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London | Tate Modern: Steve McQueen Erste Retrospektive des britischen Filmemachers

Steve McQueen, Static 2009, Video still, © Steve McQueen. Courtesy the artist, Thomas Dane Gallery and Marian Goodman Gallery

Steve McQueen, Static 2009, Video still, © Steve McQueen. Courtesy the artist, Thomas Dane Gallery and Marian Goodman Gallery

Mit seinen kraftvollen und kompromisslosen Bildern erobert Steve McQueen im Frühjahr 2020 die Tate Modern, London. Der 1969 in West London geborene Foto- und Filmkünstler befassen sich in seinen Arbeiten mit dringenden Fragen zu Repräsentation, Identität, Geschichte und Erinnerung. Mit 14 Hauptwerken aus den Bereichen Film, Fotografie und Skulptur zeigt die Ausstellung die Tiefe von McQueens visueller Kunst. Die offene und dezidiert nicht chronologische Präsentation ist die erste seit seiner Verleihung des Turner-Preises und der ersten Retrospektive im ICA 1999. Daher fokussiert die Tate Moderne auf McQueens Werke der letzten 20 Jahre – ohne jedoch seinen Oskar-prämierten Film „12 Years a Slave“ (2013) zu zeigen.

In den letzten 25 Jahren schuf Steve McQueen einige der innovativsten Videoarbeiten für Galerieräume sowie vier von der Kritik hochgelobte Kinofilme: „Hunger“ (2008), „Shame“ (2010), der oben bereits genannte „12 Years a Slave“ (2012) und „Widows“ (2018). Während seiner zwei Jahrzehnte dauernden Karriere hat McQueen wegweisende Herangehensweisen an das Filmemachen erweitert. Seine Werke veränderten, wie Künstler mit dem Medium arbeiten, und ergreifende Porträts von Zeit und Ort schaffen.

Steve McQueen in der Tate Modern 2020

Die Tate Modern zeigt persönliche und intime Werke. Darunter befindet sich McQueens frühesten mit einer Super-8-Kamera gedrehten Film „Exodus“ (1992/97), der Migration und Multikulturalismus in seiner Heimatstadt London widerspiegelt. Der Film „7. November 2001“ zeigt den Cousin des Künstlers, Marcus. Dieser berichtet von dem tragischen Tag, an dem er versehentlich auf seinen eigenen Bruder geschossen und ihn dabei tödlich verletzt hat. Dazu gesellen sich eindringliche, großformatige Videoinstallationen wie „Western Deep“ (2002) und „Static“ (2009). „Western Deep“ wurde ursprünglich für die documenta XI in Auftrag gegeben und bietet eine intensive, unter die Haut gehende Untersuchung der Arbeitsbedingungen von Goldminenarbeitern in Südafrika. „Static“ hingegen zeigt Luftaufnahme der Freiheitsstatue und untersucht visuell eine vertraute und symbolträchtige Figur, die allerdings nur selten aus der Nähe betrachtet werden kann.

Zu den neueren Arbeiten in der Tate-Ausstellung gehört die Zweikanal-Videoinstallation „Ashes“ (2002–2015), die eine bewegende Hommage an einen jungen Fischer darstellt, den der Künstler 2002 in Grenada getroffen und gefilmt hat und der im folgenden Jahr von Drogendealern getötet wurde.

Zum ersten Mal in Großbritannien kann das Publikum „End Credits“ (2012) sehen – eine Hommage von McQueen an den afroamerikanischen Sänger, Schauspieler und Bürgerrechtler Paul Robeson (1898–1976). Nach einer erfolgreichen Karriere als Performer wurde Robeson in den 1950er Jahren auf die schwarze Liste gesetzt und vom FBI überwacht. Das Werk besteht aus fortlaufenden Dias der FBI-Berichte über Robeson mit einem Soundtrack von Stimmen, die aus den stark redigierten Dokumenten vorlesen.

