwanzig, der Stadtrat von Sevilla, den Maler in die Stadt zu übersiedeln, um hier als Maler zu arbeiten. Ein Jahr später wurde Francisco de Zurbarán der Titel „Meistermaler der Stadt Sevilla“ verliehen, obwohl er die Zunftprüfungen nie abgelegt hatte. Zurbarán verbrachte die folgenden Jahrzehnte hauptsächlich in Sevilla, wo er Andachtsbilder, Altäre und Bildzyklen für zahlreiche Klöster der Dominikaner, Franziskaner und Mercedarier schuf. Diese Auftragslage bestimmte Motive wie Arbeitsweise gleichermaßen; bereits in Llerena hatte Zurbarán eine stattliche Werkstatt unterhalten, ohne die die großen Zyklen undenkbar gewesen wären.7
„Agnus Dei“
Im Zeitalter der Gegenreformation nutzten viele Klöster die Überzeugungskraft von Bildern und beauftragten Künstler wie Zurbarán mit Zyklen zu ihren Ordensgründern, wichtigen Märtyrern und heiligen Jungfrauen. Für die private Andacht schuf der Maler ikonische Werke wie das „Agnus Dei [Lamm Gottes]“, die symbolisch aufgeladene Darstellung eines gefesselten Lammes mit Heiligenschein, und „Das Haus von Nazareth“, häusliche Szenen aus der Kindheit Mariae.
Zu den charakteristischsten Werke Zurbaráns zählt das „Agnus Dei“-Motiv: schlichte, strenge Leinwände, die ein schneeweißes, lebendes, aber gefesseltes Lamm auf einem Steinsims zeigen. Über die ursprüngliche Bestimmung des Christussymbols rätselt die Forschung noch immer. Die bekannteste Version (um 1635–1640, San Diego Museum of Art) wurde als „die vollkommenste Darstellung, die je auf Leinwand gemalt worden sei“ gerühmt – und soll sogar Velázquez zu dem Kommentar veranlasst haben, er wage nicht, daneben seinen Pinsel zu heben.8
- Francisco de Zurbarán, Das gefesselte Lamm, 1632, Öl auf Leinwand, 61,3 x 83m2 cm (Barcelona, Privatsammlung).
Die großen Klosterzyklen
Francisco de Zurbarán war im Leben und in der Nachwirkung vor allem als Maler bekannt, dessen Haupttalent darin bestand, religiöse Szenen und Figuren dreidimensional lebendig werden zu lassen.9 Insgesamt sind 22 große Serien dokumentiert. Zu den herausragenden Werken zählen:
- Zyklus für das Colegio de San Buenaventura (ab 1629, Sevilla): vier Gemälde aus dem Leben des hl. Bonaventura (heute: Louvre, Paris; Gemäldegalerie Alte Meister, Dresden)
- Apotheose des hl. Thomas von Aquin (1631, Museo de Bellas Artes, Sevilla): Zurbaráns größtes bekanntes Gemälde, entstanden als Hochaltarbild des Dominikanerkollegs Santo Tomás
- Vision des hl. Alonso Rodríguez (1630, Real Academia de Bellas Artes de San Fernando, Madrid): für die Casa Profesa der Jesuiten – Zurbaráns einziger Auftrag für diesen Orden, für den er eine völlig neue Ikonografie erfinden musste10
- Zyklus für die Kartause Nuestra Señora de la Defensión in Jerez de la Frontera (1638–1639): monumental angelegter Hochaltar von rund 15 Metern Höhe und 10 Metern Breite, umfassend Altargemälde, Heiligenfiguren und eine Herkulesserie11
- Zyklus für die Hieronymiten von Guadalupe (Cáceres, 1638–39): der einzige noch vollständig in situ erhaltene Zyklus Zurbaráns
In seinem Bonaventura-Zyklus bestätigt Zurbarán sein außerordentliches Talent, Heilsgeschichte in Malerei zu übersetzen: Die Kompositionen bestechen durch ihre Lesbarkeit, durch Perspektive und durch eine Fähigkeit, Emotion und Monumentalität zu verbinden.12
- Juan Luis Zambrano, Tod des hl. Pedro Nolasco, um 164, Öl auf Leinwand, 165 x 209 cm (Sevilla, Catedral de Sevilla).
