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Madrid | Prado: Maria Anna von Österreich

Veröffentlicht von Alexandra Matzner von 4. Mai 2026
Diego Velázquez, Las meninas, Detail, 1656, Öl/Leinwand, 320,3 x 279,1 cm (Prado, Madrid)

Diego Velázquez, Las meninas, Detail, 1656, Öl/Leinwand, 320,3 x 279,1 cm (Prado, Madrid)

Der Prado legt mit der Ausstellung über die Bildpolitik von Maria Anna von Österreich  (1634–1696, reg. 1665 bis 1675) sein starkes Engagement für Frauen in der Kunstwelt an den Tag. Ende 2026 stellt das Museum eine Regentin und Kunstmäzenin aus der königlichen Familie der Habsburger vor. Wie entstand und entwickelte sich das Image der Königin Maria Anna von Österreich, die auf Spanisch Mariana de Austria genannt wird, in verschiedenen Phasen ihres Lebens und ihrer Machtausübung? Wie wurden diese Bilder in einem entscheidenden Moment der spanischen Monarchie verbreitet?

Wenn man die Sammlung des Prado nach „Mariana de Austria“ durchsucht, stößt man schnell auf eine spannende Auswahl an Bildnissen der Königin. Die 1634 als Tochter von Kaiser Ferndinand III. in Wiener Neustadt geborene Maria Anna wurde im Alter von 15 Jahren mit ihrem Onkel, dem spanischen König Philipp IV. von Spanien, verheiratet (1649). In den 1650er Jahren ließ sich die junge Königin vom wichtigsten Maler des spanischen Hofes, Diego Velázquez, porträtieren. Er prägte das Image der jungen Königin und setzte ihr indirekt mit „Las Meninas“ (1656) ein Denkmal. An ihrem öffentlichen Bild arbeitete die Habsburgerin aktiv weiter, indem sie sich ab 1665 als mächtige Regentin in staatsmännischer Pose wiedergeben ließ.

Maria Anna von Österreich [Mariana de Austria]

Spanien | Madrid: Museo Nacional del Prado, Jerónimos-Gebäude, Räume A-B
1.12.2026 – 28.3.2027

Diego Velázquez, Königin Maria Anna von Österreich [Reina Mariana de Austria], 1652–1653, Öl/Leinwand, 234,2 x 132 cm (Prado, Madrid)
Diego Velázquez, Königin Maria Anna von Österreich [Reina Mariana de Austria], 1652–1653, Öl/Leinwand, 234,2 x 132 cm (Prado, Madrid)
Juan Carreño de Miranda, Maria Anna von Österreich, Königinregentin, um 1670, Öl auf Leinwand, 211 x 125 cm (Prado, Madrid, Inv.-Nr. P000644)
Juan Carreño de Miranda, Maria Anna von Österreich, Königinregentin, um 1670, Öl auf Leinwand, 211 x 125 cm (Prado, Madrid, Inv.-Nr. P000644)

Maria Anna von Österreich im Prado

Mariana de Austria, aka Maria Anna von Österreich

Rund 100 Werke – darunter Gemälde, Skulpturen, Medaillen, Textilien, illuminierte Handschriften und Kupferstiche – ermöglichen, die wichtigsten ikonografischen Strategien von Maria Anna von Österreich [Mariana de Austria] und ihrer Hofmaler zu analysieren. Die Regentin nutzte diese bewusst für ihr öffentliches Bild. Damit wollte sie ihre Position legitimieren, ihre Autorität in einem ebenso komplexen wie schwierigen politischen Kontext stärken und ihren Machtanspruch an europäischen Höfen verbreiten. Da der Thronfolger unter schweren gesundheitlichen Problemen litt, wartete ganz Europa gespannt, wie sich die spanische Monarchie entwickeln würde.

Der Prado kann belegt, dass die angewandten Strategien keineswegs Neuschöpfungen waren, sondern direkt aus den wichtigsten ikonografischen Traditionen schöpfen, welche den Habsburgerinnen über zwei Jahrhunderte lang zur Darstellung weiblicher Macht dienten. Als letzte Königin dieser Dynastie verstand es Mariana, das visuelle Erbe ihrer Vorgängerinnen aus dem Hause Österreich zu nutzen und anzupassen. Indem sie diese Vorbilder neu interpretierte und aktualisierte, beanspruchte sie ihren eigenen Platz in der Geschichte.

Wie wurde aus Maria Anna von Österreich Mariana de Austria?

Nach dem Tod von Infantin Maria Anna von Spanien am 13. Mai 1646 – Tochter Philipps III. und Kaiserin des Heiligen Römischen Reiches durch ihre Ehe mit Ferdinand III. von Habsburg – wurde es notwendig, die familiären und politischen Bande zwischen den beiden Zweigen des Hauses Österreich zu stärken. Nur ein Monat nach dem Ableben der Kaiserin wurden Verhandlungen über die Heirat von Balthasar Carlos mit seiner Cousine Maria Anna aufgenommen.