In der Ausstellung wird auch „Weight“ 2016 zu sehen sein, eine Skulptur, die Artangel erstmals im kürzlich geschlossenen Reading Gaol ausstellte, in dem Oscar Wilde inhaftiert war und „De Profundis“ (1897) schrieb. „Weight“ besteht aus einem vergoldeten Moskitonetz über einem der Metallrahmen des Gefängnisses. Das Netzt erzeugt eine schimmernde Erscheinung, womit Steve McQueen die Beziehung zwischen Schutz und Einschluss, dem Körperlichen und dem Geistigen und der erlösenden Kraft der Vorstellungskraft untersucht.

Steve McQueens „Year 3“

Diese Ausstellung läuft gleichzeitig zu Steve McQueens neuestem Kunstwerk „Year 3“, das bis zum 3. Mai 2020 in der Tate Britain zu sehen ist. „Year 3“ zeigt ein episches Porträt von Londons Schülerinnen und Schülern der dritten Klasse und wurde durch eine Partnerschaft zwischen Tate, Artangel und A New Direction ermöglicht.

Kuratiert von Clara Kim, The Daskalopoulos Senior Curator, zusammen mit Fiontán Moran, Assistant Curator der Tate Modern. Die Ausstellung „Steve McQueen“ wird in Zusammenarbeit mit Pirelli HangarBicocca, Mailand, organisiert.

Ausgestellte Werke

  • Exodus 1992/97, Film, super 8mm, Farbe, auf Video übertragen, Dauer: 1:05
  • Cold Breath 1999, Film, 16mm, schwarz-weiß, Projektion, 10 Min.
  • Illuminer 2001, Video, Farbe, digitalisiert, Projektion, mit Sound, Dauer: 15:13
  • Girls, Tricky 2001, Video, Farbe, digitalisiert, projection, Sound, Dauer: 14:47
  • 7th Nov. 2001, 35mm Dias, Farbe, Projektion, Sound, Dauer: 23 Min.
  • Once Upon a Time 2002, Sequenzen von 116 35mm Dias, Farbe, digitalisiert, rückwärtige Projektion, Sound, Dauer: 70 Min.
  • Caribs' Leap 2002, Film, 35mm, Farbe, auf Video übertragen, LCD screen, Dauer: 12min, 6sec
    Film, super 8mm, Farbe, auf Video übertragen, Projektion, Sound, Dauer: 28:53
  • Western Deep 2002, Film, Super 8mm, Farbe, auf Video übertragen, Projektion, Sound, Dauer: 24:12
  • Charlotte 2004, Film, 16mm, Farbe, Projektion, Dauer: 5:42
  • Mees, After Evening Dip, New Year's Day, 2002 2005, Lichtbox mit farbigen Folien
  • Static 2009, Film, 35 mm, auf Video übertragen, HD, Farbe, Projektion, Sound, Dauer: 7:03
  • Ashes 2002–2015, Film, Super8 und 16mm, Farbe, auf HD übertragen, 2 Projektionen, Sound; Poster, auf Papier, Dauer: 20:31
  • End Credits 2012–ongoing, Video, digital gescannte Daten, HD, schwarz-weiß, Projektion, Sound, Laufzeit der Bildspur: Dauer: 5 Stunden 38 Min.; Laufzeit der Audiospur: 42hours, 6min, 20sec
  • Weight 2016, 24 Karat Gold, Moskitonetz, Metall, Farbe, 270 x 245 x 98 cm

Aktuelle Ausstellungen

12. Februar 2020
Frida Kahlo, Selbstbildnis mit Dornenhalsband, Detail, 1940 (Nickolas Muray Collection, Harry Ransom Humanities Research Center, The University of Texas at Austin) Foto: © Nickolas Muray Collection, Harry Ransom Humanities Research Center, The University of Texas at Austin, Werk: © Banco de México, Diego Rivera & Frida Kahlo Museums Trust, México, D.F./VBK, Wien, 2010.