- Francisco de Zurbarán, Gebet des Heiligen Bonaventura, 1628/29, Öl/Lw (© Gemäldegalerie Alte Meister, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Estel/Klut)
Zurbarán in Sevilla: skulpturale Malerei und gegenreformatorische Mystik
Zurbaráns Frühwerke für San Pablo el Real (1627) und die Merced Calzada (1628) markieren den Beginn einer Karriere als Lieblingsmaler der Klosterorden. Was sie anzog, war die verblüffende Art, in der seine Bilder eine neue Form von Heiligkeit ausdrückten: Es war, als könnten seine gemalten Figuren mit Skulpturen konkurrieren – ja sie sogar übertreffen – in der Vermittlung von Greifbarkeit und Volumen.13 Der Kunsttheoretiker Francisco Pacheco, Zurbaráns älterer Kollege in Sevilla, hatte in seiner Arte de la Pintura die „Gründe, warum Malerei die Skulptur übertrifft" ausführlich erörtert – Zurbarán lieferte in Werk um Werk den Beweis.
Am 26. September 1629 unterzeichnete Zurbarán einen Vertrag für die Vergoldung und das Malen eines Altares zu Ehren des Hl. Joseph für die Kirche des Klosters der Trinidad Calzada in Sevilla. Weiterer Auftrag über vier Gemälde für die Kirche des Franziskaner-Collegiums von San Buenaventura in Sevilla mit Szenen aus dem Leben des Hl. Bonaventura (heute: Louvre und Dresden) vervollständigten den Auftrag an Herrera den Älteren.
Zurbarán verbrachte sein Leben in der Folge hauptsächlich in Sevilla, wo er ab 1629 Andachtsbilder, Altäre und Bildzyklen für zahlreiche Klöster der Dominikaner, Franziskaner und Marcederier-Orden schuf. Diese Auftragslage bestimmte sowohl die Motive wie auch die Atelierarbeit des Künstlers, der bereits in Llerna über mehrere Mitarbeiter verfügte. Zurbaráns Stil ist realistisch, detailgenau, seine Figuren wirken geometrisch und skulptural. Diese Wirkung erzielte er vielfach mit Hilfe von Licht und Schatten, zudem nutzte er die dunkle Hintergrundfolie als Kontrast. Einfache, statische Kompositionen sind durch eine genaue Darstellung der Oberflächenbeschaffenheit von Objekten charakterisiert. Dadurch haben seine Gemälde einen stillen und universellen Charakter.
In Sevilla führte Zurbarán verschiedene Gemäldeserien aus, darunter jene im San Buenaventura College, der Trinidad Calzada und der Merced Calzada. „Die Apotheose des hl. Thomas von Aquin“ (1631, Museo de Bellas Artes, Sevilla) ist Zurbaráns größtes bekanntes Gemälde und wurde als Hochaltarbild der Kirche des Dominikaner-Collegiums von Santo Tomás de Aquino genutzt.
Von seinen Mitarbeitern unterstützt, malte Zurbarán seine einzige bekannte „Apostelserie“ (1633, Museu Nacional de Arte Antiga, Lissabon), vielleicht für das Kloster von Sao Vicente de Fora in Lissabon. Bis 1635 stellte Zurbarán vier kleine Leinwände für die Kapelle des Collegiums von San Alberto der Unbeschuhten Karmeliter von Sevilla fertig.