Im Vorfeld dieser Verlobung hatte der spanische Hof einen Bericht über die Entwicklung der Erzherzogin angefordert und erfahren, dass sie ihrer spanischen Mutter wie aus dem Gesicht geschnitten sei, eine umfassende Bildung genossen habe und mit den Tugenden, Sitten und Gebräuchen sowie der kastilischen Sprache so vertraut sei, dass man sie beinahe für eine gebürtige Spanierin halten könne.1 Diese Worte belegen, dass ihre Mutter spanische Sitten pflegte, und es liegt nahe, dass ein Porträt der Erzherzogin verschickt wurde, damit sie jeder sehen konnte. Der Prado besitzt ein Bildnis der sehr jungen Maria Anna in schwarzer Trauerkleidung von Frans Luycks (P06194). Mariana ist in der gleichen Weise gekleidet wie Claudia de’ Medici auf dem ebenfalls von Luycks ​​gemalten Porträt (Wien, Kunsthistorisches Museum, GG-3225), im Vergleich mit anderen Porträts der Maria Anna in einem viel kargeren Raum.2

Der Tod des Infanten Baltasar Carlos am 9. Oktober 1646 verhinderte die Heirat mit seiner Cousine Maria Anna und hinterließ Spanien, das bereits ohne Königin war – Isabel de Borbón war am 6. Oktober 1644 gestorben –, ohne männlichen Thronfolger. Philipp IV. war zur Wiederverheiratung gezwungen, und Ferdinand III. sah in der elfjährigen Maria Anna die ideale Kandidatin. Ihr junges Alter und ihre geringe Körpergröße führten jedoch zunächst zu ihrer Ablehnung, da sie für Mutterschaft körperlich nicht geeignet schien. Diese Einwände gelangten nach Deutschland und wurden durch manipulierte Beschreibungen und Porträts entkräftet, ein Umstand, der in Spanien nicht unbemerkt blieb. Vielleicht ist das zweite Bildnis von Luycks (P002441), das Maria Anna von Österreich im Alter von elf Jahren und zwei Monaten größer und „robuster“ erscheinen lässt, in diesem Kontext zu verstehen.3 Nachweislich hängte sich der König ein Porträt seiner Braut in den Privatgemächern auf; ob es sich um das erhaltene handelt, ist jedoch nicht überliefert.4 Obschon sie als wenig geeignet schien, ihre Rolle zu erfüllen, und das spanische Hofzeremoniell sie immer deprimierter werden ließ, war Maria Anna von Österreich Mutter der Infantin Margarita Teresa, des Infanten Philipp Prosper und des späteren Königs Karl II. von Spanien.

Frans Luycks, Maria Anna von Österreich [Mariana de Austria], 1646, Öl/Leinwand, 194,5 x 131,5 cm (Prado, Madrid)
Frans Luycks, Maria Anna von Österreich [Mariana de Austria], 1646, Öl/Leinwand, 194,5 x 131,5 cm (Prado, Madrid)
Sebastián de Herrera Barnuevo (zg.), Reiterporträt der Mariana von Österreich, Königinregentin von Spanien, 1668–1671, schwarzer Bleistift auf Büttenpapier, 42,2 × 28,3 cm (Prado, Madrid)
Sebastián de Herrera Barnuevo (zg.), Reiterporträt der Mariana von Österreich, Königinregentin von Spanien, 1668–1671, schwarzer Bleistift auf Büttenpapier, 42,2 × 28,3 cm (Prado, Madrid)

Maria Anna und Velázquez

Diego Velázquez malte ein erstes Porträt der Königin nach seiner Rückkehr aus Italien (1652–1653, P01191). Die aufwendige Kleidung, der Sessel und der Vorhang unterstreichen den Rang der Dargestellten, und die Tischuhr erinnert daran, dass Klugheit eine der Tugenden einer Königin ist. In der Entwicklung als Hofporträtist markiert dieses Werk einen Meilenstein: farbig ansprechend (Schwarz, Grau, Silber und Rot), malerisch frei und dennoch von einer großen Farbdichte.5

In den ersten Jahren ihrer Herrschaft galt Velázquez‘ Gemälde als offizielles Bildnis Maria Annas. Heute noch existieren drei unterschiedlich qualitätvolle Versionen dieses Porträts sowie Variationen, in denen die Königin in Halb- oder Dreiviertelansicht erscheint.6

Daran anschließend ist ein zweites Bildnis der Velázquez-Werkstatt zu beurteilen: Es zeigt die Regentin „Königin Maria Anna von Österreich betend [Mariana de Austria, orante]“ (um 1655) im gleichen Kleid und mit der gleichen Perücke wie das Staatsporträt. Der Maler schuf es als Pendant zu „Philipp IV. im Gebet“ (Prado, P01220). Zwischen den beiden Bildnissen, die sowohl an Stifterbildnisse wie auch an höfische Porträts anknüpfen, dürfte sich ein Objekt der Verehrung (Votivgabe?) befunden haben. Dies lässt sich durch die Frömmigkeitspraktiken des Hauses Österreich und vor allem durch den Entstehungsort der Gemälde erklären: das Kloster San Lorenzo de El Escorial.