Frankfurt | Schirn: Künstlerinnen des Surrealismus Fantastische Frauen von Frida Kahlo bis Dorothea Tanning

Die SCHIRN Kunsthalle betont 2020 erstmals in einer großen Themenausstellung den weiblichen Beitrag zum Surrealismus. Was die Künstlerinnen von ihren männlichen Kollegen vor allem unterscheidet, ist die Umkehr der Perspektive: Oft durch Befragung des eigenen Spiegelbilds oder das Einnehmen unterschiedlicher Rollen sind sie auf der Suche nach einem neuen weiblichen Identitätsmodell.
31. Januar 2020
Jan van Eyck, Der Genter Altar, Außentafeln: Verkündigung, Verkündigungsengel, Detail, um 1430–1431 (©www.lukasweb.be - Art in Flanders vzw, foto Hugo Maertens)

Gent: Jan van Eyck. Eine optische Revolution Pionier der Renaissance in Burgund

Gent bereitet 2020 die größte Ausstellung zu Jan van Eyck (um 1390-1441) vor. Van Eycks unvergleichliche Technik und Beobachtungsgabe revolutionierten die Ölmalerei, die einer optischen Revolution gleichkam. Rund um die Restaurierung der Außentafeln des Genter Altars - „Der Anbetung des Lamm Gottes“ - werden Werke seiner begabtesten Zeitgenossen aus Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien gezeigt.
28. Januar 2020
Angelika Kauffmann, Selbstporträt der Künstlerin am Scheideweg zwischen Musik und Malerei, Detail, Rom 1794, Öl/Lw, 147,3 x 215,9 cm (Nostell Priory, West Yorshire © National Trust Images/John Hammond)

Düsseldorf | Museum Kunstpalast: Angelika Kauffmann Bedeutendste Künstlerin Europas um 1800

Angelika Kauffmann (1741–1807) vertritt exemplarisch den neuen Typus einer europaweit vernetzten und weltgewandten Künstlerin. Ihr breitgefächertes Œuvre repräsentiert wesentliche Aspekte des internationalen Klassizismus im Zeitalter der Aufklärung und Empfindsamkeit.
28. Januar 2020
David Hockney, My Parents, Detail, 1977 (Tate, London, © David Hockney, © Foto: Tate, London 2019)

Hamburg | Bucerius Kunst Forum: David Hockney Retrospektive Überblicksausstellung des britischen Malers und Grafikers

Retrospektive Ausstellung im Bucerius Kunstforum, Hamburg, zeigt David Hockneys Werk von den 1960ern, zu den Bild-Ikonen aus Südkalifornien und der Neuerfindung des kubistischen Raumes von den 1980ern bis heute
28. Januar 2020
Cindy Sherman, Untitled Film Still #2, Detail, 1977, Silbergelatineabzug, 95,5 x 70 cm (KUNSTMUSEUM WOLFSBURG, Courtesy of the artist and Metro Pictures, New York)

Wien | Bank Austria Kunstforum: The Cindy Sherman Effect Identität und Transformation in der zeitgenössischen Kunst

Cindy Shermans Werk, beginnend mit ihren ikonischen „Untitled Film Stills“ (1977–1980), inspirierte nachfolgende Künstlergenerationen dazu, die Thematik Identität und Transformation in diversen Medien zu erkunden. Die Kamera wird als Spiegel oder Bühne für Inszenierungen des Selbst verwendet.
26. Januar 2020
Pablo Picasso, Kopf einer Frau, 4. Dezember 1962, Bleistift auf geschnittenem und gefaltetem Papier, 42 x 26.5 cm (Musée national Picasso-Paris, Pablo Picasso gift in lieu, 1979, MP1850. Photo © RMN-Grand Palais (Musée national Picasso-Paris) / Béatrice Hatala. © Estate of Pablo Picasso / Artists Rights Society (ARS), New York)

London | Royal Academy of Arts: Picasso und Papier

Pablo Picassos lebenslange Beschäftigung mit Papier ist Gegenstand der wegweisenden Ausstellung „Picasso und Papier“. Mit fast 300 Werken aus der gesamten Karriere des Künstlers bietet „Picasso und Papier“ neue Einblicke in den kreativen Geist und die Arbeitsweise von Picasso (Frühjahr 2020).
Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.