- Francisco de Zurbarán, Der heilige Franziskus in Meditation, 1635–1639, Öl/Lw, 152 x 99 cm (© The National Gallery, London)
- Francisco de Zurbarán, Der heilige Franziskus von Assisi nach der Vision von Papst Nikolaus V., um 1640, Öl auf Leinwand, 180,5 × 110,5 cm (Museu Nacional d’Art de Catalunya, Barcelona, Inv.-Nr. mnAC/mAC 11528), Foto: Calveras / Mérida / Sagristà
Zurbarán am Hof in Madrid: die Herkulesserie
Es ist sehr wahrscheinlich, dass Diego Velázquez seinen Freund Zurbarán 1634 einlud, an den Dekorationen für den Königssaal (auch Reichssaal oder Saal der Reiche) im neuen Buen Retiro Palast mitzuarbeiten.14 Auf Initiative des Herzogs von Olivares war der Bau des Buen Retiro am Stadtrand von Madrid als Lustschloss für Philipp IV. und seinem Hofstaat im Jahr 1630 begonnen worden. Zurbarán reiste an den Hof in Madrid, wo er eine zehnteilige Herkules-Serie und zwei Historiengemälde für die Reichshalle ausführte.15 Für den gleichen Saal malte Velázquez die „Übergabe von Breda“ (alle im Prado). Zurbaráns Erfahrung als Maler und Werkstättenleiter garantierte eine effiziente Arbeitsweise, um den Zyklus der Arbeiten des Herkules in der ihm zur Verfügung stehenden, relativ kurzen Zeit fertigzustellen.
Die Arbeiten des Herkules verkörperten Eigenschaften der guten Regentschaft, darunter Schläue, Besonnenheit, Treue, Pflichtbewusstsein und Selbstlosigkeit. Die Geschichten von Herkules' Aufgaben waren in Spanien weithin bekannt, nicht nur dank Übersetzungen klassischer Autoren, sondern auch dank Zusammenstellungen von Mythen, literarischen Werken, Theaterstücken, Festen und sogar Predigten. Eines der ersten literarischen Werke der spanischen Neuzeit ist „Los doce trabajos de Hércules [Die zwölf Arbeiten des Herkules]“ stammt vom Marquis von Villena.
In seiner Herangehensweise an mythologische Themen erwies sich Francisco de Zurbarán als explizit im erzählerischen Sinne und treu zu seinen Quellen. Diese waren sowohl literarischer als auch grafischer Natur, darunter die Druckserien zu den Arbeiten des Herkules von Cornelis Cort (1533–vor 1578) und Hans Sebald Beham (1500–1550) aus den 1540er Jahren. Zurbarán bewies großes Geschick darin, Kompositionen an die jeweiligen Umstände anzupassen. So waren beispielsweise alle Werke der vorliegenden Serie für eine hohe Wandaufhängung vorgesehen, was sich sowohl in ihrem Maßstab als auch in ihrer Perspektive widerspiegelt. Die eigentümliche Untersicht, die im Museum zunächst befremdlich wirkt, war für die Betrachtung von weit unten berechnet.16 Um Herkules’ kraftvolle physische Persönlichkeit und die Dramatik seiner Taten hervorzuheben, beschloss Zurbarán, ihn im Vordergrund darzustellen, von unten betrachtet, um seine Monumentalität und körperliche Stärke hervorzuheben.
Tatsächlich handelt es sich bei den Darstellungen von Herkules um die bedeutendste Serie männlicher Akte in der spanischen Malerei des Goldenen Zeitalters. Als sich Zurbarán dem Akt näherte, konnte er auf seine „Kreuzigung“ (1627, Art Institute of Chicago) und „Die Erscheinung des Apostels Petrus vor dem Heiligen Petrus Nolasco“ (1629, Museo Nacional del Prado) Bezug nehmen. Zurbarán beschreibt den menschlichen Körper mit einer naturalistischen Technik, bei der er Licht und Schatten zur Modellierung der Anatomie verwendet. Infolgedessen artikuliert er die verschiedenen Gliedmaßen auf eine sehr kontrastreiche Weise, die die Muskulatur hervorhebt. In „Herkules und Zerberus“ sprechen die angespannten Sehnen von der körperlichen Anstrengung, und die Reflexion der Flammen auf dem gequälten Gesicht unterstreicht die Schwere seiner Aufgaben.17 Dieser Ansatz eignet sich sehr gut, um den kraftvollen und heroischen Körperbau des Herkules darzustellen, dessen nackte männliche Gestalt zu einer Metapher für königliche Autorität und Macht wird.