Das ambitionierteste Werke Velázquez‘, „Las meninas“ (1656), inszeniert die Gesichter von Philipp IV. und Maria Anna von Österreich auf subtile Weise. Die Eltern der Infantin spiegeln sich im  und Zeugen der Szene, spiegeln sich in der Bildmitte – die hellen Ränder werden als Reflexe und damit als Symbol des Sehens an sich gedeutet.7 Damit löst sich das Gruppenporträt um Infantin Margarita in eine Begegnung mit dem Königspaar auf.8 Velázquez hat gerade aufgehört, an der großen Leinwand zu arbeiten und wendet sich dem königlichen Paar zu. Die Figuren bewegen sich in einem Raum, der nicht nur den Gesetzen der wissenschaftlichen Perspektive, sondern auch der Luftperspektive folgt, deren Definition die Vervielfachung der Lichtquellen maßgeblich beeinflusst.

Diego Velázquez, Las meninas, 1656, Öl/Leinwand, 320,3 x 279,1 cm (Prado, Madrid)
Diego Velázquez, Las meninas, 1656, Öl/Leinwand, 320,3 x 279,1 cm (Prado, Madrid)

Maria Anna als Königin und Witwe

Nach dem Tod Philipps IV. im Jahr 1665 übernahm seine Witwe Maria Anna von Österreich die Regentschaft. In dieser Doppelrolle als Witwe und Regentin zeigt sie das Gemälde von Juan Carreño de Miranda (P000644).9 Die Schreibutensilien auf dem Tisch verweisen auf ihre Pflichten als Staatsoberhaupt. Die bewusste Einbeziehung des palastartigen Raumes – hier der Spiegelsaal des Alcázar von Madrid – ist eines der Merkmale der höfischen Porträtmalerei nach Velázquez. Carreño de Miranda zitierte Domenico Tintorettos „Judith und Holofernes“ (1560–1600), um die Idee einer starken Frau zu vermitteln.10

Das Porträt soll, auch wenn die Regentin sich im Nonnenhabit kleidete, Assoziationen wie Verantwortung, Majestät, dynastischer Kontinuität und Macht auslösen. Deutlicher kommt dieser Anspruch allerdings in einer Entwurfszeichnung für ein Gemälde zum Ausdruck: das Blatt wird Sebastián de Herrera Barnuevo zugeschrieben und zeigt ein „Reiterporträt der Maria Anna von Österreich, Königinregentin von Spanien“ (1668–1671). In welchem Kontext dieses Werk zu sehen ist, wird hoffentlich die Ausstellung klären.

Kuratiert von Noelia García Pérez, Professorin für Kunstgeschichte, Universität Murcia.
Quelle: Prado

Bilder

  • Diego Velázquez, Königin Maria Anna von Österreich [Reina Mariana de Austria], 1652–1653, Öl/Leinwand, 234,2 x 132 cm (Prado, Madrid)
  • Diego Velázquez, Königin Maria Anna von Österreich betend [Mariana de Austria, orante], um 1655, Öl/Leinwand, 209 x 147 cm (Prado, Madrid)
  • Diego Velázquez, Las meninas, 1656, Öl/Leinwand, 320,3 x 279,1 cm (Prado, Madrid)
  • Frans Luycks, Maria Anna von Österreich [Mariana de Austria], 1646, Öl/Leinwand, 194,5 x 131,5 cm (Prado, Madrid)
  • Frans Luycks, Maria Anna von Österreich [Mariana de Austria], 1640er, Öl/Leinwand, 174 x 126 cm (Prado, Madrid)
  • Sebastián de Herrera Barnuevo (zg.), Reiterporträt der Mariana von Österreich, Königinregentin von Spanien, 1668–1671, schwarzer Bleistift auf Büttenpapier, 42,2 × 28,3 cm (Prado, Madrid)
  • Juan Carreño de Miranda, Maria Anna von Österreich, Königinregentin, um 1670, Öl auf Leinwand, 211 x 125 cm (Prado, Madrid, Inv.-Nr. P000644)
  • Juan Carreño de Miranda, Mariana von Österreich, Königinregentin, letztes Drittel des 17. Jahrhunderts, Öl auf Leinwand, 127 x 97 cm (Prado, Madrid)
  • Francesco Furini, Lot und seine Töchter, um 1634, Öl auf Leinwand, 123 x 120 cm (Prado, Madrid)

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Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.
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