Dieser königliche Auftrag ermöglichte Zurbarán, sich von seinen monastischen Auftraggebern zu lösen und sich mit mythologischen Szenen und Aktfiguren zu beschäftigen – das einzige Mal in seiner Karriere. Neben der Serie zu den „Arbeiten des Herkules“ (Prado) führte er zwei großformatige Historien aus, die in bemerkenswert realistischem Stil ausgeführt sind: „Herkules und der Kretische Stier“ sowie „Herkules und Zerberus“ (beide 1634, Prado). Damit haben die Gemälde einen Sonderstatus im Werk Zurbaráns, der als „Maler der Mönche“ bezeichnet wurde.
Zurbaráns Autorschaft wurde trotz Quellen von Palomino und Ponz bald vergessen und erst wieder 1945 zweifelsfrei belegt. Neben diesem höfischen Auftrag arbeitete Francisco de Zurbarán nur noch an der Dekoration eines Schiffs, dessen Bau König Philipp IV. zu Ehren des heiligen Ferdinand, König von Kastilien und Leon befahl.
Zurbaráns modebewusste Heilige: die Märtyrerinnen-Galerien
Zurück in Sevilla malte Zurbarán ab 1636 erneut für Klöster und Pfarrkirchen. Zu den charakteristischsten Erfindungen seines Werks zählen die Darstellungen weiblicher Heiliger: elegant gewandete Figuren, die vor schwarzem Hintergrund vor dem Betrachter stehen wie Teilnehmerinnen einer Prozession – frei von jeder Spur des Martyriums, das sie erlitten haben. Zurbarán schuf damit eine vollkommen eigene Ikonografie.18
Die weiblichen Heiligen wirken wie Andalusierinnen mit nahezu weltlichem Charme, wobei eben diese Weltlichkeit im zeitgenössischen Diskurs nicht unumstritten blieb. 1635 hatte der Jesuitentheologe Bernardino de Villegas sowohl Skulpturen als auch Gemälde kritisiert, die Heilige „so profan gekleidet und mit so viel Schmuck" zeigten, „dass man sich manchmal fragt, ob man sie als heilige Luzia oder heilige Katharina verehren oder die Augen abwenden soll".19 Zurbarán navigierte diese Spannung mit bemerkenswerter Sicherheit: Die verfeinerte Eleganz der Gewänder verwandelt seine Heiligen in „göttliche Porträts" – überirdisch gerade weil sie so greifbar irdisch erscheinen.
Die seit dem Frühwerk skulptural aufgefassten Figuren zeigen eine subtile Verbindung zwischen Realismus und Mystik. Die „Heilige Casilda“ (um 1635, Museo Thyssen-Bornemisza, Madrid) war die Tochter des Morisken-Königs von Toledo, Abu al-Hasan Yahya al-Mamun. Als sie zum Christentum konvertierte, begann sie die verfolgten und inhaftierten Christen im Kerker ihres Vaters zu besuchen und mit Essen zu versorgen. Als sie eines Tages dabei erwischt wurde, verwandelten sich die Brote in den Falten ihres Gewandes auf wundersame Weise in Blumen.
Ikonografische Quellen für die modischen Heiligen waren religiöse Druckgrafiken. Die „Heilige Margaretha von Antiochia“ (1630–1634, National Gallery, London) etwa geht auf einen Stich Hans Springinklees aus dem „Hortulus Animae“ (um 1550) zurück – Zurbarán hat die Blickrichtung der Heiligen gespiegelt, ihren Rock verwandelt und ihr einen Schäferinnenhut aufgesetzt, den Drachenkopf zu ihren Füßen jedoch beibehalten.20 Der Realismus der Stoffe und Schmuckstücke – Zurbaráns unübertroffene Meisterschaft in der Darstellung von Seide, Stickerei und Schmuck – verleiht diesen Figuren eine starke Präsenz und Monumentalität.
- Francisco de Zurbarán, Die heilige Margareta von Antiochien, um 1630–1634, Öl auf Leinwand, 163 × 105 cm (London, The National Gallery of Art, NG 193)
- Francisco de Zurbarán, Heilige Casilda, um 1630-1635, Öl auf Leinwand, 171 x 107 cm (Museo Thyssen-Bornemisza, Madrid).
Stillleben: Vater und Sohn
Francisco de Zurbarán schuf nur wenige Stillleben. Das einzige signierte ist das „Stillleben mit Zitronen, Orangen und einer Rose“ (1633, Norton Simon Foundation, Pasadena). Es ist zugleich das früheste bekannte signierte und datierte Stillleben aus Sevilla: Alltägliche Dinge – ein Körbchen Orangen, zwei Silberteller mit Zitronen, ein Glas Wasser mit einem Stengel Rose – sind in starkem Licht vor dunklem Grund aufgereiht. Die konzentrierte Beobachtung des Malers erfasst Details, die im alltäglichen Umgang übersehen werden: farbige Reflexe auf den Silbertellern, die raue Schale der Früchte, modelliert durch kleine, schraffierte Pinselstriche über einer roten Untermalung.21
In dieser Zeit dürfte auch „Eine Schale Wasser und eine Rose“ (um 1630, The National Gallery, London) entstanden sein. Das späte „Stillleben mit Keramik und Schale“ (1650–1655, Museu Nacional d’Arte de Catalunya) ähnelt in seiner Ausführung den Stillleben von Juan de Zurbarán, Franciscos Sohn. Vater und Sohn konzentrierten ihre Aufmerksamkeit auf Details und qualitätsvolle Ausführung, die stilistisch an neapolitanische Stillleben, deren realistische Texturen und dramatische Licht-Schatten-Wirkungen anschließen. Thema und Motive kamen den lebensechten Darstellungsweisen der beiden Künstler entgegen.
Eine bedeutende Neuentdeckung stellen zwei kleine Stillleben aus französischem Privatbesitz dar, die 2023 identifiziert wurden: Beide zeigen je eine alcarraza, ein poröses Tongefäß aus Südspanien, das durch Verdunstung Flüssigkeiten kühl hielt. Die Bilder werden Francisco de Zurbarán auf der Basis historischer, wissenschaftlicher und ikonografischer Belege zugeschrieben; Röntgenaufnahmen belegen zudem ihre enge Verbindung mit dem großen Norton-Simon-Stillleben.22
Sein Sohn Juan de Zurbarán (1620–1649) entwickelte sich gleichfalls zu einem herausragenden Stillleben-Maler, beeinflusst von neapolitanischen Vorbildern mit ihren realistischen Texturen und dramatischen Hell-Dunkel-Wirkungen. Vater und Sohn teilten die Konzentration auf Detail und malerische Qualität; stilistisch nähern sich ihre Stillleben einander an.23
- Juan de Zurbarán, Blumen und Früchte in einer chinesischen Schüssel, um 1645, Öl auf Leinwand, 82,6 x 108,6 cm (Chicago (IL), The Art Institute of Chicago, Wirt D. Walker Fund).
Reife Werke und späte Sevillaner Jahre
Am 19. August 1636 erhielt Francisco de Zurbarán den Auftrag, gemeinsam mit dem Bildhauer und Bruder seines Lehrmeisters Jeronimo Velazquez, einen neuen Altar für die Kirche von Nuestra Señora de la Granada in Llerena anzufertigen. Der „Heilige Antonius Abbas“, die „Heilige Apolonia“ (Louvre) und der „Heilige Lorenz“ (Eremitage) wurden für den Querschiffaltar der Klosterkirche von San Jose de la Merced Descalza in Sevilla gemalt. Nach seinem Aufenthalt in Madrid (1634) verfeinerte Zurbarán den Umgang mit Farbe noch mehr, wie auch die „Heilige Apollonia“ (um 1636–1640, Louvre) zeigt.
Die zwischen 1638 und 1639 entstandenen Zyklen für die Hieronymiten von Guadalupe und die Kartäuser von Jerez de la Frontera gelten als Höhepunkte von Zurbaráns Schaffen. Im Guadalupe-Zyklus wechseln caravaggeske Dramatik (Versuchung des hl. Hieronymus) und goldlichtdurchflutete Kontemplation (Friar Andrew von Salmerón getröstet von Christus) einander ab und belegen die Bandbreite seines Ausdrucks innerhalb einer einzigen Serie.24
Nach 1640 nahm Zurbarán zunehmend Aufträge für den südamerikanischen Markt an und schuf daneben Andachtsbilder für eine gehobene private Klientel. Die Werkstatt war in dieser Phase extrem ausgelastet – Zurbarán und seine Frau zogen 1645 in ein Haus neben der Kathedrale, was ihre städtische Verortung und soziale Stellung unterstreicht.
1649 traf die Stadt Sevilla eine verheerende Pest, die etwa die Hälfte der Einwohner hinraffte. Zurbarán überlebte, doch sein Sohn Juan de Zurbarán starb in jenem Jahr – vermutlich ein Opfer der Seuche.25
- 1637: Am 26. Mai 1637 unterschrieb Zurbarán einen Vertrag über den Hochaltar der Klosterkirche der Encarnacion in Arcos de la Frontera (Cadiz) (verschollen).
- 1638–1639: Serie für das Kapitelhaus von Nuestra Señora de la Defension in Jerez de la Frontera (Cadiz).
- 1639: Am 2. März 1639 unterschrieb Zurbarán einen Vertrag mit Padre Felipe de Alcala über sieben Gemälde für die Sakristei des Klosters von Guadalupe (Caceres) mit Mönchen des Klosters, die sich als einzige noch in situ befindet. Zwei wichtige Werke aus diesem Jahr sind „Hl. Franziskus in Meditation“ und das „Agnus Dei“.
- 1640–1645: Zurbarán malte eine Serie der „Sieben Infanten von Lara“.
- 1644/45: Zurbarán malte verschiedene Versionen des „Haus von Nazareth“, da sich Bilder mit der Kindheit Jesu großen Zuspruchs erfreuen.
- 1645: Die Kirche von Nuestra Señora de la Candelaria in Zafra (Badajoz) beauftragte Zurbarán mit einem Porträt von „Alonso de Salas Parra“ und „Heiliger Ildefons erhält die Kasel“ (1644–1645).
- Um 1650 arbeitete Zurbarán am Altar für die St. Peter-Kapelle in der Kathedrale von Sevilla (in situ).
- 1655: Zurbarán schuf drei große, horizontale Gemälde für die Sakristei der Kirche im Kapitelhaus von Santa Maria de las Cuevas in Sevilla mit Szenen aus der Kartäuser-Doktrin (Museo de Bellas Artes, Sevilla).
Zurbaráns südamerikanisches Abenteuer
Zwischen 1636 und 1649 exportierte Francisco de Zurbarán über 120 Werke in die Amerikas, zumeist für Lima bestimmt – Serien und Einzelgemälde vorwiegend religiösen Inhalts.26 Sevilla war als einziger legaler Hafen für den Spanienhandel mit den Kolonien der natürliche Ausgangspunkt. Das Geschäft war lukrativ, aber risikoreich: Zurbarán musste seine Gemälde Schiffskapitänen anvertrauen, die sie für ihn verkaufen sollten; der Maler erhielt sein Geld erst nach der Rückkehr des Schiffes. Das Risiko verblieb vollständig bei ihm.
Die in den Jahren 1638 und 1639 entstandenen Zyklen für Klöster gelten als die Höhepunkte von Zurbaráns Werk. Dazu gehört der Zyklus für die Hieronymiten von Guadalupe in Caceres, der sich noch vor Ort befindet, und jener für die Kartäuser in Jerez de la Frontera, der im 19. Jahrhundert zerteilt wurde. Nach 1640 konzentrierte sich Zurbarán auf Serien von stehenden Figuren, beginnend mit den Aposteln von Lissabon (1633) und gefolgt von Arbeiten für den südamerikanischen Kunstmarkt. Letztere führten fast zum Ruin des Künstlers, da er kein Geld für die nach Amerika geschickten Gemälde erhielt.
1640 klagte Zurbarán Kapitän Diego de Mirafuentes wegen unbezahlter Gemälde: Dieser hatte mehrere erstklassige Werke als Dekorations für sein Schiff genutzt, woraufhin sie beschädigt und unverkäuflich nach Portobelo in Panama gelangten – weder dort noch beim Weiterverkauf in Lima fand sich ein Abnehmer.27 Ob es der wirtschaftliche Niedergang Sevillas oder die Konkurrenz durch den aufstrebenden Bartolomé Esteban Murillo waren, die Zurbarán in die riskanten Exportgeschäfte trieben – oder beides –, lässt sich nicht abschließend entscheiden.
Zurbaráns Werkstatt war dennoch extrem beschäftigt. Zwischen 1640 und 1650 produzierte sie eine große Anzahl von Werken für den lateinamerikanischen Markt, vor allem Apostelserien und Mönchsdarstellungen. Zurbarán und seine Frau zogen vielleicht auch deshalb 1645 in ein Haus neben der Kathedrale.
Im Jahr 1647 bestellte die Schwester Oberin des Klosters La Encarnacion in Lima Gemälde für die Kirche, die sie mit 2.000 Pesos (16.000 Reales) auch bezahlte. Am 22. Mai 1647 untereschrieb Zurbarán einen Vertrag mit Kapitän Juan de Valverde über zehn Szenen aus dem Leben der Jungfrau und 24 Darstellungen von weiblichen Heiligen für das Konvent der Inkarnation in Lima, Peru (verloren).
„Zwölf reitenden Caesaren“ hatte er nach Peru geschickt, und 1649 sandte Zurbarán eigene Gemälde, flämische Landschaften und Malutensilien nach Buenos Aires. Die Hinwendung zu den spanischen Kolonien begann nachweislich 1636, da sich Zurbarán 1640 in einem Rechtsstreit mit Kapitän Diego de Mirafuentes befand. Dieser hatte vier Jahre zuvor einige erstklassige Gemälde von Zurbarán in Kommission genommen, um sie in den amerikanischen Kolonien zu veräußern. Da der Kapitän diese Werke wohl zur Dekoration seines Schiffes verwendete, waren sie beschädigt und unverkäuflich. Wenn auch das Geschäft mit Mittel- und Südamerika lukrativ war, so waren die Risiken kaum abzuschätzen. Da die großen Aufträge für Klöster zurückgingen, beschäftigte sich Francisco de Zurbarán in seinen letzten Jahren zunehmend mit Andachtsbildern für eine gehobene Klientel.
- Francisco de Zurbarán, Die mystische Vermählung der Hl. Katharina von Alexandria, 1660–1662, Öl auf Leinwand, 121 x 102,7 cm (Schweiz, Privatsammlung)
Spätwerk in Madrid
Ende Mai 1658 übersiedelte Francisco de Zurbarán nach Madrid, dem Sitz des Hofes, wo er die letzten sechs Jahre seines Lebens verbringen sollte. Hinter ihm lagen Jahre des wirtschaftlichen Niedergangs: Sevilla, das in seiner Jugendzeit eine der größten und wohlhabendsten Städte Europas gewesen war, hatte sich durch die nachlassenden Silberflotten aus den Anden und Mexiko immer mehr geleert; die großen Klosteraufträge, auf denen sein Ruhm und seine Werkstatt beruhten, waren versiegt.28
In Madrid malte Zurbarán hauptsächlich Andachtsbilder mittleren Formats für die private Frömmigkeit der Aristokratie. Der Spätstil ist von einer Hinwendung zu Sanftheit und hellerem Kolorit geprägt – beeinflusst von der Rezeption Bartolomé Esteban Murillos (1617–1682) , aber auch von Raffael, dessen Gemälde Philipp IV. seit den 1640er Jahren gesammelt hatte.29 Die dunklen Töne weichen, die Modellierung wird weicher, die Kompositionen intimer.
Das Spätwerk Zurbaráns ist von nahsichtigen Darstellungen von Heiligen, der Madonna mit Kind sowie die Kindheitsgeschichten von Maria und Jesus bestimmt. Die lebensnahe Darstellung erscheint noch mehr gesteigert, die dunklen Farben werden verdrängt, Formen und Licht weicher. Zu den außergewöhnlichsten Werken diese späten Phase zählt zweifellos der „Johannes der Täufer“ (um 1659, Privatsammlung). Das querformatige Bild zeigt hinter der Hauptfigur eine tiefe, verblauende Flusslandschaft, in der rechts die Taufe stattfindet. In diesem Gemälde scheint sich der Spanier mit den Werke von Joachim Patinier (um 1480–1524) am Madrider Hof auseinandergesetzt zu haben.
Diego Velázquez wurde ein Mitglied des Ordens von Santiago, wofür Zurbaran, Murillo, Cano und Juan Carreno de Miranda aussagten. Murillo zog nun nach Madrid, wo er die Gesellschaft von anderen Sevillaner Künstlern wie Velázquez und Zurbarán suchte.; doch Velázquez starb am 6. August 1660 in Madrid. Murillo gründete daraufhin mit anderen Künstlern die Akademie für Zeichnung in Sevilla.
Zwischen 1659 und 1660 wurde Zurbarán mit seiner letzten Kloster-Serie beauftragt: die Gemälde für die Kapelle des hl. Diego im Franziskanerkloster Santa Maria de Jesus in Alcala de Henares, Madrid (Museo Nacional del Prado).
Zu den Entdeckungen zählt „Die mystische Vermählung der hl. Katharina“ (1660–1662, Privatsammlung Schweiz), die 2001 erstmals wieder Zurbarán zugeschrieben wurde. Das Werk dürfte identisch sein mit der „Mystischen Vermählung“, die sich noch nach Francisco de Zurbaráns Tod in dessen Werkstatt befand. Das wenige Jahre vor seinem Ableben entstandene Werk spiegelt die Hinwendung des Künstlers zu einer lichtvollen Palette, einer poetischen Atmosphäre und weichen Modellierung wider.
Francisco de Zurbaráns letztes Werk, die „Jungfrau und Kind mit dem Johannesknaben“ (Museo de Bellas Artes, Bilbao), datiert in das Jahr 1662. Das Gemälde bezeugt die ausdrucksvolle Anmut seines Spätstils: Der junge Christus streckt sich von Marias Schoß, um seinen adorierenden Vetter zu segnen. Zwischen dem Lamm und dem Stuhl der Jungfrau fügte Zurbarán – dort, wo Dürer seinen Monogrammstein gesetzt hatte – auf einem illusionistischen, mit rotem Wachs aufgeklebten cartellino Signatur und Datum ein.30
Tod
Der kranke Künstler setzte 1664 sein Testament auf. Er wollte im Kloster der Unbeschuhten Augustiner-Rekollekten in Madrid begraben werden. An der Stelle steht heute die Biblioteca Nacional und das Museo Arqueologico.
Francisco de Zurbarán starb am 27. August 1664 in Madrid.
Rezeption und Ausstellungsgeschichte
Zwischen 1659 und 1662 schuf Zurbarán seine letzte Kloster-Serie für die Franziskanerkapelle des hl. Diego in Alcalá de Henares (Museo Nacional del Prado). Dann verblasste sein Name für beinahe zwei Jahrhunderte. Erst die internationale Retrospektive zum 400. Geburtstag 1987/88 in Sevilla führte sein Werk einem größeren Publikum vor – und würdigte erstmals den Spätstil des Malers. Erst seit der Zurbarán-Ausstellung in Sevilla wird die weichere, hellere Erscheinung von Zurbaráns späten Werken geschätzt und mit dem damals jungen Malerstar Murillo in Verbindung gebracht.
Seither sind bedeutende Einzelausstellungen gefolgt: Benito Navarrete Prietos Santas de Zurbarán: Devoción y persuasión im Espacio Santa Clara in Sevilla (2013), die große Monografie in Ferrara und Brüssel (2013/14), Zurbarán: una nueva mirada im Museo Nacional Thyssen-Bornemisza in Madrid sowie jüngst Ausstellungen der Franziskus-Versionen aus Lyon, Barcelona und Boston (2024/25). Die bisher umfassendste Schau ist Zurbarán an der National Gallery in London (2. Mai – 23. August 2026), am Musée du Louvre in Paris (7. Oktober 2026 – 25. Januar 2027) und am Art Institute of Chicago (28. Februar – 20. Juni 2027).31





















